Fernseher mit Powerbank betreiben

Den Fernseher an eine Powerbank anschließen? Wir haben’s ausprobiert

Es gibt Powerbanks mit massig Saft und einer Wechselstrom-Steckdose. Einen Laptop oder einen kleinen Ventilator kann man daran anschließen. Aber auch einen Fernseher? Das haben wir ausprobiert.

Meine neue Powerbank sieht aus wie ein kleiner Werkzeugkasten. Hersteller Suaoki nennt sie „PowerStation“. Mit ihren 40.500 mAh und 150 Wh könnte sie meinen Laptop gleich mehrmals aufladen. Und auch eine Wechselstrom-Steckdose hat sie spendiert bekommen. Die PowerStation kann darüber bis zu 100 Watt AC-Power liefern. Gekauft habe ich sie mir vor allem, um damit im Auto arbeiten zu können.

Meine neue Suaoki Powerbank, genannt "Powerstation": Über 40.000 mAh Kapazität, mit Gleich- und Wechselstromanschlüssen.

Meine neue Suaoki Powerbank, genannt „Powerstation“: Über 40.000 mAh Kapazität, mit Gleich- und Wechselstromanschlüssen.

Mein Fernseher hat derweil eine Leistungsaufnahme von deutlich unter 100 Watt. Könnte man da nicht auf die Idee kommen, das eine mit dem anderen einmal zu kombinieren? Einen Fernseher an eine Powerbank anschließen. Wäre doch einen Versuch wert.

„Versuchsaufbau“: Fernseher mit oder gegen Powerbank?

Es treten an – ob gegen- oder miteinander, das muss sich erst noch zeigen. In der einen Ecke: mein mittlerweile vier Jahre alter Philips Fernseher der 4000er Serie. 40 Zoll groß, Energie-Effizienzklasse A++. Weitere relevante Daten: 220-240 Volt Spannung mit 50-60 Hertz. 44W Leistung. Auf dem Gerät selbst heißt es: 40 bis maximal 60 Watt.

"Versuchsaufbau": Fernseher und Powerbank

„Versuchsaufbau“: Fernseher und Powerbank

In der anderen Ecke: die oben bereits erwähnte Suaoki PowerStation. Sie bietet vier Gleichstrom-Anschlüsse, vier USB-Anschlüsse und an der Seite: eine AC-Steckdose (Wechselstrom) mit 100-240 Volt Spannung und 50-60 Hertz. AC-Dauerleistung: 100 Watt. Kapazität: 150 Wh.

Was die Zahlen bedeuten: Die PowerStation könnte dank 100 bis 240 Volt auch Abnehmer in niedriger frequenten Stromnetzen versorgen. Die 220-240 Volt meines Fernsehers sollten aber möglich sein. Die Netzfrequenz beträgt bei beiden 50-60 Hz. Die 44 Watt Leistung meines TVs kann die PowerStation mit ihren 100 Watt liefern. Und dank ihrer 150 Wh immerhin für fast dreieinhalb Stunden (150 Wh / 44W = 3,4h). Sollte also funktionieren – im Prinzip.

Kleines Aber: Modifizierter Sinus-Ausgang

Doch da taucht in der – nicht ganz akkurat übersetzten – Gebrauchsanweisung der PowerStation noch ein weiterer Hinweis über einen modifizierten Sinus-Ausgang auf:

„Dieses Produkt erzeugt eine modifizierte Sinuswelle, die mit einem Wechselstromgerät kompatibel ist, das mit einer sinusförmigen Wellenform (Leistung < 100W) arbeitet. Das Produkt wird jedoch nur für Notfallsituationen verwendet. Es kann nicht die Standard DC- oder AC-Stromversorgung für Haushaltsgeräte oder digitale Produkte ersetzen. Elektronische Geräte, die einen AC Motor verwenden, werden bei einer modifizierten Sinuswelle nicht voll ausgelastet, und es kann (sic!) Geräusche auftreten.

Bei einem langfristigen Betrieb rät Hersteller Suaoki zu einem Sinus-Wechselrichter.

