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7 Technologien, die in den 2010er-Jahren ausgestorben sind (+7 untote)

Der VHS-Videorekorder hat die 2010er-Jahre nicht überlebt, die Musikkassette hingegen schon. Und was wurde eigentlich aus Curved TV? Wir verabschieden ein paar Technologien, die von uns gegangen sind – und einige, die es eigentlich hätten müssen.

Von einigen Uralt-Technologien haben wir uns in den 2010er-Jahren endlich verabschiedet. Von einigen gar nicht so alten, vermeintlichen Megatrends aber auch. Und wieder andere leben unverändert weiter. Hier eine subjektive Liste von ausgestorbenen und untoten Technologien des ablaufenden Jahrzehnts, die selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Ergänzt sie gerne unten in den Kommentaren!

Ausgestorben

1. VHS-Videorekorder

Ein bisschen Nostalgie kommt hier schon auf.

Ein bisschen Nostalgie kommt hier schon auf. Bild: Inspired Images via Pixabay

In Deutschlands Haushalten stehen mit Sicherheit noch abertausende VHS-Rekorder. Neu kaufen könnt ihr indes keine mehr. Panasonic stellte 2012 die Produktion für Videorekorder ein, als letzter folgte Funai anno 2016. Den alten Schätzen, die man über Jahre in mühsamen Studien der Programmzeitschriften aufgetürmt hat, trauert der eine oder andere bestimmt hinterher. Bandsalat, Umspulen und kräuseligem Bild indes nicht. Die Nachfolger DVD und Blu-ray halten sich bis heute, dabei ist Videostreaming über das Netz eigentlich die Zukunft – und auch längst Gegenwart.

2. 3D-Fernseher

So schön sollte 3D im Heimkino sein. In der Realität kein durchschlagender Erfolg. Bild: Samsung

So schön sollte 3D im Heimkino sein. In der Realität kein durchschlagender Erfolg. Bild: Samsung

Kaum zehn Jahre her, da wurdest du verspottet, wenn du 3D nicht auch als das neue große Ding gepriesen hattest. Mittlerweile baut kein Hersteller mehr 3D-TV-Geräte. Auf einigen Blu-ray-Playern existiert die Technik noch, die Verkaufszahlen gehen aber zurück. Und selbst im Kino gibt es immer weniger 3D-Titel. Ich finde: zum Glück, denn bis auf Kopfschmerzen und Unwohlsein habe ich da nie viel von gehabt.

3. Curved TVs

Samsung Curved TV

Ein Samsung Curved TV

Rückblickend war es mehr Strohfeuer als Trend: Gebogene Fernseher sollten den Sichtabstand des Nutzers zum Geschehen verringern. Curved TV waren Mitte des Jahrzehnts unglaublich angesagt, dabei aber nicht ganz günstig. Auch ein paar gebogene Smartphones wie das LG G4 folgten der Welle. Die Verkaufszahlen werden sich in Grenzen gehalten haben. Bereits 2017 kamen kaum noch gebogene Fernseher auf den Markt, heute hat kein Hersteller mehr welche im Programm. Der Curved-Trend lebt in einzelnen Gaming-Monitoren allerdings weiter.

4. Plasma TVs

Panasonic Plasma TV: Für Fans geliebt für echte Schwarzwerte und ein "lebendiges" Bild

Panasonic Plasma TV: Für Fans geliebt für echte Schwarzwerte und ein „lebendiges“ Bild

Und noch eine Fernsehtechnik, die es nicht mehr gibt. Plasma-TVs gelten bei Fans bis heute als das Nonplusultra in Sachen Bildqualität mit leuchtenden Farben und echten Schwarzwerten. Trotzdem zogen die beiden wichtigsten Hersteller, Panasonic und Samsung, in diesem Jahrzehnt den Stecker. 2014 lief der letzte Plasma-TV vom Band. Der inoffizielle Ersatz: OLED.

5. Microsoft Kinect

Microsoft Kinect für die Xbox 360. Bild: Microsoft

Microsoft Kinect für die Xbox 360. Bild: Microsoft

Eine Game-Steuerung ganz ohne Controller, bei der eine Kamera den Raum abtastet und die Bewegungen der Spieler trackt. Das war die Microsoft Kinect. Im November 2010 kam sie auf den Markt, das endgültige Aus folgte Ende 2017 nach offiziell 35 Millionen verkauften Einheiten. Obwohl die Steuerung nicht schlecht umgesetzt war, nahmen Spieler und Entwickler sie nicht wie erwartet an. Die schlaue Kamera bot keinen vollwertigen Ersatz für einen Game-Controller. Ungenauigkeiten und der hohe Preis für das spätere Zwangs-Bundle mit der Xbox One machten ihr das Leben zu schwer.

