Home Office: Wie gestalte ich den Tag mit Kind?

Die Corona-Krise ist für viele Eltern eine echte Herausforderung, wenn sie die Betreuung ihrer Kinder selbst übernehmen und im Home Office arbeiten müssen. Ein Erfahrungsbericht – und ein paar Tipps – von Trendblogger Sven Wernicke.

Sicher finden sich im Internet auf diversen Mama- und Papa- Blogs längst zahllose Hinweise, Tipps und Ratschläge, wie Eltern Home Office und Kindererziehung unter einen Hut bekommen. Ich bin kein Pädagoge, Erzieher, Kinderexperte, aber ebenfalls „betroffen“. Denn ich arbeite (allerdings seit über 15 Jahren) daheim und um mich herum düst ein 22 Monate altes Kleinkind, das eigentlich die Tage in die Kita kommen sollte. Und so gehen meine Freundin und ich mit dem sich veränderten Alltag um.

Besonders wichtig: Den Tag nicht „zuballern“

Was mir bei Freunden, Nachbarn und durch Beobachtungen auffällt: Eltern im Home Office mit Kind(ern) gaben schon in den ersten Tagen Vollgas, um ihren Nachwuchs zu „bespaßen“, sie daheim zu unterrichten und ihnen die bestmögliche Förderung zu bieten. Versteht mich nicht falsch – es ist großartig, wenn Mutti und Vati so bemüht sind. Andererseits bauen sie damit auch eine gewaltige Erwartungshaltung auf, die sie nicht dauerhaft aufrechterhalten können.

Klar, ein Kleinkind ist freilich nicht die gleiche „Dimension“ wie zwei Kinder im (Vor-)Schulalter, die einen ganz anderen Anspruch besitzen. Dennoch lautet meine Empfehlung: Verabschiedet euch (etwas) von dem Leistungsgedanken, bietet euch und euren Kindern mehr Leerlauf im Tagesablauf, lasst sie sich langweilen und damit vielleicht auch wieder etwas mehr Kreativität entwickeln.

Mir ist bewusst, dass das leichter gesagt als getan ist. Dennoch sehe ich einen vollgepackten Tag als problematisch an. Wir leben gerade in einer uns völlig neuen Situation, die auch neue Herangehensweisen erfordert. Und dazu gehört es, dass die gesamte Familie etwas runterfährt. Meiner Freundin und mir hilft es, dass wir eine Art „Basis-Tagesplan“ haben, der aus Frühstück, Mittag, Abendbrot, Schlafenszeiten besteht. In den Stunden dazwischen teilen wir uns die Betreuung, spielen und erledigen auch häufig gemeinsam mit dem Kind Arbeiten wie Essenkochen oder Putzen. Derzeit gibt’s tendenziell ein Highlight pro Tag, beispielsweise eine Ausfahrt mit dem Kinderwagen und einem damit verbundenen Spaziergang. Oder wir toben alle drei gemeinsam, gehen in die Badewanne und so weiter.

Vielleicht mag meine Tochter relativ genügsam sein, aber bisher ist alles noch im entspannten Zustand. Auch, weil wir ruhig bleiben, uns die Arbeit aufteilen und dem Kind einen gewohnten Rhythmus geben.

Arbeit im Home-Office: Schafft eine räumliche Trennung

Ein weiterer Tipp, der gerade bei mir mit Kleinkind gut funktioniert: In unserer 3-Raum-Wohnung können wir eine räumliche Trennung zwischen Platz zur Arbeit (für mich ist das der Esstisch im Wohnzimmer) und Ort fürs Kind (quasi alle anderen Räume inklusive Kinderzimmer) schaffen. Diese Splittung ist nie dauerhaft, aber während ich am Rechner sitze, vergnügt sich Töchterchen woanders.

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Abhängig von euren Wohnverhältnissen kann ich dieses Trennen nur empfehlen. Vielleicht lässt sich sogar ein Keller oder Bereich auf dem Dachboden temporär zweckentfremden, um einen Abstand zu schaffen? Ich merke aber, dass das für alle so am besten funktioniert. Ich kann fokussiert arbeiten, mein Kind scheint dafür (notgedrungen) Verständnis zu haben. Acht Stunden am Stück klappt das freilich nicht, doch das sind andererseits die Vorzüge am Home-Office: Ihr stellt die Regeln auf, wann ihr wie viel arbeitet.

Home Office als Chance sehen

Es ist die ewige Diskussion, die ich schon unzählige Male in den letzten 15 Jahren geführt habe. Wie oft musste ich mir Sprüche anhören wie „Home Office wäre nichts für mich. Da kann ich mich nicht konzentrieren und mir würden meine Kollegen fehlen…“. Mag alles sein. Mir fielen damals die ersten Tage allein in meinem Arbeitszimmer auch nicht allzu leicht. Doch überraschend schnell stellte sich eine Routine ein, ich fand meinen Rhythmus und schaffte es, konzentriert meine Aufgaben zu erledigen.

