Was weiß WhatsApp über mich?

Der beliebte Messenger WhatsApp gehört seit einigen Jahren zu Facebook. Ist er damit genau so neugierig? Wir haben mal nachgeschaut und waren durchaus positiv überrascht: So viel weiß WhatsApp gar nicht.

Datensammelkrake WhatsApp! Die gehören doch eh zu Facebook und wollen nur meine Gespräche ausspionieren!!1!!11!

Immer mit der Ruhe. Denn ihr könnt selbst herausfinden, was der Messenger über euch weiß. So viel ist das gar nicht.

Seit dem Einführen der DSGVO ist es einfacher zu erfahren, was ein soziales Netzwerk oder im Fall von WhatsApp ein Messenger über euch weiß, welche Daten gespeichert und unter Umständen weitergegeben werden. Ähnlich wie bei Facebook und bei Instagram fordert ihr auf Wunsch eure sogenannte „Account-Info“ an. Doch nicht nur das: Auch die Datenschutzerklärung ist aufschlussreich.

Nutzerdaten von WhatsApp anfordern

Mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU sind Anbieter wie WhatsApp dazu gezwungen, einen Abruf personenbezogener Daten leicht zugänglich zu machen. Und tatsächlich ist der Aufwand ein geringer: Startet die App, wechselt zu den Einstellungen und wählt dort den Punkt „Account-Info anfordern“. Warum es drei Tage dauert, bis ihr den Bericht erhaltet? Das wird an keiner Stelle verraten.

Den Bericht könnt ihr leicht anfordern. (Foto: Screenshot / WhatsApp)

Den Bericht könnt ihr leicht anfordern. (Foto: Screenshot / WhatsApp)

Sobald der Bericht verfügbar ist, werdet ihr direkt in der App benachrichtigt. Das gepackte ZIP-Archiv wird dummerweise nur auf euer Smartphone geladen, in dem File befindet sich eine HTML-Seite sowie eine JSON-Datei zum Exportieren in andere Anwendungen. Besonders komfortabel ist das alles nicht gelöst, auch weil das Anfordern und Downloaden nicht über die Web-Version von WhatsApp verfügbar ist.

Wichtiges Detail: Der Gesprächsverlauf befindet sich nicht in dem File, den könnt ihr aber über die bekannte Backup-Funktion sichern, wiederherstellen oder herunterladen. Unter Android landet alles bei Google Drive, unter iOS in der iCloud. Das ist ebenfalls echt nicht bequem anzuwenden und abzurufen. Hier hätte ich mir ein Angebot ähnlich wie bei Facebook gewünscht – mit eigener Oberfläche, guten Erklärungen und einer Erreichbarkeit über den Browser eines „großen“ Rechners, also Laptops oder Desktop-PCs.

Auf einem Desktop-Rechner findet ihr keine Optionen. Ärgerlich. (Foto: Screenshot)

Auf einem Desktop-Rechner findet ihr keine Optionen. Ärgerlich. (Foto: Screenshot)

WhatsApp sammelt weniger Daten als befürchtet

Schaut ihr euch die heruntergeladenen Dateien genauer an, folgt wohl recht schnell die Ernüchterung – wenn auch im positiven Sinne. Denn während die JSON-Datei kaum Fakten verrät, da es sich hierbei eher um Konfigurationen und zum Beispiel eure Profilbeschreibung handelt, findet ihr in dem anderen Bericht keinerlei Kontaktdaten eurer Freunde, sondern ausschließlich deren Telefonnummern. Klar: Mit dieser kann WhatsApp auch Verbindungen herstellen.

In der Smartphone-App findet ihr die Option unter "Account-Info anfordern". (Foto:

In der Smartphone-App findet ihr die Option unter „Account-Info anfordern“. (Foto:

Auch so wirkt besagter Bericht aufgeräumt, das Speichern der angegebenen Informationen erscheint sogar nachvollziehbar. Schließlich wollt ihr einen Messenger benutzen, also werden auch Telefonnummer, Profilbild und die Namen der Gruppen benötigt. Mit dabei sind ebenfalls die letzte eingesetzte IP-Adresse, das verwendete Smartphone (Hersteller, Typ, Betriebssystem), die installierte App-Version und euer Mobilfunkbetreiber. Status („Zuletzt online“) und blockierte Kontakte sind weitere Elemente, die ihr einsehen könnt.

Standardmäßig kennt WhatsApp nicht einmal euren realen Namen, zumindest wird dieser nicht in der HTML-Datei dargestellt.

Was passiert mit euren Daten?

Wie gesagt: Das, was WhatsApp über euch weiß, ist überschaubar. Entscheidender ist aber sicherlich die Frage, was mit den Daten passiert. Hier geben die stets einsehbaren Nutzungsbedingungen und die Datenschutzrichtlinie Aufschluss.

