Wie gut eignen sich Chromebooks fürs Studium?

Ihr seid auf der Suche nach einem Notebook fürs Studium? Dann könnten Chromebooks eine Alternative zu Windows-Rechnern und Apple Macbooks sein. Trendblogger Daniel Wendorf hat sich auf das Experiment eingelassen.

Wie gut eignen sich Chromebooks fürs Studium?

Neues wagen – auch im Studium

Ich brauchte einen neuen Studien-Laptop und wollte Neues wagen. Kein Windows, kein Linux, kein Apple-Rechner. Stattdessen sollte ein Chromebooks den Vorzug erhalten.

Googles Notebook-Kategorie ist auch nach Jahren vielen Nutzern unbekannt. Die einst für den Always-online-Einsatz konstruierten Geräte eignen sich für die meisten Alltagsaufgaben und einige spezielle Anwendungsgebiete. Zudem sind sie meist günstiger als Windows-PCs oder Macs.

Besser studieren mit Notebook und Smartphone

Als Doktorand der Geschichte sollte ein Notebook es mir ermöglichen, mobil zu arbeiten. Dazu gehört das Texteschreiben, Recherchieren und die Literaturverwaltung über Anwendungen wie Citavi. Das bedeutet zudem, dass das Display entspiegelt, auf der Tastatur bequem zu tippen und die Akkulaufzeit lang sein sollte. Meine Wahl fiel auf das Acer Chromebook 315 für 380 Euro.

Sieht aus wie ein typisches Windows-Notebook und verfügt über USB-C, USB-A-Buchse, MicroSD-Slot und 3,5-mm-Klinke: Das Acer Chromebook 315. Meine Wahl als neues Studien-Notebook.

Seit dem Kauf sind fünf Wochen vergangen. Wenngleich das Notebook häufig begeistert, gibt es Aspekte, die negativ auffallen oder wenig verständlich sind. Dass Chromebooks ihr Potential nicht entfalten, haben wir in einem 2019 erschienen Artikel eingehend beleuchtet. Weiterhin geben wir Infos dazu, wie ihr von Windows auf Chrome OS umgeseigen könnt. Und doch bleibt es eine Herausforderung.

Top und Flop: Betriebssysteme und App-Auswahl

Was sollten Studierende von ihrem Chromebook erwarten können? Zunächst einmal die Erfüllung des ADEL-Prinzips aus unserem Studien-Special. Akkulaufzeit, Display, Ergonomie und Leistung müssen stimmen. Darüber hinaus sollten die im Studium sinnvollen Anwendungen darauf laufen.

Chromebooks Workflow
Die Bibliothek durchforsten, nebenher schreiben und bequem suchen, wenn ihr weitere Infos braucht: Das Chromebook kann in schreib- und rechercheintensiven Studienfächern euren Workflow beschleunigen.

Dafür stehen die Zeichen gut. Chromebooks vereinen drei Betriebssysteme unter einer Oberfläche. Neben Chrome OS könnt ihr mit Android und einer Linux-Umgebung arbeiten. Parallel, ohne das Notebook neu zu starten. Klingt gut? Schon, wenn Google sich hier nicht den Stock zwischen die Beine hauen würde. Nur im Entwicklermodus stehen alle Funktionen zur Verfügung. Versucht ihr es ohne, sind beispielsweise Installationen von Android-Apps außerhalb des Google Play Stores unmöglich. Vielleicht tut sich hier etwas, wenn Google den nächsten Schritt geht und über die Virtualisierungsumgebung Parallels auch Windows-Anwendungen zum Laufen bringt.

Für Schreibwütige perfekt

Studiert ihr in einem recherche- und schreibintensiven Fach wie Geschichte, Philosophie oder Sprachwissenschaften, findet ihr auf dem Chromebook die gängigen Anwendungen. Mit Chrome ist ein flotter Webbrowser vorinstalliert. Dokumente speichert das Chromebook im internen Speicher und wahlweise im Google Drive.

Chromebooks Studium
Via CrossOver laufen auch Windows-Programme. Die Auswahl ist aber eingeschränkt. Selbst als kompatibel markierte Anwendungen wie Citavi laufen nicht immer.

Microsoft Word könnt ihr mit eurem Uni-Account nutzen. Und es gibt eine Reihe von (größtenteils kostenlosen) Alternativen zu den genannten Desktop-Apps.

Die Lücken klaffen bei spezieller Software, die vorrangig in MINT-Fächern, ingenieurstechnischen Studiengängen und im Zuge empirischer Erhebungen zum Einsatz kommen. CAD-Software, SPSS und Co. auf diesen Geräten zum Laufen zu bringen, ist nahezu unmöglich. Was ich vermisste, war Citavi. Die auf Windows so populäre Literaturverwaltung gibt es nicht für Android oder Chrome und in der VM-Umgebung Crossover läuft sie trotz eingetragener Kompatibilität nicht.

Kurzum: Setzt euer Studienfach viel Recherche und Lektüre voraus, ist das Chromebook eine geeignete Alternative zu Windows, Linux und Mac. In technischen Studiengängen ist das Google-Notebook bislang wenig brauchbar.

Top: Akkulaufzeit und Alltagsperformance

Manche Chromebooks sind echte Dauerläufer und halten mit einer Akkuladung 8 Stunden oder länger durch. Das von mir gekaufte Acer Chromebook 315 (2018) spart diesen Punkt im Datenblatt aus. Ich rechnete mit 4 bis 6 Stunden, was okay wäre. Dass es einen ganzen Studientag (8 Arbeitsstunden) durchhält, überraschte mich daher positiv.

Mit 45% Akku noch 4 Stunden arbeiten? Ein realistischer Wert.

