Canon Powershot G7 X Mark III im Test: Praktischer als ein Highend-Smartphone?

Trendblogger Sven Wernicke fotografierte nur noch mit seinem Smartphone, da bekam er die Canon Powershot G7 X Mark III in die Hand. Es wurde Leidenschaft – auf den zweiten Blick.

Smartphones werden oft als der Sargnagel für Kompaktkameras beschrieben. Bei einer neuen Kompaktkamera muss der Vergleich also erlaubt sein: wie schlägt sie sich im Vergleich zu einem Highend-Smartphone? Auch ich habe in den letzten Jahren vornehmlich mit dem Smartphone geknipst und war damit zufrieden. Dann nahm ich die Canon Powershot G7 X Mark III mit in den Urlaub…

Ich stellte mir die Frage: Kann eine Kompaktkamera mein Smartphone ersetzen? (Foto: Sven Wernicke)

Ich stellte mir die Frage: Kann eine Kompaktkamera mein Smartphone ersetzen? (Foto: Sven Wernicke)

Canon Powershot G7 X Mark III: Schwerer als ein Smartphone

Als ich die Canon Powershot G7 X Mark III aus ihrer Verpackung holte, war ich zugegeben etwas verwundert. Die Kamera ist mit ihrem Gewicht von rund 300 Gramm erstaunlich schwer. Die meisten Kameras sind konstruktionsbedingt natürlich dicker als Smartphones, allerdings gibt es auch Kompaktknipsen, die kaum mehr als 100 Gramm wiegen. Und auch hier ein legitimer Vergleich in meinen Augen: Ein Samsung Galaxy S10 mit tollen Foto-Eigenschaften bringt nicht einmal 200 Gramm auf die Waage.

Die G7 X Mark III wirkt wuchtig, ein wenig klobig und… tja… wie eine klassische Digitalkamera eben. Zu Beginn enttäuschte mich auch das Kunststoffgehäuse, das sich im Laufe der Zeit allerdings als extrem robust und wertig erwies. Mein geschätzter Kollege Peter testete parallel die G5 X Mark II, die sogar noch schwerer ist.

Bezogen auf das „Äußere“ sieht die G7 X Mark III zwar schick und stylisch aus, aber vermutlich haben mich meine Smartphones der letzten Jahre etwas „versaut“. Ich mag Form und Art der Verwendung eines Telefons, das weitgehend aus einem Bildschirm besteht. Die Kompaktkamera ist dagegen gar nicht mal so handlich. Hier hätte ich mir tatsächlich mehr ein Smartphone-ähnliches Design gewünscht. Stattdessen wirkt die G7 X Mark III mehr wie ein Retro-Hipster-Gadget, das man sich um den Hals hängen soll.

Kompliziert, aber mit mehr Möglichkeiten

Und dann auch noch das: Bei einem Smartphone ist die Kamerafunktion fast immer selbsterklärend und einfach – abgesehen vielleicht vom trotzdem im Vergleich rudimentären Pro-Modus heutiger Spitzen-Telefone, bei denen ihr zig Einstellungen vornehmt. Die G7 X Mark III könnte euch womöglich genau deshalb die erste Zeit überfordern, sobald ihr etwas experimentieren und euch nicht auf den Automatik-Modus verlassen wollt. Das über 300-seitige Handbuch gibt’s nur als PDF, was ich persönlich bedauere. Wir reden schließlich über eine Kamera, die UVP weit über 700 Euro kostet.

Hoher Preis, aber wenig in der Packung. (Foto: Sven Wernicke)

Hoher Preis, aber wenig in der Packung. (Foto: Sven Wernicke)

Die G7 X Mark III besitzt einen deutlich höheren Anspruch als ein Smartphone, sie möchte es euch aber trotzdem so einfach wie möglich machen. Habt ihr keine Lust auf komplexes Experimentieren, entscheidet euch für den Automatik-Modus. In weiteren Modi justiert ihr die Verschlusszeit mittels des Steuerungsrings, wählt vorgegebene Szenen aus, kümmert euch nur um Blende und/oder Verschlusszeit oder passt alles individuell an. Die Mischung aus Touchscreen-Bedienung, Ring- und Tasten-Steuerung lehnt sich an Konventionen der Canon-Spiegelreflex-Kameras an. Und doch werde ich das Gefühl nicht los, dass sich meine gute, alte Canon EOS 650D intuitiver kontrollieren lässt.