Ein wirklich wichtiger Punkt ist, dass die Nachrichten mit Text, Fotos, Videos, Sprache, Ortsangaben oder Dateianhängen nicht dauerhaft auf den Servern von WhatsApp verbleiben. Nach der erfolgreichen Zustellung werden diese Informationen nur auf eurem Smartphone gespeichert, nicht auf einem Server oder in der Cloud (Backup ausgenommen). Ist ein Versand zum Empfänger nicht möglich, löscht WhatsApp die Nachricht nach 30 Tagen automatisch.

Alle Infos findet ihr in den übersichtlichen Erklärungen direkt bei WhatsApp. (Foto: Screenshot)

Alle Infos findet ihr in den übersichtlichen Erklärungen direkt bei WhatsApp. (Foto: Screenshot)

Wie Instagram gehört auch WhatsApp zum Facebook-Konzern. Daher erfolgt dann doch eine Verwendung der zur Verfügung stehenden Daten und der Dienste von Facebook. Analysetools beispielsweise kommen zum Einsatz, mit denen man uns besser kennenlernen kann. WhatsApp nennt dies in den eigenen Nutzungsbedingungen „Datenaustausch“.

Muss ich mir Sorgen machen?

WhatsApp erklärt euch ganz genau in der Datenschutzrichtlinie, dass auch Dienste Dritter Zugriff auf Teile eurer Informationen erhalten können. Zum Beispiel, wenn ihr Nachrichten teilt. Genauso aber kann WhatsApp an Drittanbieter Daten weiterreichen – im Rahmen der Zusammenarbeit mit diesen. Ausgedrückt wird dies von offizieller Seite so: „Wir arbeiten mit Drittanbietern und den Facebook-Unternehmen zusammen, die uns dabei helfen, unsere Dienste zu betreiben, anzubieten, zu verbessern, zu verstehen, zu individualisieren, zu unterstützen und zu vermarkten.

Habt ihr Fragen? (Foto: WhatsApp)

Habt ihr Fragen? (Foto: WhatsApp)

In Aussicht stellt WhatsApp dadurch zum Beispiel „gewerbliche Nachrichten“, die Firmen zusenden könnten. Versandbenachrichtigungen, Bestellungen oder dergleichen. Werbebanner, beispielsweise individuell auf euch zugeschnittene Anzeigen, schließt man dagegen aus. Vorerst.

Solltet ihr weitere Details wünschen und Fragen haben, beantwortet der Support dies sogar persönlich nach Ausfüllen eines Formulars auf WhatsApp.com.

Persönlich bin ich schon etwas überrascht darüber, dass gar keine Datensammelwut betrieben wird und ich gut verstehe, wieso diese und jene Fakten verwendet werden. Im Gegenzug bekomme ich auch einen für mich sinnvollen Messenger, den ich ohne Gebühren benutzen kann. Ob dieser „Deal“ fair für beide Seiten ist – ich denke, das müsst ihr individuell für euch entscheiden. Bezogen auf das, was WhatsApp über euch weiß, sehe ich zumindest keine beunruhigenden Hintertürchen, die bewusst offengelassen werden.

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2 Kommentare zu “Was weiß WhatsApp über mich?
  1. Dieser Beitrag ist mir leider etwas zu einseitig geschrieben. Danach ist WhatsApp ja überhaupt kein Problem du die Daten, die Übertragen werden sind ja fast gar keine.

    Es ist dabei egal ob der reale Name übertragen wird oder nicht. Jedenfalls ist die Telefonnummer eindeutig mit einer evtl. bei FB hinterlegten Nummer abzugleichen. Darum geht es wohl.

    Außerdem werden die Kontakte übertragen. Die wiederum werden bestimmt nicht gefragt, ob sie das möchten. Diese haben ja auch Telefonnummern, die wiederum abgeglichen werden können.

    So unproblematisch und einseitig, wie hier geschrieben, ist es sicher nicht.

    Und.. Wenn FB keinen oder keinen, bzw. nur einen ‚geringen‘ Nutzen hätte, dann frage ich mich wieso FB einen Haufen Geld für WhattsApp ausgegeben hat.

    • Wieso ist das einseitig? Und von unproblematisch war doch gar nicht die Rede. Ich sage doch klar, dass ein Datenabgleich über die Nummern möglich ist. Und dass ein Datenaustausch mit Facebook explizit in den Erklärungen möglich und vorgesehen ist. Ob man das fair findet, das möchte ich nicht beurteilen. Das muss jeder für sich entscheiden. Ich als Anwender finde den Deal für mich okay. Viel fragwürdiger ist für mich Instagram. Und so gesehen auch Facebook selbst.

      Dass Whatsapp kein Nutzen für Facebook ist, hab ich nicht erwähnt. Das ist deine Interpretation. 🙂 Klar lohnt sich das. Wobei man hier auch sagen muss, dass Whatsapp perspektivisch ein klar erkennbares Businessmodell bekommen dürfte. Da passiert in USA schon mehr als hier.

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