Motorola Moto X4 im Test: Ach, ich mag das eigentlich

Das Motorola Moto X4 könnte mittelklassiger kaum sein. Trotzdem macht es irgendwie Spaß. Obwohl es ein paar Macken hat.

Manchmal ist einem ein Smartphone gleich auf den ersten Blick sympathisch und dann entschuldigt man einige Mängel. Das Motorola Moto X4 gehört dazu. Es ist fürwahr Mittelklasse, aber eine, an der wenig störend auffällt, vieles sogar Spaß macht. Darunter kleine Gimmicks wie Multiroom-Audio.

Motorola Moto X4 Pros und Cons

 Pro Contra
Gerät liegt gut in der HandKleine Kante am Bildschirmrand
Schöne, eigene Software-OberflächeErstaunliche Empfangsprobleme bei 2,4 GHz-WLAN
Multiroom macht SpaßSystem belegt alleine 13 GB Speicher.
Kamera mit manuellen EinstellungenKamera-Einstellungen etwas fummelig zu erreichen, keine besonders guten Fotos bei Nacht, Duallinse für Weitwinkel-Effekt verschenkt, Bokeh-Effekt wirkt zu künstlich
Immer ordentliche PerfomanceEinschaltknopf von Lauter-Leiser-Tasten etwas schwer zu unterscheiden.
Recht ausdauernder AkkuNicht Moto-Mod-fähig
Ultra-Low-Light-Frontkamera funktioniertIm Einrichtungsassistent kein Opt-out aus der Datenübertragung an Motorola möglich.

Moto X4: Oberfläche sympathisch schlicht

Im Motorola Moto X4 ist Android 7.1.1 vorinstalliert (ein Update auf 8.0 ist geplant). Es gibt schöne und hässliche Android-Oberflächen. Motorola hat dem Moto X4 eine in meinen Augen sehr schöne und im wahrsten Sinne des Wortes „runde“ Oberfläche verpasst. Die Performance des aktuellen Snapdragon-630-Prozessors war gut, der Akku hielt gut über den Tag.

Bunt und rund: Motorola nutzt die Chance, Android nach eigenen Vorstellungen angenehm anzupassen.

Bunt und rund: Motorola nutzt die Chance, Android nach eigenen Vorstellungen angenehm anzupassen.

Abends musste das Moto X4 dann bei etwa 30 Prozent verbleibenden Restladung meist wieder an die Steckdose. Dank Schnellladetechnik („W-Turbo Power“) ist es schnell wieder aufgeladen.

Der Lieferumfang ist spartanisch: Smartphone, Ladestecker und -kabel sind drin. Ein Kopfhörer fehlt. Immerhin kann man trotz USB-Typ-C-Stecker weiterhin einen normalen Kopfhörer an das Moto X4 anschließen. Motorola hat den Klinkenstecker, anders als viele andere Hersteller, noch nicht eingespart. (Ich bin bekanntermaßen kein Freund des Klinkensteckers, finde es aber gut, wenn man die Wahl hat. Zumal mit USB Typ-C längst nicht alles rund läuft.)

Moto X4: Auffällig starke Frontkamera

Es ist ungewöhnlich, dass man beim Kamerasystems eines Smartphones zunächst auf die Frontkamera zu sprechen kommt. Aber die löst beim Moto X4 mit 16 Megapixeln tatsächlich höher auf als die beiden Linsen der Hauptkamera (12 und 8 MP). Überragend tolle Selfies bekam ich deswegen nicht zustande…

Interessant aber der versprochene Ultra-Low-Light-Modus für Selfies. Denn er funktioniert! In meinem Arbeitszimmer, indem bei Nacht nur mein Bildschirm noch ein wenig Licht spendete, wurde das Selfie zwar nicht gerade hübsch, aber hell:

So ziemlich jedes andere mir bekannte Smartphone hätte hier versagt.

Hauptkamera-System ambitioniert, aber…

Die Hauptkamera lieferte tagsüber die erwartbar ordentlichen Fotos und bei Dunkelheit wenig berauschende Bilder. Im Detail:

    • Die Einstellungen der Kamera sind etwas fummelig zu bearbeiten.
    • Der Bokeh-Modus lieferte meist nur einen sehr künstlich wirkenden Unschärfe-Effekt.
Hier ging der Bokeh-Effekt daneben. Die Unschärfe ist nur am Rand erkennbar und wirkt unnatürlich.

Hier ging der Bokeh-Effekt daneben. Die Unschärfe ist nur am Rand erkennbar und wirkt unnatürlich.

    • HDR lieferte kaum spürbare Verbesserungen, sorgte sogar ein paar Mal für den Absturz der Kamera-App.
    • Nachtfotos enttäuschen mit klar erkennbarem Rauschen und wenig Lichtausbeute.
Das Moto X4 nimmt Fotos nachts offenbar mit einer sehr hohen Verschlusszeit auf. Bewegungen wie von Autos oder Fußgängern werden nur schemenhaft aufgezeichnet.

Das Moto X4 nimmt Fotos nachts offenbar mit einer sehr hohen Verschlusszeit auf. Bewegungen wie von Autos oder Fußgängern werden nur schemenhaft aufgezeichnet.

    • Die zweite Linse kommt nur für einen starken Weitwinkel (120°) zum Einsatz. Da eigentlich jede Smartphone-Kamera per se eine Weitwinkel-Kamera ist, wäre Tele schöner gewesen.
    • Interessanter Effektmodus „Spotfarbe“ kann die Sättigung einzelner Farben schon vor dem Knipsen stufenlos reduzieren oder erhöhen.
Die Spotfarbe im Moto X4 betont in diesem Falle das Grün.

Die Spotfarbe im Moto X4 betont in diesem Falle das Grün.