Es gibt nichts Gutes außer – mal einstecken

Eine echte Warnung klingt anders. Dort steht nicht, dass es nicht geht oder eins der Geräte dadurch Schaden nehmen würde. Meinen Fernseher wollte ich ohnehin in Bälde ersetzen. Wenn was schief geht, ist dem halt so. Also genug der grauen Theorie – einfach mal ausprobieren!

Kabel rein und los geht’s: Die Powerbank hat eine AC-Steckdose und liefert auf Wunsch Wechselstrom.

Kabel rein und los geht’s: Die Powerbank hat eine AC-Steckdose und liefert auf Wunsch Wechselstrom.

Ich stecke den Netzstecker des Fernsehers in die AC-Buchse der Powerstation und schalte sie ein. Sofort ist ein Surren am Fernseher zu hören – das müssen oben besagte Geräusche sein:

Aber der rote Standby-Knopf am Fernseher leuchtet auf. Strom ist da!

Der rote Knopf am Fernseher leuchtet. Er hat Strom!

Der rote Knopf am Fernseher leuchtet. Er hat Strom!

Ich schalte den Fernseher über die Fernbedienung ein. Das Surren wird stärker, aber der Fernseher fährt tatsächlich hoch und begrüßt mich mit dem Bild des ZDF – das letzte von mir besuchte Programm. Sofort fällt auf, dass das Bild schlechter ist als sonst. Obwohl ich den HD-Kanal des ZDF eingestellt habe, wirkt das Bild etwas „kräuselig“; fast, als wäre der Empfang schlecht. Das Programm von ARD HD zeigt sich besser, aber immer noch nicht optimal.

Schlechtes Bild? Zumindest im ersten Versuch wirkt das TV-Bild von ZDF HD auf meinem Full-HD-Fernseher schlechter als sonst.

Schlechtes Bild? Zumindest im ersten Versuch wirkt das TV-Bild von ZDF HD auf meinem Full-HD-Fernseher schlechter als sonst.

Zum Test wechsle ich auf eine andere Quelle: den angeschlossenen Google Chromecast. Und auch das funktioniert. Ich teste das Streamen eines Netflix-Videos. Es klappt problemlos. Und sogar die Bildqualität ist höher als beim TV-Betrieb.

Für einige Minuten lasse ich den Fernseher eingeschaltet. Dann beunruhigt mich das Surren zu sehr. Nicht, dass da doch ein Bauteil „zerfressen“ wird. Ich unterbreche den Test.

Läuft! Die Powerbank treibt den Fernseher an.

Läuft! Die Powerbank treibt den Fernseher an.

Modifizierte Sinuswelle – was ist das?

Vermutlich kennt jeder eine Sinuswelle noch aus dem Matheunterricht. Eine Welle, die zwischen +1 und -1 auf der y-Achse pendelt. Die „natürliche“ Sinuswelle eurer Steckdosen zuhause verläuft hier wie eine ganz normale Kurve. Mobile Stromversorger können diese natürliche Form aber nur nachahmen. Ihre modifizierte Sinuswelle erinnert dabei eher an eine Treppenform. Sie verläuft abgehackt zwischen +1 und -1.

Akkuladestand der Powerbank bei Testbeginn. Tragbare Spannungsquellen können sinusförmigen Wechselstrom nur simulieren.

Akkuladestand der Powerbank bei Testbeginn. Tragbare Spannungsquellen können sinusförmigen Wechselstrom nur simulieren.

Vielen Stromabnehmern ist es herzlich egal, ob sie Wechselstrom als echte oder nur modifizierte Sinuswelle bekommen. Einige hingegen machen Mätzchen – wie mein Fernseher – oder springen gar nicht erst an. Nur eins soll nicht passieren können: dass ein technisches Gerät durch eine Sinuswelle Schaden nimmt. Also gut, ich setze den Test fort.

Welche Geräte kann ich an eine Powerbank anschließen?

Kollege Sven Wernicke hat neulich erörtert, welche Powerbank einen Laptop mit Strom versorgen kann. Einen Fernseher an eine Powerbank anzuschließen, ist schon eine Portion sportlicher. Was ist mit anderen technischen Geräten?

Handcoffee-Auto-Kaffeemaschine

Eine normale Kaffeemaschine hat eigentlich zu viel Watt, um sie am Zigarettenanzünder oder einer Powerbank zu betreiben. Mit der Handcoffee allerdings geht’s.

