Sonos Play:5

Multiroom nachrüsten ohne Sonos: So geht’s für wenig Geld

Jeden Raum mit Sound beschallen – dieses schöne Szenario versprechen Multiroom-Soundkonzepte. Dazu müsst ihr nicht zwingend neue, teure Systeme anschaffen. Wir zeigen euch, wie ihr eure alten Lautsprecher nachrüstet.

Multiroom-Systeme sind schon eine tolle Sache. Vom Smartphone oder Laptop beschallt ihr Küche-, Wohn- und Arbeitszimmer und sorgt für Partystimmung. Der Nachteil: Entsprechende Systeme von Sonos, Loewe und anderen können schon einmal mehrere hundert Euro kosten. Wenn ihr noch einige alte Lautsprecher herumliegen habt, könnt ihr Multiroom aber für wenig Geld nachrüsten. Wir sagen euch wie.

Schritt 1: Analyisieren, was ihr schon habt

Wir setzen hier einfach mal den Fall, dass ihr noch einige ältere Lautsprecher habt, die ihr jetzt vernetzen wollt. Zuerst solltet ihr euch anschauen, was das für Lautsprecher sind und ob sie vielleicht schon Multiroom-fähig sind. Schaut euch hierzu die Produktnummer und die technischen Daten der Geräte online an. Beherrscht der Lautsprecher vielleicht…

  • DLNA und UPnP
  • Miracast
  • Apple AirPlay
  • Bluetooth
  • Oder sonst irgendwelche Netzwerk-Fähigkeit wie Ethernet oder WLAN?

Wenn ja, benötigt ihr „nur“ noch das passende Zwischenstück, für Apple AirPlay zum Beispiel einen Apple TV. Zu den einzelnen Zugangswegen kommen wir gleich.

Schritt 2: Lautsprecher netzwerkfähig machen

Euer Lautsprecher ist ein Lautsprecher und sonst nichts? Vielleicht soll es sogar eine alte Stereo-Anlage sein, die ihr jetzt mit Multiroom nachrüsten wollt?

Ein einfaches Kabel macht ein altes Radio Alexa-fähig. Bild: Sven Wernicke

Ein einfaches Kabel macht ein altes Radio Alexa-fähig. Bild: Sven Wernicke

Auch dann gilt wieder: Schaut euch euren Lautsprecher oder die Anlage genau an. Welche Anschlüsse liegen vor? Gibt es irgendwelche Audio-Eingänge? Irgendwie muss die Musik bisher ja in den Lautsprecher gekommen sein. Vielleicht über Klinke, Cinch, lose Kabelenden, die ihr in eine Klammer stecken könnt? Getreu dem Heimwerker-Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“, findet sich fast immer ein Weg. So hat mein Kollege Sven Wernicke etwa kürzlich sein altes DDR-Radio mit Sprachsteuerung ausgestattet. Und es war alles andere als Hexerei.

Alles, was ihr also noch tun müsst, ist die Schnittstelle zu identifizieren und euch das passende Kabel zum Netzwerk-Adapter zu besorgen. Letzteren braucht ihr natürlich auch noch… Und dazu kommen wir jetzt.

Schritt 3: Welche Netzwerk-Technik braucht ihr für Multiroom?

Wenn eure alten Lautsprecher noch nicht über eine der oben genannten Netzwerken-Techniken verfügen, müsst ihr nachrüsten. Alle Empfangstechniken haben ihre Vor- und Nachteile, aber wir raten zu einem Adapter mit WLAN oder Ethernet. Denn die Netzwerk-Technik bietet eine größere Reichweite als Bluetooth und DLNA/UPnP. Außerdem werden mehr Endgeräte unterstützt als bei Miracast.

Schritt 4: Mit welchem Adapter könnt ihr Multiroom nachrüsten?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie ihr eure Lautsprecher mit WLAN oder Ethernet ausstatten könnt. Ideal, aber leider manchmal auch teuer, sind Technik-unabhängige Adapter. Ihr wärt also nicht auf Spotify oder iTunes angewiesen, sondern könnt eine beliebige Musikflatrate und dazu noch MP3s oder Radio und Podcasts streamen. Solche WLAN-Audio-Adapter gibt es unter anderem von Terratec für rund 50 Euro. Beliebt ist auch der vielseitige LinTech AirLino, der zahlreiche Protokolle unterstützt, allerdings auch um die 90 Euro kostet.

