Blackberry Key2 LE

Blackberry Key2 LE im Test: Erstaunliches Revival

Dass Blackberry seine Smartphones nur noch produzieren lässt und sich dabei ganz auf die Software konzentriert, tut den Geräten gut. Das Blackberry Key2 LE überzeugt bei uns im Test mit einer eigenen Handschrift, durchdachter Software und einem mächtigen Keyboard.

Es doch noch einmal mit einem Blackberry versuchen? Nachdem ich im vergangenen Jahr mit dem Blackberry Motion nicht ganz zufrieden war, hatte ich eigentlich erst einmal mit dem Thema abgeschlossen. Als mein Kollege das Blackberry Key2 vor einigen Wochen aber in den höchsten Tönen lobte und die Agentur mir nun das Key2 LE zum testen anbot, sagte ich zu. Und wie sich im Verlauf des Tests zeigte: keine schlechte Entscheidung.

Was ist das Blackberry Key2 LE?

Der Name sagt es bereits: Das Blackberry Key2 LE soll die Lite-Version des großen Modells Key2 sein, das wiederum das KeyOne aus dem Vorjahr beerbt. Die große Besonderheit dieser Reihe: Die Smartphones verfügen neben einem Touchscreen auch über ein mechanisches Keyboard.

Blackberry Key2 LE Lieferumfang

Blackberry Key2 LE Lieferumfang

Nun ist es mit Lite-Smartphones immer so eine Sache. Sie sehen meist aus wie das große Vorbild, sind technisch schwächer ausgestattet, kosten dafür aber meist deutlich weniger. Ein Kompromiss. In diesem Fall ein schlechter? Der technische Vergleich zeigt die Unterschiede:

Blackberry Key 2 LE vs. Key 2

Blackberry Key 2 LEBlackberry Key 2
4,5-Zoll-Display mit 1.620 x 1080 px (HD+) und mechanischem Keyboard mit beleuchteten Tasten4,5-Zoll-Display mit 1.620 x 1080 px (HD+) und mechanischem Keyboard mit beleuchteten Tasten
Qualcomm Snapdragon 636 Octacore-ProzessorQualcomm Snapdragon 660 Octacore-Prozessor
64 GB Speicher (aufrüstbar), 4 GB RAM64 oder 128 GB Speicher (aufrüstbar), 6 GB RAM
Dualkamera mit 13 + 5 MP (Bokeh-Funktion)Dualkamera mit 12 + 12 MP (optischer Zoom)
Akku: 3.000 mAh mit SchnelllademodusAkku: 3.500 mAh mit Schnelllademodus
WLAN a/b/g/n/ac (Wi-Fi 5), LTE Cat 6 (bis 300 Mbit/s), Bluetooth 5.0, NFC, UKW-Radio, USB 2.0 Typ-C, 3,5-mm-Audioklinke, Fingerabdrucksensor vorneWLAN a/b/g/n/ac (Wi-Fi 5), LTE Cat 11 (bis 600 Mbit/s), Bluetooth 5.0, NFC, UKW-Radio, USB 3.0 Typ-C, 3,5-mm-Audioklinke, Fingerabdrucksensor vorne
Gewicht: 156g, Maße: 150 x 72 x 8,35mmGewicht: 180g, Maße: Höhe 151 x 72 x 8,5mm
Betriebssystem: Android 8.1 OreoBetriebssystem: Android 8.1 Oreo
Herstellerpreis: 429 EuroHerstellerpreis: 649 Euro (64 GB), 699 Euro (128 GB)

Und hier sieht man, dass die Unterschiede so groß gar nicht sind. Das Topmodell Key2 hat mehr RAM und den noch etwas besseren Prozessor, ein schickeres Aluminium-Finish an den Seiten, das schnellere LTE, die bessere Kamera und den etwas stärkeren Akku. Ansonsten ist das Blackberry Key2 LE kaum schlechter ausgestattet. Unter anderem löst das Display gleich hoch auf, das Keyboard ist von gleicher Qualität und auch hier sind Fingerabdrucksensor und Dualkamera (wenn auch eines anderen Typs) integriert.

Blackberry Key2 LE: Look and feel

In meinem Test konnte ich keine Makel am Gehäuse des von TCL gefertigten Blackberry Key2 LE entdecken. Die Spaltmaße passen, die Tasten besitzen hervorragende Druckpunkte, das Keyboard ist hervorragend verarbeitet. Das Gerät liegt trotz der leicht herausstehenden Dualkamera eben auf dem Tisch auf und gut in der Hand. Auch die angenehm griffige Rückseite gefällt.

Vielleicht keine Schönheit, aber durch und durch gut verarbeitet: das Blackberry Key2 LE

Vielleicht keine Schönheit, aber durch und durch gut verarbeitet: das Blackberry Key2 LE

Mag sein, dass das Flaggschiff Key2 noch etwas hochwertigere – und vor allem: hübschere – Materialien für das Gehäuse verwendet, aber im Blackberry Key2 LE bleiben kaum Wünsche offen.