Lasst euch auf die Canon Powershot G7 X Mark III ein!

Ein wenig spielte ich mit der G7 X Mark III herum, bevor ich sie mit in meinen vierwöchigen Urlaub nahm (genau genommen arbeitete ich einen Teil der Zeit unterwegs). Der ursprüngliche Plan sah vor, von Dresden Richtung polnische Ostsee und nach Danzig zu fahren. Es kam doch ganz anders, denn meine Freundin, meine 15 Monate alte Tochter und ich schafften es aus Deutschland nicht heraus. Wir blieben dort hängen, wo es uns gefiel.

Rund 100 Kilometer pro Tag durch die Botanik. Und die Canon war mit dabei. (Foto: Sven Wernicke)

Rund 100 Kilometer pro Tag durch die Botanik. Und die Canon war mit dabei. (Foto: Sven Wernicke)

Wir sonnten uns an Brandenburger Seen, vergnügten uns in einer alte Mühle an der Oder, strandeten irgendwo in der Pampa von Mecklenburg-Vorpommern, erlebten das knuffige Stralsund, wagten einen Ausflug an die Ostsee und fuhren dann wieder Richtung Süden in die Heimat. Und immer war die Powershot dabei. Mit den Tagen lernten wir uns immer besser kennen. Und ich sie schätzen. Ja, mich schreckte die Bedienung und die Größe wie angedeutet etwas ab, doch aus der Skepsis wurde schnell Zuneigung für ein echt spannendes Stück Technik.

Abgelegene Straßen, Wälder, Wiesen. (Foto: Sven Wernicke)

Abgelegene Straßen, Wälder, Wiesen. (Foto: Sven Wernicke)

Keine Frage: Die G7 X Mark III macht es euch nicht so leicht wie ein Smartphone, doch das Ausprobieren lohnt sich. Ich lag ein paar Stunden mitten in der Nacht auf einem Deich, um Sterne zu fotografieren. Warum? Weil ich es mit dieser Kamera kann. Der echte optische Zoom (4,2x, Lichtstärke 1:1,8-2,8, 24mm Weitwinkel-Objektiv) und der 1-Zoll-CMOS-Sensor mit 20,1 Megapixeln zeigen sehr schnell, dass die meisten Smartphones nach wie vor das Nachsehen haben.

Das fällt vor allem bei detaillierten Aufnahmen auf. Während mein Samsung Galaxy S8 (und das S9 meiner Freundin) bei weit entfernten Objekten schon Pixelbrei produziert, könnt ihr bei der G7 X Mark III noch eine Menge entdecken. Ich mag das. Genauso übrigens die digitale Wasserwaage – sehr praktisch. Was mich allerdings wundert: Erwähnte G5 X Mark II ist technisch weitgehend identisch, aber deutlich teurer.

Immer mit dabei. Und das Smartphone vergessen

Als wir dann auf den Darß fuhren – wir brauchten übrigens 18 Tage von Dresden zur Ostsee (ja, mit dem Auto!) – passierte das, womit ich selbst nie gerechnet hätte. Ich vergaß mein Smartphone in der Unterkunft. Die Canon Powershot G7 X Mark III war allerdings im Gepäck. Ihr müsst wissen, dass ich mein Telefon vorrangig aus einem Grund immer und überall mit dabei habe: Weil ich gefühlt alles fotografiere, was mir wichtig ist. Doch die Digitalkamera schaffte es tatsächlich, mich etwas „umzuprogrammieren“. Verrückt.

Sternenhimmel. Das war schon spaßig, dieses an sich nicht spektakuläre Bild zu fotografieren. (Foto: Sven Wernicke)

Sternenhimmel. Das war schon spaßig, dieses an sich nicht spektakuläre Bild zu fotografieren. (Foto: Sven Wernicke)

Sicherlich finden sich schnell die Gründe: Die G7 X Mark III verfügt über eine sehr gute Anbindung zu eurem Smartphone. Ihr könnt eure geschossenen Bilder schnurlos via Bluetooth übertragen und sogar die Aufnahmen im RAW-Format bearbeiten. Wenn ihr wollt, ladet ihr euch die Fotos herunter und nutzt sie für Instagram und Co.

