Canon EOS M50

Canon EOS M50 im Check: Ich könnte gefunden haben, was ich suche

Auf seiner Suche nach der perfekten sozialen Systemkamera ist Trendblogger Jürgen Vielmeier bei der EOS M50 fast fündig geworden. Umso erstaunter ist er, dass sie von Canon kommt.

Es ist noch gar nicht lange her, da rümpfte man im Hause Canon betont die Nase, wenn das Wort „Systemkamera“ fiel. Neumodischer Schnickschnack – Spiegelreflexkameras sollt ihr kaufen!

Canon ist aufgewacht

Als klar wurde, dass man den Trend nicht mehr länger ignorieren konnte, baute dann auch Canon widerwillig erste Systemkameras, die wie unglaubwürdige Alibis wirkten. Moderne Fotografen wunderten sich – und kauften fleißig bei Sony, Fujifilm und Olympus ein. Bis bei Canon offenbar ein Umdenken einsetzte. Die letzten Modelle der EOS-M-Serie wurden von der Fachwelt nicht mehr komplett verrissen. Und nun hat Canon mit der EOS M50 gar eine Systemkamera vorgestellt, deren Ausstattung viele andere in den Schatten stellen dürfte. Sogar ich bin durchaus angetan davon.

Canon EOS M50 Display

Das Display der EOS M50 lässt sich zur Seite wegklappen – besser als nach unten, wenn man ein Stativ verwendet.

„Sogar ich“, das ist ein ambitionierter Hobbyfotograf, der gerne schöne Bilder knippst und sie direkt mit Freunden teilen will. Sei es über WhatsApp, Instagram oder bloß per E-Mail. Und der sich möglichst nicht mit einer Kamera abschleppen will. Eine Art Social Camera also, die bessere Bilder macht als ein Smartphone. Seitdem vergleiche ich neue Kameras im Kamera-Check mit meinem „sozialen“ Anforderungsprofil. Wie schlägt sich die Canon EOS M50 hier?

Canon EOS M50 im Kamera-Check

 Die (für mich) perfekte KameraCanon EOS M50
Breite (cm)1011,6
Höhe (cm)68,8
Tiefe (cm)35,9
Gewicht mit Akku (g)300390
Sensorgröße (mind.)APS-CAPS-C
KonnektivitätWLAN, Bluetooth, LTEWLAN, Bluetooth
DisplayTouchscreen, um 180 Grad schwenkbarTouchscreen, 180 Grad zur Seite schwenkbar
Sucherjaja
App-FähigkeitSollte Foto-Apps direkt auf dem Touchscreen ausführen und Bilder hochladen könnennein
Direct ShareBilder ohne Zutun direkt auf Smartphone/Tablet spiegelnja
Mechanische EinstellräderMindestens 2 für Programmwahl und Schnelleinstellung1
MikrofonanschlussJa, denn externes Mikro bei Videofilmern wichtig für guten Tonja
Preis300 Euro ohne Objektiv579 Euro ohne Objektiv

Canon erfüllt hier tatsächlich nahezu alle meine Anforderungen. Die Kamera ist zwar etwas größer als das, was ich mir vorstelle. Die Höhe dürfte dabei aber vor allem dem aufgesetzten elektronischen Sucher geschuldet sein. Trotz der üppigeren Ausmaße ist die Canon EOS M50 aber mit 387 Gramm in schwarz (in weiß wiegt sie sonderbarerweise 3 Gramm mehr) nicht viel schwerer als die von mir gewünschten 300 Gramm.

Bitte – was?

Natürlich will Canon mit moderner Technik für besondere Bilder sorgen. 10 Bilder pro Sekunde sind im Serienbildmodus möglich, wofür der neue Digic 8-Prozessor sorgen soll. Der 3-Zoll-Touchscreen erlaubt Autofokus per Touch & Drag, der Autofokus selbst arbeitet mit modernen Dualpixeln. Videofans wird freuen, dass die EOS M50 nun 4K-Videos aufzeichnen kann (wenn auch leider nur mit 25 Bildern pro Sekunde). Dass die optische Bildstabilisierung nur über kompatible Objektive erfolgt, die Stabilisierung der Kamera dafür nur digitaler Natur ist – schade, aber damit kann ich leben.

