5G im Nicht-Test: Erst einmal warten

Bewaffnet mit drei 5G-Smartphones, einem passenden Tarif und einer traumhaften 5G-Abdeckung vor Ort wollte Trendblog-Redakteur Daniel Wendorf die verheißungsvolle Mobilfunkzukunft ausprobieren. Doch daraus wurde nichts.

5G im Nicht-Test: Erst einmal warten

Mit 5G startete vergangenes Jahr die Zukunft der mobilen Datenübertragung. Gegenüber 3G und LTE sind die Latenzen geringer und die Datendurchsätze höher. Für jemanden wie mich ist 5G daher interessant. Vieles organisiere ich von unterwegs aus. Videokonferenzen, WhatsApp-Calls, Datensynchronisation, Bürokram. Die neue 5G-Technologie verspricht mir, alles schneller, nahezu in Echtzeit erledigen zu können. Damit könnte ich als Autor ortsungebunden arbeiten. Ein Traum!

5G ist schon jetzt ein umkämpfter Markt

Anders als seinerzeit bei UMTS und LTE umwerben die großen Provider Vodafone, Telekom und (bald auch) O2 nicht nur die Business-Kunden. In einer langen Auktion überwiesen die Bieter für die neuen 5G-Frequenzen schließlich 6,5 Milliarden Euro an den Bund.

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Die eigentliche Bieter-Sensation aber war, dass im Konzert der Big Three nun auch 1&1 Drillisch mitmischt. Das Unternehmen kann dank der Frequenzblöcke ein eigenes Mobilfunknetz aufbauen, wo es sich zuvor die Kapazitäten bei der Konkurrenz mietete.

Der Newcomer zwingt die Platzhirsche zum Wettbewerb, was euch als Endverbraucher zugutekommen soll. 5G gibt es also vielfach jetzt schon als günstige Zusatzfunktion für Prepaid oder den Langzeitvertrag. In meinem Fall bot mir ein Provider eine Prepaid-Karte mit kostenfreiem 5G-Band an. Das traf sich gut, denn für das Trendblog wollte ich drei 5G-fähige Telefone testen.

5G ausprobiert
Galaxy S20 Ultra 5G (links), ZTE Axon 11 5G (mittig) und Motorola Moto G 5G (rechts) müssen noch dazulernen. (Fotos: Samsung, ZTE, Motorola)

Das preisintensive Samsung Galaxy S20 Ultra 5G für hohe Ansprüche an Display, Prozessor und Kamera. Das ZTE Axon 11 5G für sparsame Nutzerinnen und Nutzer. Und das Motorola Moto G 5G (2020), das ein rundes Gesamtpaket zu einem erstaunlich attraktiven Preis bietet. Apple fehlt in dieser Aufzählung, wobei es als sicher gilt, dass das kommende Spitzen-iPhone endgültig die Tür zur 5G-Gegenwart aufstößt. Dann dürfte 5G umso interessanter für die Kunden werden.

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Aber auch ohne iPhone lagen drei Gründe für 5G vor mir. Im Shop meines Vertrauens erwarb ich die Prepaid-Karte, bekam eine hübsche Mappe mit technischen Details und dem Versprechen, wenige Stunden nach der Installation mit 5G surfen zu können. Sehr schön!

Katerstimmung nach Vorfreude

Was dann folgte, verhagelte mir die 5G-Freuden. Die Einrichtung von Telefon und micro-SIM ging flott vonstatten, mein Anbieter registrierte die Karte in seinem Netz und erlaubte mir, mit LTE zu surfen. 5G, so die darauf folgende Textnachricht, stehe sehr bald bereit. Es blieb bei dieser Ankündigung.

Egal, ob ich drei Stunden, vier Tage oder eine Woche später auf das Display schaute: Ich surfte mit LTE, obwohl ich mich in Dresden in jenem Bereich bewegte, der mit 5G vollversorgt ist. Ausreizen konnte ich die Downloadgeschwindigkeiten der Testaspiranten nur im heimischen WLAN. Da zeigte sich deren Speed, während ich in der Stadt kein bisschen schneller unterwegs war als im LTE-Netz.

5G ausprobiert
Trotz Ankündigung und Bestätigung kein 5G-Empfang…? Ernüchternd.

Eine Email-Anfrage beim Provider blieb unbeantwortet. In den Shops versicherte man mir, dass das Problem nicht am Anbieter liege. Wieso ich dann nicht ins 5G-Band kam? Keine Antwort.

War es die Hardware? Und dann gleich bei drei Telefonen? Die Antwort: jein. Im Austausch mit Motorola stießen mich die Pressekontakte auf ein seltsames Wort: Ankerbänder. Telekom und Vodafone nutzen die 5G-DSS-Technik, die Frequenzen für LTE und 5G gleichermaßen nutzbar macht.

Der Vorteil für die Anbieter: Sie können die neuen Funkstandards schneller und in der Fläche verfügbar machen. Der Nachteil: Nicht jedes 5G-fähige Telefon ist in der Lage, damit umzugehen. Und das Netz meines Providers nutzt dieses 5G-DSS-Verfahren konsequent. Die Smartphone-Produzenten müssten Updates ausrollen. Und die lassen Ende September 2020 noch auf sich warten.

Ein Fazit? Nicht möglich

Meine erste 5G-Erfahrung ist keine, die ich als positiv oder negativ beschreiben könnte. Sie fand schlicht nicht statt. Das ist insofern bedauerlich, als dass ich mich darauf freute. Provider, Software-Hersteller und Smartphone-Produzenten scheinen sich nicht über die Anforderungen und Strukturen der Technologie ausgetauscht zu haben. Fast wirkt es so, als seien sie vom neuen Standard überrascht, hätten deshalb schnell etwas zusammengebaut und „5G“ draufgelabelt.

Und so sitze ich hier, mit immerhin noch einem 5G-fähigen Telefon, und warte. Dass ich nach einem längst überfälligen Update endlich die Mobilfunkzukunft testen kann.

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