Spieglein, Spieglein an der Wand: Sind Smarte Spiegel der neue Trend?

Mit dem Wandspiegel sprechen, sich von ihm den Wetterbericht anzeigen lassen oder gar die Wohnung mit ihm steuern. Was kurios und vielleicht nach einem Märchen klingen mag, könnte langsam zu einem neuen Trendprodukt werden. Einige Firmen arbeiten schon an smarten Spiegeln.

Smarte Spiegel im Eigenbau

Die Grundidee für smarte Spiegel ist nicht neu und stammt aus der Hobbybastler-Szene. Der Niederländer Michael Teeuw baute bereits vor zwei Jahren einen Spiegel, der in der Lage war, beispielsweise den Wetterbericht oder gar Internetseiten darzustellen. Aus dem sogenannten MagicMirror entstand eine kleine Tüftler-Community. Und das motivierte beispielsweise auch den Dresdner Programmierer Thomas Bachmann, mit einem Raspberry Pi Mini-Rechner den Magic Mirror 2.0 zu entwerfen. Der kann sogar ein tägliches Kompliment oder anstehende Termine präsentieren.

Der magische Spiegel im Eigenbau. (Foto: Thomas Bachmann)

Der magische Spiegel im Eigenbau. (Foto: Thomas Bachmann)

Der Google-Mitarbeiter Max Brown erschuf für den Hausgebrauch einen smarten Badezimmer-Spiegel basierend auf dem mobilen Betriebssystem Android. Auch sehr schön, aber ebenfalls im Grunde „nur“ ein DIY-Projekt, das ausschließlich erfahrenere Menschen dazu animieren dürfte, es mit einem Eigenbau zu versuchen. Doch die positive Resonanz auf die „magischen Spiegel“ und das damit verbundene Medienecho dürften kommerzielle Anbieter motiviert haben, eigene Lösungen zu produzieren.

Dirror setzt auf Windows

Die Unternehmen DGMK und Ironshark stellten kürzlich ihre eigene Version des smarten Spiegel vor. Dieser hört auf den Namen Dirror und nutzt statt Linux oder Android ein vollwertiges Windows 10 als Betriebssystem. Im besten Fall verbauen die Firmen sogar leistungsstarke Rechner mit Intel Cherry Trail X7-Z8700 Prozessor, 4GB RAM und 128GB Flash-Speicher. Zwischen 10 und 27 Zoll groß sind die attraktiven und handgefertigten Spiegel im Holzrahmen, die optimal für Flur, Wohnzimmer oder Küche geeignet sind.

Ein großer Touchscreen? Nein, ein Spiegel. (Foto: Dirror)

Ein großer Touchscreen? Nein, ein Spiegel. (Foto: Dirror)

Der Vorteil von Dirror: Dank Windows 10 und hochauflösenden Bildschirmen auf der Rückseite des smarten Spiegels können Nutzer auch regulär im Netz surfen oder das persönliche Smart Home bedienen. Sprachsteuerung, integrierte Lautsprecher, Touchscreen – alles ist dabei. Und braucht man gerade mal den Wetterbericht oder das neue Kochrezept nicht, dann benutzt man Dirror eben als… Spiegel. Preislich geht es ab 600 Euro für das kleinste Modell los, für 27 Zoll zahlt man dagegen schon 1390 Euro. Das ist ohne „Smart“-Funktionen bei IKEA sehr viel günstiger.

Perseus mit Gestensteuerung

Mit Perseus versucht ein gleichnamiges Startup, bei Kickstarter Geld für einen smarten Spiegel einzusammeln. Mit Gestensteuerung wird das Gerät bedient, es streamt auch Audio- und Videoinhalte auf das „Display“. Interessant sind sicherlich die kleinen Ideen: Beim Schminken schaut man sich YouTube-Videos an oder führt sogar ein Videotelefonat dank integrierter HD-Kamera. Oder wie wäre es, beim Rasieren einen Film zu gucken? Dank offener Plattform sollen Entwickler dazu motiviert werden, eigene Anwendungen nur für Perseus zu kreieren.

Ähnlich wie bei Dirror findet beim smarten Spiegel Perseus ein Rechner Verwendung, der die Inhalte auf den speziellen Bildschirm bringt. In diesem Fall ist von einem besonderen „Anti-Fog“-Glas die Rede, das Spiegelbild und Informationen gleichermaßen in guter Qualität darstellt. Preislich geht’s sogar bei 200 US-Dollar los, wenn man Geld vorschießt und sich bis April 2017 geduldet. Klingt schon verlockend.

Am Schluss stellt sich bei einem smarten Spiegel freilich noch immer die Frage: Alles nur ein Gag, ein amüsantes Gadget oder perspektivisch eine Erfindung mit Mehrwert? Sicher – auch in modernen Zeiten stehen wir häufig vor dem Spiegel, um uns auf Arbeit und Freizeit vorzubereiten. Nur wünschen wir hier ernsthaft auch hier Ablenkungen? Andererseits kann ich mir sehr gut vorstellen, dem Spiegel zu sagen, dass er doch bitte die Heizung abstellen und das Licht ausschalten soll. Als Teil des Smart Home der Zukunft wäre ein Smart Mirror sicherlich eine Bereicherung. Ob weitere Hersteller noch nachziehen werden? Mich würde es nicht wundern.

Was ich dagegen nicht wirklich brauche: Einen Computer, der mir sagt, dass ich der Schönste im ganzen Land bin…. 🙂

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