Geschirrspüler oder Abwasch: Was verbraucht mehr Energie und Wasser?

Was ist besser? Das Geschirr per Hand oder mit der Spülmaschine abzuwaschen? Eindeutig ist das nicht, was Strom und Wasser betrifft. Wir geben Tipps.

Geschirrspüler oder Abwasch: Was verbraucht mehr Energie und Wasser?

Was man intuitiv denkt, ist oft falsch. Ein Geschirrspüler soll ökologischer sein, als das Geschirr von Hand zu spülen. Das liest man immer wieder.

Diese Aussage geht zurück auf die Studie Consumer Study on Dishwashing Habits in Four European Countries der Universität Bonn aus dem Jahr 2010. Doch leider stimmt diese Rechnung nicht.

Um den Verbrauch von Strom und Wasser wirklich genau abzuschätzen, müsstest du viele Faktoren berücksichtigen. Wir zeigen dir in diesem Beitrag zumindest, wie du für deine Küche bessere Entscheidung treffen kannst.

Das Problem mit der Studie

Leider war es kein kleiner Fehler in der Studie. Ansonsten hätte die Rechnung mittlerweile aufgehen können, denn die Geschirrspüler sind seitdem sparsamer geworden, was den Verbrauch von Wasser und Strom betrifft.

Herstellung und Transport müssen beim Energieverbrauch mitgerechnet werden (Bild: Han Chenxu/Unsplash)

Doch damals wurden zwei Faktoren außer Acht gelassen, die einen großen Einfluss auf die Rechnung haben:

  1. In der Studie wurde nur das Spülen selbst betrachtet. Der Energieaufwand für Herstellung und Transport der Spülmaschine wurde nicht eingerechnet.
  2. Die Testpersonen, die von Hand spülten, nutzten seinerzeit sehr unterschiedliche Techniken – von sparsam bis äußerst verschwenderisch. In der Studie wurde der Mittelwert genommen. Doch ein sparsames Geschirrspülen von Hand war sparsamer als die Spülmaschine.

Wasserverbrauch im Vergleich

Dabei scheint der Wasserverbrauch beim Geschirrspülen von Hand und mit der Maschine erst einmal gleich groß zu sein. Ein Waschbecken fasst etwa neun Liter Wasser. Eine Spülmaschine benötigt auch etwa neun Liter pro Spülgang.

Doch die Maschine reinigt mit dieser Menge Wasser wesentlich mehr Geschirr. Hinzu kommt: Als ich noch per Hand spülte, habe ich sogar mehr Wasser pro Spülgang verbraucht. Beide Effekte verschieben die Rechnung zu Gunsten des Elektrogeräts.

Teller mit Speiseresten
Grobe Speisereste sollten immer vom Teller entfernt werden, bevor sie in die Spülmaschine kommen (Bild Pixabay/congerdesign)

Bei dreckigem Geschirr habe ich zwischendurch das Spülwasser gewechselt, weil es schlichtweg zu dreckig geworden war. Zum Klarspülen ließ ich entweder ein zweites Becken mit klarem Wasser ein oder ich hielt jedes Glas, jeden Teller zumindest kurz unter laufendes Wasser.

Die Maschine dagegen schafft es auch, das dreckige Wasser wieder aufzubereiten und mehrmals zu nutzen – abgesehen vom letzten Spülgang, für den selbstverständlich dann doch wieder frisches Wasser genutzt wird.

Die Lehre aus der Studie oben ist aber, dass der Wasserverbrauch nicht bei jedem Menschen gleich ist. Es kommt sehr stark auf die individuelle Technik an – und dann kann der Wasserverbrauch durchaus unter dem einer Spülmaschine liegen:

  • alle Speisereste nach dem Essen entfernen
  • nach Möglichkeit nichts antrocknen lassen
  • falls doch: mit wenig Wasser gut einweichen lassen
  • wenig Wasser ins Becken geben
  • der Seifenlauge vertrauen, auch wenn das Wasser schon etwas trüb ist
  • nur bei wenigen Stücken nachspülen, z.B. Gläser

Energieverbrauch im Vergleich

Noch schlechter lässt sich der Energieverbrauch bestimmen. Eine Spülmaschine verbraucht im Ökoprogramm zwischen 0,7 bis 0,95 kWh. Bei der Handwäsche lässt sich das leider nicht so einfach abschätzen.

Wo und womit wird das Wasser erhitzt? Im Elektroboiler unter der Spüle? In der Gasetagenheizung? In der Zentralheizung? Wird diese mit Gas, Öl oder Fernwärme betrieben? Wie lange ist die Leitung in deine Küche? Steht dort das warme Wasser schon am Kran an? Wie viel Wasser verbrauchst du?

Heizungsanlage
Wie wird das Wasser für die Handwäsche erhitzt? (Bild: avantrend/Pixabay)

Statt hier einen konkreten Wert errechnen zu wollen, achte lieber darauf, wie du beim Spülen von Hand Energie sparen kannst.

Im Geschirrspüler läuft das 60-Grad-Ökoprogramm, doch bei der Handwäsche ist das Wasser nie und nimmer 60 Grad heiß. Das würden deine Hände nicht mitmachen. Dabei steht überall, dass Keime erst bei 60 Grad sterben. Doch die Hauptarbeit bei der Reinigung übernimmt das Spülmittel. Das Spülwasser muss nicht warm sein.