Etwas Rumspielen für ein Selfie. (Foto: Sven Wernicke)

Etwas Rumspielen für ein Selfie. (Foto: Sven Wernicke)

Qualitativ zweifelsohne hochwertiger als beim Smartphone sind Selfies. Den 3 Zoll großen Bildschirm könnt ihr so positionieren beziehungsweise klappen, dass ihr euch selbst seht. Das ist übrigens auch sehr praktisch für diejenigen, die Videos von sich aufnehmen wollen. In maximal 4K dreht ihr Spots oder übertragt sogar Livestreams zu YouTube – sofern eine Internetverbindung über das Smartphone besteht. Canon dachte sogar an einen 3,5mm-Mikrofoneingang, sollte euch das integrierte Mikro nicht genügen.

Sich wie ein Profi fühlen

Die G7 X Mark III richtet sich an ambitionierte Hobbyfotografen und eine Generation, die sich bei Youtube und in den sozialen Netzwerken präsentiert. Dafür wirkt die Bedienung eigentlich ganz schön sperrig – und das ist auch der Aspekt, der mich jetzt nach mittlerweile fast sechs Wochen etwas anstrengt. Wichtige Optionen, beispielsweise Slowmotion-Videos, verbergen sich in verschachtelten Menüs. Ich verbringe gefühlt eine Ewigkeit damit, an Reglern zu drehen, auf den Touchscreen zu tippen und irgendwas einzustellen, was ich gerade brauche.

Die Farben wirken auch am Abend noch authentisch und realistisch. Kein Vergleich zu vielen Smartphones mit KI und Filter-Effekten. (Foto: Sven Wernicke)

Die Farben wirken auch am Abend noch authentisch und realistisch. Kein Vergleich zu vielen Smartphones mit KI und Filter-Effekten. (Foto: Sven Wernicke)

Ein richtiger Schnappschuss-Fotoapparat ist die G7 X Mark III dadurch nicht, auch wenn der Auto-Modus fast immer gute Arbeit leistet. Sobald ihr erkennt, welches Potenzial in der Kamera steckt, fängt die Fummelei an. Aber okay – so müssen sich wohl auch Profifotografen fühlen. 🙂

Auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch gute Aufnahmen. (Foto: Sven Wernicke)

Auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch gute Aufnahmen. (Foto: Sven Wernicke)

Wieso ist eine Kompaktkamera dem Smartphone überlegen?

Ich liebe mein Smartphone. Ich hole es heraus, zwei Sekunden später habe ich ein Foto eingefangen. Das ist für mein Leben und meinen Alltag perfekt. Eine Kompaktkamera wie die Canon G7 X Mark III wirkt im Vergleich dazu schwerfällig. Es dauert länger, bis ihr ein Foto im Kasten habt.

Das soll keineswegs ein großer Kritikpunkt sein, denn lasst ihr euch auf diese Oberklasse-Kompaktkamera ein, entwickelt sich zunehmend der Wunsch, sich (wieder) mit Verschlusszeiten und Blenden auseinanderzusetzen, um schöne Bilder zu erschaffen. Dank moderner Technik teilt ihr nicht nur die Resultate im Netz, ihr erzeugt auch Fotos von einer (teils deutlich) höheren Qualität als dies die meisten Smartphones im Jahr 2019 schaffen.

Persönlich bin ich der Auffassung, dass Canon gerne noch die konventionelle, dezent anstrengende Bedienung für die junge Generation anpassen könnte, um die Einstiegshürde für Neugierige zu senken. Auch Kollege Peter sieht in seinem G7 X Mark II-Test interessanterweise bei der Bedienung Luft nach oben. Hier muss der Hersteller vielleicht doch mal sein Konzept überdenken.

Abgesehen davon kommt die Canon Powershot G7 X Mark III meiner Vorstellung von einer gelungenen Alltags-Alternative zu meinem Smartphone (rein bezogen auf die Fotografie) verdammt nah. Alleine die Tatsache, dass ich mir gut vorstellen kann, ohne Smartphone aus dem Haus zu gehen, ohne auf eine smarte Kamera verzichten zu müssen, zeigt mir deutlich, dass Canon hier sehr viel richtig gemacht hat.

Die Canon Powershot G7 X Mark III ist auch bei Euronics erhältlich.

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