Google säubert das Web: Chrome-Browser filtert lästige Werbung ab 2018 automatisch

Google sagt nerviger Online-Werbung den Kampf an. Vom kommenden Jahr an soll der Chrome-Browser die aufdringlichsten Anzeigen von ganz alleine herausfiltern. Ein begrüßenswerter Schritt, doch Vermarkter dürften das nicht einfach auf sich sitzen lassen.

Ich bin eigentlich ganz froh, mit blinkenden und aufdringlicher Werbung nicht mehr viel zu tun zu haben. Auf meinem Vivaldi-Browser, für den ich Chrome vor einigen Monaten eintauschte, ist der Privacy Badger der Electronic Frontier Foundation (EFF) installiert. Der hat eigentlich nur die Aufgabe, all zu neugierige Tracking-Tools auf Webseiten nicht zuzulassen. Interessanterweise fallen genau die lästigsten Werbe-Anzeigen darunter. Seitdem ist Ruhe bei mir und ich muss auf Tools mit fragwürdigem Geschäftsmodell wie AdBlock Plus nicht zurückgreifen.

Chrome-Browser künftig mit AdBlocker

Google könnte dieses Procedere künftig noch ein wenig einfacher machen. Wie der Webriese nun angekündigt hat, soll ab einem noch nicht genauer genannten Datum im kommenden Jahr ein AdBlocker im Chrome-Browser die nervigste Werbung direkt herausfiltern. Ein separater AdBlocker wäre dann nicht mehr notwendig. Da der Chrome-Browser mittlerweile mit Abstand der meist genutzte Browser der Welt ist (Desktop und Mobile zusammengenommen) und Googles Initiative sowohl für den Desktop als auch mobile Geräte gilt, dürfte ein großer Teil des Webs werbeärmer werden. Andere Browser-Hersteller dürften nachziehen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Nervige Mobile-Werbung: Welche davon kennt ihr?

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Wichtig: Das Web wird dadurch nicht werbefrei. Google bemüht sich lediglich, die nervigsten aller Display-Ads herauszufiltern, die man in der Coalition for Better Ads gemeinsam ermittelt hat. Das sind etwa bildschirmfüllende Anzeigen mit Countdown und ohne die Möglichkeit, diese zu schließen, großflächige Layer-Ads, bei denen der x-Button gut versteckt ist, Video-Apps, die automatisch starten und dabei direkt Ton spielen… Was sage ich euch: Ihr werdet eure eigenen schlechten Erfahrungen damit gesammelt haben.

Google nicht ganz unschuldig an der Verbreitung nerviger Ads

So begrüßenswert das klingt, Google macht sich das Leben mit der Initiative ein kleines bisschen zu einfach. Der Webriese trägt natürlich eine Mitverantwortung bei nerviger Display-Werbung. Einerseits kontrolliert er mit AdSense einen großen Teil des Online-Werbegeschäfts, aber reich sind meines Wissens noch nicht viele Webseitenbetreiber damit geworden. Ist die Reichweite der eigenen Seite nicht besonders hoch, kommen mit AdSense wirklich nur die Hubert Burda einst beklagten „Lousy Pennies“ zustande. Wenn besonders nervige und von der Werbeindustrie gut bezahlte (!) Layer-Ads aufpoppen, dann ist das meistens eine Verzweiflungstat. Denn nur so kommt überhaupt noch Geld rein.

Die Lösung wären höhere Tausenderkontaktpreise für klassische, unaufdringliche Werbung. Aber die Lage für diese Werbeformen bessert sich nur langsam. Paid-Content-Modelle rechnen sich allenfalls für eine Handvoll Inhalteanbieter und bislang kaum für die große Masse. Es bleibt also schwierig, Angebote im Netz zu finanzieren. Deswegen dürfte die Werbeindustrie hier erfinderisch werden. Neue Werbeformen könnten kommen, die ähnlich aufdringlich sind wie die von Google künftig gefilterten Anzeigen, aber dem System noch nicht bekannt sind. Es könnte ein ähnliches Wettrennen werden wie im Bereich SEO: Google gibt vor, die Webseitenbetreiber beginnen zu tricksen.

Googles Initiative für ein „sauberes Web“ stehe ich trotzdem grundsätzlich positiv gegenüber. Das Websurfen macht keinen Spaß, wenn man mit nerviger Werbung beschallt wird. Ich hoffe, alle Beteiligten finden langfristig gute Kompromisse.

Grafiken: Google/BetterAds

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2 Kommentare zu “Google säubert das Web: Chrome-Browser filtert lästige Werbung ab 2018 automatisch
  1. Vielleicht sollten wir Nutzer weniger auf die richtigen Angebote warten, für die wir gerne Geld zahlen, sondern einfach mal damit anfangen.

    Golem.de bietet die Möglichkeit jeden Monat einen kleinen Betrag zu zahlen. Als Gegenleistung verschwindet für 2,50 Euro im Monat unter anderem die Werbung. Und warum nicht auch eine klassische Tages- oder Wochenzeitung wie FAZ oder Zeit abonnieren, auch wenn die meisten Artikel nach einiger Zeit frei zugänglich auf der Website erscheinen? Muss ja kein Papier sein, ein E-Paper tut es auch.

    Vielleicht sinkt dann bei den Qualitätsmedien der Druck, nervige Werbung zu schalten. Vielleicht fällt der Übergang zu Paid Content leichter – und zwar zu einem akzeptablen Preis. Golem.de , so hieß es mal, könne von den Einnahmen bereits fast einen Redakteur finanzieren.

  2. Das ist mit Sicherheit nur der nächste Schritt von Google vom Werbekuchen ein noch größeres Stück zu erhalten. Jetzt hat man ja einen nervigen Grund geschaffen warum die Konkurrenz zum Teil kalt gestellt wird. Kein Adblocker mehr auf Chrome, lustig und das alles für meine Nerven.

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