Die hohen Temperaturen im Geschirrspüler sind dagegen wichtig, um die Maschine zu pflegen und den Biofilm zu entfernen, der sich im Gerät gebildet haben kann. Zudem werden die Temperaturen genutzt, um Verkrustungen von Töpfen und Pfannen zu lösen.

Spülmittel im Vergleich

Beim Abwasch per Hand kann es leicht passieren, dass du das Spülmittel überdosierst. Oft haben die Flaschen eine zu große Öffnung. Letztlich hast du es aber in deiner Hand, das Spülmittel richtig zu dosieren. Vertraue erst der Anleitung auf der Flasche, dann zunehmend deinen Erfahrungen.

Multi-Tab im Geschirrspüler
Ein Tab ist die häufigeste Form des Spülmittels für Geschirrspüler (Bild: Peter Giesecke)

Ein Geschirrspüler dagegen dosiert immer etwas über. Schließlich soll das Geschirr auch sauber werden, wenn:

  • die Maschine überfüllt ist
  • das Geschirr extrem dreckig ist
  • es starke Verkrustungen gibt
  • besonders klebrige Reste auf dem Teller sitzen
  • Pfannen vor Fett triefen
  • das Wasser sehr kalkhaltig ist

Wer Tabs nutzt, dosiert immer gleich – auch wenn der Inhalt der Spülmaschine variiert. Der gleiche Tab kommt auch in Maschinen mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit zum Einsatz und an Standorten mit unterschiedlicher Wasserqualität. Pulver kannst du besser abmessen, aber auch da neigen viele zur Überdosierung.

Die ersten Geschirrspüler dosieren allerdings schon selbst und sind richtig gut dabei. Sensoren prüfen, wie dreckig das Geschirr ist. Viele Geräte können dann Temperatur und Wassermenge bestimmen, einige aber auch die Menge des Spülmittels.

Geschirrspüler Miele G 7000 mit Powerdisk
Die Powerdisk von Miele reicht für bis zu 20 Spülgänge (Bild: Miele)

Der Geschirrspüler schabt dann nur so viel Spülmittel von einer Disc, wie gerade gebraucht wird. Diese sitzt im Gerät und reicht für viele Spülgänge. Die Discs sind zwar teurer im Kilopreis, da aber weniger pro Spülgang genutzt wird, relativiert sich der Preis. Die Umwelt dankt es auf jeden Fall.

Verwende am besten auch ein Bio- oder Öko-Spülmittel, das aus nachhaltigen Inhaltsstoffen besteht, die biologisch vollständig abbaubar sind.

Der gesamte ökologische Fußabdruck

Zurück zur oben genannten Studie. Dort wurden konkrete Verbrauchswerte fürs Spülen mit der Hand genannt, die sich allerdings nicht generalisieren lassen. Welcher Wert gilt denn nun für dich und deine Küche?

Solarenergie
Ob der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, spielt genauso eine Rolle wie Produktion und Transport des Geräts

Hinzu kommt aber noch: Wenn es beim Vergleich nicht nur um den Preis geht, sondern auch um die Umwelt, spielt auch eine Rolle, ob der Strom aus erneuerbaren Energien stammt oder mit umweltschädlichen Emissionen erzeugt wurde.

Die Studie hat ebenfalls nicht berücksichtigt, dass Geschirrspüler unter Aufwand von Energie und anderen Ressourcen hergestellt und zum Aufstellort transportiert werden müssen. Der sogenannte graue Strom bei der Herstellung soll 1.000 kWh pro Gerät betragen. Diese (Umwelt-)Kosten fallen beim Spülen mit der Hand komplett weg.

Töpfe von Hand, Teller in die Maschine

Für mich kommt der Abwasch von Hand nicht mehr infrage. Ich wohne im dritten Stock eines Altbaus. Wenn ich den Warmwasserhahn aufdrehe, muss ich lange warten und viel zu viel Wasser durchlaufen lassen, bis es langsam warm wird. Wie ich bei der Recherche zu diesem Beitrag gelernt habe, muss es nicht richtig heiß sein, aber etwas warm sollte es schon sein.

45-cm-Geschirrspüler mit Inhalt
Bei der Handwäsche von Topf und Becher hätten noch viele Teller hineingepasst (Bild: Peter Giesecke)

Vor allem aber schätze ich die Zeitersparnis, die eine Spülmaschine bringt. Ich habe gar nicht die Zeit, wie vor hundert Jahren alles wieder von Hand zu erledigen. Vielmehr konzentriere ich mich darauf, langlebige und sparsame Geräte zu kaufen, auch wenn diese teurer sind. Ich achte auf Energieeffizienzklasse, Stromverbrauch und Wasserverbrauch.

Und ich bemühe mich, die Geräte intelligent zu nutzen. So wasche ich große Töpfe direkt nach dem oder sogar beim Kochen schnell mit der Hand ab. Ein Schwamm und etwas Wasser reichen oft. Im Geschirrspüler bleibt dann viel mehr Platz für Teller und Besteck, das ausreichend im Haushalt vorhanden sein muss. Die Maschine läuft seltener und dadurch viel effizienter.

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