Lintech Airlino: Vielseitiger Multiroom-WLAN-Empfänger

Lintech Airlino: Vielseitiger Multiroom-WLAN-Empfänger

Daneben gibt es zahlreiche proprietäre Anwendungen. Hier nur eine Auswahl, die keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

  • mydlink Home Music Everywhere: Neben der Eigenschaft als WLAN-Extender dient der Stecker auch zur Musikweitergabe und wird dazu einfach in eine Steckdose gesteckt. Kostenpunkt: um 50 Euro.
  • Google Chromecast Audio: Dieser WLAN-Adapter wird über einen einfachen Klinkenstecker mit einem Lautsprecher verbunden und kann ab dann via Google Cast Musik streamen. Einfaches Prinzip, mit dem Nachteil, dass Google eure Daten protokolliert. Kostet dafür nur 40 Euro.
  • Apple AirPort Express: WLAN-Repeater mit Extra-Eigenschaften. Eine davon ist die Möglichkeit, einen Lautsprecher daran anzuschließen und dann Multiroom-Musik via AirPlay darauf zu streamen. Deswegen auch mit um die 100 Euro etwas teurer.
  • Amazon Echo Dot: Ja, auch der handliche, schlaue Lautsprecher Echo Dot mit Alexa kann mit einem Klinkenstecker als WLAN-Adapter für alte Lautsprecher herhalten. Über Spotify Connect etwa lassen sich dann mehrere Echos (und damit ihre verbundenen Lautsprecher) beschallen. Allerdings hört dann auch hier Amazon immer mit. Kostet 60 Euro.

Die Liste der Möglichkeiten ließe sich noch beliebig verlängern. Audio-Fan Michael Sonntag etwa hat Multiroom mit Raspberry Pi-Minirechnern nachgerüstet. Das erfordert natürlich ein wenig Tüftelei – und ist mit mindestens 50 Euro pro Adapterlösung auch gar nicht einmal so billig.

Schritt 5: Server und Router für Multiroom

Viele Multiroom-Konzepte setzen auf einen Server, der meist neben dem WLAN-Router installiert wird und dann quasi als Audio-Router funktioniert. Er steuert die Lautsprecher an, während er selbst Befehle von einer App auf einem kabellos verbundenen Endgerät (Smartphone, Tablet, Laptop) erhält. Das hat den Vorteil, dass das Steuergerät die Lautsprecher nicht selbst beschallen muss, was Leistungseinbußen und schnellen Akkuverbrauch nach sich ziehen würde.

Apple TV der 4. Generation mit 4K

Apple TV der 4. Generation: Kann via AirPlay auch Multiroom-Lautsprecher beschallen.

Als ein solcher Mediaserver kann ein Netzwerkspeicher (NAS) dienen. Apple löst das Problem mit dem HomeKit-fähigen Apple TV der 4. Generation. Auch bei Sonos und anderen Multiroom-Systemen kann (muss aber nicht) hierfür ein eigener Server dienen. Moderne Router des Herstellers AVM („Fritzbox“) können auch diese dafür nutzen. Man steuert die Musik über die passende Software, zum Beispiel der Fritz!App Media.

Und natürlich gibt es auch preisgünstigere Sonos-Alternativen, etwa von No-Name-Herstellern aus China. Als Beispiel seien hier Müzo Cobblestone, Auvisio Airplay und Docooler M5 Audiocast erwähnt. Google leitet Musik und Videos über Chromecast über euren WLAN-Router um, damit der Akku des Steuerungsgeräts nicht leidet. Ein Amazon Echo verfügt selbst über eine integrierte Recheneinheit.

Schritt 6: Die richtige Software wählen

Wollt ihr eure Musik, egal aus welcher Quelle, auf euer Multiroom-System umleiten, geht das am besten mit einem Chromecast oder passender Software. Die oben bereits genannte Fritz App Media lässt euch Audioquelle und Ziel nach Wunsch frei einrichten. Eine weitere universelle App für Mac und Windows ist AirFoil. Hier lässt sich mit wenigen Klicks ein Multiroom-System einrichten und beschallen.

