Sennheiser IE80S ausprobiert: In-Ear-Kopfhörer für Musikliebhaber

Die Sennheiser IE80S setzen auf Klinkenstecker statt Bluetooth. Ist das noch zeitgemäß? Trendblogger Frank Müller hat die In-Ear-Kopfhörer ausprobiert.

Die Sennheiser IE80S sind In-Ear-Kopfhörer (deswegen das IE), die sich vor allem auf eine Sache konzentrieren: auf das Musikhören. Das erkennt man vor allem am Klang, aber auch an vielen Details und am Lieferumfang. Auf jeden Fall wird schnell klar, dass Sennheiser viel Erfahrung mit der Entwicklung kleiner, aber feiner In-Ear-Kopfhörer hat.

Der Lieferumfang der Sennheiser IE80S

Die Sennheiser IE80S kommen sozusagen in Vollausstattung. Ein stabiles Transportkästchen ist dabei, eine Auswahl von Ohrstücken in den Größen S, M und L. Nicht nur aus Silikon, sondern auch mit einem kompletten Satz aus Memory-Schaum von Comply. Außerdem ein kleines Werkzeug, auf dessen Zweck wir später noch kommen. Nur eine Sache fehlt: ein Mikrofon im Kabel.

Mit den Sennheiser IE80S wird Musik gehört.

Als Headset lassen sich die IE80S nur mit einem sogenannten Smartkabel verwenden, das Sennheiser als Zubehör anbietet. Denn schließlich sind die Kopfhörer zum Musikhören gedacht, vor allem wohl an einem mobilen Hi-Res-Player (Shoplink).

Wer sie als Headset an Smartphone oder Tablet verwenden will, muss das mitgelieferte Kabel austauschen. Das geht allerdings ganz einfach.

Kabeltausch ganz einfach

Das Kabel lässt sich bei den Sennheiser IE80S ganz einfach von den Ohrhörern abziehen und gegen ein neues austauschen. So kann man nicht nur die Funktionalität erweitern und die Musikkopfhörer auch als Headset nutzen. Vor allem bedeutet ein Kabelbruch nicht das Ende der hochwertigen Kopfhörer. Denn die Technik zur Klangerzeugung steckt ja in den beiden Teilen, die in die Ohren sitzen.

Mehr Bass gefällig? Einfach einstellen

Beim genauen Hinsehen erkennt ihr einen kleinen Regler an jedem Ohrhörer. Über diesen Regler könnt ihr den Frequenzgang eurem persönlichen Hörgeschmack anpassen. Soll heißen: vor allem den Bass regeln. Ob das nötig ist, entscheiden die eigenen Hörvorlieben und die Art der Musik, die ihr bevorzugt.

Ich persönlich bin kein Freund von überbetontem Bass und finde den Sound schon in der niedrigsten Einstellung ausgezeichnet und ausgewogen. Hiphop-Fans dagegen werden sich über die Möglichkeit freuen, dem Klang etwas mehr Wumms zu geben. Aber man muss schon genau hinhören, um die Unterschiede zu hören. Sie sind in jedem Fall nicht plump und überzeichnet, sondern fein. Bei anderen Produkten habe ich die maximale Basseinstellung oft als störend empfunden. Bei den Sennheiser IE80S ist das nicht der Fall.

Die Sennheiser IE80S im täglichen Gebrauch: Der Klang

Wie in dieser Preisklasse zu erwarten, klingen die Sennheiser IE80S ausgezeichnet. Voll und klar, kein bisschen dumpf in den Bässen oder Mitten. Aber auch nicht zu schrill in den Höhen. Ich habe alle möglichen Musikrichtungen und Stücke mit den IE80S angehört. Eine kleine, unvollständige Liste:

  • Nusrat Fateh Ali Khan (Massive Attack Remix): Musst Musst
  • Esbjörn Svensson Trio: In Walked Bud
  • Yo La Tengo: The Ballad of Red Buckets
  • Beth Orton: Stolen Car
  • Ludovico Einaudi: Night
  • Ludovico Einaudi: Petricor
  • J.S.Bach / Andreas Scholl: BWV 82 Kantate Ich habe genug 5. Aria: Ich freue mich auf meinen Tod
  • Ben Harper: Whipping Boy

Die IE80S haben sich bei diesen doch sehr unterschiedlichen Stücken hervorragend geschlagen. Der Klang ist differenziert und dynamisch, die Bässe druckvoll und satt.

