LTE Max: Das steckt hinter dem neuen Datenturbo eures Providers

Die drei großen Netzbetreiber in Deutschland, Telekom, Vodafone und Telefonica-O2, bieten seit Herbst 2016 ein schnelleres LTE an. LTE Max erlaubt Datenraten bis 375 Mbit/s. Wir verraten euch, wie ihr in den Genuss des Datenturbos kommt.

Schneller geht immer! Wenn ihr mit LTE und Übertragungsraten bis 150 Mbit/s noch nicht zufrieden wart, dann dürft ihr euch künftig über noch mehr Speed freuen. Sowohl die Deutsche Telekom als auch Vodafone und Telefonica O2 bieten seit diesem Herbst LTE Max an und damit noch höhere Datenübertragungsraten im Mobilfunknetz.

Maximale LTE-Geschwindigkeit: LTE Max

LTE Max scheint jetzt der Begriff zu sein, auf den sich die drei Netzbetreiber stillschweigend geeinigt haben. Auch Marketingbegriffe wie LTE Advanced, LTE Plus oder 4.5G machten hier bereits die Runde. Gemeint ist damit mehr oder weniger immer das gleiche: LTE-Geschwindigkeiten jenseits der sonst üblichen 50, 100 oder 150 Mbit/s. Die Technik kann dabei variieren. LTE Max bedeutet bei den Providern jeweils die aktuell verfügbare Höchstgeschwindigkeit.

LTE Max ist nicht gleich LTE Max

Bei der Deutschen Telekom bedeutet LTE Max aktuell Datenübertragungsraten bis 300 Mbit/s, Vodafone wirbt mit einer derzeitigen Maximalgeschwindigkeit von 375 Mbit/s, Telefonica O2 mit 225 Mbit/s. Es unterscheidet sich dabei von Anbieter zu Anbieter, wo diese aktuell höchsten Übertragungsraten verfügbar sind. Meist handelt es sich dabei um Insellösungen, die sich vor allem zunächst auf Ballungsgebiete konzentrieren. Keinesfalls darf man damit rechnen, dass derart hohe Übertragungsraten im gesamten Netz zur Verfügung stehen. Aber da erzähle ich euch sicher nichts Überraschendes.

Entscheidend ist die LTE-Kategorie

Entscheidend für den Empfang von LTE Max ist auch die Technik eures Endgeräts. Für Datenübertragungsraten bis 300 Mbit/s benötigt ihr ein Smartphone oder Tablet mindestens mit LTE Cat 6. Für noch höhere Übertragungsraten wie bei Vodafone ist sogar LTE Cat 9 notwendig, und das berherrschen aktuell erst eine Handvoll Flaggschiff-Smartphones wie das HTC 10, das Samsung Galaxy S7 (Edge) oder das iPhone 7. An dieser Stelle hatten wir euch vor Kurzem beschrieben, was es mit LTE-Kategorien auf sich hat. Überprüft also vor dem Kauf eines neuen Gerätes nicht nur die LTE-Bänder, sondern auch welche LTE-Kategorie es beherrscht. Hier noch einmal in der Übersicht:

Aufgelistet haben wir hier die wichtigsten LTE-Kategorien, die auch von Geräteherstellern und Netzprovidern unterstützt werden, jetzt und voraussichtlich in Zukunft.

Aufgelistet haben wir hier die wichtigsten LTE-Kategorien, die auch von Geräteherstellern und Netzprovidern unterstützt werden, jetzt und voraussichtlich in Zukunft.

Wenn ihr ein passendes Endgerät habt, kommen wir zu eigentlich interessanten Frage: Was müsst ihr dafür tun, um einen passenden Tarif mit LTE Max zu bekommen?

LTE Max bei der Telekom

Die Deutsche Telekom bietet LTE Max in den Tarifen MagentaMobil und den Datentarifen Data Comfort an. Ein Aufpreis ist dafür nicht notwendig. Sowohl Neu- als auch Bestandskunden sollen in den Genuss des Datenturbos kommen. Die Telekom weist allerdings im Kleingedruckten darauf hin, dass die Geschwindigkeit nicht nur abhängig vom Endgerät, sondern auch vom Netzausbaugebiet sei – logisch – und dass die Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich niedriger als die Maximalgeschwindigkeit ist. Statt 300 Mbit/s nämlich laut der Zeitschrift „connect“ aktuell nur 49 Mbit/s im Downstream und 20 Mbit/s im Upstream.

LTE Max bei Vodafone

Ein ähnliches Bild bei Vodafone. Die aktuell maximal erreichbare Bandbreite von 375 Mbit/s reduziert sich im Durchschnitt auf 27,25 Mbit/s im Downlink und 12,08 Mbit/s im Uplink. Und auch hier ist die Bandbreite abhängig von Endgerät und Ausbaugebiet. Aktuell bietet Vodafone LTE Max in 22 deutschen Städten an, bis Jahresende 2016 sollen es immerhin schon 30 sein. Unabhängig vom Tarif sollen dann immerhin alle Vodafone-Kunden in den Genuss des Datenturbos kommen.

LTE Max bei Telefonica O2

Telefonica-O2 bietet LTE Max bislang nur in den neuen O2 Free-Tarifen sowie Blue Basic und Blue Smart an. Auch bei O2 ist der Empfang bislang auf einige Städte beschränkt. Die Maximalgeschwindigkeit für O2s LTE Max ist mit 225 Mbit/s niedriger als bei der Telekom und Vodafone. Die durchschnittliche Downlink-Geschwindigkeit gibt O2 mit nur 13,0 Mbit/s an. Immerhin hat O2 kürzlich für die Free-Tarife die gehasste Datendrosselung deutlich angehoben, auf nunmehr maximal 1 Mbit/s.

