So beendet ihr eine App unter Linux

Die Anwendung hängt, die Maus reagiert nicht mehr – was nun? Unter Linux gibt es einige Möglichkeiten, Apps abzuschießen, die das System ausbremsen.

So beendet ihr eine App unter Linux
Test-Hardware: Lenovos Thinkpad-Reihe gilt als sehr Linux-freundlich. Hier das Thinkpad X1 Carbon 2019 mit installiertem Deepin

Auch unter Linux verwandeln sich Apps manchmal in Zombie-Prozesse. Intuitiv klickt ihr dann auf das kleine Kreuz rechts oder links oben im Fenster – so wie ihr normalerweise ein Programm schließt – doch die App hat sich aufgehängt. Nichts passiert.

Meist geschieht das, wenn ihr eine Anwendung gerade nutzt, aber der Media Player spielt beispielsweise das Video nicht weiter ab oder der Browser lädt keine Webseite mehr. Sehr ärgerlich.

Wir zeigen euch mehrere Wege, das Fenster unter Linux dennoch zu schließen (oder eine App abzuschießen, wenn sie sich aufgehängt hat) – auch wenn ihr unterschiedliche Linux-Kenntnisse habt.

Jede Linux-Distribution sieht ein wenig anders aus. Manches findet ihr an anderer Stelle und/oder unter anderem Namen. Das darunter liegende Funktionsprinzip ist jedoch gleich. Es kann also sein, dass ihr ein wenig suchen müsst, wenn es bei auch anders aussieht als hier in den Screenshots, die ich unter Linux Mint 19.3 Tricia angefertigt habe.

Linux-Prozess über Systemsteuerung beenden

Nicht jeder Linux-Nutzer ist mit der Arbeit im Terminal vertraut. Doch auch unter der grafischen Oberfläche einer Linux-Distribution könnt ihr Anwendungen oder Prozesse mit etwas mehr Durchsetzungskraft beenden. Dafür müsst ihr nur die Systemüberwachung aufrufen.

  • Startmenü aufrufen
  • Systemüberwachung aufrufen
  • Rechtsklick auf den Prozess, den ihr beenden wollt
  • Beenden wählen
  • wenn das nicht funktioniert: Abwürgen wählen
Über die Systemüberwachung könnt ihr einzelne Anwendungen mit mehr oder weniger Nachdruck beenden (Screenshot: Peter Giesecke)

Linux-Prozess per Terminal beenden

Die wahre Macht steckt jedoch im Linux-Terminal. Das könnt ihr oft noch aufrufen, wenn unter der grafischen Oberfläche schon nicht mehr viel passiert, weil auch der Fenstermanager nicht mehr reagiert. Dann könnt ihr zwar die Maus nicht mehr steuern, aber immer noch das Terminal über eine Tastenkombination aufrufen.

  • Strg + Alt + T eingeben, um das Terminal zu öffnen

Wenn ihr wisst, wie der von Linux verwendete Prozess zu einem Programm heißt, geht es ganz einfach:

  • killall [Programmname]
  • Beispiel: killall whatsapp

Das Problem hier ist nicht, dass ihr eventuell den genauen Namen nicht wisst und deshalb dem Weg weiter unten folgen müsst: Killall geht sehr weiträumig zur Sache und schließt viele Prozesse auf einmal. Wenn ihr nur den hängenden Prozess beenden wollt, geht so vor:

  • ps -e , um eine Übersicht der Prozesse aufzurufen
  • PID (Prozess-ID) der hängenden App merken
Nachdem ihr ps -e eingegeben habt, werden alle laufenden Prozesse aufgelistet. In der linken Spalte findet ihr die Prozess-ID (Screenshot: Peter Giesecke)

Das ist einfacher, wenn ihr vorher nach Programmen sortiert:

  • ps -e | grep [Programmname]
  • Beispiell ps -e | grep WhatsApp
Beim Filtern müsst ihr auf Groß- und Kleinschreibung achten (Screenshot: Peter Giesecke)

So beendet ihr den Prozess:

  • kill [PID]
  • wenn das noch nicht hilft:
  • kill -9 [PID]

Wenn das System zu einer App mehrere Prozesse aufführt, könnt ihr erst einen Prozess killen. Manchmal reicht das schon, um das Programm komplett zu beenden. Fall nicht, listet ihr einfach alle PIDs in einer Zeile auf.

  • kill 13452 13456 134878 13493

Alternativer Weg über htop

Die meisten Linux-Nutzer haben schon einmal ein Terminal geöffnet, arbeiten dort aber nur ungern, weil sie mit den Befehlen nicht vertraut sind. Sie nutzen gerne Terminal-Programme, die eine angepasste Oberfläche (ncurses) nutzen wie htop.

Der Prozessmanager htop bietet euch ebenfalls die Möglichkeit, einzelne Anwendungen zu beenden.

Ihr könnt htop über das Startmenü aufrufen, aber auch über das Terminal mit htop.

  • F4 öffnet ein Eingabefeld, um den Namen der Anwendung einzugeben, nach der ihr filtern wollt
  • Name eingeben
  • Prozess anklicken
  • F9 drücken
  • mit Enter bestätigen (in der linken Spalte muss SIGTERM markiert sein)

Auch hier wieder: Einen einzigen WhatsApp-Prozess zu killen (den ersten ganz oben), beendete die komplette Anwendung.

Hier habe ich bereits über F4 nach „whatsapp“ gefiltert. Der nächste Schritt wäre F9, um die Anwendung zu beenden (Screenshot: Peter Giesecke)

Alternativer Weg über xkill

Wenn ihr die Mächtigkeit des Kill-Befehls nutzen, aber nicht mühsam die PID heraussuchen wollt, geht es mit xkill auch schneller und einfacher.

Ruft über Strg + Alt + T das Terminal auf und gebt dort xkill ein.

Der Mauszeiger verwandelt sich in ein „x“ (in manchen Linux-Distribution auch in einen kleinen Totenkopf). Steuert das X zu dem Fenster, das ihr abschießen wollt und klickt einmal.

Das unscheinbare weiße Kreuz, das ich mit dem roten Pfeil markiert habe, signalisiert: Wenn ich jetzt auf die Maustaste drücke, schließt der Audio-Player (Screenshot: Peter Giesecke)

Fazit

Unter Linux gibt es mehrere Wege, eine Anwendung zu beenden, wenn sie sich aufgehangen hat – und alle sind ein wenig anders. Die Stärke von Linux ist, dass ihr über Strg + Alt + T fast immer noch das Terminal aufrufen könnt, um von dort aus das Problem zu lösen.

Neue Beiträge abonnieren!

Täglich frisch um 17 Uhr im Postfach

Themenauswahl

Änderungen jederzeit über die Abo-Verwaltung möglich – weitere Themen verfügbar

Jetzt kommentieren!

Schreibe einen Kommentar

*
*
Bitte nimm Kenntnis von unseren Datenschutzhinweisen.