6. Sony MiniDisc

Sony MiniDisc: Gab es noch bis 2013 zu kaufen. Bild: Frantisek Krejci

Sony MiniDisc: Gab es noch bis 2013 zu kaufen. Bild: Frantisek Krejci

Wäre sie nur etwas offener gewesen, dann wäre die Geschichte vielleicht ganz anders verlaufen. Aber Sonys schon 1991 vorgestellte MiniDisc setzte sich nie ganz als Nachfolger der Musikkassette (s.u.) durch. Vielleicht lag es an hohen Gerätepreisen, an mangelnder Kompatibilität oder an Sonys proprietärem Format. Aber spätestens als Ende der 1990er-Jahre die CD-ROM den Massenmarkt im Sturm eroberte, war das Anfang vom Ende der MiniDisc eingeläutet. Sony hielt ihr trotzdem noch bis 2013 die Treue.

7. Alternative mobile Betriebssysteme

Viele, viele bunte Kacheln. Windows Phone, wie hier im Lumia 1020, war nicht perfekt, aber wenigstens anders.

Viele, viele bunte Kacheln. Windows Phone, wie hier im Lumia 1020, war nicht perfekt, aber wenigstens anders.

Von rund einem Dutzend bunter mobiler Betriebssysteme sind am Ende nur zwei ernsthafte Teilnehmer übrig geblieben: Android und iOS, die sich mittlerweile ganz schön ähnlich sind. Zwei mittlerweile toten mobilen Systemen trauern die Fans besonders hinterher: Palms WebOS und Microsofts Windows Phone. Das eine System mit cleveren Karten, das andere mit aktiven Kacheln. Beide boten eine willkommene Abwechslung im heutigen Einheitsbrei. Immerhin: WebOS lebt als Smart-TV-System auf LG-Fernsehern weiter, Microsofts Kacheln im Startmenü von Windows 10.

Untot

1. iPod & MP3-Player

Apple iPod: Kam noch einmal ganz groß raus im Kinofilm Baby Driver

Apple iPod: Kam noch einmal ganz groß raus im Kinofilm Baby Driver

Jedes Smartphone kann heute Musik abspielen. Das hat den Markt für MP3-Player und Abspielgeräte für ähnliche Formate zusammenbrechen lassen. Ein paar Geräte gibt es trotzdem noch – darunter auch den Apple iPod touch. Definitiv tot ist zumindest der herkömmliche iPod mit dem traditionellen Drehrad: ein Musikspieler mit integrierter Festplatte und einer von Apples größten Verkaufsschlagern Anfang dieses Jahrtausends. Inoffizieller Nachfolger: das iPhone.

2. Musikkassetten

Es gibt sie noch: Musikkassetten. Bild: Ar Mefta via Unsplash

Es gibt sie noch: Musikkassetten. Bild: Ar Mefta via Unsplash

Anfang des Jahrzehnts war es endlich so weit: die letzten Hersteller nahmen Audiokassetten vom Markt. Nie wieder Bandsalat, nie wieder Leiern und Umspulen. Doch die Freude währte nicht lange. Denn im Laufe der 2010er-Jahre hat die Kreativindustrie die Kassette für sich neu entdeckt. Indie-Bands verkauften ihre Alben darüber, Weltstars und Werbeagenturen entdeckten sie als Marketing-Instrument. Nun geht das Jahrzehnt zu Ende und die Verkäufe für Musikkassetten steigen, bekannte Bands veröffentlichen ihre Alben wieder auf MC und natürlich gibt es auch die neuesten Folgen der „Drei ???“ weiterhin auf Kassette. Verrückt.

