Bahn-WLAN soll Anfang 2017 kommen: Na dann, überrascht mich!

Gleich am 1.1.2017 soll es losgehen mit WLAN für alle Kunden auch in der 2. Klasse eines ICE. Wir haben weiterhin erhebliche Zweifel dass alle Reisenden dann unterwegs problemlos ins Internet gehen können, aber lassen uns gerne überraschen.

Nun ist die Katze aus dem Sack: Bahn-Chef Rüdiger Grube will kostenloses WLAN für alle Fahrgäste im ICE ab dem 1.1.2017 anbieten, auch in der 2. Klasse. Eigentlich war ja ursprünglich noch von Ende 2016 die Rede und Regionalzüge sollen erst später folgen. Aber das soll uns jetzt einmal egal sein, denn schon das mit dem überall verfügbaren WLAN ist ein hohes Versprechen, an dem wir große Zweifel haben.

Warum wir zweifeln?

  • Weil schon Rüdiger Grube in der offiziellen dpa-Meldung Zweifel säht, indem er sagt: „Wir werden am 1. Januar 2017 in allen ICE-Zügen WLAN haben und zwar in einer deutlich besseren Qualität. Das verspreche ich Ihnen“. Dass es besser wird als bisher ist zwar schön, aber eine Garantie auf eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit oder uneingeschränkten Empfang gibt Grube damit noch lange nicht.
  • Grubes Zusatz, ab einem bestimmten Volumen werde die Geschwindigkeit gedrosselt. Wolle man sie für mehr Volumen beibehalten, müsse man zahlen. Das deutet darauf hin, dass eine ansprechende Geschwindigkeit womöglich erst gegen Geld zur Verfügung steht, auch wenn Grube angibt, dass die Standard-Geschwindigkeit für das „übliche Arbeiten und Kommunizieren“ ausreiche.
  • Weil ab Februar auch das Entertainment-Programm der Bahn in Zusammenarbeit mit Maxdome starten soll. Zwar weist Grube darauf hin, dass dies nicht die Surfgeschwindigkeit der Kunden belaste, weil die Daten auf einem Server innerhalb des ICEs lagern würden. Die Videodaten können aber sehr wohl das WLAN auslasten, wenn Entertainment und WWW vom gleichen Access Point versorgt werden. Einzelne Kunden können sich dann vielleicht nicht mehr einwählen.
  • Durch die Ankündigung, dass WLAN jetzt für alle Kunden zur Verfügung stehen soll, werden mehr Reisende das Angebot nutzen wollen, was höhere Zugriffsraten im Access Point bedeutet und die gesamtverfügbare Bandbreite gleich wieder herunterziehen könnte.
  • Der Status quo: Ich bin mehrfach 1. und 2. Klasse gefahren, aber habe jeweils das Bahn-WLAN wenn überhaupt dann kurzzeitig, an Bahnhöfen und am besten dann nutzen können, wenn noch nicht viele Fahrgäste eingestiegen waren. Das Bahn-WLAN jetzt ist eine einzige Katastrophe, bedingt teilweise auch durch die Geographie, Tunnel, Berge, dünn besiedeltes Land und dementsprechend eine schlechte Netzabdeckung der Infrastrukturprovider der Bahn. Wenn das jetzt für hunderte Kunden in einem ICE reibungslos funktionieren soll, müssen die Kapazitäten schon erheblich aufgestockt werden.

Was in Grubes Ankündigung hingegen Anlass zur Hoffnung gibt:

  • Dass die Geschwindigkeit ab einem bestimmten Datenvolumen gedrosselt wird (ich vermute mal bei Videostreaming) deutet zumindest darauf hin, dass versucht wird, das Datenaufkommen gering zu halten und demnach so viele Nutzer wie möglich zu versorgen.
  • Dass jetzt überhaupt etwas getan wurde, um die Kapazitäten aufzustocken. Zumindest in dichter besiedeltem Gebiet wenn mal wenig im Zug los ist, besteht Hoffnung, dass man mit dem Bahn-WLAN hin und wieder wird arbeiten können.

WLAN in Regionalzügen erst später

Grube kündigte gleich noch mehr an. So lasse das von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt versprochene WLAN auch in Regionalzügen erst einmal noch auf sich warten. Das Problem sei hier, dass die regionalen Betreiber und die einzelnen Bundesländer das Angebot erst einmal bestellen müssten, sagt Grube. Das sei nicht bundesweit einheitlich zu regeln, wie in den ICE. Was übrigens mit den immer noch häufig verkehrenden ICs passieren soll, verriet Grube nicht. Hier dürfte vorerst mit keinem bordeigenen WLAN zu rechnen sein.

Bessere Telefonie in ICEs ab 2018

Ferner kündigte Grube an, dass sich auch die Gesprächsqualität über Mobiltelefone, die in einem ICE betrieben würden, sich künftig deutlich verbessern soll. Wenn auch erst 2018. Telefonie solle dann kein Problem mehr sein. Die Züge, die jetzt umgerüstet würden, seien in der Hinsicht dank eingesetzter Verstärker um den Faktor zehn besser geworden. „Auch wenn Sie mit 250 km/h durch einen Tunnel oder durch dünn besiedelte Gegenden fahren“ solle die Leitung stabil sein, sagte Grube. Mit einem entscheidenden Aber allerdings: „Vorausgesetzt die Mobilfunkabdeckung stimmt.“ Und das dürfte bei dem einen oder anderen Provider nicht unwesentlich zum Problem beitragen. Hier allerdings arbeiteten die Anbieter an Verbesserungen, so Grube.

Unsere Meinung

Es ist schön, richtig und überfällig, dass die Bahn ihre ICE mit besserem WLAN für alle Reisenden ausstatten will. Jetzt muss sie zeigen, dass die Maßnahmen mehr sind als ein politisches Versprechen. Weite Teile einer Reise gehen eben nicht durch Städte oder dicht besiedeltes Gebiet, sondern das platte Land, wo es mit einer Netzabdeckung nicht weit hin ist.

Deswegen bleibe ich hochskeptisch, dass ich ab Januar (und auch noch ein paar Monate später, wenn sich die neue Möglichkeit unter allen Reisenden herumgesprochen hat) auch in der norddeutschen Tiefebene einen vernünftigen WLAN-Empfang sponsored by DB Bahn haben werde. Aber da lasse ich mich sehr gerne eines Besseren belehren!

Beitragsbild: DB Bahn

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Ein Kommentar zu “Bahn-WLAN soll Anfang 2017 kommen: Na dann, überrascht mich!
  1. Ein besserer Empfang ist immer noch kein guter.

    Ich kann nur allen empfehlen, sich die Apps aufs Smartphone zu holen, die keinen dicken Internetzugang benötigen: Nachrichten und Blogs per Inoreader und/oder Instapaper zu lesen, Musik als MP3 im Speicher liegen zu haben oder Spotify mit Offline-Funktion zu nutzen und bald hoffentlich auch Netflix mit Offline-Mode.

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