Warum das Google Pixel so teuer ist

Das Pixel-Smartphone von Google hat einen positiven ersten Eindruck hinterlassen. Beklagt wird vor allem der hohe Preis, gefolgt vom Zweifel, ob es oft über die Ladentheke gehen wird. Doch der eingebaute Assistent könnte vielen der Preis wert sein.

Das iPhone ist immer noch das Maß der Dinge, wenn es darum geht, wie ein neues Smartphone eingeordnet werden soll. Das neue Google Pixel schlägt sich dabei recht gut (Snapdragon 821, angeblich eine überragende Kamera, Android 7.1 Nougat) – einigen jedoch nicht gut genug. Doch das Pixel ist mehr als nur Hardware: ein derzeit exklusiver Direktzugang zur künstlichen Intelligenz aus dem Hause Google (zumindest auf einem Smartphone). Auch hier relativieren einige und sehen AI (Artificial Intelligence) als ein Modethema. Doch der Google Assistent wird unterschätzt. Er ist nicht bloß eine neue Funktion, sondern könnte Googles Geschäftsmodell nachhaltig verändern. Der hohe Preis des Pixels kündigt dies bereits an. Zwischen 759 und 1.009 Euro muss für das Gerät gezahlt werden.

Falls Werbeeinnahmen nicht mehr sprudeln

Google ist die größte Suchmaschine und auch noch die beste. Das Geld wird aber fast ausschließlich mit der Vermittlung von Werbung verdient. Deshalb war es bislang ziemlich egal, wieviele Smartphones der Nexus-Serie Google verkauft hat. Wichtig war lediglich, dass auf möglichst vielen Smartphones Werbung angesehen wurde, an den Google mitverdient. Sei es im Huckepack von Google-Software oder auf mobilen Websites. Der Verkauf von Smartphones ist deshalb ein Null-Summen-Spiel gewesen: Wer kein Nexus kaufte, griff vielleicht bei Samsung zu, bescherte Google aber durchaus Einnahmen in gleicher Höhe. Mehr oder weniger gilt dies auch fürs iPhone.

Dennoch hat sich etwas geändert: Facebook hat sich ein großes Stück vom Werbekuchen geholt, der zum Teil nun Google fehlt. Und die Orte, an denen Google Werbung schaltet, verlieren an Bedeutung: Statt neue Informationen über Google zu suchen oder Websites direkt anzusteuern, bewegen sich viele Internetnutzer in einem ziemlich engen Bereich. Oft ist das Facebook, in Zukunft sollen das aber Messenger wie WhatsApp sein, die per Bot Zugang zu allen gewünschten Informationen bieten – vermittelt durch künstliche Intelligenz.

Kann Google mit dem Assistenten Geld verdienen?

In der in die Jahre gekommenen Suchmaschine zeigt Google immer zehn Suchergebnisse an (garniert mit Anzeigen). Auf eine Frage, eingetippt in einen Messenger oder in das Mikrofon des Smartphones gesprochen, wird es in Zukunft jedoch nur eine Antwort geben – die beste und ohne Werbung. Wie würdet ihr denn reagieren, wenn auf die Frage: „Wann fährt mein nächster Zug vom Hauptbahnhof?“ die Antwort käme: „In zwei Minuten. Aber bevor ich sage von welchem Gleis, kommt erst einmal Werbung“?

Dieses Beispiel ist selbstverständlich konstruiert: Ein Assistent, der beim Autofahren die Route ansagt, wird schon einen ruhigen Streckenabschnitt finden, auf dem er die nächsten Einkehrmöglichkeiten ankündigt. Aber dabei handelt es sich dann stets um eine Unterbrechung, die dem Nutzer aufgezwungen wird. Bislang sieht er die Google-Werbung, wenn er seine Mails liest oder in der Suchmaschine bzw. auf Websites nach Informationen sucht – also wenn er bereit ist, Neuigkeiten aufzunehmen.

Android können alle haben, den Google Assistant aber nicht

Wie will Google also in Zukunft Geld verdienen? Klar, weiterhin mit Werbung. Aber nicht nur. Auch mit Geräten. Es wurde ja nicht nur das Pixel vorgestellt, sondern auch Google Home, Google Wifi und Chromecast Ultra – allesamt kein Zubehör, das nice to have ist, sondern das konkrete Aufgaben übernimmt, deren Bewältigung irgendwann einmal ein must have sein soll. Aber zurück zum Pixel: Es ist nicht sein Geld wert, weil es sich technisch und im Design auf Augenhöhe mit dem iPhone befindet, sondern weil es mehr bietet: den Assistenten – und zwar in dieser Form exklusiv, auch in der Android-Welt.

Es wäre ein guter Schachzug, wenn er auch exklusiv bleiben würde. Nur wenn die Software an die Hardware gebunden wäre, hätte sie einen Preis. Niemand sollte dann darauf hoffen, dass der Preis so schnell sinken wird wie bei den Nexusgeräten bisher. Die wurden teilweise verramscht, als sie zum Ladenhüter wurden. Es würde eher wie beim iPhone sein, wo der Preis bis zum Erscheinen des Nachfolgers hochgehalten wird.

Und jetzt wird vielleicht auch klar, warum Google seinem Smartphone einen neuen Namen gegeben hat und zum ersten Mal darauf verzichtet, seinen Hardware-Partner hervorzuheben. HTC ist für Google nicht mehr als Foxconn für Apple. Diese Strategie wird aufgehen, wenn der Google Assistent seine Erwartungen erfüllt und er besser sein wird als das, was sich Apple, Samsung, Microsoft und Facebook in Zukunft noch ausdenken werden.

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