Smartwatches sehen immer mehr wie 'richtige' Uhren aus (Bild: Huawei)

Huawei-Chef disst Smartwatches – zurecht?

Huawei stellt seine neue Smartwatch vor, doch Topmanager Xu Zhijun hält sie für überflüssig. Ihm reicht sein Smartphone. Doch was kommt danach?

Solch ehrliche Worte würde ich mir häufiger wünschen: Huawei hat gerade seine Smartwatch veröffentlicht, und einer der drei Chefs erklärt im Rahmen der Huawei Analyst Summit 2017 auf offener Bühne, dass er Smartwatches für überflüssig hält. „Ich trage keine Smartwatch und habe diesen Markt nie optimistisch beurteilt. Tatsächlich hat sich mir nie erschlossen, warum wir Smartwatches tragen müssen, wenn unsere Smartphones alles sind, was wir brauchen“, so Xu Zhijun laut Forbes – einer von drei Top-Managern, die nacheinander für jeweils sechs Monate in die Rolle des Huawei-Chefs schlüpfen.

Smartphone ergänzen oder ersetzen?

Ein Analyst hatte Xu, der sich außerhalb Chinas Eric Xu nennt, eigentlich etwas völlig anderes gefragt, nämlich ob das Smartphone aussterbe, weil es in Zukunft Wearables auf T-Shirts und Glas gebe. Dass beide ungewollt aneinander vorbeireden, macht deutlich, dass gar nicht klar ist, was eine Smartwatch überhaupt sein soll: eine Ergänzung zum Smartphone oder ihr Nachfolger? Das Smartphone hat zum Beispiel den MP3-Player abgelöst oder das iPhone den iPod. Doch was kam eigentlich danach, das von sich zurecht behaupten könnte, eine neue Geräteklasse zu definieren?

Die Smartwatch teilt dieses Schicksal mit dem Tablet. Zu Beginn war die Begeisterung groß, die Verkaufszahlen waren immerhin akzeptabel. Doch dann flachte beides ab. Beide Geräte wurden und werden einfach nicht so regelmäßig ersetzt wie das Smartphone. Leute wie der Huawei-Chef Xu Zhijun nennen den Grund. Das Smartphone hat einen wirklichen Nutzen, die Smartwatch ist jedoch in Augen vieler nur nice to have, oft sogar nicht einmal das. Dass es die gerade vorgestellte Huawei Watch 2 auch in einer Version gibt, die über LTE funkt und daher theoretisch sogar das Smartphone ersetzen könnte, spielt keine Rolle. Ich persönlich würde auf ein größeres Display nie verzichten und werde deshalb wohl nie eine Smartwatch tragen.

Lieber ein Knopf im Ohr?

Apple hat übrigens schon drauf reagiert und bewirbt die Apple Watch Series 2 in erster Linie als Wearable für die Bereiche Fitness und Gesundheit. Da sind die Sensoren, die direkt am Körper getragen werden, plötzlich wichtiger als eine neue WhatsApp-Nachricht. Kein Smartphone-Ersatz, sondern ein Tool für die Nische. So ist es dem Tablet ja auch ergangen, das weder Ersatz für das Notebook geworden ist noch für das Smartphone. Bei den meisten Freunden liegt es als Gerät für die ganze Familie auf dem Wohnzimmertisch oder dient zur kurzweiligen Unterhaltung bei Zugfahrten oder auf der Rückbank im Auto. Mehr aber auch nicht.

Doch was war jetzt mit der Frage, die Xu Zhijun gestellt wurde? Was kommt nach dem Smartphone? Auch die persönlichen Sprachassistenten wurden erst gehypt und dann ein wenig geerdet. Denkt nur an all die lustigen Antworten, die Siri gab, wenn man nur die richtigen Fragen stelle. Aber: Smartwatches werden immer ein kleines Display behalten, Tablets immer zu groß und zu schwer sein, um sie überall mit hinzunehmen. Die Algorithmen hinter den Sprachassistenten jedoch werden immer besser. Da geht noch was. Vielleicht werden wir bald alle einen kleinen Knopf im Ohr tragen, dazu eine Brille oder Kontaktlinse. Dann wäre das Smartphone wirklich überflüssig. Mir gefällt der Gedanke daran allerdings nicht, genauso wenig wie Xu Zhijun.

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