3G Sendemast

3G-Abschaltung: Alles was ihr wissen müsst

Die großen Netzbetreiber schalten 3G/UMTS ab. Statt nun in Panik zu verfallen, hilft ein Blick auf Gründe, Vorgehen – und welche Vorteile für euch damit einhergehen.

Das 3G-Netz wird in den kommenden Jahren nach und nach abgeschaltet. Viele Mobilfunk-Kunden sind aber per Vertrag an den UMTS-Standard gebunden. In die Euphorie über den ultraschnellen 5G-Funkstandard mischte sich in den vergangenen Monaten eine gewisse Panik. Die nämlich, dass man entweder LTE bzw. 5G nutzt. Oder andernfalls bald in Mobilfunk-Deutschland abgehängt ist.

Wir haben für euch die Fakten zusammengetragen. Was ist dran an den Befürchtungen, bald offline da zu stehen? Wie erkennt ihr, in welchem Netz ihr surft? Und wie reagieren die Discount-Anbieter? In unserem Special klären wir euch darüber auf!

Wie weit ist 3G noch verbreitet?

Der Bundesnetzagentur zufolge waren Ende des Jahres 2018 lediglich 47 Prozent der aktiven SIM-Karten im 4G-Netz aktiv, konnten also LTE nutzen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass 53 Prozent der aktiven SIM-Karten mit 3G funkten.

3G Abschaltung

Nahezu ausgeglichen – scheinbar. Doch 3G ist für viele Nutzer ausreichend. (Mit Datenmaterial der Bundesnetzagentur)

Der LTE-Standard ist zwar acht Jahre alt, wird aber verhältnismäßig wenig genutzt. Viele Mobilfunk-Discounter bieten günstige Verträge an, die derzeit nur 3G bieten. Auch die noch in Benutzung befindlichen Smartphones ohne LTE-Modul ein bestimmender Faktor.

Weshalb schaltet man die 3G-Netze ab?

Aufbau, Wartung und Entsorgung von Funk-Infrastruktur sind kostspielig. Die drei Mobilnetzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica investieren jährlich Millionen in die Instandsetzung und Verbesserung ihrer Netze.

Das rechnet sich aber nur, wenn die Einnahmen sprudeln. Und das tun sie nur, wenn sie mit technischen Vorteilen ihre Kunden überzeugen. Und diese bereit sind, einen Vertrag mit höherer Grundgebühr einzugehen.

Warum 5G so viel besser wird als LTE

Hinzu kommen Vorgaben der Bundesnetzagentur. Diese verpflichtete die Netzbetreiber mit der Versteigerung der 5G-Frequenzen dazu, bis Ende 2022 über 98 Prozent der Haushalte mit mindestens 100 Mbit/s zu versorgen. Auch weiteren Vorgaben zur Versorgung mit schnellem mobilem Internet mussten die Netzbetreiber zustimmen.

Der Haken: UMTS bzw. 3G kann die Vorgaben der Bundesnetzagentur nicht erfüllen. Während die flächendeckende Vollversorgung kein Problem wäre, liegt die Geschwindigkeit (max. 42,4 Mbit/s) klar hinter der von der Bundesnetzagentur ausgegebenen Marke.

Die Abschaltung der 3G-Netze besitzt auch eine physikalische Komponente. Auf den freigewordenen Frequenzen um 2100 MHz sollen künftig LTE und 5G senden. Es herrscht Gedränge in den Frequenzbändern, weshalb die UMTS-Abschaltung über kurz oder lang erfolgen muss.

Wie weiß ich, ob mein Smartphone noch auf 3G funkt?

Vor 2013 angebotene Spitzentelefone und wenige neue, extrem günstige Android-Telefone beherrschen LTE nicht. Apple-Smartphones sind ab dem iPhone 5 bzw. iPhone 5s und 5c fit für LTE, Samsung-Geräte ab dem Galaxy S4.

Quick Check: Ist euer Android-Smartphone LTE-fähig?

Ob euer Smartphone LTE-fähig ist, könnt wie folgt in eurem Android-Smartphone herausfinden. Tippt auf Einstellungen – Verbindungen – Mobile Netzwerke – SIM-Netzmodus. Dort findet ihr eine Angabe, welches der aktuellste unterstützte Funkstandard ist.

Wollt ihr euch hardwareseitig für den Wegfall von 3G wappnen, empfiehlt sich der Kauf eines aktuellen LTE-Smartphones. Das von uns getestete Gigaset GS110 wäre schon ab etwa 120 Euro zu haben. Legt ihr Wert auf mehr Rechenkraft, eine bessere Fotokamera oder einen größeren Akku, ist jeder zusätzlich investierte Euro gut angelegt. Das gut ausgestattete ZTE Blade V10 für knapp 290 Euro etwa ist immer noch günstig, aber für die Zukunft aufgestellt.

ZTE Blade V10 im Test: Wertige Mittelklasse mit Selfie-Expertise

5G-Telefone hingegen sind noch Exoten. Das dürfte sich bald ändern. Zumindest Direktkunden der Netzbetreiber werden für ein Tarif-Upgrade auf 5G umworben, teils gibt es die Aufwertung für lau.

