Mit Unity: So erstellte ich meine erste eigene Puzzle-App

Im Lockdown sitzen – und dann? Trendblog-Redakteur Daniel hat in dieser Zeit eine App programmiert und sein Highlight des Jahres in einer Software gefunden.

Mit Unity: So erstellte ich meine erste eigene Puzzle-App

Ich gebe es gerne zu und bleibe dabei: 2020 war und ist ein Charaktertest. Anfang des Jahres musste ich als Risikogruppen-Angehöriger für vier Wochen in den Lockdown. Damit mir nicht die Decke auf den Kopf fiel, habe ich eine Aufgabenliste erstellt. Ganz oben: Eine App programmieren!

In der Schule besuchte ich Informatik-Unterricht und habe seit Jahren beruflich mit Technik zu tun. Von der Pike auf ein eigenes Programm zu schreiben, war nie drin. Ich las eine Reihe von Büchern, die ich in einem Trendblog-Artikel vorstellte.

Obwohl ich stolz wie Bolle war, dass die Buchvorgaben auf dem Raspberry Pi liefen, blieb ein fahler Geschmack. Schließlich war es ja nicht »mein« Werk, sondern das anderer Köpfe. Und ich baute nach – mehr nicht. Wie bei Lego besteht der Reiz darin, eigenes aufzubauen.

Ich überlegte, ob und wie ich ein Spiel auf Android veröffentlichen könnte. Es sollte nix Großes sein. Keine Projekt, an dem ich mich verheben könnte. Ein kleines Puzzlespiel? Das lag nahe. Klassiker wie Tetris oder Sokoban verfügen über klare Regeln, einfache Grafiken und machten mir Spaß. Weil zig Klone besagter Spiele den Google Play Store fluteten, wollte ich ein anderes Game.

Die innere Logik

Ein Spielfeld von so und so vielen Feldern, in das Spielerinnen und Spieler eine Reihe zufällig ausgewählter Spielsteine legen. Ist eine Reihe durchgehend gefüllt, verschwindet sie. Das Lösen erhöht den Punktestand. Kann man keine neuen Formen mehr platzieren, heißt es »Game Over«. Ein simples Spielkonzept. Nicht innovativ, aber einfach zu beschreiben und umzusetzen.

Unity als Werkzeug

Mit den Entwicklungsumgebungen auf Raspberry Pi konnte ich das nicht umsetzen. Ich schaute mich im Netz nach Alternativen um und stieß auf die kostenfreie Unity-Engine, die Spielende seit Jahren als Motor großartiger Titel wie »The Town of Light« oder »Wasteland 2« kennen. Meine App sollte eine ganze Spur kleiner sein.

„Hiiiiirne…“ Das englische Verlagshaus Raspberry Pi Press bitetet „Build Your Own First-Person Shooter in Unity“ als kostenfreien Download an. Ein Wochenendprojekt, an dessen Ende ihr einen echten Egoshooter nachgebaut habt! Voraussetzungen? PC, Sitzfleisch und gute Englischkenntnisse. (Bilder: Raspberry Pi Press)

Warum Unity? Nicht des Preisetiketts wegen, da finden sich Konkurrenzprodukte wie Unreal Engine 3 oder die Lumberyard Engine. Reizvoll erschien mir die starke Vernetzung der Programmierenden. Von der Installation über die Spieloberflächengestaltung bis zum Polishing und der Veröffentlichung bedienen die offiziellen Foren alle Entwicklungsschritte. Möchtet ihr eine »Abkürzung« nehmen, bietet der Store vorgefertigte Spielekonzepte, 3D-Modelle und Sounds an. Eine lesbare „Schnellanleitung“ hat der Raspberry Pi in petto – die ihr als kostenfreies PDF erhaltet.

Als besonders hilfreich empfand ich die Tutorial-Serie von Daniel Wood und Unitys offiziellen Guide:

Die Arbeit beginnt!

Nach zwei Tagen stand eine erste Version meines Kleinods, das »Blox« heißen sollte. Ich konnte das Spiel innerhalb von Unity starten, Steine legen, Punkte kassieren. Abseits davon mangelte es an allem. Keine Modusauswahl, null Musik, Stille statt Sounds. Und ein lediglich entfernt an 16-Bit-Klassiker erinnernder Look.

An zwei weiteren Wochenenden brachte ich die fehlenden Elemente ein und erstellte eine APK, die ich auf meinem Smartphone installieren wollte. Es klappte – und das Gefühl, seine eigene Kreation auf dem Touchdisplay zu »berühren«, ist kaum in Worte zu fassen. Ich daddelte Blox einen Abend lang. Machte Notizen, was ich ändern würde. Passendere Musik, mehr Retro-Feeling durch neue Grafiken und Schritarten, ein zweiter Spielmodus. Der Ehrgeiz, die Anwendung weiterzuentwickeln, war geweckt.

Mit viel Geduld, Ausprobieren und Nachlesen in einschlägigen Foren, war diese Arbeit kein Spaziergang, aber machbar. Mit jeder Codezeile mehr näherte sich meine App-Premiere ihrer Vollendung. Bei letzten kleinen Problemen half mir ein Freund. Zwei Wochen später war Blox fertig.

Google sagt „Hi!“

Ich wollte es endlich veröffentlichen und stieß auf Probleme, bei denen mir die Unity-Community erneut weiterhalf. Wie kriege ich die APK vom meinen PC in den Google Play Store? Vereinfacht gesagt: Indem ich mich als Programmierer registriere (was einmalig 25 Euro kostet), dann die App einreiche und abwarte, ob Google der App grünes Licht gibt.

Mit wenigen Klicks registriert ihr euch als Entwickler für Google-Plattformen, darunter Android und Google Assistent. Der Weg zum fertigen Produkt ist ab hier ein kurzer…

Das war zunächst nicht der Fall und verlangte nochmals Geduld. Erst fehlte eine 64-Bit-Version (neuerdings verpflichtend), dann war eine Schnittstelle nicht sauber programmiert oder die Werbeeinblendung nicht korrekt gesetzt. Als Blox dann endlich erschien, genoss ich den Erfolg zunächst in Stille. Die Begeisterung, es in den Google Play Store geschafft zu haben, platzte trotzdem heraus. Bald wusste es die Hälfte meiner Social-Media-Kontakte.

Und weiter?

Ein neuer Shigeru Miyamoto, Peter Molnyeux oder Warren Spector werde ich in diesem Leben nicht mehr. Das war nie der Anspruch. Unity ermöglichte mir, ein nettes Spiel auf die Beine zu stellen. Zu verstehen, dass Programmieren kein Hexenwerk ist, sondern »nur« Sitzfleisch und Grips benötigt. Für alles andere gibt es gratis Software und unfassbar tolle Menschen, die weiterhelfen.

Beendet habe ich meine Entwickler-Karriere nicht. Ein nächstes Projekt befindet sich in der Pipeline. In einigen Monaten könnt ihr auf dem Trendblog lesen, was es ist. Diesmal sauber dokumentiert und mit allen Ressourcen.

Hinweise? Gern: Mode 7, ultraschnelle Rennen, fetziger Chiptune-Soundtrack. Wer SNES gespielt hat, weiß, welchem Klassiker ich damit anno 2021 die Ehre erweisen möchte…

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