eSim FAQ: Die Smartphone-Zukunft erklärt

Die eSIM soll die plastikfreie und praktischere Zukunft sein. Wir beantworten euch die wichtigsten Fragen zur elektronischen SIM-Karte.

eSim FAQ: Die Smartphone-Zukunft erklärt

Was ist eSIM?

Das embedded Subscriber Identity Module – oder eben eSIM – ist der Nachfolger der SIM-Karte aus Plastik. Statt Telefonnummer und Seriennummer sowie Angaben zum Heimatnetz auf eine Karte zu pressen, lagern die sensiblen Speicherinhalte auf einem fest eingebauten Chip im Smart-Gerät. Dieser Chip ist die eigentliche eSIM und ersetzt die physische Karte.

Was sind die Vorteile einer eSIM?

Kunden können dank der eingebetteten SIM-Karte unmittelbar nach Abschluss eines Mobilfunkvertrags Smart-Devices aktivieren, ohne die SIM-Karte im Geschäft mitzunehmen oder auf die Postzustellung des Chips zu warten.

Hardware-Produzenten können auf die fehleranfälligen Karteneinschübe verzichten und die Geräte theoretisch kompakter gestalten.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Umweltaspekt. Die Produktion und Verteilung physischer SIM-Karten entfallen, was in der Summe viel Müll vermeidet.

Bei Millionen Smartphone-Nutzern summiert sich die Müllmenge, die SIM-Cards hinterlassen. (Foto: Pixabay / PublicDomainPictures)

Wie etabliert ist eSIM?

Seit 2014 ist die Technologie im Privatkundenbereich verfügbar. Etabliert hat sie sich trotz großer Smartphonehersteller noch nicht. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Die GSM-Mobilfunkvereinigung prognostiziert, dass 2025 über ein Drittel aller aktiven Smartphones via eSIM im Mobilfunknetz hängen.

Welche Smartphones sind eSIM-kompatibel?

Derzeit sind es vor allem die Oberklasse-Modelle der gängigen Hersteller. Das Samsung Galaxy S22 5G und sein Vorgänger, Google Pixel 6 Pro und die aktuellen Apple iPhones gehören dazu. Manche Smartwatch wie die Apple Watch Edition Series 7 ist ebenfalls damit ausgestattet. Stand Januar 2022 listet die Fachseite GSMArena 99 Geräte auf, die eSim unterstützen.

Dass anno 2025 ein Drittel der aktiven Smart-Geräte mit der elektronischen Karte laufen, ist also ambitioniert zu nennen.

Die eSIM-kompatiblen Smartphones sind nicht zahlreich – aber dafür fast ausschließlich im Spitzensegment zu finden. (Mit Material von GSMarena.com)

Welche Provider bieten eSIM an?

Die großen 3 Anbieter Telekom, O2 und Vodafone haben die eSIM für Vertragskunden im Portfolio. Kleinere Provider und Ableger wie 1&1 oder Congstar führen sie teils für Prepaid-Kunden.

eSIM hat so etwas wie einen Exoten-Status bei den meisten Providern. (Mit Material der jeweiligen Provider)

Schade: Obwohl die Vorteile auf der Hand liegen, ist die eSIM keine selbstverständliche Alternative, sondern vielfach als Premium-Vorteil und virtuelle Zweitkarte beworben. In den meisten Fällen erhaltet ihr noch eine physische SIM-Karte, was zumindest den Umweltbonus ad absurdum führt.

Ausnahmen sind Nischen-Provider: Simquadrat des Konzerns Sipgate können gezielt eine eSIM bestellen und auf ihrem Telefon einrichten. Truphone setzt ausschließlich auf die elektronische Karte.

Mit Simquadrat und Truphone sind zwei Provider am Markt vertreten, die ausschließlich eSIM anbieten.

Wie teuer ist die eSIM – und was kostet der Verlust?