Denn bei einigen Details bin ich wirklich verblüfft. So hat Canon der EOS M50 einen Mikrofonanschluss spendiert, das aber in den technischen Details gar nicht erwähnt. So als wäre das eine Selbstverständlichkeit für Systemkameras im Jahr 2018 (ist es nicht!). Das Touchscreen-Display des Vorgängers EOS M5 ließ sich nur nach unten ausklappen (was unpraktisch ist, wenn man ein Stativ benutzt), das der EOS M50 kann praktischer zu Seite weggeklappt werden. Und dann schreibt Canon auf der Produktseite unter den Kamera-Highlights noch das hier:

Bitte beachten Sie die vollständigen Spezifikationen

Ja, richtig gelesen. Da steht „Bitte“. Und die Spezifikationen sind dahinter natürlich wirklich verlinkt. Das ist auch ein Statement: Wir haben hier nichts mehr zu verstecken, wir haben auf euch gehört und das Ding toll ausgestattet – kommt und überzeugt euch selbst! Da hat sich wirklich etwas geändert bei Canon.

Ist das noch dasselbe Canon?

Müßig zu erwähnen, dass die EOS M50 tatsächlich fast alles mitbringt, was ich mir von der perfekten Social Camera erhoffe. WLAN, Bluetooth – die Kamera bleibt auf Wunsch dauerhaft mit dem Smartphone verbunden und schickt neue Bilder ohne weiteres Zutun sofort rüber. Ein Sucher ist drin und der große APS-C-Sensor dürfte alle Details einfangen.

Schade: Der EOS M50 fehlt im Vergleich zum Vorgänger M5 ein weiteres mechanisches Einstellrädchen links.

Schade: Der EOS M50 fehlt im Vergleich zum Vorgänger M5 ein weiteres mechanisches Einstellrädchen links.

Schade, dass die EOS M50 dann doch etwas größer ist als ich mir das wünschen würde. Aber vielleicht wäre ich dann doch besser bei einer Kamera ohne Sucher aufgehoben – bin also auf die EOS M60 gespannt! Auch der Preis ist mit UVP 699 Euro inklusive des 15-45mm-Objektivs etwas höher als ich das gerne hätte, dürfte aber gerechtfertigt sein. Unverständlich für mich, warum Canon im Vergleich zum Vorgänger EOS M5 in der EOS M50 ein mechanisches Einstellrad weggelassen hat. Gerade diese Rädchen erleichtern schnelle Einstellungen ungemein.

Olympus Pen E-PL9 im Check: Etwas näher dran an der perfekten Social Camera

Trotzdem alles in allem zwei gute Nachrichten. Ich bin immer optimistischer, dass ich 2018 eine neue Kamera für mich finde, die zumindest fast meinem Traum entspricht. Und: Canon ist auf dem richtigen Weg! Wie gut die Kamera in der Praxis ist, muss natürlich erst getestet werden. Aber die Zeiten, in denen der Kamerariese Systemkameras mit spitzen Fingern angefasst hat, scheinen endgültig vorbei zu sein. Schön!

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16 Kommentare zu “Canon EOS M50 im Check: Ich könnte gefunden haben, was ich suche
  1. Klingt wirklich sehr interessant. Wenn ich jetzt nicht erst vor einigen Monaten eine Alpha 6000 gekauft hätte …

    Zum fehlenden zweiten Einstellrad: für mich sieht der Ring, der den Auslöser umgibt, wie ein drehbares Einstellrad aus. Habe aber leider keine Details gefunden, ob dem wirklich so ist. Praktisch wäre es jedenfalls, wenn man dort z.B. die Belichtung korrigieren könnte.

    • Ja, das dürfte einer sein. Ich persönlich kann gar nicht genug von diesen Einstellrädchen haben. 😉 Und da fand ich es nur schade, dass die M50 im Vergleich zum Vorgänger M5 nun eins weniger hat.

      Und die Alpha 6000 ist doch immer noch Rock’n’Roll! Gibt in der Preisklasse keinen schnelleren Autofokus so weit ich weiß. Und Sony hat es mit den Systemkameras irgendwie raus.

    • Dann hatte die M5 ja sogar 3 Einstellrädchen.

      Ja, ist ganz OK. Ich bin mit der Bildqualität nicht so 100% zufrieden. Aber ich bin wohl auch etwas verwöhnt und sollte meine Anforderungen etwas herunterschrauben (oder mir mal ein besseres Objektiv kaufen?). Mit einer DSLR kann man die Bilder nicht vergleichen. Auch nicht mit einer 12 Jahre alten 5D nebst hochwertigen Objektiven.

