Nintendo Switch: Angriff der Windows-Klone

Die Nintendo Switch könnte bald Konkurrenz von High-End-Handhelds bekommen, mit denen ihr auch neueste Triple-A-Titel spielen könnt.

Nintendo Switch: Angriff der Windows-Klone

Seit der Nintendo Switch (hier ein Test der Nintendo Switch Lite) haben wir keine richtige Handheld-Konsole mehr von den großen Herstellern gesehen. Wobei die Switch selbst eine Hybrid-Konsole ist, die ihr entweder als Wohnzimmerkonsole oder als Handheld nutzen könnt. Warum Sony und Microsoft sich entschieden haben, vorerst keine neuen Handhelds auf den Markt zu bringen, können wir nur spekulieren.

Ein wichtiger Faktor ist dabei sicherlich die Nachfrage. Denn wenn niemand tragbare Konsolen kauft, lohnt es sich auch nicht, diese zu entwickeln und zu produzieren. Ein zweiter möglicher Grund sind die immer höher werdenden Hardwareanforderungen. Von einer neuen Konsolengeneration erwarten wir schließlich immer bessere Grafik und neue technische Möglichkeiten.

Volle Rechenpower unterwegs: Geht das?

Bei einem Handheld ist das schwieriger umzusetzen als bei Konsolen oder einem PC. Der Grund dafür ist der Platz. Der Innenraum von modernen Konsolen und PCs bietet ausreichend Platz, um moderne Grafikkarten und CPUs zu kühlen, damit sie nicht überhitzen. Wenn wir jetzt einmal auf Gaming-Laptops schauen, sehen wir, dass diese oft schon Probleme mit der Kühlung haben und schnell überhitzen können, weil die Komponenten eng an eng liegen und die heiße Luft kaum Raum hat zu entweichen.

So oder so ähnlich könnte die neue Konsolengeneration aussehen. Quelle: GDP

Handhelds sind im besten Fall noch einmal deutlich kleiner als Laptops, wodurch die größte Herausforderung für die Hersteller ist, High-End-Komponenten unterzubringen und diese entsprechend kühl zu halten. Denn eine Mini-Konsole, auf der gerade mal Super Mario Kart flüssig läuft, wird sich kaum verkaufen.

Einige mutige Hardware-Hersteller stellen sich aber dieser Herausforderung und entwickeln Handheld-Konsolen mit Windows 10 als Betriebssystem. Das hat den Vorteil, dass ihr theoretisch alle Spiele spielen könnt, die ihr auch sonst auf einem herkömmlichen PC zockt. Wir schauen uns die spannendsten Prototypen an, um zu sehen, ob High-End-Rechenpower wirklich im Mini-Format funktionieren kann.

Alienware Concept UFO

Alienware entwickelt mit dem sogenannten Concept UFO einen Handheld Gaming-PC, auf dem ihr zocken können sollt wie auf einem PC. Die Marke ist für High-End Gaming-PCs und Laptops bekannt und versteht in diesem Bereich durchaus, was sie tun. Dabei erinnert das UFO stark an die Nintendo Switch. In der Mitte habt ihr einen Bildschirm und an den Seiten zwei separate Steuerelemente mit zwei Joysticks, einem Steuerkreuz, vier Knöpfen und extra Buttons.

Wie bei der Switch könnt ihr auch beim UFO die Steuerelemente an den Seiten abnehmen und mit einem weiteren Mittelstück zu einem Controller formen. Den Bildschirm könnt ihr dann vor euch platzieren. Alienware nenn das den Power Bridge Mode.

Außerdem ist eine Art Docking Station geplant, in der das Handheld aufladen kann und zusätzlich das Bild auf einen Fernseher transferiert wird, wieder ähnlich wie bei der Nintendo Switch. Im Gegensatz zur Switch soll Concept UFO genug Rechenpower bieten, um auch aktuelle Triple-A-Titel flüssig zum Laufen zu bringen und mit Windows 10 zu arbeiten.

Ob und wie das funktioniert, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich bin gespannt auf das fertige Produkt.

GPD WIN3

Der GDP WIN 3 wurde durch eine Indiegogo-Kampagne mit momentan mehr als 1,8 Millionen Euro finanziert und beschreibt sich selbst als die weltweit erste Handheld-Konsole für Triple-A-Spiele. Sie befindet sich momentan in der Prototyp-Phase.

Auf den ersten Blick erinnert dieser ebenfalls an das Layout der Nintendo Switch mit dem Bildschirm in der Mitte und den Steuerelementen rechts und links von diesem. Allerdings hat der WIN3 einen Kniff: Ihr könnt den Bildschirm hochschieben, wodurch eine vollständige Tastatur zum Vorschein kommt. Die kann für einige Eingaben sehr nützlich sein, aber ich denke nicht, dass sie sich zum Zocken eignet, da die Tasten doch recht klein sind.

