Die Sky-Q-Box benötigt weder Sat- noch Kabelanschluss. Ein Internetanschluss reicht, um das komplette Sky-Programm zu streamen (Bild: Sky)

Moment mal: Hat Sky hier gerade das Fernsehen abgeschafft?

Das Bezahlsender-Netzwerk Sky möchte seine kompletten Inhalte künftig über das Internet streamen. Das kommt einer klassischen Umkehr des traditionellen Geschäfts gleich und könnte auf lange Sicht damit enden, dass das TV-Programm abgeschaltet wird.

Was gucken wir denn heute Abend und wann? Diese Frage wollen immer weniger Menschen von den Programmtafeln der Sender abhängig machen lassen. Warum um 20:15 Uhr vor der Matte stehen, wenn man erst um 21:00 Uhr vom Sport wiederkommt? Nicht zuletzt deswegen boomen zeitversetztes Fernsehen, digitale Videorekorder, Mediatheken und zuletzt auch Streaming-Dienste wie Netflix.

Update: Im August 2018 haben wir für euch das neue Sky Ticket getestet. Da muss noch einiges nachgebessert werden.

Nur einer hatte lange Jahre zum Thema Digitalisierung geschlafen: Sky. Der Bezahlsender oder eher: das Bezahlsender-Netzwerk setzte lange Zeit nur auf lineares Fernsehen und zahlreiche Spartenprogramme. Erste Digitalangebote wie Sky Go standen nur Kunden des Gesamtabonnements zur Verfügung. Es folgten vor wenigen Jahren mit Sky Snap und Sky Online zwei Angebote, die auch Nicht-Abonnenten zugänglich waren. Dieses Angebot ging zuletzt in Sky Ticket auf: ausgesuchte Sky-Inhalte ohne klassisches Abo nur zum Streamen.

Streaming: Sky geht all in

Neu ist jetzt, dass Sky plant, sein gesamtes Angebot zu streamen. Erst ab 2018, zunächst nur im Mutterland U.K. und nur über die neuartige Streaming-Box Sky Q. Aber es dürfte den Wendepunkt markieren: Die klassischen Sky-Zugangswege über Kabel oder Satellit wären dann nicht mehr nötig. Auch eine Programmzeitschrift nicht mehr. Denn die Nutzer könnten selbst entscheiden, wann sie was sehen.

Denkt man das einmal einen Schritt weiter, dann stellt sich die Frage, wozu Sky dann noch Spartenkanäle wie Sky Atlantic oder Sky 1 benötigen würden. Zumindest online müsste Sky diese nicht mehr abbilden. Dem Nutzer müssten nur die neuesten oder passendsten Inhalte angezeigt werden, so wie das jetzt schon auf Sky Go und Sky Ticket geschieht. Und wozu dann überhaupt noch lineares Fernsehen? Auch online lassen sich zeitrelevante Inhalte wie Fußballspiele streamen. Alle Nutzer sehen zur selben Zeit zu: Das geht – die notwendigen Kapazitäten vorausgesetzt – auch online.

Sky käme damit den neuen Rivalen Amazon Prime und Netflix ein ganzes Stück näher. Letztere sind nur über Streaming zugänglich und locken Nutzer mit Eigenproduktionen. Sky hält hier mit Premium-Serien und Spielfilmen nicht weit nach Kinostart mit. Es wird also künftig um die Inhalte gehen, nicht um Zugangstechnik oder Sendezeit.

Klassisches Fernsehen? Nur noch, weil es einfach ist

Wozu dann überhaupt noch lineares Fernsehen, mag man fragen. Welche Sendungen auch von ARD, ZDF, RTL, Prosieben und Co. sind derzeit unverzichtbar mit klassischen Uhrzeiten verbunden? Die „Tagesschau“? Der „Doppelpass“, „SchleFaZ„? Im Grunde ließe sich alles streamen, auch wenn Live-TV im Netz immer noch problembehaftet ist, teilweise auch einem zu langsamen Netzausbau geschuldet.

Dem klassischen Fernsehen bleibt eigentlich nur noch ein Vorteil: dass es verdammt einfach ist, eben einzuschalten und durch die Kanäle zu zappen. Das geht mit Netflix und Co. deutlich schwieriger. Aber das sehe ich als Aufgabe der Gerätehersteller an: Fernseher müssen Streaming in absehbarer Zeit genau so leicht und schnell werden lassen wie klassisches Zapping. Dann hätte das lineare TV nämlich wohl für immer ausgedient. Und man wird sich an jene Meldung aus dem Frühjahr 2017 erinnern, in dem Sky sein Ende eingeläutet hat.

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