Windows 10: Microsoft tut zu wenig für den Datenschutz, um Nutzer zurückzugewinnen

Windows 10: Microsoft tut zu wenig für den Datenschutz, um Nutzer zurückzugewinnen

Heute haben Nutzer die vorerst letzte Chance, kostenlos von Windows 7 oder 8 auf Windows 10 zu aktualisieren. Viele weigern sich aus Datenschutzbedenken, und Microsoft tut zu wenig, um darauf einzugehen. Im Gegenteil.

Nun mach schon, aktualisiere endlich!

Seit dem Start von Windows 10 vor einem Jahr wird Microsoft nicht leise, Nutzern alter Systeme das Update auf Windows 10 aufzudrängen. Die Bitten, nun endlich abzudaten, verfolgten Nutzer in zahlreiche Lebensbereiche und es nervte manche so sehr, dass diese gegen Microsoft klagten und Recht bekamen.

Andererseits: warum denn nicht? Windows 10 wirkt wie der Versöhnung für enttäuschte Nutzer von Windows 8. Das neue System vereint das Beste aus den alten Systemen und macht die Benutzeroberfläche endlich rund und menschlich. Das Update: ein Jahr lang kostenlos. Fraglos kamen auch starke neue Funktionen hinzu wie Continuum. Microsoft schien zu sagen: Wir sehen’s ein, Windows 8 war ein Mist. Nehmt hier unser Geschenk und wir sind wieder Freunde, okay?

Zu viele Nutzer mit Bedenken

Ja, okay, sagten über 350 Millionen Nutzer, die binnen des ersten Jahres upgedated haben. Doch es hätten mehr sein können. Mehr als 1 Milliarde Windows-10-Nutzer wollte Microsoft bis 2018 zählen; jüngst musste der Konzern zurückrudern. Ganz so viele werden es nun wohl doch nicht werden. Und das liegt auch am Thema Datenschutz oder eher: die Kommunikation mit Presse und Nutzern.

Denn schon wenige Tage nach dem Update fanden IT-Experten heraus, dass Microsoft mit den Daten der Nutzer nach Hause telefoniert. Einige persönliche Daten werden an Microsoft geschickt und ausgewertet, die Einstellungen dafür sind standardmäßig eingeschaltet. Die Verbraucherzentralen mahnten, es gab erste Hilfestellungen, Windows 10s Datensammelwut wieder abzuschalten. Alles nicht ganz so heiß zu essen wie gekocht, schien es. Doch selbst wenn man alle Einstellungen ausschaltet, fanden Blogger von Ars Technica heraus, sendet Microsoft immer noch einige Daten an die eigenen Server. Weniger brisante Daten zwar, aber um das zu unterbinden, müssen Nutzer sich erst tief in die Registry eingraben.

Cortana funkt nach Hause und lässt sich nicht abschalten

Es dauerte geschlagene zwei Monate, bis Microsoft auf die Bedenken antwortete. Subtext: Alles nicht so schlimm, wie ihr befürchtet habt. Und Nutzer seien in voller Kontrolle über die Informationen, die Microsoft sammle. Zumindest das stimmte nicht ganz, wenn man das mit den Entdeckungen von Ars Technica verglich. Microsoft war es aber wichtig, das Credo „Ihr habt Bedenken – wir hören zu“ zu unterstreichen.

Cortana phone home: Microsofts Sprachassistent wird mit dem Anniversary Update standardmäßig aktiviert sein.
Cortana phone home: Microsofts Sprachassistent wird mit dem Anniversary Update standardmäßig aktiviert sein.

Doch nach dem Update ist vor dem Update und das nächste Problem klopft direkt an. Ab kommendem Dienstag, den 2. August, können Windows-10-Nutzer schon auf das erste große Windows 10 Anniversary Update mit dem Arbeitstitel „Redstone“ oder RS1 aktualisieren. Wieder weitere clevere Funktionen bringt das mit – allerdings auch ein Cortana als neue Standardsuche, die sich nicht mehr so einfach ausschalten lässt. Microsoft routet dann jede Anfrage über das interne Suchsystem an die Microsoft-Server. Die Möglichkeiten, das zu unterbinden, sind versteckt, auch wenn es weiterhin möglich ist, Cortana auszuschalten oder beim Update standardmäßig zu deaktivieren. Besonders vertrauenserweckend ist das nach all dem Ärger vor einem Jahr aber trotzdem nicht.

Stellt euch nicht so an? Na ja…

Na, dann stellt euch nicht so an – ist man selbst hin und wieder geneigt zu sagen. Man schaue nur, wie viel jedes Android-Smartphone mit Google kommuniziert und jedes iPhone – anonymisiert – mit Apple. Aber ganz ehrlich: Das ist ein schwacher Trost. Gerade wenn man behauptet, die Sorgen und Wünsche der Nutzer ernst zu nehmen, darf man nicht immer wieder neue Hintertüren einbauen, die ein Nutzer erst nach Protesten schließen kann.

Microsoft darf sich in meinen Augen so nicht wundern, wenn nun viele vor einem Update zu Windows 10 zurückschrecken. Wer die Hand zur Versöhnung reichen will, muss es ernst meinen und nicht hinter dem Rücken zwei Finger kreuzen. Microsoft sollte die Datenlecks samt und sonders stopfen und die kostenlose Update-Frist dann noch eine Weile verlängern. Das wäre nicht nur fair, das wäre auch im eigenen Interesse. Dann könnte es mit der 1 Milliarde Nutzer zumindest bis 2020 vielleicht doch noch etwas werden.

Screenshots: Microsoft

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