Smarte Brillen als nächster Trend: Für Homeoffice, Spaß und Alltag

HoloLens und Google Glass deuteten die Zukunft an, jetzt sollen smarte Brillen wirklich unseren Alltag erobern – im Privaten und bei der Arbeit.

Smarte Brillen als nächster Trend: Für Homeoffice, Spaß und Alltag

Smarte Brillen auf dem Weg in unseren Alltag

Totgesagte leben länger? Smarte Brillen wollten schon vor etlichen Jahren beeindrucken. Doch so recht klappte es nicht – trotz vielversprechender Ansätze wie Google Glass und Microsoft HoloLens. Zweitgenannte Brille findet immerhin im professionellen Bereich noch Verwendung. In Industrie und Forschung nutzen Unternehmen mittlerweile technisch überaus anspruchsvolle VR- bzw. AR-Brillen, um zum Beispiel Prozesse zu visualisieren. Für Privatpersonen ist das in der Regel nichts beziehungsweise viel zu kostspielig.

Das war einmal Google Glass - 2014. Wie geht es mit smarten Brillen weiter? (Foto: Google)
Das war einmal Google Glass – 2014. Wie geht es mit smarten Brillen weiter? (Foto: Google)

„Normalsterbliche“ Anwender im Privaten und im Büro sollen jetzt endlich in den Genuss smarter Brillen kommen. Die unter anderem auf der CES 2021 präsentierten Lösungen nutzen zeitgemäße Technologien, sind kompakt und flexibel einsetzbar.  

Doch was könnt ihr mit den smarten Brillen überhaupt anstellen? Hier einige Vorteile, die sie uns versprechen…

Smarte Brillen sind stylisch, unauffällig und fast wie ein Smartphone

Micro-LEDs machen es möglich: Künftige smarte Brillen sind längst keine klobigen Monster mehr, die niemand in der Öffentlichkeit tragen will. Genau das Gegenteil ist der Fall, wie Hersteller Vuzix auf der CES 2021 zeigte. Die noch namenlosen „Next Generation Smart Glasses“ des auf Industriekunden spezialisierten Datenbrillen-Experten richten sich an Privatanwender und sollen bereits 2021 begeistern.

Interessant ist die smarte Brille von Vuzix deshalb, da sie etliche Elemente eines Smartphones in das Brillengestell integriert. Benachrichtigungen, Reiserouten und andere Informationen projiziert das Gerät direkt vor die Augen und damit ins Sichtfeld des Brillenträgers. Das Brillenglas selbst ist transparent und verfügt über Wellenleiter-Displays. Die Micro-LEDs von der Größe eines Reiskorns führen das Licht zu diesen.

Im Inneren werkelt ein eigenständiger „Computer“ auf Android-Basis, der sich mit einem regulären Smartphone koppeln lässt. Aber: Dank LTE, Bluetooth und WIFI ist wohl auch ein eigenständiger Betrieb angedacht – ähnlich wie bei heutigen Smartwatches. Der Prototyp von Vuzix zeigt die nahe Zukunft: Uns erwarten attraktive und smarte Brillen, die ihren „Nerd-Faktor“ verlieren. Ja, man möchte sie tatsächlich tragen. Die Funktionen konzentrieren sich nicht nur auf das Darstellen von Informationen, auch Augmented-Reality-Elemente sind dank integrierter Sensoren möglich.

Smarte Brillen machen (zusätzliche) Monitore für die Arbeit überflüssig

Wer im Homeoffice tätig ist, kennt das Problem: Das vom Büro gewohnte Arbeitsumfeld mit zwei, drei Monitoren auf dem Schreibtisch gibt’s daheim nicht. Hier könnten smarte Brillen wie zum Beispiel die Lenovo Smart Glasses ThinkReality A3 eine platzsparende Lösung sein. Die auf der CES 2021 erstmals gezeigte Brille verfügt über stereoskopische 1080p-Displays, die – abhängig vom Modell bis zu fünf virtuelle Monitore im Sichtfeld des Anwenders darstellt. Durch integrierte Kameras sind ein präzises Tracking und eine genaue Positionierung des „Bildschirme“ zum Beispiel auf dem kleinen Schreibtisch zu Hause theoretisch kein Problem.

Aber: Smart Glasses wie die von Lenovo mit ihrem Fokus auf Privatanwender und Arbeitende (im Homeoffice) sind noch an einen Rechner oder zumindest ein Smartphone gebunden. Kabelei bleibt also nicht aus, dafür könnten solche Brillen womöglich die Effizienz steigern, ohne dass der Kauf weiterer Monitore nötig ist.

Neue Möglichkeiten des Entertainments

Seitdem Hersteller über smarte Brillen und Augmented Reality sprechen, ist in diesem Zusammenhang auch von einem neuartigen Entertainment die Rede. Microsofts Mixed Reality-Konzept für heimische Computer konnte sich nicht so recht durchsetzen. Andere Ansätze dagegen wie die von Magic Leap und Hololens flossen in neue Entwicklungen ein, die kommende Produkte aufgreifen. Ein aktuelles Beispiel ist die AR-Brille Nreal, die dank der Deutschen Telekom in hiesige Gefilde kommt. Sie soll verdeutlichen, was mit 5G möglich ist.

Die AR-Brille von Nreal richtet sich an Gamer und Entertainment-Freunde. (Foto: Nreal)
Die AR-Brille von Nreal richtet sich an Gamer und Entertainment-Freunde. (Foto: Nreal)

Die Brille selbst verfügt über etliche Sensoren, die eine genaue Orientierung im dreidimensionalen Raum verspricht. Angedacht sind Games, bei denen die Brille reale Umgebungen durch virtuelle Szenen erweitert – klassisches Augmented Reality, sozusagen.

