Razer Anzu im Test: Smarte Sonnenbrille mit Audio

Die Razer Anzu ist eine smarte Brille, die sich ganz anders präsentiert als gedacht. Wir haben sie getestet – und sind etwas unschlüssig.

Razer Anzu im Test: Smarte Sonnenbrille mit Audio

Augmented Reality, Displays für Zusatzinformationen, Audioübertragung über Knochenschall, unabhängiger Einsatz vom Smartphone – all das bietet die Razer Anzu nicht. Laut Razer ist sie dennoch smart, was letztlich bedeutet: Ihr könnt mit ihr Sprachassistenten nutzen, Telefongespräche führen und Musik hören. Nur sind die über 200 Euro, die die Brille letztlich kostet, angemessen?

Eine smarte Brille? Die Razer Anzu klingt verlockend, aber... (Foto: Sven Wernicke)
Eine smarte Brille? Die Razer Anzu klingt verlockend, aber… (Foto: Sven Wernicke)

Ausgepackt und angefasst: So fühlt sich die Razer Anzu an

Von der Razer Anzu gibt es zwei Modelle: Eine Variante mit eckigen Gläsern und eine mit runden. Ich erhielt zum Testen die runde Ausgabe in der Größe L. Und schon beim Auspacken dachte ich: Hilfe, die ist ja riesig! Tatsächlich könnte ich die Brille über meiner normalen Brille tragen, was die Dimension vielleicht andeutet. Ich bin mir nicht sicher, ob ich in der Öffentlichkeit ein solches „Monster“ nutzen würde, aber einerseits können Interessierte ja Anzu in M erwerben. Andererseits ist die Brille auch für eine Verwendung bei der Arbeit und daheim gedacht.

Die Packung ist stylisch und ansprechend. Ein Etui ist auch mit dabei. (Foto: Sven Wernicke)
Die Packung ist stylisch und ansprechend. Ein Etui ist auch mit dabei. (Foto: Sven Wernicke)

Beim ersten „Rumspielen“ fielen weitere Aspekte auf: Die Touchflächen zur Steuerung der Musik oder Anrufe sind nicht leicht und intuitiv zu ertasten. Sie befinden sich an den Bügeln links und rechts, ihr müsst euch an die Platzierungen erst einmal gewöhnen. Mit einem Gewicht von um die 50 Gramm ist die Razer Anzu recht leicht und fühlt sich auch bei längerer Nutzung nicht unangenehm an. Aber: Das viele Plastik wirkt auch etwas billig. Alles in allem ist sogar mir die Anzu ein klein wenig zu nerdig – jedenfalls in dieser Größe.

Das kann Razer: Die Verpackung der Razer Anzu ist sehr ansprechend. (Foto: Sven Wernicke)
Das kann Razer: Die Verpackung der Razer Anzu ist sehr ansprechend. (Foto: Sven Wernicke)

Razer liefert neben den Standard-Linsen mit 35 Prozent Blauchlichtfilter auch Sonnenbrillen-Gläser mit 99% UVA/UVB-Filter mit. Ihr könnt diese tauschen, aber: Braucht ihr Linsen mit Stärke, müsst ihr bei einem Optiker eures Vertrauens nachfragen, ob er für die Anzu geeignete produzieren kann. Einen Kooperationspartner hat Razer hierzulande noch nicht parat. Ich denke: Die Anzu sieht als Sonnenbrille besser aus, als würdet ihr reguläre Brillengläser nutzen.

Unkomplizierte Einrichtung

Regulär sind die normalen Linsen eingesetzt, ihr könnt also sofort loslegen. Indem ihr die Brille aufsetzt bzw. die Bügel öffnet, schaltet sich die Anzu automatisch ein und wartet auf eine Kopplung mit eurem Smartphone. Ist das erledigt, könnt ihr sie sofort zum Hören von Musik und als Headset fürs Telefonieren benutzen. Die offizielle App ist hierfür nicht erforderlich.

Das ist sie - die smarte Brille von Razer. (Foto: Sven Wernicke)
Das ist sie – die smarte Brille von Razer. (Foto: Sven Wernicke)

Für den vollen Funktionsumfang braucht’s dann doch die App, in der ihr die Toucheingaben konfiguriert. Durch Mehrfachbelegungen ist es kein Problem, Musik abzuspielen, zu pausieren oder fortzusetzen und zurück zu springen. Ähnlich komfortabel und gut durchdacht ist die Steuerung beim Anrufen.

Am Smartphone wählt ihr auch aus, welchen Sprachassistenten (Google Assistant, Alexa) ihr favorisiert, den ihr via Sprachbefehl so aktivieren und einsetzen könnt. Und da ist noch der einschaltbare Gaming-Modus, der eine Bluetooth-5.1-Verbindung für eine Soundübertragung mit sehr niedriger Latenz (60ms) erlaubt. Die Tonqualität lässt sich mit fest vorgegebenen Modi ferner geringfügig individualisieren.