Das Versprechen des GDP WIN 3 ist es, die neusten Triple-A-Titel mit 60 Frames pro Sekunde zum Laufen zu bringen. Dafür nutzt die Mini-Konsole einen Tiger Lake-U Prozessor von Intel der 11. Generation sowie eine Iris-Xe-Graphics-Grafikkarte der 12. Generation, ebenfalls von Intel. Dazu kommt eine 1 Terabyte große Festplatte. Alle Spezifikationen findet ihr auf der offiziellen Indiegogo-Seite des GDP WIN 3.

Zusätzlich ist noch eine Dockingstation zum Laden des Handhelds geplant, mit der ihr das Bild eventuell auch auf den Fernseher übertragen könnt. Auch das ist ein spannendes Projekt, gerade mit dem Versprechen, die neuesten Games mit 60 FPS auf dem Handheld zocken zu können. Ich bin skeptisch, gerade auch, was die tatsächliche Akkulaufzeit anbelangt, freue mich aber umso mehr, wenn GPD sein Versprechen halten kann.

Lavie Mini

Der Lavie Mini ist aus einem Joint-Venture-Unternehmen von Lenovo und der NEC Corporation namens NEC Personal Computers entstanden. Der Mini ist nicht nur Handheld-Konsole, sondern ihr könnt ihn auch als Mini-Laptop oder stationäre Konsole nutzen.

Im ersten Schritt klappt ihr den Lavie Mini ganz einfach auf wie einen normalen Laptop, und die Tastatur kommt zum Vorschein. Wenn ihr in den Handheld-Modus wechseln möchtet, klappt ihr die Tastatur komplett um, also hinter den Bildschirm und schiebt ihn in den Kontroller-Aufsatz. Der verdeckt die Tastatur an der Rückseite und bringt zwei Steuerelemente links und rechts vom Bildschirm mit.

Für stationäres Gaming kommt der Lavie Mini auf die Dockingstation, die ihr mit einem HDMI-Kabel mit dem Fernseher verbinden könnt. Alle Transformationen präsentiert der Hersteller anschaulich in diesem Video:

Hardwareseitig bringt der Lavie Mini einen mobilen Intel Core i7 Prozessor der 11. Generation und eine Intel Iris-Xe-Grafikkarte mit. Das 8 Zoll große Touch-Display schafft Auflösungen von bis zu 1920 x 1200 Pixel. Dazu kommen 16 Gigabyte DDR4-RAM und 256 Gigabyte Speicher auf einer SSD-Festplatte.

Für mich persönlich ist der Lavie Mini sehr interessant, da er Handheld-Konsole mit Windows 10 und Laptop in einem ist. Das bedeutet, ich kann damit arbeiten und zocken. Natürlich ist der kleine Bildschirm nicht ideal zum Arbeiten, aber auf Reisen ist es besser als nichts.

OneGX Pro

Der OneGX Pro ist ebenfalls ein Mini-Laptop, der moderne Spiele mit hohen Framerates zum Laufen bringen soll. Er ist der Nachfolger des OneGx1, welcher einen ähnlichen Look hatte, aber nicht so viel Rechenpower wie das Pro-Modell. Der Pro ist im Grunde ein Mini-Laptop mit abnehmbaren Controller-Steuerelementen an den Seiten.

Das bedeutet auch, dass ihr die Tastatur nicht verstecken könnt, wie bei anderen Mini-Handhelds. In einem Demo-Video zeigt der Hersteller, wie der kleine Laptop sich in relativ neuen Spielen schlägt:

Dabei werden die meisten Spiele mit einer recht flüssigen Framerate dargestellt. Möglich macht das ein Intel Core i7-1165G7-Prozessor in der mobilen Version und ein Intel Iris Plus Grafikchip. Dazu kommen 16 Gigabyte DDR4-RAM und 512 Gigabyte Festplattenspeicher auf einer SSD. Das Display ist 7 Zoll groß und schafft eine Auflösung von 1920 x 1200 Pixel.

Ansonsten bietet das OneGX Pro keine Highlights, ist aber trotzdem interessant, da es irgendwie eine Mischung aus Gaming-Laptop und Handheld ist. Für mich fehlt aber noch der letzte Kniff, der die kleine Gaming-Maschine interessant macht.

Fazit

Es scheint so, als wenn Handhelds wieder im Kommen sind. Natürlich wissen wir noch nicht, welche dieser Prototypen letztendlich im Handel erhältlich sein werden und ob sie tatsächlich neue Triple-A-Titel mit hohen Framerates darstellen können, ohne nach kurzer Zeit zu überhitzen.

Wenn das aber funktioniert, steht Handheld-Konsolen eine rosige Zukunft bevor. Und wer weiß, vielleicht trauen sich dann auch Sony und Microsoft wieder an den Handheld-Markt.

Titel: NEC Personal Computers

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