Aber auch andere Anwendungen gehen Richtung Entertainment: Youtube schaut ihr auf einem virtuellen Fernseher, Dokumentationen erlebt ihr mit imposanten Projektionen von zum Beispiel Planeten daheim oder dort, wo ihr gerade seid. Inhalte streamt die Brille über das verbundene Smartphone und ein schnelles 5G-Netz. Und komplexe Berechnungen können perspektivisch direkt in der Cloud erfolgen. Das führt zu technisch spektakuläreren Spielen bei trotzdem kompakten Brillen.

Ja, gerade in den Bereichen Gaming und Unterhaltung sind die Einsatzgebiete kommender Smart Glasses nicht neu. Aber mit dem technischen Fortschritt und schnellen Zugängen zum Internet geht hier noch einiges mehr Richtung „optimale Immersion“.

Smarte Brillen als persönlicher Bildschirm

Eine etwas andere Richtung schlägt Hersteller TCL ein, der seit Jahren an einer eigenen smarten Brille tüftelt. Das Unternehmen stellte auf der CES 2021 sein aktuelles System vor, das über zwei Mini-OLED-Displays mit einer Auflösung von 1080p verfügt. Gegenüber herkömmlichen VR-Brillen oder anderen smarten Brillen mit AR-Fokus ist von einem „persönlichen Display“ die Rede, das ihr stets mit euch herumtragen könnt – eben in Form einer Brille. Setzt ihr diese auf, erhaltet ihr nichts anderes als einen großen Bildschirm, auf dem ihr Filme schaut oder Inhalte von eurem Rechner streamt.

Ein persönlicher Bildschirm in Form einer Brille. (Foto: TCL)

Ähnlich wie bei den Lenovo Smart Glasses ist es die Idee von TCL, reguläre Bildschirme überflüssig zu machen – in diesem Fall durchaus Fernseher. Virtuelle Display-Größen bis zu 140 Zoll, auf die man aus einer Entfernung von 4 Metern schaut, lassen Spielraum für viele Optionen. Bei langen Zug- oder Flugreisen kann man so sicher perfekt abschalten.

Die smarte Brille von TCL sollt ihr gar nicht im Alltag tragen, ihr könnt durch die Brillengläser ohnehin nicht schauen. Diese Peripherie geht in eine ähnliche Richtung wie die Videobrillen vor einigen Jahren, bei denen sogar Sony mit der HMZ-T3 eine im Angebot hatte. Erfolgreich war sie allerdings nicht.

Smart Glasses können auch „weniger“ smart sein

Weniger ist mehr – auch das könnte ein möglicher Weg künftiger Brillen sein. Die Huawei X Gentle Monster Eyewear II und die Bose Frames Tenor verzichten auf Displays. Sie bieten dafür andere „Spielereien“ wie integrierte Lautsprecher und Mikrofone für Telefongespräche, aber auch für Audioaufnahmen und Audio-Streaming. Die Vorteile sind relativ lange Akkulaufzeiten und Potenzial für viele schicke Designs. Und: Beide genannte Brillen sind bereits seit geraumer Zeit erhältlich.

Die bereits erhältlichen smarten Brillen sehen oft wie normale Sonnenbrillen aus, verzichten allerdings auf Displays in den Gläsern. (Foto: Bose)

Wieso muss bei smarten Brillen immer von Projektion von Inhalten die Rede sein? Smart ist auch, wenn eine solche Brille clevere Mehrwerte bietet. Und sei es nur beim Telefonieren.

Smarte Brillen für die Post-Smartphone-Ära

Bevor Apple das erste iPhone veröffentlichte, konnte sich kaum jemand vorstellen, dass ein Smartphone zu einem täglichen Begleiter „mutieren“ könnte. Heute lösen sie stationäre Rechner sowie Digitalkameras ab und erlauben eine nahezu uneingeschränkte Kommunikation mit Freunden. Und sie eignen sich zum Zocken oder für sämtliche Streamingdienste. Sowieso: Sie haben Streaming erst salonfähig gemacht. Und was hat das mit Smart Glasses zu tun?

Wohin geht die Reise bei smarten Brillen? (Foto: Lenovo)
Wohin geht die Reise bei smarten Brillen? (Foto: Lenovo)

Nach den holprigen Gehversuchen in der Vergangenheit deutet Vuzix eine mögliche (!) Zukunftsperspektive an: Mit integriertem Funkmodul, Sprach- und Gestensteuerung sowie leistungsstarken Displays in den Gläsern besitzen solche Brillen nahezu alles, um typische Smartphones abzulösen. Dass Apple angeblich bereits seit Jahren an einer AR-Brille arbeitet, überrascht in diesem Zusammenhang nicht.

Persönlich sehe ich die Chance, dass wir in den nächsten Jahren AR-Brillen auf der Nase, statt das Smartphone in der Tasche tragen. Das setzt freilich eine ausgereifte Technik, ausreichend lange Akkulaufzeiten und genügend Mehrwerte voraus. Aber man stelle sich vor, in einer smarten Brille verbaut Apple zum Beispiel den mächtigen M1-Prozessor aus den Macbooks. Was hier wohl möglich wäre?

Zugegeben: Das ist wirklich Zukunftsmusik, doch halte ich diese Aussicht für nicht unrealistisch. Zumindest mir als Brillenträger könnte es gefallen, würde meine bisherige Brille einiges mehr bieten.

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Ein Kommentar zu “Smarte Brillen als nächster Trend: Für Homeoffice, Spaß und Alltag

  1. Mal sehen, ob ich mir auch so eine hole, aktuell mag ich mein Handy noch zu sehr. Aber interessantes Thema, vielen Dank für den Blog.

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