Mit der räumlichen Trennung ist Home Office (zumindest temporär) eine echte Chance, auch mal seine bisherige Tages- und Wochengestaltung zu überdenken. Wo liegen eigentlich die persönlichen Prioritäten? Hat man in der Vergangenheit womöglich zu viel Zeit im Büro verbracht? Wie kann ich die gesparten Fahrtwege sinnvoll nutzen? Und ist es nicht auch schön, mehr mit Kindern und Partner bzw. Partnerin zusammen zu sein?

Diese Tafel entdeckten wir in einer Mitnehm-Kiste in der Nachbarschaft. Aktuell entrümpeln sehr viele Leute ihre Wohnungen - es ist wohl Zeit da. (Foto: Sven Wernicke)

Diese Tafel entdeckten wir in einer Mitnehm-Kiste in der Nachbarschaft. Aktuell entrümpeln sehr viele Leute ihre Wohnungen – es ist wohl Zeit da. (Foto: Sven Wernicke)

Spätestens, sobald ihr euren optimalen Ablauf gefunden habt, danken es euch auch eure Kids. Sie haben dann nämlich sehr viel mehr von euch und fordern dies nicht immer auf anstrengende Weise ein. Weil sie wissen, dass ihr euch womöglich nicht erst zum Feierabend mal ein wenig Zeit nehmt, sondern auch in den Pausen oder den Phasen, in denen gerade nicht so viel zu erledigen ist. Auch das kann (und sollte) natürlich strukturiert ablaufen – es muss schließlich zu eurer Familie passen.

Online-Shopping

Geschäfte sind zu, was nun? Auch mich haben die hiesigen Onlineshops etwas bekehrt, um mich beispielsweise mit neuen Kinderbüchern einzudecken. Spielzeug war bisher nicht nötig, aber hier in Dresden gilt die Ausgangsbeschränkung noch nicht allzu lange und so verzweifelt waren wir als Eltern auch noch nicht. Dass man jetzt nicht mehr lokal problemlos shoppen kann, ist bedauerlich, da viele Händler massiv von der Krise betroffen sind. Ich empfehle einen Blick auf Euronics.de, wo ihr eine Filiale in eurer Nähe findet, die zu euch nach Hause liefert. Spielzeug und Games gibt’s ebenfalls.

Meine Empfehlung: Übertreibt es nicht. Persönlich bin ich der Auffassung, dass ihr Kinder nicht mit mehr materiellen Gütern glücklich macht, sondern mit Liebe, Zuneigung und gemeinsamer Aktivität. Das kann dann auch gerne ein Videospiel-Nachmittag oder dergleichen sein. Meine Tochter gibt sich gegenwärtig (glücklicherweise) noch mit Büchern zufrieden.

Genügend analoge Alternativen anbieten

Gerade bei älteren Kindern dreht sich vieles um Tablets, Smartphones und unter Umständen noch Laptops. Das wird zusätzlich verstärkt, da eLearning aktuell ein großes und beliebtes Thema ist. Doch nicht nur das: Konzerte und andere für Kinder und Jugendliche interessante Events finden bei YouTube und in den sozialen Netzwerken aufgrund von Corona virtuell statt.

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Das alles ist für mein Kind noch nicht relevant, einzige Überlegung ist derzeit, sporadisch mal einen Trickfilm im Fernsehen einzuschalten. Es ist generell wichtig, Jungs und Mädels nicht einfach vor dem TV oder dem Telefon abzusetzen und sich selbst zu überlassen. Ich denke, das ist den meisten ohnehin bewusst, wir sollten uns dies gerade während der Corona-Krise häufig vor Augen halten. Passt daher den Tagesablauf an, kocht zusammen, geht – sofern noch problemlos möglich – raus, erlebt zusammen Dinge. Oder lasst euch im Zweifel von euren Kindern erklären, wie TikTok funktioniert. Damit schult ihr eure Medienkompetenz und es zeigt auch, dass ihr euch für die Aktivitäten eurer Kinder interessiert.

Vielleicht hattet ihr euch an dieser Stelle ein paar konkrete Tipps erhofft, die ich so nicht liefern kann. Meine Empfehlungen beruhen nur auf meinen Home-Office-Erfahrungen und den Wünschen eines kleinen Mädels, die weniger komplex sind, als die von ggf. sogar mehreren Schulkindern. In meinen Augen entscheidend ist aber, den Kindern trotz der Arbeit daheim genügend Spiel- und Freiraum zu geben, auf sie einzugehen und ihnen nicht das Gefühl zu geben, ein Ballast in dieser stressigen Zeit zu sein. Job ist nötig, aber setzt die Prioritäten richtig, arrangiert euch mit den Gegebenheiten, seht die Herausforderungen als Chancen für die Neugestaltung eures Lebens. Und: Bleibt gesund!

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