Wann schalten die Netzbetreiber 3G ab?

UMTS ist vor allem im ländlichen Raum eine Stütze, da dieser Standard dort weite Gebiete mit mobilem Internet versorgt. Sollte 3G wegfallen, spüren dies Mobilfunknutzer zuerst auf dem Land. Betroffen davon ist das Surfen im Netz, das Whatsappen – kurzum: Alles, wofür das Smartphone eine Internetverbindung braucht.

Nicht betroffen sind hingegen Telefonate und SMS. Diese beiden Funktionen laufen auch nach einer UMTS-Abschaltung noch. Keiner der drei Netzbetreiber Vodafone, Telefónica oder die Deutsche Telekom wird dieses alte, aber noch immer genutzte Netz abschalten.

Schon vor einigen Jahren begannen die Netzbetreiber, ihre UMTS-Netze abzubauen. Betroffen waren und sind vor allem ländliche Regionen. Unsere Auswertung der 3G-Netze zeigt vor allem eine 3G-Unterversorgung des ländlichen Raumes. Stand des hier beschriebenen Zustands ist der 6. September 2019.

Die Deutsche Telekom weist 3G-Lücken in den östlichen Bundesländern (und dort vor allem West- und Nordbrandenburg, sowie Mecklenburg-Vorpommern) auf und hat in stark bewaldeten Gebieten mit der Versorgung zu kämpfen.

Vodafones 3G-Netz ist in Teilen Niedersachsens, Rheinland-Pfalz, Hessen, im Saarland, Baden-Württemberg und Bayern abwesend. Ballungsgebiete sind weniger stark davon betroffen. Zu wann die 3G-Infrastruktur komplett eingestampft ist, dazu haben die Netzbetreiber unterschiedliche Zeitangaben.

NetztbetreiberDrittanbieter3G-Abschaltung
Deutsche TelekomCongstar, freenetmobile, klarmobil.deEnde 2020
Vodafone1&1, freenetmobile, klarmobil.de, Lidl Connect, OTELOZwischen 2020 und 2021
TelefónicaAldi Talk, Blau, klarmobil.de, PremiumSIM, simply, smartmobil, YourfoneKein Abschalttermin

Am längsten dürften Kunden im 3G-Netz der Telefónica surfen können. Das hängt mit der Historie des Anbieters zusammen, der nach der Übernahme von O2 faktisch über zwei E-Netze verfügte und ihre Zusammenlegung erst im Februar beendete. Die teure Netzintegration muss sich erst einmal rechnen – die günstigen 3G-Verträge sind ein wesentliches Standbein. Die 3G-Versorgung ist allerdings lückenhaft

Wie reagieren Drittanbieter auf die 3G-Abschaltung?

Theoretisch stünde es Anbietern wie Aldi Talk, Congstar, Mobilcom-Debitel, Drillisch und Co. frei, die Verträge mit Kunden zu beenden. Entscheidend sind die Vertragsklauseln, die natürlich auch der Anbieter zu seinen Gunsten auslegen kann.

3G Abschaltung Drittanbieter

Wiedererkannt? Viele günstige Marken sind abhängig von den drei großen Netzbetreibern.

Allerdings würde eine massenweise Kündigung bestehender 3G-Verträge ein negatives Echo nach sich ziehen, das die Unternehmen nicht gerne hören mögen. Daher setzen die meisten der Billig-Anbieter auf eine clevere Taktik. Sie legen sich auf keinen Funk-Standard mehr fest. Das Drillisch-Subunternehmen Aldi Talk beispielsweise schreibt in die Tarifdetails zu diversen Paketen:

[…] Maximale Geschwindigkeit bis zum Verbrauch des im Tarif enthaltenen High-Speed-Datenvolumens 21,6 Mbit/s im Download und 8,6 Mbit/s im Upload, danach bis zum Ende des jew. Abrechnungszeitraums max. 56 Kbit/s. Bei 21,6 Mbit/s handelt es sich um die technisch mögliche Maximalgeschwindigkeit. Die tatsächlich und durchschnittlich erreichte Geschwindigkeit kann davon abweichen und ist u.a. abhängig vom Endgerätetyp und Netzausbaugebiet.

LTE kann je nach Ausbau und Gerätetyp bis zu 300 MBit/s im Download und 50 Mbit/s im Upload erreichen. Indem die Discount-Anbieter die Geschwindigkeit von vornherein stark drosselt, können sie je nach Verfügbarkeit zwischen 3G und LTE wechseln. Für euch als Kunden macht sich der Wechsel vom einen ins andere Datennetz kaum bemerkbar Von den längeren Latenzen einmal abgesehen. Die Datengeschwindigkeit bleibt hingegen einigermaßen konstant.

Was passiert jetzt mit meinem Smartphone-Tarif?

Die meisten Tarife dürften die Drittanbieter klammheimlich von 3G in LTE überführen, ohne euch höhere Kosten zu berechnen. Ein Beispiel hierfür wäre die Telekom-Tochter Congstar, die ohne größeres PR-Trara Kunden über einen Technologie-Wechsel informiert.

