Apple WWDC 2018 iOS Memojis

Apple WWDC 2018: Die Revolution im Kleinen

Auf der Keynote zur Entwicklerkonferenz WWDC 2018 hat Apple für die eigenen Betriebssysteme iOS, macOS, watchOS und tvOS zahlreiche neue Funktionen vorgestellt. Besondere Kracher gab es dabei nicht zu sehen, neue Hardware auch nicht.

Die Nutzer zu begeistern, ist im Jahre 2018 gar nicht mehr so einfach. So mutet es manch einem Beobachter sonderbar an, wenn Apple einen „dunklen“ Modus für Mac-Rechner vorstellt oder animierte Emojis, die als bahnbrechende Neuheit nun die Zunge herausstrecken können. Doch Apple kann natürlich mehr als das und hat ganz nebenbei auf der Keynote zur eigenen Entwicklerkonferenz WWDC 2018 durchaus einige interessante neue Funktionen vorgestellt.

iOS 12: Schneller und mit Maßnahmen gegen Smartphone-Sucht

Die gute Nachricht: Apple hat beim kommenden mobilen Betriebssystem iOS 12 auch an der Geschwindigkeit geschraubt. Anwendungen auf iPhone oder iPad sollen sich schneller öffnen lassen, die Hauptleistung eines Prozessors zügiger angeschoben werden. Bis zu 70 Prozent mehr Schnelligkeit ist laut Apple drin und das selbst für mittlerweile recht betagte Geräte wie das fünf Jahre alte iPhone 5S und das iPad Air.

Apple WWDC 2018 iOS12

Apple WWDC 2018 iOS12

Mit einigen Tools reagiert Apple auf die Smartphone-Sucht vieler Menschen. So können Anwender künftig die maximale Nutzungszeit für eine App selbst festlegen oder Benachrichtigungen nachts komplett ausblenden. Die zweite Version des Augmented-Reality-Baukastens ARKit 2 soll das gemeinsame Spielen oder Teilen einzelner Sequenzen ermöglichen. Die animierten Emojis, genannt Animojis, sollen sich nun auch für eigene Gesichter erstellen lassen (Memojis). Mit Shortcuts lassen sich Funktionen aus verschiedenen Apps zusammenstellen, die dann einfach per Siri aufgerufen werden.

Weitere neue Funktionen betreffen vor allem einzelne Apps. FaceTime erlaubt Videokonferenzen mit automatischer Hervorhebung desjenigen, der gerade spricht – und das mit bis zu 32 Teilnehmern. Auf Wunsch funktionieren die neuen Memojis auch hier. Die Suche in der Foto-App wird optimiert und teilweise automatisiert. So schlägt die App etwa vor, Bilder mit den Menschen zu teilen, die sie auf den Fotos erkannt hat. Safari stoppt das Tracken besonders neugieriger Websites – weit über den Browser hinaus.

macOS 10.14 Mojave: Dunkel und mit Quick Actions

Für das Mac-Betriebssystem macOS 10.14 Mojave gab es insgesamt weniger zu bestaunen, dafür aber durchaus clevere Neuerungen. Noch zu den kleineren Neuheiten zählt der von Entwicklern begrüßte und durchaus elegante „Dark Mode“, der den Hintergrund verdunkelt und die Fenster im Vordergrund optisch hervorhebt. Auch der Mac AppStore bekommt ein überfälliges Facelifting.

macOS 10.14 Mojave: Der Dark Modus macht es angenehm dunkel.

macOS 10.14 Mojave: Der Dark Modus macht es angenehm dunkel.

Im Finder lassen sich Bilder oder Videos in der neuen Galerie-Ansicht nun großflächiger betrachten – und direkt bearbeiten. Fotos kann man zum Beispiel bereits hier drehen, Videos trimmen, PDF-Dokumente unterschreiben, ohne ein weiteres Programm öffnen zu müssen. Schön ist auch die erweiterte Kontinuität. So lässt sich zum Beispiel via Apple Mail die iPhone-Kamera öffnen. Nimmt man dort das gewünschte Foto auf, wird es sofort in die Mail eingefügt.

watchOS 5: Die Apple Watch wird zum Walkie-Talkie

Auch watchOS 5, das Betriebssystem für die Apple Watch, wird von Apple nach wie vor mit schicken neuen Funktionen bedacht. Ob der neu vorgestellte Walkie-Talkie-Modus ein Riesenhit wird, sei dahingestellt. Er wirkt aber im Vergleich zu anderen wie eine angenehme Spielerei.