Insgesamt ist die Konfiguration und Verwendung der Razer Anzu simpel und eingängig. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie letztlich kaum mehr bietet als moderne Kopfhörer.

Razer Anzu im Alltag: Wozu könnte ich sie gebrauchen?

Razer bewirbt die Anzu mit ihrem Blaulicht-Filter, aber mal ehrlich: Brauchen wir den im (Arbeits-)Alltag dringend? Mittlerweile verfügen nahezu alle Smartphones, Tablets, Laptops, Desktop-Rechner mit externen Monitoren und sogar SmartTVs von Haus über das Reduzieren des vor allem abends unerwünschten blauen Lichts. Wozu dann noch eine Brille extra dafür tragen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

Fürs Homeoffice? So richtig sinnvoll ist das nicht. (Foto: Sven Wernicke)
Fürs Homeoffice? So richtig sinnvoll ist das nicht. (Foto: Sven Wernicke)

Einen viel größeren Mehrwert sehe ich beim Einsatz als Sonnenbrille. Im Sommer braucht’s eine solche, zugleich könnt ihr mit dieser telefonieren und Musik hören, ohne dafür Kopfhörer zu tragen. Das ist schon ganz cool und sicher in vielerlei Hinsicht praktischer als Kopfhörer oder Headset. Wie Außenstehende das wohl finden, wenn ihr telefoniert und keine Ohrstöpsel oder dergleichen zu erkennen sind?

Wie ist die Audioqualität?

Ich finde die Qualität der verbauten Mikrofone vollkommen in Ordnung, zumindest bei meinen Telefonaten zum Testen gab’s beim Gegenüber keinen Grund zur Klage. Die zwei 16mm großen Treiber erzeugen einen soliden Klang, der für mich dennoch recht dünn klingt. Schwächen bei Höhen und Tiefen sind der Konstruktion einer Brille geschuldet. Aber ihr könnt schon ordentlich Musik hören. Ein akustisches Feuerwerk solltet ihr dagegen nicht erwarten.

Gerade die Größe M der Razer Anzu (hier im Bild das L-Modell) kann eine gute Sonnenbrille sein. (Foto: Sven Wernicke)
Gerade die Größe M der Razer Anzu (hier im Bild das L-Modell) kann eine gute Sonnenbrille sein. (Foto: Sven Wernicke)

Was auch nicht perfekt ist: Erhöht ihr die Lautstärke, beschallt ihr auch deutlich hörbar das nahe Umfeld. Ihr neigt also dazu, in der Öffentlichkeit die Musik etwas runterzudrehen, wodurch die Umgebungsgeräusche natürlich wieder präsenter sind.

Razer sieht einen Einsatz der Anzu explizit bei „Work-from-Home-Sessions“, also bei Arbeit im Homeoffice. Hier könnte es unter Umständen sinnvoll sein, die Umgebung akustisch nicht auszublenden, um so auch noch die Kinder im Nachbarzimmer oder den klingelnden Postmann zu hören. Ob man das will, ist sicherlich auch von den eigenen Bedürfnissen abhängig.

Fazit: Für wen ist die Razer Anzu eigentlich geeignet?

Eine teure Blaufilter-Brille für daheim benötige ICH nicht. Und ich denke, das dürfte mittlerweile den meisten so gehen. Persönlich kann ich mir auch nicht vorstellen, dass man im Homeoffice eine Brille tragen möchte, wenn man eigentlich gar keine braucht – unabhängig davon, ob man mit dieser Musik hören oder Telefongespräche führen kann. Welche Vorzüge bietet die Razer Anzu dann?

Die erste smarte Brille von Razer dürfte vor allem als Sonnenbrille eine Bereicherung für viele sein, die so ohne Kopfhörer, Headset oder In-Ear-Lösungen unterwegs sein und trotzdem Musik hören und erreichbar sein wollen. Mit einer Akkulaufzeit von fünf Stunden kommt ihr gut durch über den Tag, an die Bedienung habt ihr euch schnell gewöhnt. Und via USB könnt ihr die Anzu auch unterwegs wieder aufladen.

Alles in allem ist die Razer Anzu ein ganz witziges „Spielzeug“. Und trotz viel Plastik und der enormen Größe ist sie an sich sehr stylisch. Für mich ist sie trotzdem noch recht weit von einem „smart“ entfernt. Ich möchte Augmented Reality und Funktionen, die ich als echte Bereicherung ansehe. Das, was mir die Anzu bietet, ist am Schluss nett. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gefällt euch das Konzept und sucht ihr eh noch eine (Sonnen-)Brille mit etwas Technik, werdet ihr euren Spaß damit haben.

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