3G Abschaltung

Congstar informiert Kunden über einen Wechsel des Funkstandards. Ohne Aufpreis. (Pexels / Mit Material von Congstar.)

Für uns sind die Meldungen über solche Wechsel ein wenig wie Fischen im Trüben. Die obige Nachricht stammt von einer Privatperson aus Dresden. Einer unserer Redakteure aus Westdeutschland konnte einen solchen Wechsel nicht bestätigen. Der vorsichtige Verdacht? stellt dort Congstar um, wo die UMTS-Infrastruktur so weit ausgedünnt ist, dass eine problemlose Versorgung gewährleistet ist.

Denn anders als viele Drittanbieter, bietet Congstar zwei kostenpflichtige Upgrades von 3G auf LTE. Die gehen mit einem Versprechen einher, eine bestimmte Geschwindigkeit erreichen zu können. Wie es für einige prominente Discounter-Anbieter aussieht, haben wir euch hier aufgeschlüsselt.

AnbieterTarifNetz3G/4G + maximaler Download in Mbit/s
Aldi TalkPaket STelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
Paket MTelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
Paket LTelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
Internet-Flatrate STelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
Internet-Flatrate MTelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
Internet-Flatrate LTelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
Internet-Flatrate XLTelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
Blau2 GB LTETelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
3 GB LTETelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
5 GB LTETelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
8 GB LTETelefónicaja/ja + max. 21,6 Mbit/s
CongstarAllnet Flatja/ja (optional für 3 Euro Aufpreis) + max. 25 Mbit/s
Allnet Flat Plusja/ja (optional für 3 Euro Aufpreis) + max. 25 Mbit/s
Basic (500 MB)ja/ja (optional für 3 Euro Aufpreis) + max. 25 Mbit/s
Smart (1,5 GB)ja/ja (optional für 3 Euro Aufpreis) + max. 25 Mbit/s

Habe ich ein Sonderkündigungsrecht bei der 3G-Abschaltung?

Die drängendste Frage überhaupt: Könnt ihr bei einem Technologiewechsel einfach so kündigen? Vermutlich nicht, vorsichtig ausgedrückt. Präzedenzfälle sind selten, einen Fingerzeig bietet die 2016 vollzogene Abtretung des E-Plus-LTE-Netzes von Telefónica an Vodafone. Damals stellte das spanische Unternehmen auf 3G um. Doch trotz der höheren Latenz und (theoretisch) niedrigeren Datendurchsatzrate war ein Sonderkündigungsrecht lediglich auf Kulanz möglich. Und das bezog sich auf Verträge mit langer Laufzeit.

3G Abschaltung Aldi Talk

Ein Blick ins Kleingedruckte erhellt – die meisten Drittanbieter sichern nur eine bestimmte Übertragungsrate zu. (Pexels / Mit Material von Aldi Talk)

Ähnlich liegt der Fall bei den Billig-Anbietern. Eine Sonderkündigung ist in der Regel nicht möglich. Die vertraglich zugesicherte maximale Datengeschwindigkeit legt sich meist nicht auf den Funkstandard fest. Lediglich bei einer zeitgleichen Preiserhöhung bestünde die Option auf eine vorzeitige Kündigung, da Mehrkosten nicht vereinbart sind.

Bei den geringen Vertragslaufzeiten der Discounter ist die Sonderkündigung eher die Ausnahme denn die Regel.

Fazit: 3G-Abschaltung – ohne Alarmismus

Die Netzbetreiber opfern 3G zugunsten von LTE und 5G. Eigentlich eine gute Nachricht. Doch was passiert mit den vielen 3G-Verträgen? Trotz alarmierender Artikel in der Tagespresse geschieht: Zunächst einmal nicht viel.

Seid ihr Kunde mit einem entsprechenden 3G-Vertrag , könnt ihr gelassen in die Zukunft blicken. Zum einen garantieren die Verträge einen bestimmten Datendurchsatz, der mit 3G oder LTE komfortabel zu erreichen ist. Wie er das bewerkstelligt, muss der Provider entscheiden – und notfalls ohne Aufpreis das zeitgemäße 4G aufschalten. Selbst Anbieter wie Congstar, die LTE als zusätzliche Buchungsoption führen, stellen klammheimlich auf das zeitgemäßere LTE um. Und bis alle 3G-Sendemasten umgerüstet sind, vergeht noch einige Zeit.

Natürlich ist die Nachfrage beim Provider richtig und beseitigt auch die letzten Zweifel. Checkt trotzdem, ob euer Telefon überhaupt in der Lage ist, auf 4G zu funken. Tut es das nicht, raten wir euch zu einem neuen 4G-Smartphone. Das gibt es schon zum günstigen Preis und garantiert euch auch weiterhin mobil im Netz surfen zu können.

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2 Kommentare zu “3G-Abschaltung: Alles was ihr wissen müsst
  1. Das iPhone 4 ist überhaupt nicht LTE fähig. Auch das 5er ist es hier kaum, da es nicht alle Frequenzen kann. Erst das 5S geschweige 5c kann LTE. Daher bitte mal korrigieren.

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