LTE Max beim Discounter

Geht besser nicht davon aus, dass der Mobilfunk-Discounter eures Vertrauens euch automatisch auf LTE Max umstellen wird. Die Übertragungsrate ist im Kampf um immer niedrigere Preise ebenso Handelsware wie das Datenvolumen. Schon heute beschränken sich die meisten Discounter auf Übertragungsraten von 7, 14, 21 oder auch mal 50 Mbit/s, obwohl auch ohne LTE Max schon mehr möglich wäre. Ich rechne damit, dass erste Anbieter die höheren Geschwindigkeiten in den nächsten Monaten gestaffelt anbieten werden. Dann habt ihr die Wahl zwischen 50, 100 oder auch mal 200 Mbit/s. Alles zu seinem Preis natürlich.

Discounter wie WinSim werden wahrscheinlich nicht automatisch auf LTE Max umschalten.

Discounter wie WinSim werden wahrscheinlich nicht automatisch auf LTE Max umschalten.

Smartphones mit LTE Max

Leider schreiben nicht alle Smartphone-Anbieter explizit in ihren Datenblättern, welche LTE-Kategorie sie verwenden. Google etwa erwähnt das für die neuen Pixel-Phones nicht, erst von anderen Technikseiten erfährt man, dass es sich wahrscheinlich um LTE Cat 9 handelt, womit eine Maximalgeschwindigkeit von 450 Mbit/s unterstützt würde. Damit könnte das Pixel-Phone Vodafones LTE Max-Datenturbo von 375 Mbit/s ebenso wahrnehmen wie das Samsung Galaxy S7 Edge, das iPhone 7 oder das HTC 10.

Das Samsung Galaxy S7 Edge verfügt über LTE Cat 9 und beherrscht damit eine maximale Übertragungsraten von 450 Mbit/s – abhängig vom Netzangebot natürlich. Bild: Samsung

Das Samsung Galaxy S7 Edge verfügt über LTE Cat 9 und beherrscht damit eine maximale Übertragungsraten von 450 Mbit/s – abhängig vom Netzangebot natürlich. Bild: Samsung

Für Geschwindigkeiten bis 300 Mbit/s wie bei der Telekom und Telefonica-O2 reicht zu diesem Zeitpunkt auch LTE Cat 6, was bereits die Vorjahres-Elite von iPhone 6S bis Galaxy S6 beherrschte. Diesjahresmodelle wie LG G5 und Huawei P9 sind ebenfalls noch mit LTE Cat 6 ausgestattet. Erst die neue Spitzenklasse wird voraussichtlich nach und nach mit LTE Cat 9 ausgerüstet.

LTE Max in der Praxis

Die Anbieter verraten es schon: Wenn selbst die Deutsche Telekom mit ihrem vermeintlich besten Netz ein LTE Max anbietet, das im Durchschnitt nur 49 Mbit/s erreicht, dann braucht ihr kein Telefon, das bis 450 Mbit/s funkt. Soll heißen: Wenn ihr bereits ein Smartphone besitzt, das heute bis 150 Mbit/s (Cat 4) oder 300 Mbit/s (Cat 6) funken kann, dann braucht ihr für LTE Max in absehbarer Zeit kein neues. Solltet ihr ohnehin ein neues Gerät benötigen, dann lohnt es sich aber, sich einmal nach LTE Cat 9-fähigen Geräten umzuschauen. Mehr ist mehr.

Smartphones, die LTE Max-fähig sind, erhaltet ihr natürlich auch bei Euronics oder Euronics Telecom.

Beitragsbild: Vodafone/Flickr unter CC-Lizenz BY-ND 2.0

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4 Kommentare zu “LTE Max: Das steckt hinter dem neuen Datenturbo eures Providers
  1. Moin! Wäre interessant zu wissen wie bei den Anbietern der Durschnitt in den sonstigen Bereichen, also bei 3G und „normal LTE“, im Kleingedrucktem ausschaut, denn die angepriesenen Geschwindigkeiten von 14/21/50 sind ja auch nur Werbung.
    Noch eine Randnotiz:
    Ich habe in letzter Woche die Erfahrung gemacht dass es sich teilweise lohnt in stark ausgelasteten Bereichen von 4G auf 3G manuell umzuschalten, die Geschwindigkeit geht hoch.

    • Interessant, dass 3G oft schneller ist als LTE. Ich war davon ausgegangen, dass die Netzbetreiber immer genug Datenverkehr ins 3G-Netz schieben, um LTE freizuhalten.

      Mir ist übrigens nicht die Geschwindigkeit beim Download großer Datenmengen wichtig, soviel Datenvolumen habe ich in meinem Vertrag auch gar nicht. Ich schätze an LTE, dass auch kleine Datenmengen schneller auf dem Smartphone sind. Apps und mobile Websites laufen dann flüssiger.

  2. Ja, sehe ich genau so, für den „Kleinkram“ der Messenger und Mails ohne Anhang ist LTE immer die bessere Wahl, hier ging es aber tatsächlich um größere Dateien (CAD-Zeichnungen, Videos). Ich musste in letzter Woche viel von Unterwegs arbeiten, habe für diese Fälle eine Discounter-„Surfkarte“ im Vodafone-Netz, die dann als Zugangspunkt WLAN an meine Geräte verteilt, hier hat sich die Umschaltung schon bemerkbar gemacht, von oft würde ich aber nicht sprechen, war vielleicht aber nur Zufall.

    • Interessant. Da frage ich mich natürlich, ob dasselbe Phänomen auch beim Netzbetreiber auftritt oder nur beim Discounter. Letztere könnten, um Kosten zu sparen, durchaus an der Leistungsschraube drehen.

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