Googles Notebook-Sparte setzt auf flotte SSD-Speicher. Unabhängig vom Hersteller brauchen die Geräte wenige Sekunden, bis sie betriebsbereit sind. Daten schreiben, verschieben oder duplizieren geschieht in Windeseile.

Ähnlich flink sind die Anwendungen. Chrome-Browser, Microsoft Word, im Hintergrund ein Videoschnittprogramm und zwei Spiele sind gleichzeitig geöffnet? Damit kommt es dank cleverem Speichermanagement klar. Im Studium heißt das, alle relevanten Seiten und Anwendungen zeitgleich nutzen zu können. Ohne dass die Performance in die Knie geht oder ein Absturz droht.

Gemischte Gefühle: die Modellauswahl

Chromebooks fristen ein Nischendasein in der öffentlichen Wahrnehmung und in den Elektromärkten. Verschämt sind eine Handvoll Google-Notebooks aufgebaut, erdrückt von Windows-Rechnern und Apples MacBook-Avantgarde.

Dabei lohnt es, sich mit den aktuellen Modellen auseinanderzusetzen. Denn für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der 10,1-Zoll-Minirechner Lenovo IdeaPad oder ein voll ausgewachsenes 15,6-Zoll-Monstrum? Brillantes OLED-Panel oder entspiegeltes Display? Flip-Funktion á la Asus Chromebook C436?

Für jeden Geschmack gibt es das passende Chromebook.

Je klarer eure Vorstellung davon ist, welche Ausstattung euer Chromebook haben soll, umso schneller kommt ihr zu diesem einen Modell, das eure Bedürfnisse erfüllt. Das könnt ihr auch umgekehrt lesen: Manchmal bleibt nur ein Modell übrig. Für mich waren ein entspiegeltes 15,6-Zoll-Display, Nummernblock und ein stabiles Scharnier entscheidend. Zwei Geräte von Acer boten das, das günstigere nahm ich.

Das geht besser: Google Assistent, Desktop-Funktionalität und Rechte-Management

Ursprünglich sollten Chromebooks immer mit dem Internet verbunden sein. Davon verabschiedete sich Google bald, Überbleibsel des Ansatzes findet ihr dennoch. Die Tastatur schmückt statt einer Feststell- eine Suchen-Taste. Drückt ihr sie, öffnet sich sofort ein Eingabefeld, in das ihr eure Suchanfrage schreibt. Die Ergebnisse erscheinen binnen Sekundenbruchteilen. Wozu tippen? Der unter Android etablierte, sprachgesteuerte Google Assistent schaffte es mittlerweile irgendwie nach Chrome OS. »Irgendwie«, weil er nicht standardmäßig aktiv und nur über kleine Umwege zu erreichen ist. Schade, denn durch die Ok-Google-Anfragen könnten Chromebooks die Internetsuche noch komfortabler gestalten.

Chromebooks Studium
Die Suchen-Taste ist prominent platziert. Auffällig: Eine Systemtaste wie bei Windows oder Mac gibt es nicht.

Ebenfalls ein Überbleibsel frühester Chrome-OS-Tage ist der leere Desktop. Den Hintergrund könnt ihr mit einem eigenen Bild verzieren, das war es aber schon. Anwendungen und Dateimanager sind in der Ablage am unteren Bildschirmrand und im App-Drawer gesammelt. Wie praktisch aber wäre es, den Desktop effektiv zu nutzen? Verknüpfungen anzulegen, Widgets für Kalender und Wetter einzurichten und damit viele Informationen auf einen Blick zu erhalten? Ein Gedankenspiel, das Google so schnell wohl nicht umsetzt.

Chromebook Drawer
Anwendungen und Apps sortierte das Chromebook im Drawer. Der Desktop-Hintergrund hingegen dient nur der Zierde.

Was eher verwirrt, ist die Rechteverwaltung. Wie bereits erwähnt, könnt ihr den vollen Umfang (darunter den Sideload von Android-Apps) nur im Entwickler-Modus nutzen. Schaltet ihr in diesen aus oder wechselt zurück in den regulären Nutzermodus, dann tilgt das Chromebook alle Apps und Dateien aus dem Speicher. Ihr startet demnach wieder mit einer frischen Installation ohne »Altlasten«. Mit einem Update für Chrome OS ließe sich dieser Mangel beheben. Analog zu Android wären ein paar Häkchen in den Systemeinstellungen meiner Meinung nach ausreichend, um Nutzerinnen und Nutzer vor schädlichen Sideloads zu schützen. Im Gegenzug profitierten sie von einer erheblich erweiterten Anwendungswauswahl.

Fazit: Ja, Chromebooks eignen sich fürs Studium, aber…

Ihr studiert in MINT-Fächern oder einer Ingenieursdisziplin? Dann sind Chromebooks keine Geräte, die euch im Studium helfen. Studierenden aller anderen Richtungen sei empfohlen, neben Windows und Mac die Google-Alternative zu checken. Das Preis-Leistungsverhältnis der Chromebooks ist top, die Akkulaufzeit im Studienalltag ohnegleichen.

Chromebook statt Windows: So steigt ihr ohne (großen) Komfortverlust um

Aus der breiten Modellpalette findet ihr ein passendes Gerät, sofern ihr vorab wisst, was es können und bieten soll. Gemischte Gefühle haben wir nur bei der stiefmütterlichen Behandlung, die Google seinem Chrome OS zuteil werden lässt. Diese Gerätekategorie könnte so viel mehr, wenn der Suchmaschinenhersteller die offensichtlichen Baustellen abräumte.

Eine Auswahl an Chromebooks findet ihr bei Euronics.

Jetzt kommentieren!

Schreibe einen Kommentar

*
Bitte nimm Kenntnis von unseren Datenschutzhinweisen.