Die eSIM kostet in der Regel nichts extra, stattdessen dient sie als virtuelle Zweitkarte. Einen eSIM-Verlust gibt es faktisch nicht, aber Provider können Gebühren verlangen, wenn sie die eSIM für euer Telefon erneut freischalten sollen. Wie hoch diese Zahlungen sind, ist aber kaum zu ermitteln. Da hilft leider nur, beim Anbieter nachzufragen oder bei Vertragsabschluss einen genaueren Blick ins Kleingedruckte zu werfen.

Ich habe ein kompatibles Gerät – wie bekomme ich die eSIM drauf?

Das unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. Die großen Konzerne – Telekom, Vodafone, Telefonica – bieten die eSIM-Option bei Vertragsabschluss an. Entscheidet ihr euch dafür, ist das Telefon theoretisch nach dem ersten Start einsatzbereit. Scannt dazu einfach einen speziellen QR-Code, der alle Daten enthält. Diesen Code könnt ihr im Kundenportal einsehen, wenn ihr euch mit euren Daten online anmeldet.

In der Praxis schaut dies etwas anders aus. Vodafone und O2 senden euch zunächst eine physische Karte zu – vermutlich, um die Anschrift auf diesem Wege zu überprüfen. Die Telekom verifiziert eure Identität, ehe ihr das eSIM-Profil herunterladen könnt.

Etwas anders verhält es sich noch bei Prepaid-Tarifen, bei denen eSIM-Optionen rar sind. Die Deutsche Telekom bietet die eSIM für Vorauszahler an.

Ist eSIM also dann die einzige Option, das Telefon zu nutzen?

Nein. Viele Provider bieten an, die eSIM nach Vertragsabschluss lediglich als Zweitkarte zu aktivieren. Somit hättet ihr weiterhin eine physische Karte, die ihr in jedes Smartphone stecken könnt.

Kann ich eSIM in meinem Dual-SIM-Phone nutzen?

Ja und nein. Unterstützt das Gerät die eSIM, beispielsweise das Samsung Galaxy S21, könnt ihr diese im Android-Telefon für den zweiten SIM-Karteneinschub nutzen. Der Grund? Meist fasst ein Slot der Kartenschublade nur die physische SIM-Karte und bietet der zweite Einschub die Wahl zwischen einer weiteren SIM oder einer microSD-Speicherkarte.

Apple iPhone 13 Pro
Das Apple iPhone 13 (Pro) ist das aktuelle Spitzenmodell – und Dual-eSim-tauglich. (Bild: Apple)

So oder so stehen Dual-SIM-Nutzer vor einem Problem: Es kann immer nur ein eSIM-Profil aktiv sein, weshalb ihr zwingend eine physische SIM-Karte für die Dual-Nutzung benötigt. Apple ist hier die Ausnahme und bietet in einigen Modellen eine Dual-eSIM. Dazu gehören das iPhone 13 Pro Max, iPhone 13 Pro, iPhone 13 und iPhone 13 mini.

Was bringt die eSIM in Zukunft?

Die Möglichkeiten von eSIM erschöpfen sich nicht mit dem Abspeichern der SIM-Kartendaten. Der geschützte Speicher kann den Weg für den elektronischen Ausweis (eID) bereiten, um den physischen Personalausweis, den Führerschein oder andere amtliche Zeugnisse nur noch in digitaler Form mit sich zu führen. Vodafone, Giesecke + Devrient sowie die Bundesbank entwickeln eine entsprechende eSIM-App in Kooperation. Wann diese erscheint, ist aber noch nicht abzusehen.

Dafür gibt es bereits einen eSIM-Nachfolger, die von Vodafone und Snapdragon-Hersteller Qualcomm jüngst vorgestellte iSIM. Sie ist direkt in den Prozessor eingebettet, benötigt also keinen eigenen Chip und ist dementsprechend platzsparender. Softwareseitig nutzt sie die Protokolle und Infrastrukturen der eSIM. Von einer Markteinführung ist die iSIM noch weit entfernt. Sie bestätigt aber, dass der klassischen SIM-Karte über kurz oder lang das Aus droht.

Die eSIM ist also eine Zukunftstechnologie, die längst ausgereift ist – deren Durchbruch aber noch aussteht.

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