Amazon Echo Dot mit Sonos Soundgarden. Bild: Sonos

Der kleine Amazon Echo Dot kann ein ganzes Sonos-Multiroom-System mit Sprachsteuerung nachrüsten. Bild: Sonos

Multiroom mit DLNA/UPnP nachrüsten

Vor allem Sony, JVC, Onkyo und Yamaha setzen bei vielen Lautsprechern die Netzwerk-Technik DLNA (Digital Living Network Alliacne) ein. Oft kommt diese in Kombination mit dem Protokoll UPnP (Universal Plug and Play) daher. Solltet ihr über Lautsprecher verfügen, die diese Technik einsetzen, dann kann es sich lohnen, euer Multiroom auch mit einem DLNA-fähigen Mediaserver nachzurüsten.

4 Milliarden Geräte weltweit sind DLNA-fähig. Leider nicht immer die, die man braucht... (Screenshot)

4 Milliarden Geräte weltweit sind DLNA-fähig. Leider nicht immer die, die man braucht… (Screenshot)

Leider hat sich DLNA nicht derart durchgesetzt, dass jedes Abspielgerät (Laptop, Tablet oder Smartphone) oder Empfangsgerät mit DLNA ausgestattet wäre. Zu der Technik ist also eigentlich nur zu raten, wenn ohnehin die meisten vorhandenen Endgeräte DLNA/UPnP bereits unterstützen.

Multiroom mit Miracast nachrüsten

Noch weniger weit verbreitet als DLNA ist Miracast. Die Technik wurde einst eingefügt, vor allem um Video- oder Bildschirminhalte zu übertragen. Sie eignet sich im Prinzip auch für Audio. Weil die Reichweite gering und vor allem kompatible Endgeräte rar sind, ist die Technik für Multiroom eigentlich nicht zu empfehlen. Nur dann, wenn vorhandene Lautsprecher und Abspielgeräte zufällig schon mit der Technik ausgerüstet sind.

Multiroom und Bluetooth?

Eine weit verbreitete Technik wurde überhaupt noch nicht genannt: Bluetooth. Viele moderne Lautsprecher sind mit dem kabellosen Funkstandard ausgerüstet, Smartphones und Tablets sowieso. Und die neueste Version, Bluetooth 5.0, unterstützt die Möglichkeit, ein Signal auf mehrere Bluetooth-Empfänger zu verteilen. Sprich: Multiroom direkt vom Smartphone aus. Oder?

Das Samsung Galaxy S8 kann mehrere Bluetooth-Empfänger gleichzeitig beschallen.

Das Samsung Galaxy S8 kann mehrere Bluetooth-Empfänger gleichzeitig beschallen.

Das Problem an Bluetooth ist die geringe Reichweite, die leider auch mit Bluetooth 5 keinen Sprung nach vorne macht. Bluetooth reicht nur etwa 10 Meter weit, umschifft Gegenstände nur schlecht und geht gar nicht durch Wände. Das heißt: Multi-Lautsprecher sind mit Bluetooth zwar möglich, Multiroom ist damit aber nicht zu empfehlen.

In einem Test mit dem Motorola Moto X4 habe ich mich auch an der Multiroom-Komponente versucht. Das Smartphone kann mehrere Bluetooth-Empfänger gleichzeitig mit derselben Musik bespielen. Probleme gab es dabei aber schon, wenn ich einen Lautsprecher im Wohnzimmer beschallen wollte und das Smartphone gerade in der Küche lag. Das Ganze funktionierte überhaupt nur so leidlich, wenn sich das Moto in der Mitte der Wohnung befand.

Fazit: Multiroom nachrüsten geht, aber…

Ja, es geht. Ihr könnt alte Lautsprecher mit ein paar Kniffen zu einem Multiroom-System nachrüsten. Teilweise kann die Lösung sogar elegant funktionieren und ein verstaubter, alter Lautsprecher wird plötzlich wieder zum Leben erweckt.

Apple HomePod: Mehr Alexa oder mehr Sonos?

Die Möglichkeit lassen sich die Hersteller aber gut bezahlen. Wenn man erst 100 Euro oder mehr für einen passenden Adapter ausgeben muss, geht die Rechnung kaum noch auf. Vergleichsweise günstige WLAN-Adapter wie ein Google Chromecast Audio oder auch ein Amazon Echo Dot, haben den Preis, eure Daten nach Lust und Laune auszuforschen. Mag auch nicht jeder.

Und so wirken alteingesessene Multiroom-Systeme wie Sonos Play:1 gar nicht einmal mehr so schrecklich teuer. Wer eine schnelle, elegante Lösung will, die einfach funktioniert, kann bedenkenlos dazu greifen.

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