Apple watchOS 5

Apple watchOS 5

Praktisch klingt, dass man einem Sprachbefehl nicht mehr „Hey Siri“ voranstellen muss, wenn man die Apple Watch anhebt. Die Watch soll künftig automatisch erkennen, wenn der/die TrägerIn mit dem Training beginnt – nun ja, warum gab es das nicht schon längst? Hier kann man sich immerhin künftig mit Freunden messen; die Uhr vergibt für Trainingsleistungen Punkte und erkennt nun noch mehr Sportarten als vorher. Apple bleibt also dabei, die Uhr ein großes Stück weit als Fitness-Uhr zu vermarkten.

Siri wird auf der Watch ein Stück weit für Drittanbieter-Apps geöffnet. Und auch Podcasts lassen sich jetzt direkt auf dem Gerät streamen (und mit AirPods anhören).

tvOS: Kann jetzt HDR und sonst nicht viel mehr

Die neuen Funktionen für das AppleTV-Betriebssystem tvOS fallen vergleichsweise gering aus. Das Apple TV 4K soll künftig auch HDR-Bilder mit HDR 10 und Dolby Vision beherrschen. Für besseren Sound soll ein Software-Update auf Dolby Atmos sorgen.

Apple WWDC 2018 AppleTV 4K

Apple WWDC 2018 AppleTV 4K

Generell soll Apple TV die Eins-für-alles-Fernsehbox im Wohnzimmer werden. Neben Unterstützung für immer mehr Streaming-Plattformen wie Netflix und Amazon Prime soll die Box auch das lineare Fernsehprogramm eines Landes abbilden können. Deals mit Netzbetreibern in den USA, der Schweiz und in Frankreich hat Apple bereits geschlossen. Von Deutschland war erst einmal keine Rede. Hier würde sich eine Kooperation mit der Telekom oder Vodafone anbieten, wenn von denen gewünscht.

Und sonst?

Während Apple-Verantwortliche um den heute Abend völlig aufblühenden Software-Vizechef Craig Federighi butterweich durch die Präsentationen führten, wirkte Apple-Chef Tim Cook seltsam bemüht. Er unterstrich zwar die enorme Wichtigkeit der Entwickler-Gemeinde für Apple; der Funke wollte allerdings nicht so recht überspringen.

Dass es jetzt Dinosaurier-Animojis gibt, die die Zunge herausstrecken können, ist Apple tatsächlich eine Meldung wert.

Dass es jetzt Dinosaurier-Animojis gibt, die die Zunge herausstrecken können, ist Apple tatsächlich eine Meldung wert.

Federighi war denn auch derjenige, der Gerüchten noch einmal entschieden entgegen trat, dass macOS und iOS zu einer Plattform verschmelzen sollten. Dafür seien die Anforderungen an beide Systeme einfach zu unterschiedlich und der Mac bleibe ein Liebling des Unternehmens. Wirklich überzeugend war auch das nicht, zumal die Neuerungen bei macOS zwar hochinteressant klingen, dann aber doch weit spärlicher sind als das weiterhin eifriger bediente iOS.

Fazit: Auf die vermeintlich kleinen Dinge achten

Ja, die Vorliebe von fragwürdigen Spielereien wie Animojis in Dinosaurier-Form sind ebenso sonderbar wie das Feiern längst überfälliger Dinge, wie einer Einbindung von News in der Aktien-App. In der Vergangenheit waren es aber meist die zunächst vermeintlich klein scheinenden Dinge, die sich als wahre Erfolgsgeschichten entpuppten. iMessage oder AirDrop seien hier als Beispiele genannt.

Apple hat heute gleich mehrere solcher Kleinigkeiten vorgestellt, die das Potenzial haben, riesengroß zu werden. Ich sehe da etwa die Kontinuität-Funktion und die Quick Actions im Finder von macOS als solche Kandidaten. Bei iOS könnte es die neue Teilen-Funktion der Foto-App werden oder die Siri Shortcuts. Und vielleicht macht sogar die Walkie-Talkie-Funktion in watchOS die Apple Watch noch zu einem kommerziellen Erfolg.

Etwas enttäuscht bin ich allenfalls von den geplanten iOS-Neuerungen. Dafür dass das System Apple das meiste Geld einbringt, sind die Weiterentwicklungen zwar zahlreich, aber wenig spektakulär. Hier vermisse ich nach wie vor Content-Pools und eine Loslösung von den starren App-Wüsten. Ich werde sie wohl nicht mehr bekommen.

Bilder: Apple

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2 Kommentare zu “Apple WWDC 2018: Die Revolution im Kleinen
  1. Etliche Dinge, gerade bei iOS12, stellte Google ja schon vor Wochen fürs nächste Android vor. Persönlich lustig finde ich ja, dass iOS12 schneller auf alten iPhones laufen soll. Wird das Entfernen der Drosselung jetzt als Feature verkauft? 🙂

    Spaß beiseite: Vor allem die Spielereien (Filter und das Animoji-Zeuch) halte ich ja eben für…Spielereien. Vermutlich bin ich zu alt, um mich dafür begeistern zu können.

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