3 Monate mit einem Plug-in-Hybrid: Ein Erfahrungsbericht

Ein Auto mit Plug-in-Hybrid könnte längst Alltag sein. Trendblogger Frank Müller stellte es trotzdem vor manche Herausforderung. Das Beste aus den beiden Welten Elektroauto und Verbrennungsmotor? Ja und nein.

Seit einigen Wochen fahre ich einen Plug-In-Hybrid als Firmenwagen. Genauer gesagt, einen Active Tourer 225 xe, da bei uns in der Agentur nur BMW in Frage kommt. Ein Hybrid sollte es zum einen aus Umweltgründen sein, zum anderen, das sei auch zugegeben: um von der vergünstigten Dienstwagenbesteuerung zu profitieren.

Der Plug-in-Hybrid beim Pendeln zur Arbeit

Um zur Arbeit und zurück zu kommen, fahre ich täglich knapp 70 km. Eine Strecke dauert zwischen 30 und 40 Minuten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln wären es im allerbesten Fall mindestens 90 Minuten. Also pendele ich mit dem Wagen. Bei dieser Strecke reicht der Akku meist für eine Hin- und Rückfahrt.

Wenn ich in meinen Heimatort einfahre, kann ich vielleicht noch 1-2 Kilometer rein elektrisch zurücklegen. Spätestens zu Hause ist dann aber nichts mehr übrig. Der Wagen muss wieder an die Steckdose. Entweder in der Garage oder an eine öffentliche.

Öffentliche Stromtankstellen für Plug-in-Hybride

Kostenlos und ohne Anmeldung bei Mainova

Plug-in-Hybrid tanken hier kostenlos

Ein kostenloser Anruf ist nötig
So tanke ich Naturstrom
Strom fließt

In Hessen habe ich Glück. Durch Zufall entdecke ich zehn Fußgängerminuten von zu Hause eine kostenlose Stromtankstelle des Stromversorgers Mainova: „Hier kostenlos Naturstrom tanken“. Das mache ich doch gerne. Dazu muss ich nur die kostenlose Nummer anrufen, die im Display der Stromtankstelle angezeigt wird, schon öffnet sich die Abdeckung der Steckdose.

Schuko-Stecker rein, Typ2-Stecker ins Auto, abschließen und zu Fuß ab nach Hause. Nach 3 Stunden dann noch ein kleiner Spaziergang, und den Wagen mit (fast) voller Batterie wieder abholen. Bedingung ist, nicht zu vergessen, den Ladestrom auf maximal zu stellen. Es sind oft die regionalen Energieversorger, die öffentliche Ladestationen anbieten, oft sogar kostenlos. Mit etwas Glück auch an eurem Wohnort.

Beim Aldi auch E-Bikes

Beim Aldi kann ich mit einem Typ2-Kabel für eine Stunde laden, während ich einkaufe. Die Schuko-Steckdosen sind derweil zum Aufladen von E-Bikes gedacht.

Alle Steckertypen bei Euronics

Von mir nicht getestet, aber darauf sei natürlich auch hingewiesen: Seit 2018 rüstet EnBW zahlreiche Euronics-Fachmärkte mit Ladestationen für Elektroautos aus. Aktuell (Oktober 2019) haben über 50 Euronics-Filialen eine solche Ladestation, die alle nur erdenklichen Steckertypen unterstützen. Als Kunden erhaltet ihr an der Kasse für jeden Kauf einen Gutschein, den ihr mit den Ladekosten verrechnen könnt.

Euronics-EnBW-Ladestation

Euronics-EnBW-Ladestation

Bis Ende 2020 möchte EnBW deutschlandweit über 1.000 Ladestationen anbieten. Vornehmlich übrigens in Norddeutschland, da der Süden bereits über ein engmaschiges Ladenetz verfüge.

Rekuperation macht Spaß

Rekuperation nennt es sich, wenn das Fahrzeug die Bremsenergie nutzt, um die Elektrische Reichweite wieder zu erhöhen. Im Normalfall gewinnt ihr damit nur wenige Kilometer, aber manchmal habt ihr richtig schöne Erfolgserlebnisse. Es macht nämlich ziemlich Spaß, zuzusehen, wie die elektrische Reichweite zunimmt.

So zum Beispiel nach einem Ausflug zum Sonnenuntergang auf den Feldberg. Beim Start zeigt das Display 38 km elektrische Reichweite an. 16,3 km sind es laut Google Maps bis zum Feldberg. Oben angekommen, stehen noch 15 km Reichweite auf dem Display. Aber dank Rekuperation bei der Bergabfahrt sind es zu Hause dann wieder 23 km, zwischendurch waren es sogar mal 25 km. So macht das Spaß.

Langstrecke mit dem Plug-in-Hybrid

Wie sieht es bei Langstreckenfahrten aus? Bei der Fahrt von Frankfurt nach Hannover reichen die rein elektrisch gefahrenen knapp 40 km für eine Strecke. Bei Ankunft ist kein elektrischer Kilometer mehr übrig. Ich kann allerdings bei solchen Strecken in den Save-Modus schalten. Dann fahre ich rein mit Verbrennungsmotor und lade sogar die leere Batterie durch Rekuperation wieder auf. Spart dann natürlich keinen Sprit.

Was sagt der Bordcomputer?

Beim normalen Pendeln meldet der Bordcomputer einen elektrischen Verbrauch von ca. 7,3 kWh und einen Benzinverbrauch von 3,6 l/100 km. Nach der Langstreckentour von 700 km ohne Aufladen der Batterie hat sich das Verhältnis etwas verschoben. Der Benzinverbrauch ist auf ca. 4 l/100 km gestiegen, der elektrische Anteil gesunken. Aber das wird sich nach ein paar Wochen pendeln wieder ausgeglichen haben.

Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung über Hybrid-Autos konstatiert einen fragwürdigen Umweltnutzen. Es kommt halt auf den Fahrer an. Lädt dieser die Batterie nur unregelmäßig, verflüchtigt sich der ökologische Effekt. Da 1 kWh aber zur Zeit ca. 0,30 Euro kostet, hänge ich den Plug-in-Hybrid jede Nacht an die Steckdose. Außerdem macht das rein elektrische Fahren einfach Spaß.

Fazit: Plug-in-Hybrid, Verbrennungsmotor oder Elektrofahrzeug?

Für mich ist der Plug-in-Hybrid zur Zeit die richtige Wahl. Nicht nur, weil er steuerlich gefördert wird. Allerdings würde ich mir eine größere Reichweite beim rein elektrischen Fahren wünschen. Statt rund 40 km wären mindestens 100 km für mich deutlich attraktiver. Dann könnte ich mit vollem Akku sorglos pendeln und der Benzinmotor müsste nur noch auf Langstrecken anspringen.

E-Cannonball 2019: Elektrisch auf der Langstrecke

Vielleicht kommen ja auch in den nächsten Jahren mehr Elektroautos wie der Sion von Sono Motors auf den Markt. Aber ich weiß nicht, ob ich das noch als aktiver Verkehrsteilnehmer erleben werde.

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