Blackberry Key 2 LE in der Praxis: die Tastatur

An der mechanischen Tastatur des Blackberry Key2 LE werden sich die Geister scheiden. Ich habe sie in den ersten Tagen verwünscht, aber je öfter ich sie benutzte, desto mehr gefiel sie mir eigentlich. Das ging schon meinem Kollegen im Test mit dem Blackberry Key2 so. Es scheint einfach etwas Zeit zu brauchen.

Die Tasten sind angenehm zu erreichen und man vertippt sich gefühlt weniger als bei einer virtuellen Tastatur. Einerseits schön, dass Blackberry sich hier nur auf die nötigsten Tasten beschränkt und die einzelnen Tasten damit nicht zu eng sind. Andererseits ist das Aufrufen von Zahlen, Sonderzeichen und Umlauten ein wenig umständlich. Hier brauchte ich länger als mit einer Touchscreen-Tastatur.

Die berühmte Blackberry-Tastatur findet sich auch im Key2 LE wieder.

Die berühmte Blackberry-Tastatur findet sich auch im Key2 LE wieder.

Bei der Groß- und Kleinschreibung hatte ich etwas Probleme. Die Rechtschreibkorrektur erkannte Wörter, die groß geschrieben werden sollten, in der Regel schlechter als andere Android-Geräte. Drückte ich nicht explizit vorher auf die Hochstelltaste, blieb ein Wort meist kleingeschrieben.

Schön, dass Blackberry noch viele Sonderfunktionen in das Keyboard einbaut. So lassen sich hier Abkürzungen erstellen, zum Beispiel die GMail-App öffnen, wenn man auf die G-Taste drückt. In die Leertaste ist der Fingerabdrucksensor eingebaut. Für die kurze Dauer meines Tests habe ich nur wenige dieser Möglichkeiten genutzt. Aber alles in allem zeigt sich, dass das Keyboard ein mächtiges Tool ist, das manchmal zu Unrecht als Rudiment belächelt wird.

Blackberry Key2 LE: Kleine Schwächen im System

Als langsam habe ich den im Blackberry Key2 LE verwendeten Chip eigentlich nicht erlebt. Dafür zeigte dieser einige sonderbare Eigenheiten. Rief ich etwa Instagram auf, zeigte das System mir zunächst den Ladestand des letzten Besuches an, um dann auf schwarz zu stellen und die App in der Grafikeinheit neu zu starten. Das kam mir etwas umständlich vor.

RAM-Speichermanagement: Warnt davor, wenn der Arbeitsspeicher sich füllt, kann ihn dann aber nur umständlich wieder freigeben.

RAM-Speichermanagement: Warnt davor, wenn der Arbeitsspeicher sich füllt, kann ihn dann aber nur umständlich wieder freigeben.

Tatsächlich stürzten einige Apps bei mir ab. Die Nachrichten-App Feedly etwa immer wieder, wenn ich innerhalb der App eine Webseite aufrufen wollte. Auch das Speichermanagement meldete öfter, der Arbeitsspeicher sei fast voll.

Eine freundliche Warnung eigentlich – andere Systeme beenden ungefragt einige Apps im Hintergrund. Nur leider gibt es keine einfache Möglichkeit, den Speicher mit einem Knopfdruck wieder freizugeben – was zum Beispiel viele Huawei-Geräte können. Man kann nur innerhalb der App ein Beenden erzwingen oder in der Multitasking-Ansicht auf „Alle löschen“ gehen, was aber weniger Speicher freigibt als erhofft.

Blackberry Key2 LE: Kamera erstaunt auf ihre Weise

Mit der Kamera im Blackberry Key2 LE wird sich der Hersteller wohl nicht für Photo-of-the-year-Awards bewerben. Gerade nachts braucht man meist viele Versuche, um ein gut belichtetes Bild zu schießen. Der Sensor will das fehlende Licht entweder mit hohen ISO-Werten und dann starkem Rauschen oder einer langen Belichtungszeit kompensieren, was schonmal zu Verwacklern führt.

Und doch habe ich einige Bilder mit dem Key2 LE geschossen, über die ich selbst erstaunt bin. Diese Beethoven-Statue etwa ist perfekt ausgeleuchtet:

Beethoven-Figur aufgenommen mit dem Blackberry Key2 LE.

Beethoven-Figur aufgenommen mit dem Blackberry Key2 LE.