3. Blackberry-Smartphones

Blackberry Key2 LE: Der vorerst letzte Blackberry

Blackberry Key2 LE: Der vorerst letzte Blackberry

Blackberrys waren einst Marktführer bei Smartphones, lange bevor es das iPhone gab. Von letzterem wurden die markanten Business-Telefone mit vollwertiger QWERTZ-Tastatur schließlich abgelöst. Da half dann auch die späte Liebe für Multi-Touchscreens ebenso wenig wie ein neues Betriebssystem, eine Umfirmierung und letztlich Android. Für den Blackberry Key2 LE Ende 2018 gab es noch keinen Nachfolger, und wahrscheinlich wird es das auch nicht mehr. Das Unternehmen Blackberry lebt weiter, verkauft Services für die Geschäftswelt und bietet als einen von vielen Posten auch noch Restbestände seiner zuletzt von TCL gefertigten Smartphones an.

4. Telefax

Samsung Faxgerät

Samsung Faxgerät

Es wirkt wie aus der Zeit gefallen, doch das 1979 etablierte Fax ist noch lange nicht weg vom Fenster. In Büros immer noch weit verbreitet, nach wie vor rechtssicher und immer noch ungemein praktisch. Wohl deswegen begleitet uns das Telefax bis heute – und wird es ganz sicher noch ein paar Jahre länger.

5. E-Mail

Die E-Mail ist noch lange nicht tot, aller Initiativen zum Trotz

Die E-Mail ist noch lange nicht tot, aller Initiativen zum Trotz

Die E-Mail gehört eher auf die Liste der Totgesagten denn der Untoten. Drüber reden müssen wir trotzdem, denn im Laufe dieses Jahrtausends haben so einige dem lästigen Plagegeist den Kampf angesagt. Google Wave sollte die Mail ersetzen, Slack sie am Arbeitsplatz obsolet machen. Und Thierry Breton, Chef des französischen IT-Dienstleisters Atos Origin, trat anno 2011 medienwirksam den Kampf gegen die E-Mail an. Zumindest intern angeblich mit Erfolg. Und nach außen? Da ist die E-Mail quicklebendig, erlebt derzeit sogar etwas wie eine Renaissance, angesichts von immer mehr Newslettern und auch dem Wunsch der Menschen nach zumindest ein bisschen Unabhängigkeit von den alles beherrschenden IT-Riesen wie Google, Facebook und Amazon.

6. Virtual Reality

Virtual Reality. Warten auf den Durchbruch, der bis heute nicht kam. Bild: Google

Virtual Reality. Warten auf den Durchbruch, der bis heute nicht kam. Bild: Google

Virtual Reality ist noch nicht tot. Aber gestorben sind die Hoffnungen auf einen Massenmarkt und VR in jedem Wohnzimmer. Anfangs fehlten Anwendungen und Steuergeräte. Die Preise für Kabelmonster wie die Oculus Rift waren ebenso hoch wie die Anforderungen an teure PC-Hardware. In Industrie und Forschung lebt die Technik weiter. Dann kürzlich die Überraschung: Der lange ersehnte neue Teil der Half-Life-Games „Half Life: Alyx“ erscheint nur als VR-Version. Vielleicht erlebt die Technik doch noch den Durchbruch – im nächsten Jahrzehnt.

7. Schlaue Brillen

Microsoft HoloLens 2: Eher für die Forschung als für einen Massenmarkt. Bild: Microsoft

Microsoft HoloLens 2: Eher für die Forschung als für einen Massenmarkt. Bild: Microsoft

Kaum ein namhafter Hersteller, der in den 2010er-Jahren nicht einmal mit Brillen in irgendeiner Form experimentiert hätte. Seien es bessere Plastikhalterungen für VR oder echte VR-Brillen. Seien es Mixed-Reality-Brillen wie Microsoft Hololens, die einst heiß ersehnte Google Glass oder eine sagenumwobene Augmented-Reality-Brille von Apple. Nichts davon setzte sich langfristig durch oder kam überhaupt für Privatpersonen auf den Markt.

Sogar 3D-fähig: Snap Spectacles 3

Sogar 3D-fähig: Snap Spectacles 3

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Snap, eigentlich Betreiber des jugendlichen Social Networks Snapchat, kam mit einer neuen Version seiner Snap Spectacles wieder auf den Markt. Die Snap Spectacles 3 beherrscht sogar 3D. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass nichts wirklich tot ist und fast jede Technik irgendwo weiterlebt.

Ihr habt weitere Vorschläge für tote oder untote Technologien der 2010er-Jahre oder geht mit einzelnen Punkten unserer Auswahl nicht d’accord? Dann erweitert unsere Liste und diskutiert mit uns in den Kommentaren!

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