Um es auf eine Formel zu bringen: Ausschlaggebend ist meist (aber nicht alleine) die Leistungsaufname eines Geräts, gemessen in Watt (W). Wenn eure Powerbank 100 Watt liefern kann und ihr einen Abnehmer habt, der als Spitze nicht mehr als 100 Watt benötigt, dann kann das Experiment gelingen. Pauschal lässt sich hier keine Aussage fällen, ob ihr euer elektronisches Gerät an eine Powerbank anschließen könnt. Es hängt von jedem einzelnen ab. Technische Geräte, die aber in der Regel keinen so hohen Energiebedarf haben, sind:

  • Stereoanlage oder ihre moderne Version: ein Bluetooth- oder ein smarter Lautsprecher
  • Spielkonsole
  • Mini-Kühlschrank
  • Multimedia-Laptop oder Ultrabook
  • Einfache Lampe wie eine Nachttischlampe
  • Akku-Ladegerät (für Digitalkamera o.ä.)
  • Elektrische Zahnbürste, Rasierapparat

Schlecht sieht es dafür mit anderen Kleingeräten aus Küche oder Bad aus, die man gerne mit in den Urlaub nähme: Föhn, Kaffeemaschine oder Wasserkocher. Weil sie sehr viel Wärmeenergie erzeugen müssen, können sie mehrere hundert bis 2.000 Watt Leistung benötigen. Zu viel für eine Autobatterie oder eine Powerbank.

Allerdings gibt es manchmal passend angefertigte Geräte mit niedriger Leistung für das Auto – dessen Batterie mit ähnlichen Leistungswerten arbeitet wie meine Powerbank. Vergangenen Sommer etwa hatte ich unter anderem eine KFZ-Kaffeemaschine mit auf meinem Trip.

Welche Powerbank dazu?

Wollt ihr einen kompatiblen Fernseher oder einen anderen Wechselstromabnehmer an eine Powerbank anschließen, so muss letztere logischerweise zwei Dinge haben: einen Wechselstromausgang und eine passende Steckdose. Sie muss in Watt mehr abgeben können als euer Gerät aufnimmt. Und sie sollte möglichst viel Kapazität haben. Achtet hierbei mehr auf die Angabe Wattstunden (Wh) als Miliamperestunden (mAh). Denn die Wattstunde lässt sich leichter umrechnen.

Die hier beschriebene Suaoki PowerStation bekommt ihr im Netz für gut 100 Euro. Es gibt ähnliche Modelle von Rockpals oder Webetop zu vergleichbaren Preisen. Weit darunter werdet ihr nichts Taugliches finden. Nach oben ist die Skala hingegen beinahe offen.

Das Ende meines Tests

Um kurz vor 18 Uhr schalte ich den Fernseher also erneut ein, schaue etwa gute halbe Stunde eine Sendung aus der ARD-Mediathek, wechsle danach auf die ARD in HD. Um etwa 19:50 Uhr beginnt die Ladeanzeige der Powerbank zu blinken. Fünf Minuten später geht sie aus – und mit ihr der Fernseher.

Test-Ende nach etwas mehr als 2 Stunden: Die Akku-Anzeige blinkt, wenig später gehen PowerStation und Fernseher aus.

Test-Ende nach etwas mehr als 2 Stunden: Die Akku-Anzeige blinkt, wenig später gehen PowerStation und Fernseher aus.

Obwohl laut Rechnung fast dreieinhalb Stunden drin gewesen wären, hielt die voll aufgeladene PowerStation nur etwas mehr als 2 Stunden TV-Betrieb durch. Das Bild war beim zweiten Versuch schon viel besser; vielleicht war die anfängliche Störung tatsächlich anderer Natur. Das Summen indes hörte nicht auf. Damit müsste man leben.

Schaut man sich an, dass eine voll aufgeladene Powerbank mit genug Kapazität, um ein Smartphone und selbst einen Laptop mehrfach zu laden, nach nur zwei Stunden TV-Gucken ächzend abbricht. Dann weiß man, dass dieses Szenario wirklich nur eine Notlösung sein kann. Aber immerhin: Es würde gehen.

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