    • Ach so, das hatte ich nicht auf dem Schirm. Ein Vollformatsensor macht im Vergleich zu einem APS-C natürlich noch mal eine Menge aus! Dazu noch ein gutes, lichtstarkes Objektiv. Ich meine, das Standard-Telezoom-Objektiv der Alpha 6000 wäre net so dolle.

  2. Ihr werdet zwischen Vollformat und APSC keine Unterschiede feststellen können bei den Bildern 😉
    Und nein, die Bildqualität ist nicht gleich gut wenn der Sensor gleich groß ist.
    Hier ist leider viel Unwissenheit vorhanden.
    Gruß

    • Wäre mir neu, dass die Sensorgröße keinen Unterschied machen würde. Magst du das noch genauer ausführen? Natürlich liegt es nicht *nur* daran, das versteht sich hoffentlich von selbst.

    • „Bildqualität sollte doch eigentlich genauso gut sein, wenn Sensor gleich groß.“
      Das ist einfach falsch.
      Natürlich liefert ein größerer Sensor mehr Details und schärfe.
      Und man hat mehr Freistellungsmöglichkeiten bei zB Portraits.
      Dennoch gibt es unter gleich großen Sensoren riesen Unterschiede.

  3. Natürlich gibt es neben dem Sensor noch mehr Faktoren, die die Bildqualität beeinflussen. Die technisch wichtigsten sind sicher Objektiv und Prozessor.

    Jürgen: ich habe ja noch einen Vergleich versprochen. Here it is.
    Canon 5D (erste Generation) mit EF 24-105 mm L vs. Sony Alpha 6000 mit SEL-1650. Beide Fotos mit ISO 100 und Blende 8. Viele Worte braucht man da nicht verlieren. Schau mal bei dem Sony-Bild in die Ecken … gruselig. Bei Weitwinkelfotos ist das noch schlimmer.
    https://pabst-photo.com/test/Canon-EOS-5D-EF-24-105.jpg
    https://pabst-photo.com/test/Sony-Alpha-6000-SEL-P1650.jpg

    • Hmja, bei der Sony ist an den Rändern nicht mehr viel mit Schärfe… Wobei ich das Gefühl habe, dass der Baum auch bei der Canon absäuft. Oder ist das einfach nur ein komischer Baum? 😉

    • Ok, lassen wir mal den Baum komisch sein und lassen wir mal die 5D außen vor. Anderes Bild (unbearbeitet, Weitwinkel):
      https://pabst-photo.com/test/Sony-Alpha-6000-SEL-P1650-2.jpg

      Schau dir bitte noch mal die Ränder und insbesondere die Ecken an, vor allem oben rechts. Da sind kaum noch Linien zu sehen! Das ist nicht das, was ich von einem Sony-Kit für ca. 600 € erwarte. Mit diesem (billigen) Objektiv kann man die Möglichkeiten der Kamera kaum ausnutzen. Und ich bin aktuell wenig geneigt, noch mal mehrere Hundert € für ein besseres (und dann größeres) Objektiv auszugeben.

      Fazit: Kamera liegt nur rum und landet vielleicht sogar demnächst bei Ebay KA. Wirklich schade, denn Größe, Handhabung und Funktionen gefallen mir eigentlich gut.

    • Warum verkauft man dann die Kamera mit Verlust und kauft sich eine andere, statt in Objektive zu investieren? Man kann übrigens an der a6000 prima manuelle Objektive mit guter Bildqualität verwenden für wenig Geld.

    • Julian: Ich will keine andere kaufen. Ich benutze aktuell weiterhin die 5D, auch wenn sie alles andere als kompakt und ganz schön in die Jahre gekommen ist. Da gebe ich lieber mal Geld für einen neuen Canon-Body aus und kann meine EF-Linsen weiter benutzen. Ist wahrscheinlich die sinnvollere Investition. Und für belanglose Schnappschüsse reicht das iPhone allemal.

  4. Canon ist in der Bildqualität immer der ewige Zweite. Das sture Festhalten von Canon, am Tiefpassfilter ist dafür verantwortlich.
    Meine Lumix fotografiert mit Kitobjektiv um Stufen schärfer als meine Aps-c Canon mit Festbrennweiten.
    Das, trotz des kleineren Sensors.
    Canon nie wieder.

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