„Pastewka“ wird bei Streaming-Dienst fortgesetzt: Privatfernsehen schafft sich ab

Die deutsche Comedyserie „Pastewka“ wird künftig zunächst auf Amazon Video laufen. Der Streaming-Dienst stahl dem zögerlichen Sat.1 damit die Senderechte. Das Privatfernsehen findet keine Antwort auf das Internet. Außer: Gebühren.

Ich will hier noch nicht einmal von „Qualitätsfernsehen“ sprechen. Die deutsche Comedyserie „Pastewka“ sah ich aber zumindest kurz davor – und immer sehr gerne. Die Adaption der US-Vorlage „Curb your Enthusiasm“ war auch hierzulande ein Kritiker-Liebling. Und offenbar kein Quotenerfolg. Der TV-Sender Sat.1, der die Serie zusammen mit Brainpool und Bastian Pastewka produzierte, zeigte sie viele Jahre lang zuerst. Als es darum ging, „Pastewka“ in die neue, 8. Staffel zu schicken, zögerte der Sender.

Stück für Stück geht der Kuchen an Streamingdienste

Zu lange, wie sich herausstellt. Denn „Pastewka“ wird künftig auf Amazon Video weiterlaufen. Der Videostreaming-Dienst kauft die neue Staffel exklusiv und integriert sie in sein Monatsabo. Die Produktion der 8. Staffel beginnt damit auch schon gleich. Das teilte der Hauptdarsteller selbst auf seiner Facebook-Seite mit.

Als Beobachter der TV-Szene muss man unweigerlich denken: Das darf doch wohl nicht wahr sein! Das Privatfernsehen lässt sich hier Stück für Stück die Butter vom Brot nehmen. Und wenn das so weiter geht, wird man das Brot künftig auch noch von Netflix und Amazon kaufen müssen. „Pastewka“ ist hier der dritte Coup, den Amazon Video in Deutschland landet. Zuvor war bekannt geworden, dass auch die einstige RTL-Serie „Deutschland 83“ bei Amazon fortgesetzt wird. Die im März startende Eigenproduktion „You are wanted“ mit Matthias Schweighöfer wird auch zunächst dort zu sehen sein.

Kein Quotendruck, kein Problem

Der Videodienst schlägt die TV-Sender damit an ihrer empfindlichsten Stelle: originale Inhalte. „Pastewka“ und „Deutschland 83“ sind Serien, die im linearen TV nicht die erhofften Quoten brachten. „Deutschland 83“ war als Fortsetzungsserie im Fernsehen zu schwierig. „Pastewka“ lief eher spät abends auf Sat.1, die Produzenten waren allerdings gut darin, die Serie danach schnell ins Web zu streamen. Sei es auf der Brainpool-eigenen Seite MySpass.de, auf HbbTV oder eben auch auf Amazon.

Die öffentlich-rechtlichen Sender können das Problem recht entspannt angehen. Zum einen ist man gebührenfinanziert, zum anderen kann man auf eine hohe Reichweite der mittlerweile sehr bekannten Mediatheken als Zweitverwertung setzen. Einige Serien wie „Babylon Berlin“ sollen sogar früher in den Mediatheken zu sehen sein als im linearen TV. Bislang fehlten allerdings noch hochwertige Inhalte. Ich bin gespannt, wie gut das erste geplante Qualitätsformat „Charité“ (ab 21. März im ZDF) sich behaupten wird.

Der kleine Privatsender Vox erreichte einen Sensationserfolg mit der Eigenproduktion „Club der roten Bänder“. Die Quoten der kleinen RTL-Schwester sind allerdings derart niedrig, dass man hier nichts zu verlieren hatte. Das sieht bei größeren Sendern wie RTL und ProSieben natürlich anders aus.

Inhalte haben wir nicht, aber bezahlt bitte dafür!

Nun stellt sich immer mehr die Frage, was das Privatfernsehen dann noch zeigen will, um sich irgendwie abzusetzen. Casting-Shows am Abend, Scripted Reality am Nachmittag? US-Comedy-Importe in Dauerschleife? Einige Quotengaranten wie „Germany’s Next Topmodel“ oder das „Dschungelcamp“ haben die Privaten noch. Ich warte also gespannt darauf, bis Netflix oder Amazon den Sendern auch beliebte Shows wegschnappt, denn dann dürfte ihr letztes Stündchen geschlagen haben.

Denn das ist dem Zuschauer kaum noch mitzuteilen: Es wird die Sender bald nirgendwo mehr kostenlos zu sehen geben. Mit DVB-T2 HD, dem neuen Standard für Antennenfernsehen, muss man für den Empfang der Privatsender eine Gebühr zahlen. Wofür denn noch, fragt man sich, wenn man die besseren Inhalte wie „Pastewka“ und „Deutschland 86“ jetzt anderswo bekommt?

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