Günstiger Einstieg in Virtual-Reality: So funktioniert Google Cardboard

Der Einstieg in Virtual Reality muss nicht teuer oder kompliziert sein. Habt ihr schon einmal Cardboard ausprobiert?

Ob wir wollen oder nicht – Virtual Reality wird 2016 ein großes Thema in der Unterhaltungsbranche. Dafür sorgen Sony mit PlayStation VR, Facebook-Tochter Oculus VR mit Oculus Rift und HTC sowie Valve mit HTC Vive. Abgesehen vielleicht von Apple arbeiten etliche Firmen an Lösungen für spannende Konzepte, um Menschen im virtuelle Welten eintauchen zu lassen. Doch eines ist sicher: Die ambitionierten VR-Brillen werden zu Beginn sehr teuer sein und garantiert nicht sofort den Massenmarkt erreichen. Dafür ist die Skepsis bei vielen Technikfreunden zu groß und die Hardware letztlich noch nicht an dem Punkt, an dem sie ohne Abstriche begeistern kann.

VR muss nicht zwangsläufig so aussehen. (Foto: Oculus VR)

VR muss nicht zwangsläufig so aussehen. (Foto: Oculus VR)

Aber: Ihr solltet neugierig und aufgeschlossen sein. Denn sobald ihr einmal den Ansatz verstanden und das Potential erkannt habt, werdet ihr wahrscheinlich auch Feuer und Flamme für VR sein. Der Einstieg muss nicht bei mindestens 700 Euro liegen, wie manche nach der Preisankündigung der Oculus Rift vermutet haben. Die deutlich günstigere Alternative wäre in jedem Fall Samsungs Gear VR, die allerdings nur für ein paar ausgewählte Smartphones gedacht ist. Wer nicht mindestens ein Samsung Galaxy S6 (Edge/Edge+) oder Galaxy Note 5 sein Eigen nennt, kann die 100 Euro-Lösung nicht verwenden. Wenn euch das auch noch zu teuer ist, dann können wir Googles Papp-Erfindung empfehlen.

Was ist das?

Google Cardboard ist im Grunde eine Light-Variante professioneller VR-Produkte, die dafür allerdings wirklich billig ist. Wie bei Gear VR kommt als Technik das eigene Smartphone zum Einsatz, das eine Displaygröße von maximal 6 Zoll besitzen sollte. Umso höher die Auflösung des Bildschirms, umso überzeugender ist letztlich das Ergebnis. Es kann aber beispielsweise auch ein „altes“ Samsung Galaxy S4 verwendet werden. Legt euer Mobiltelefon, vorzugsweise mit Android-Betriebssystem oder iOS ausgestattet, in die Cardboard-Brille ein, die fast immer aus Pappe besteht – schon kann es losgehen! Durch eine robuste Konstruktion müsst ihr euch um euer Handy nicht sorgen. Ebenfalls haltet ihr die Apparatur normalerweise mit euren Händen fest und könnt das Gerät somit jederzeit schnell abnehmen. Eine einzige Taste existiert auch, die ihr für Eingaben verwendet.

Eine stabile Pappbrille. (Foto: Google)

Eine stabile Pappbrille. (Foto: Google)

Wie Cardboard funktioniert? Letztlich ist das Konzept mit dem der prominenteren VR-Brillen nahezu identisch. Das Display (des Smartphones) stellt für jedes Auge individuelle Inhalte dar, Linsen vergrößern das Bild und erhöhen den Betrachtungswinkel. Das führt zu dem Eindruck, „virtuell“ auf einen riesigen Bildschirm zu blicken. Die Bewegungssensoren erkennen zusätzlich eure Kopfbewegungen, was eine 360-Grad-Sicht auf die Dinge ermöglicht. Das zusammen lässt das Gefühl entstehen, man würde sich in einer fremden Umgebung befinden, in der man sich frei bewegen darf. Dies ist so nicht möglich, sehr schnell stößt Cardboard an technische Limitierungen. Doch seien wir ehrlich: Solche Papp-Brillen, die viele Hersteller anbieten, beginnen preislich bei ein paar Euro und sollen gewissermaßen einen ersten Eindruck verschaffen.

Google zufolge wurden weltweit sogar schon über fünf Millionen dieser Brillen ausgeliefert. Und das ist sogar ein echter Vorteil, denn so sind vor allem für Android schon zahlreiche Apps erhältlich, die das Eintauchen in VR ermöglichen. Dass man das Smartphone fast immer aus der Brille entfernen muss, um eine Anwendung zu wechseln, ist allerdings ein Nerv-Punkt, mit dem ihr euch arrangieren müsst. Es empfiehlt sich, die offizielle Cardboard-App von Google zu installieren, da ihr hier eine kleine Übersicht geeigneter Spiele und VR-Abenteuer erhaltet. Sogar Google Streetview und Youtube unterstützen diesen VR-Spaß mit 360-Grad-Inhalten. Und das ohne zusätzliche Kosten!

Ein paar App-Empfehlungen

Weil wir gerade dabei sind: Wenn ihr nun Lust auf Cardboard habt, dann ladet euch die App „Vrse“ herunter. Imposante 360-Grad-Spots bringen euch garantiert zum Staunen. Wie viel Spaß VR machen kann, zeigt unter anderem das Bienenflugspielchen „Lamper VR“. Amüsant und gruselig fanden wir die VR-Demo „Sisters“. Und den „Frogger“-Klon „Crossy Road“ gibt’s übrigens auch für Cardboard. Visuell eindrucksvoll auf modernen Smartphones sind „InMind VR“ und „Vanguard V“.

Achterbahn? Klar, gibt es auch.

Achterbahn? Klar, gibt es auch.

Kleiner Tipp zusätzlich: Gebt im Google Play Store als Suche „Cardboard“ ein, schon finden sich zahlreiche Apps. Für iOS und Windows ist das Angebot allerdings sehr viel kleiner, mit einem Apple-Smartphone erhaltet ihr aber teils ähnliche Inhalte.

Welche kaufen?

Google empfiehlt auf der offiziellen Webseite einige Cardboard-Brillen, die sich an den vorgegebenen Standard halten. Wichtig für den Kauf ist es, dass ein QR-Code vorhanden ist, der die erstmalige Konfiguration erleichtert. Ist dieser nicht vorhanden, kann die Bildqualität durch falsche Angabe der Linsenabstände sinken.

Sollte euch Pappe nicht gefallen, wie wäre es mit einem vielleicht unkonventionell erscheinenden Tipp? Mattel verkauft seit Ende 2015 eine Neuauflage des View-Master. Das Comeback des berühmten Kinderspielzeugs ist Cardboard-kompatibel, eignet sich also für etliche VR-Apps. Hier bekommt man dann Plastik und eine höherwertige Verarbeitung geboten. Aber wie gesagt: In diesem Bereich tummeln sich mittlerweile hunderte Brillen auf dem Markt. Achtet darauf, dass der Hersteller betont, dass sein Produkt für Googles Standard geeignet ist. Das erleichtert die Einrichtung ungemein.

Cardboard als Spielzeug. Sozusagen.

Cardboard als Spielzeug. Sozusagen.

Abschließend möchten wir noch einmal betonen: Cardboard ist kein vollwertiger Ersatz für die teuren VR-Brillen von Sony, HTC und Co. Doch die VR-Brille ist ein schöner Einstieg und sozusagen ein Appetizer, den man gerne mal bei einer Party rauskramt, um Freunde zu unterhalten. Der „Gag“, der bei den richtigen Apps gar keiner mehr ist, kostet nur wenige Euro – da kann man wirklich kaum etwas falsch machen. Probiert es aus.

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