Mann mit Smartphone (Bild: Unsplash/@courtneyrclayton)

Google schafft keine Alternative zu WhatsApp – doch die wäre dringend nötig

Das Kreuz mit den Messengern: Erreichbar ist nur, wer die App installiert hat. Die jedoch gibt den Posteingang zum Fluten frei. Google und WhatsApp versuchen sich beide am Problem, lösen es aber nicht. Denn das ist der Mensch.

Viele nutzen WhatsApp, obwohl sie wissen, dass Datenkrake Facebook gerne alle Informationen einsacken würde, die bei der Tochterfirma liegen. Das interessiert vielleicht den Kopf, doch nicht den Bauch, der bekanntlich die Entscheidung trifft. Dort grummelt es lediglich, wenn in einer WhatsApp-Gruppe Belanglosigkeiten zur Regel werden und man sich nicht traut auszutreten. Da wird dann still gelitten.

WhatsApp-Alternativen sind deshalb immer wieder ein Thema hier im Trendblog. Wir haben schon oft darüber geschrieben:

Dennoch nutzt sie keiner. Auch in meinem privaten Umfeld schaffe ich es nicht, Freunde zu bewegen, auf einen anderen Messenger umzusteigen – nicht einmal meine Frau. iPhone-Besitzer mögen auf iMessage schwören; doch davon abgesehen, gibt es keine Alternative, die eine magische Anziehungskraft ausübt. Besonders erfolgslos war Google mit seinen Versuchen. Drei Apps gibt es zurzeit: Hangout, Allo und Duo. Keine habe ich bislang genutzt. Nicht einmal ausprobiert.

Google hat eine Idee

Google versucht einen weiteren Neustart. Die Entwicklung von Allo wird dafür eingestellt. Alle Resourcen sollen in Chat gesteckt werden. Richtig: Chat, nicht Google Chat. Es handelt sich dabei um ein Protokoll, das von allen genutzt werden kann, nicht um eine proprietäre App, die auf Android-Smartphones zwangsinstalliert wird. Genug Unterstützter unter Mobilfunk-Providern und Smartphone-Herstellern haben sich offenbar auch schon gefunden. Doch auf die kommt es letztlich gar nicht an, sondern auf die Nutzer. Also abwarten.

Chat basiert auf dem Protokoll RCS (Rich Communication Services), das nicht einmal neu ist. In Deutschland wird es bereits von Telekom und Vodafone unterstützt. Auf meinem Smartphone war es als Joyn vorinstalliert. Die Telekom wollte diesen Dienst als SMS-Ersatz etablieren – ebenfalls kostenpflichtig. Google will aber neben Text auch Bilder, Sticker und Emojis über das mobile Internet ohne Zusatzkosten verschicken. SMS wird nur noch als Fallback verwendet.

Diese Offenheit kann sich kein mobiler Messenger leisten, der damit Geld verdienen möchte. Die Nutzer werden innerhalb der eigenen Grenzen gehalten. Die neue Offenheit jedoch könnte bewirken, dass ihr die Wahl zwischen mehreren Apps habt und nicht die von Google nutzen müsst. Benutzerfreundlich könnte sich durchsetzen. Der einzige Nachteil: Mit Chat wird eure Kommunikation nicht verschlüsselt sein.

Was WhatsApp richtig macht

WhatsApp hat die Verschlüsselung notgedrungen eingeführt, als die Stimmung gegen den Dienst zu kippen drohte. Fast wurde der Anschluss verpasst. Ansonsten wird der Dienst aber kontinuierlich weiterentwickelt, und darauf beruht meiner Meinung nach auch sein Erfolg. Neueste Funktion ist die Priorisierung von Chats. Wichtige Nachrichten sollen damit die gewünschte Aufmerksamkeit erhalten.

In der aktuellen Betaversion von WhatsApp für Android lässt sich einstellen, dass Benachrichtigungen mit hoher Priorität anders angezeigt werden. Sobald neue Nachrichten eintreffen, verschwinden diese nicht mehr nach kurzer Zeit. Sie bleiben am oberen Bildschirmrand kleben.

Wie auch immer das letztlich ausgestaltet wird, der Charakter von WhatsApp könnte sich dadurch grundlegend ändern. Der Messenger hat die SMS überflüssig gemacht. Er war der Kanal, über den man immer zu erreichen war. Unmittelbar. Jetzt könnte er zur E-Mail verkommen, denn es ist einfach zu viel geworden, was auf die Smartphones einströmt. Irgendwie muss da vorsortiert werden.

Bei Gmail und bei manchem E-Mail-Programm gibt es schon länger eine Priority Inbox – also eine Logik, die Wichtiges von Unwichtigem trennen soll. Auf meinem Smartphone übernehme ich selbst diese Aufgabe. Es sind gerade mal fünf Personen, mit denen ich mich regelmäßig per WhatsApp austausche. Gruppen verlasse ich umgehend. Und wenn ich nicht gestört werden will, schalte ich das Gerät leise.

Beitragbild: Unsplash/@courtneyrclayton

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2 Kommentare zu “Google schafft keine Alternative zu WhatsApp – doch die wäre dringend nötig
  1. Klingt für mich nicht so, als würde Google da jetzt den großen Wurf schaffen. Die Beispiele Allo und Duo, aber auch die zahlreichen erfolglosen Mobile Payment-Initiativen zeigen es: Nicht alles, was Google anpackt, wird auch zu Gold. Jetzt eine aufgebohrte SMS als Standard anzubieten, kann die SMS noch etwas attraktiver machen. Dass man damit aber noch viele Leute von WhatsApp weglotst, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

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