Airthings-Gründer Erlend Bolle

Airthings-Gründer im Interview: „Leider ist Radon geruchlos, farblos und geschmacklos“

Radon kann Lungenkrebs verursachen. Doch kaum ein Sensor erkennt das radioaktive Gas. Gründer Erlend Bolle erklärt, was Airthings anders macht.

Der Rauchmelder ist bereits Pflicht. Doch auch freiwillig installieren viele Menschen Sensoren in ihren Wohnungen. Die Smart-Home-App meldet sich dann mit einer Warnung, wenn bestimmte Werte über- oder unterschritten werden.

Das radioaktive Gas Radon wird dabei leider oft übersehen. Im letzten Jahr haben wir in einem Beitrag schon erklärt, wie Radon eure Gesundheit gefährdet. Das Bundesamt für Strahlenschutz geht davon aus, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 2.000 Menschen sterben, weil sie Radon ausgesetzt waren.

Das norwegische Unternehmen Airthings hat sich auf die Erkennung von Radon spezialisiert. Wir haben mit Erlend Bolle gesprochen. Er ist einer der Gründer und CTO von Airthings.

Trendblog: Herr Bolle, Sie haben am CERN zu den großen Fragen der Physik geforscht. Was ist so spannend daran, danach Sensoren zu entwickeln, die sich die Leute in den Keller hängen, weil dort eventuell Radon ins Haus gelangen könnte?

Erlend Bolle: Wir geben unseren Kunden Kontrolle über ihre Luftqualität mit Produkten, die Radon langfristig messen. Dank unserer Luftmonitore sehen Nutzer, wie sich die Radon-Konzentration von Tag zu Tag und nicht nur im Durchschnitt über einen bestimmten Zeitraum verändert. Denn eines ist wichtig: Genau zu wissen, wie viel, wann und wie lange sie der radioaktiven Strahlung durch Radon ausgesetzt sind. Ein einmaliger, kurzfristiger Durchschnittswert kann ihnen das nicht sagen.

Sie haben Airthings schon 2008 zusammen mit Koki Yoshioka and Bjørn Magne Sundal gegründet, damals noch unter dem Namen Corentium. Drei Jahre haben Sie gebraucht, um das erste Produkt auf den Markt zu bringen. Was ist so kompliziert daran, Radon zu erkennen?

Es hat eine Weile gedauert, bis unser erstes Produkt entwickelt und hergestellt wurde, vor allem weil noch nie jemand einen batteriebetriebenen digitalen Radondetektor hergestellt hatte. Wir haben unser Produkt entwickelt, als es auf dem Markt nur sehr wenig Vergleichbares gab – zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Radontests in über 30 Jahren nicht geändert. Zweitens wollten wir ein qualitativ hochwertiges und wirklich genaues Produkt, was umfangreiche Tests mit sich brachte.

Viele Menschen sehen eine mögliche Radonvergiftung als ein abstraktes Problem. Der Körper reagiert nicht sofort, sondern erst viel später. Dann leider oft mit Krebs. Wie lassen sich die Menschen für dieses Gesundheitsrisiko sensibilisieren – und zwar bevor sie sich einen Ihrer Detektoren aufhängen?

Leider ist Radon geruchlos, farblos und geschmacklos und kann ohne einen Radontest oder
Radonmonitor nicht nachgewiesen werden. Als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs ist es wichtig, auf Radon zu testen, um seine eigene Gesundheit und die der Familie zu schützen.

Airthings hat sich zwar auf die Erkennung von Radon spezialisiert, doch ihre Geräte können auch mehr. Wie müsste ein Detektor aussehen, der alles kann? Wann werden Sie den anbieten?

Unser Spitzenprodukt Airthings Wave Plus verfügt über unsere Airthings Radon-Erkennungstechnologie sowie Sensoren für andere Schadstoffe in Innenräumen wie Kohlendioxid, VOCs und Feuchtigkeit.

Radon aufzuspüren, ist nur der erste Schritt. Dann heißt es: lüften, lüften, lüften. Oder den Handwerker rufen. Doch viele machen das dann trotzdem nicht. Wie können bedrohte Menschen dazu gebracht werden, ihr Verhalten zu ändern, wenn sie den Kopf in den Sand stecken?

Wir wollen die Angst vor Radon nehmen. Das Testen ist einfach. Wer die Radonwerte im eigenen Zuhause kennt, kann beruhigt sein. Selbst wenn sie hohe Werte haben, helfen meist einfache Schritte, um unter den Grenzwert zu kommen. An erster Stelle steht, häufiger zu lüften und die Belüftung grundsätzlich zu verbessern. Mehr frische Luft im Haus verbessert die Luftqualität allgemein.

Radonsensor Airthings Wave

Der Radonsensor Airthings Wave zeigt Luftqualität und Radongehalt in den Ampelfarben grün, gelb, rot an (Bild: Airthings)

Wenn das nicht ausreicht, muss verhindert werden, dass Radon ins Haus gelangt. Dazu müssen im Keller Risse im Mauerwerk und Öffnungen rund um Rohrleitungen und Ähnliches gründlich abgedichtet werden. Denn Radon gelangt durch den Erdboden ins Haus. Sollten nach diesen Maßnahmen immer noch zu hohe Radon-Werte vorliegen, empfehlen wir einen Radonfachmann zu kontaktieren und ein professionelles System zur Radonminderung installieren zu lassen.

Nachfrage: Wird Airthings etwas in diese Richtung anbieten? Immer wiederkehrende Erinnerungen in der App? Größere Lösungen wie Belüftungsanlagen? Oder bleiben Sie dabei, die Gase lediglich aufzuspüren?

Wir arbeiten an einigen aufregenden Ergänzungen der Wave App, um unseren Kunden noch mehr Kontrolle und Verständnis darüber zu geben, welche Schadstoffe in ihrer Luft sind und was sie dagegen tun können. Und jetzt mit unserem Hub sind ihre Daten live. Das bedeutet, dass Nutzer unsere Geräte mit anderen intelligenten Produkten verbinden und bei Bedarf beispielsweise ein Lüftungssystem oder einen Luftreiniger automatisch einschalten lassen können.

Luftqualität in der Wohnung: Radon gefährdet eure Gesundheit

Können Sie uns schon verraten, woran Airthings gerade arbeitet? Was wird ihr nächstes Produkt sein?

Derzeit arbeitet Airthings an einigen Ergänzungen unserer App, neuen Benachrichtigungen und einem neuen Produkt. Mehr dazu kann ich Ihnen noch nicht sagen, aber wir freuen uns, Ihnen unsere neuen Funktionen mitzuteilen, sobald sie fertig sind!

Herr Bolle, wir danken für das Interview!

Mehr Infos zu Airthings gibt es auf deren Website. Die Radon-Sensoren erhalten ihr auch bei Euronics.

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Ein Kommentar zu “Airthings-Gründer im Interview: „Leider ist Radon geruchlos, farblos und geschmacklos“
  1. Danke, ein interessanter Bericht/Interview über ein Produkt das ich nicht brauche statt der häufigen MarketingTextWiederholungen von „will haben“ lifestyle Produkten.

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