  • Eingebaute „Intelligenz“ der Kamera kann Objekte oder Sehenswürdigkeiten erkennen. Hierzu analysiert die Kamera das Bild und schickt sie in die Cloud, was bis zum Ergebnis einige Sekunden dauert und daher nicht wirklich Spaß macht.

Multiroom mit dem Moto X4: Kann man mal machen

Dank Bluetooth 5.0 kann das Moto X4 bis zu vier Bluetooth-Geräte gleichzeitig mit demselben Song bespielen. Ideal für Partys oder Aufräum-Aktionen, in denen man von Raum zu Raum pendelt. Im Test bei mir funktionierte das mit drei Empfängern gleichzeitig. Allerdings hatte ich bei einem Bluetooth-Lautsprecher das Gefühl, einen etwas blechernen Sound zu bekommen.

Das Moto X4, das ein Gerät in meiner Küche, die Soundbar in meinem Wohnzimmer und meinen Kopfhörer gleichzeitig beschallte, musste außerdem etwa in der Mitte zwischen beiden Zimmern im Flur liegen. Sonst reichte der Empfang in die Küche nicht mehr.

Links: Friss oder stirb – der Einrichtungsassistent im Moto X4 erlaubt kein Opt-out aus der Datenübermittlung an Motorola. Mitte: Multiroom im X4 erlaubt das gleichzeitige Beispielen von vier Bluetooth-Lautsprechern auf einmal. Rechts: Stolze 13 GB der 32 GB Speicher beansprucht alleine das System.

Links: Friss oder stirb – der Einrichtungsassistent im Moto X4 erlaubt kein Opt-out aus der Datenübermittlung an Motorola. Mitte: Multiroom im X4 erlaubt das gleichzeitige Beispielen von vier Bluetooth-Lautsprechern auf einmal. Rechts: Stolze 13 GB der 32 GB Speicher beansprucht alleine das System.

WLAN-Eigenschaften im Moto X4: Könnte besser!

A propos: In der Küche, etwa zehn Meter Luftlinie vom Router entfernt, hatte das Moto X4 arge Probleme, eine WLAN-Verbindung aufrecht zu halten. Derart schlechte Verbindungseigenschaften im 2,4-GHz-Netz hatte ich schon lange nicht mehr mit einem Smartphone. Darüber hinaus wollte das Gerät – wie schon das Moto G5 Plus im Test – zunächst par tout mein WLAN nicht erkennen.

Erst nach dem Workaround, das WLAN über ein Huawei Mate 10 Pro zu „verlängern“, tauchte dann nach ein paar Tagen wie von Geisterhand auch der Name meines heimischen WLANs in der Liste auf.

Ob man's braucht? Motorola baut in seine Kamera eine Mischung aus Augmented Reality und künstlicher Intelligenz ein, die Objekte erkennt. Bis die Ergebnisse erkannt sind, dauert es allerdings einige, quälend lange Sekunden.

Ob man’s braucht? Motorola baut in seine Kamera eine Mischung aus Augmented Reality und künstlicher Intelligenz ein, die Objekte erkennt. Bis die Ergebnisse erkannt sind, dauert es allerdings einige, quälend lange Sekunden.

Mittelklasse: ein weit gefasster Begriff

Motorola siedelt das Moto X4 klar in der Mittelklasse an. Dafür spricht der Snapdragon der 600er-Serie. Dafür spricht der geplante Verkaufspreis von UVP 349 Euro. Dafür spricht auch der eher gering bemessene Speicher von 32 GB – von dem im Übrigen stolze 13 (!) GB alleine vom System gefressen werden. Zählt man noch 1 GB an vorinstallierten Apps dazu und 1 GB „andere Dateien“, stehen dem Nutzer von den angekündigten 32 GB nur 17 GB zur freien Verfügung. Hätte auch was mehr sein können.

Und dann zeigt Motorola wiederum an allen Ecken und Enden, dass man besser sein möchte als die übrige Mittelklasse. Davon zeugen allerhand Details, die für die Mittelklasse keinesfalls selbstverständlich sind. Etwa:

  • Gleich 3 Mikrofone sind eingebaut
  • 4K-Video in der Hauptkamera
  • Bluetooth 5.0
  • Galileo als Ortungsdienst zusätzlich zu GPS und Glonass
  • Wasser- und Staubschutz nach IP68
  • Die Ultra-Low-Light-Frontkamera
  • Ein Prozessor, der moderner und etwas schneller ist als im kurz vorher veröffentlichten und etwas teureren Moto Z2 Play

Fazit

Ein Hauch von Highend zu einem Mittelklasse-Preis: Das Moto X4 liefert eine Menge für vergleichsweise wenig Geld. Ein eigener Stil macht das Gerät noch attraktiver. Die Kamera hält mit der Oberklasse nicht ganz mit, liefert allerdings solide Fotos mit einigen Spazialeffekten.

Motorola Moto X4

Motorola Moto X4

Sieht man von Verbindungsproblemen im WLAN-2,4-GHz-Netz ab, findet man hier eigentlich keinen Ausreißer nach unten. Auch einen starken Akku hat Motorola diesmal verbaut, was in früheren X-Modellen nicht immer der Fall war. Für das gebotene Geld wird man nicht enttäuscht werden.

Meine persönliche Prognose: Das Moto X4 wird die letzte Generation der X-Serie werden. Die besser gestellte Z-Serie und die einstige Einstiegsklasse G schließen immer mehr in die Mittelklasse auf. Ein Moto X5 braucht es da nicht mehr zwingend. Aber dank starken Geräten wie dem Moto X4 wird man die X-Serie in guter Erinnerung behalten.

Unsere Gesamtnote Motorola Moto X4: 7.5/10

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