Logitech Logi Bolt: Tastaturen funken abhörsicher

Sicherheitslücke gestopft – Logitech ersetzt seine Unifying-Funktechnik für kabellose Tastaturen und Mäuse durch das schnelle und sichere Logi Bolt.

Logitech Logi Bolt: Tastaturen funken abhörsicher

Bislang leiden Funk-Tastaturen unter einem von zwei Problemen: Bluetooth ist generell sehr langsam. Der schnelle Unifying-Standard von Logitech jedoch hat Sicherheitslücken, die sich nicht mehr schließen lassen. Daher hat das Unternehmen eine neue Funktechnik entwickelt: Logi Bolt.

Logitech Logi Bolt soll schnell und sicher sein, wenn Mäuse und Tastaturen drahtlos mit einem Rechner kommunizieren. Die neue Technik ist wieder proprietär, auch wenn sie auf Bluetooth aufsetzt. Voraussichtlich werdet ihr sie nur in Peripheriegeräten von Logitech finden.

Was ändert sich für euch?

Für euch bleibt alles beim alten: Zu jeder Maus oder Tastatur mit Logi-Bolt-Funktechnik erhaltet ihr einen kleinen Adapter, auch Dongle genannt, den ihr in den USB-Slot am Rechner steckt. Die Geräte verbinden sich automatisch, ihr müsst nichts installieren.

Den Logi-Bolt-Receiver könnt ihr leicht am grünen Logo erkennen. Auf dem antiquierten Unifying-Dongle findet ihr dagegen ein orangefarbenes Symbol.

Bis zu sechs Geräte könnt ihr mit einem Logi-Bolt-Funkadapter koppeln. In Normalfall nutzt ihr eine Tastatur und eine Maus, die am Rechner allerdings zusammen nur einen Adapter als Gegenstelle benötigen und deshalb auch nur einen USB-Steckplatz belegen.

Logitech ist bekannt für seine kabellosen Tastaturen. Eine neue Funktechnik sorgt nun für mehr Sicherheit (Bild: Logitech)

Umgekehrt könnt ihr eine Tastatur (oder Maus) auch an mehreren Computern nutzen. Voraussetzung ist immer, dass es sich ausschließlich um Logi-Bolt-Geräte handelt. Logitech verspricht eine stabile Verbindung auf eine Entfernung von bis zu 10 Metern – falls ihr die Tastatur nicht nur am Rechner, sondern auch vom Sofa aus am Smart-TV nutzen wollt.

Die Betriebssysteme Windows und macOS unterstützen Logi Bolt vollständig, unter Linux und ChromeOS stehen nur die Basisfunktionen zur Verfügung. Unter iOS, iPadOS und Android lassen sich die Mäuse und Tastaturen mit Logi Bolt auch nutzen, aber nicht über die neue Funktechnik, sondern nur über das parallel verfügbare Bluetooth LE.

Logitech Logi Bolt ist damit eine Funktechnik, die für den Einsatz in Büros konzipiert wurde, in denen viele Geräte funken und gleichzeitig die Kommunikation sicher sein muss.

Wie sicher ist Logitech Logi Bolt?

Logi Bolt basiert ebenfalls auf Bluetooth, allerdings auf der strengen Spezifikation Bluetooth Low Energy Security Mode 1 und Level 4 – auch bekannt als Secure Connections Only Mode. In den USA gibt es noch einen weiteren Namen dafür: FIPS für U.S. Federal Information Processing Standards.

Dieser Standard umfasst viele Sicherheitsfeatures. Unter anderem wird beim Pairing ein Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch vorgenommen. Zudem wird das Signal per CCM verschlüsselt. Auch wenn Logi Bolt auf Bluetooth basiert, so ist die Kommunikation doch komplett End-to-End-verschlüsselt.

Sicherheitslücken im Unifying-Standard

Damit ist Logi Bolt sicherer als der bisherige Unifying-Standard. Aber nicht bloß im Sinne von: noch sicherer. Entscheidend ist, dass zahlreiche Sicherheitslücken im Unifying-Protokoll gefunden und mit dem neuen Standard geschlossen wurden.

Auch Mäuse lassen sich über Logi Bolt anbinden. Eine Kombo aus Tastatur und Maus benötigt nur einen USB-Steckplatz am Rechner (Bild: Logitech)

Angreifer können eure Eingaben auf der Tastatur mitlesen, weil sie die Kommunikation zwischen Gerät und Dongle entschlüsseln können, wenn der Angreifer das Pairing mitgeschnitten hat.

Noch schlimmer: Ein Angreifer kann eigenen Text in den Funkverkehr von Tastatur zum Rechner einschleusen, sogar ohne den Krypto-Schlüssel zu kennen, und auf diese Weise Schadprogramme auf dem Computer ausführen.

Die Unifying-Funktechnik gibt es bereits seit 2009. Da sich die Sicherheitslücken nicht schließen lassen, ohne die Kompatibiliät mit alten Geräten aufzugeben, hat Logitech den neuen Standard Logi Bolt entwickelt.

Nachteil einer Bluetooth-Tastatur

Warum überhaupt ein Dongle? Am Laptop besetzt er dauerhaft einen der wenigen Steckplätze. Zudem schaut er noch doof heraus, auch wenn der Adpater schon sehr klein ist. Bluetooth benötigt so etwas nicht.

Allerdings sind Verbindungen über Logi Bolt nicht nur sicherer, sondern auch schneller als über Bluetooth. Logitech hat nachgemessen in einer Umgebung mit mehreren Bluetooth- und WLAN-Geräten, die im 2,4-GHz-Frequenzband funken. Also eine ganz normale Büro-Situation. Die Latenzen, sprich: die Zeiten, die die Signale für den Weg benötigen, sind demnach per Logi Bolt bis zu achtmal niedriger.

Der neue Funkstandard Logi Bolt wird zuerst in Business-Tastaturen und -Mäusen zu finden sein (Bild: Logitech)

Über Logi Bolt beträgt die Latenz 4–7 ms, über eine Funktechnik mit einem anderem USB-Empfänger schon 57–81 ms, über Bluetooth gar 610 ms. Klar, das sind die Werte, mit denen Logitech für seine neue Technik wirbt, aber allzu sehr dürften sie nicht von der Realtität abweichen. Logi Bolt ist richtig, richtig schnell.

Direkte Bluetooth-Verbindungen, also solche ohne Dongle, sind ebenfalls sehr sicher. Allerdings nutzen diese in der Regel nur den Sicherheitsmodus 1 – Sicherheitsstufe 3. Ein kleiner Unterschied. Doch wenn ein Unternehmen darauf wert legt, sollte es nur per Logi Bolt funken.

Sechs Logi-Bolt-Geräte zum Start

Die ersten Mäuse und Tastaturen mit Logi Bolt richten sich deshalb auch an Geschäftskunden. Es handelt sich dabei um die folgenden sechs, bestehenden Produkte, die neben der Bluetooth-Anbindung zusätzlich noch Logi Bolt erhalten haben. Passt also auf, dass ihr nicht aus Versehen zur alten Version greift.

  • MX Keys Combo for Business
  • MX Keys for Business
  • MX Master 3 for Business
  • MX Anywhere 3 for Business
  • ERGO K860 Split Keyboard for Business
  • M575 Wireless Trackball Mouse for Business

Unklar ist noch, ob Logitech die neue Funktechnik Logi Bolt auch in seinen Consumer-Produkten einsetzen wird. Da die Sicherheitslücken im Unifying-Protokoll aber mit keinem Update gestopft werden können, ist dies aus meiner Sicht der einzig gangbare Weg.

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