Außengeräusche bei den IE80S gut gedämpft

Die Sennheiser IE80S bieten zwar keine aktive Geräuschminderung. Aber die passive Dämpfung ist mit rund 26 dB auch schon ausgezeichnet. Dabei nutze ich nicht einmal die Memoryschaum-Ohrstücke, sondern nur die aus Silikon. Auch wenn Memoryschaum noch einmal für besseren Sitz sorgen soll, kann ich mich damit nicht recht anfreunden.

Sitzt so oder so hervorragend

Die Sennheiser IE80S tragt in der Regel so, dass die Kabel über die Ohren führen. Dazu sind extra zwei Ohrbügel mit im Lieferumfang. Meiner Meinung nach sind diese aber gar nicht nötig. Ich lege die Kabel einfach so über die Ohren. Das geht mindestens genauso gut.

Der Knickschutz am rechten Ohr ist rot und hilft dabei, gleich zu erkennen, auf welcher Seite ihr den jeweiligen Ohrhörer einsetzen solltet. Möchtet ihr die Kabel lieber direkt nach unten führen, müsst ihr den rechten Kopfhörer ins linke Ohr setzen und umgekehrt. Denn die Teile mit den Ohrstücken sind so abgewinkelt, dass sie auf einer Seite optimal passen.

Die Aufbewahrung

Das Transportkästchen ist sehr stabil und bietet Platz für sämtliches Zubehör. Sogar einen kleinen MP3-Player könnte man dort noch unterbringen. Für die Hosentasche ist es damit allerdings leider zu groß. Wer die IE80S immer dabeihaben möchte, muss sich eine andere Transportmöglichkeit überlegen.

Ein paar technische Daten der Sennheiser IE80S

16 Ohm Impedanz und ein Schalldruckpegel von 116 dB bei 1 kHz (1 kHz / 1 VRMS) liefern an mobilen Geräten eine ordentliche Lautstärke. Der Audio-Übertragungsbereich geht von 10 – 20.000 Hz, der Klirrfaktor bei 1kHz liegt unter 0,1 % (1 kHz / 100 dB SPL).

Fazit zu den Sennheiser IE80S

Etwas schade finde ich, dass ich mir bei diesem Preis ein Headset-Kabel für rund 50 Euro dazukaufen muss. Das hätte schon noch mit drin sein können.

Andererseits ist es ganz nett, einmal einfach nur dreipolige Kopfhörer ohne Zusatzfunktion zu benutzen, mit denen ich nur Musikhören kann – das dann aber richtig. Momentan nutze ich sie mit einem kleinen Kopfhörerverstärker am Rechner, und das macht richtig Spaß. Die Sennheiser PXC 550, die ich sonst normalerweise verwende, bleiben zur Zeit in ihrem Transportbehälter.

Der Preis könnte den einen oder anderen abschrecken. Sennheiser ruft auf der eigenen Webseite UVP über 300 Euro für die IE 80S auf. Dafür gibt es dann kabelgbundene In-Ear-Kopfhörer die sich ganz auf die Musik konzentrieren. Kein Bluetooth-Anschluss, keine Fernbedienung, kein Mikrofon. Aber ein sehr guter, differenzierter und druckvoller Klang. Und verglichen mit dem großen Bruder Sennheiser IE800 sind die IE80S deutlich erschwinglicher.

True-Wireless-In-Ear-Kopfhörer: Welche gibt es und was ist so toll daran?

Die Ohrstücke sitzen (in meinen Ohren) sehr bequem und halten Außengeräusche sehr gut ab. Durch den 3,5-mm-Klinkenstecker kann ich die Sennheiser IE80S auch an meinen High-Res-Mediaplayern verwenden und ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ihr Akku auch aufgeladen ist. Kabelkopfhörer brauchen eben keine eigenen Energiespeicher. Ich empfinde es manchmal als Erleichterung, mich nicht um solche Dinge kümmern zu müssen. Auch die Koppelung mit einem Audiogerät ist per Kabel erfrischend einfach. Aber meine Vorliebe für den Klinkenstecker habe ich ja schon im Artikel „Lasst uns wenigstens den Klinkenstecker“ dokumentiert.

Die Sennheiser IE80S sind in meinen Augen (und Ohren) sehr gute Kopfhörer, die wahrscheinlich auch in vielen Jahren noch für erstklassigen Musikgenuss sorgen – vielleicht mit einem neuen Kabel. Aber die Akkus aktueller True-Wireless-Kopfhörer werden dann schon so erschöpft sein, dass sie sich nicht mehr aufladen lassen.

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