Das iPhone XS Max, mit dem ich ein Vergleichsfoto geschossen habe, liefert zwar die detailreichere Gesamtansicht, bessere Farben im Hintergrund, der Beethoven selbst allerdings ist im Gesicht blau angelaufen:

Beethoven-Figur aufgenommen mit dem iPhone XS Max

Beethoven-Figur aufgenommen mit dem iPhone XS Max

Meinen Smartphone-Kamera-Härtetest, das kontrastreiche Motiv einer Leuchtreklame und trotzdem einer hell ausgeleuchteten Umgebung, schafft das Key2 LE erstaunlicherweise. Hier waren die allermeisten Kameras gescheitert:

Kontrast-Härtetest bestanden: Leuchtreklame lesbar und die Umgebung trotzdem ausreichend ausgeleuchtet

Kontrast-Härtetest bestanden: Leuchtreklame lesbar und die Umgebung trotzdem ausreichend ausgeleuchtet

Und doch bleibt nur ein gemischter Gesamteindruck bei der Kamera. Ein recht langsamer Autofokus, keine besonders schönen Farben. Da wäre mehr möglich gewesen. Hier noch einige Vergleichsbilder von Key2 LE und iPhone XS Max. Bei Nachtbildern wirken die Farben vom Key2 LE etwas ausgefranst, die Farben kräftiger. Das iPhone versucht, die Motive natürlicher darzustellen.

Blackberry Key2 LE: Der Blackberry-Touch

Blackberry lässt seine Smartphones nicht mehr selbst herstellen, sondern greift dafür auf die Dienste des Auftragsfertigers TCL zurück. In der Praxis merkt man davon nichts. Die Geräte sehen aus und funktionieren wie eh und je. Das mit dem mechanischen Keyboard ist sicherlich nicht für jeden, aber es bietet dem Gerät einen eigenen, unverkennbaren Touch, und das ist heutzutage eine Menge wert.

Dazu bei trägt auch die eigene Software, die Blackberry auf dem Gerät installiert. Der spannendste davon ist wieder einmal die Nachrichtenzentrale Blackberry Hub, die etwa neue E-Mails, WhatsApp-Nachrichten oder Tweets an einer Stelle sammelt. Daneben hat Blackberry noch BBM-Messages vorinstalliert, die Sicherheitslösungen DTEK und Locker, zwei Notiz-Apps, eine To-Do-Liste, kleine Bildbearbeitungsprogramme und einen eigenen Passwortmanager.

Und das Erstaunliche ist: Diese Apps wirken durchdacht und sind durchaus eine Bereicherung für das System. Ferner stehen dem Benutzer noch Shortcuts zur Verfügung und eine frei programmierbare, mechanische Schnelltaste neben dem Ein-Aus-Knopf.

Blackberry Key2 LE: Fazit

Blackberry schafft es, dem Key2 LE eine ganz eigene, angenehme Handschrift zu verpassen. Das Keyboard ist ein mächtiges Tool, der eigentliche Star aber ist die eigene Software. Anders als bei einigen anderen Android-Fabrikanten wirkt diese nützlich und nicht wie Bloatware. Im Großen und Ganzen lässt sich mit dem Gerät gut arbeiten, die Verarbeitung von Gehäuse und Tastatur ist absolut hochwertig.

Schwächen gibt es beim Arbeitsspeicher-Management. Die Maschinerie, gerade mit der Grafikeinheit, wirkt an manchen Stellen etwas hakelig. Apps stürzten bei mir im Test hin und wieder ab. Die Kamera ist Durchschnitt; nachts sind gute Bilder zwar möglich, aber teilweise Glückssache.

Blackberry Key 2 LE: Vor- und Nachteile

Tolle Gesamtverarbeitung
Angenehmer Druckpunkt der Tasten und des mechanischen Keyboards
Keyboard ist ein mächtiges Tool mit zahlreichen Sonderfunktionen
Schneller, zuverlässiger Fingerabdrucksensor
Durchaus ausdauernder Akku mit erstaunlich flinkem Schnelllademodus
Starke eigene Software
Tolles Look & Feel und Gesamtkonzept
Mitgelieferter Kopfhörer nicht sehr angenehm zu tragen.
Hin und wieder stürzen Apps ab
Grafikeinheit mit sonderbaren Eigenheiten
Speichermanagement nicht konstruktiv
Kamera ist Durchschnitt

Insgesamt bleibt jedoch ein guter Gesamteindruck. Erstaunlicherweise scheint es aufwärts zu gehen, seit man die Gerätefertigung in die Hände des Auftragsherstellers TCL gegeben hat. Manchmal eben doch besser, man konzentriert sich auf das Wesentliche. Und das ist bei Blackberry die Software, die nun in den Geräten ihre ganze Stärke ausspielen kann.

Blackberry Key2 LE Wertung

Gesamtnote7,8
Gehäuse/Display/Verarbeitung8,0/10
Maschinerie/Akku8,0/10
Ausstattung8,5/10
Kamera6,5/10
Software/Design8,5/10
Nutzungserlebnis8,0/10
Preis/Leistung8,0/10
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