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MWC 2018: Suchen wir Innovationen schlicht an der falschen Stelle?

Der Mobile World Congress 2018 enttäuscht ein wenig, hatte es aber von Anfang an schwer. In Zukunft wird es Innovationen ohnehin das ganze Jahr über geben, wenn wir sie denn als solche erkennen.

Jedes Jahr steht erneut die Frage im Raum: War der Mobile World Congress 2018 enttäuschend? Haben wir wirklich zu wenige Innovationen gesehen oder erwarten wir einfach zu viel?

Auf der einen Seite stimmt es ja schon. Samsung hat auf dem Unpacked-Event minutenlang von der Großartigkeit der Superzeitlupe mit 960 Bildern pro Sekunde vorgeschwärmt – und dabei offenbar völlig ausgeblendet, dass Sony das gleiche schon vor einem Jahr vorgestellt hatte. Animierte Emojis? Von Apple inspiriert.

Nokia 8 Scirocco, 7 Plus und 8110 4G: Salutieren wir dem Altbekannten!

Asus wiederum hat gar nicht erst einen Hehl daraus gemacht, dass das Zenfone 5Z das iPhone X „verbessern“ soll. Und Nokia? Scheint vollends auf den Geschmack für das Vergangene gekommen zu sein. Das Nokia 8 Scirocco erinnert verdächtig an ein Galaxy Edge und das 8110 4G soll ohnehin nichts Anderes sein als eine Neuauflage des 20 Jahre alten, obercoolen „Matrix“-Handys.

Was kann der MWC dafür, wenn die Hersteller nicht wollen?

Dann wiederum stand der MWC 2018 ohnehin unter keinem besonders guten Stern. Huawei beließ es auf der Show bei Tablets und Laptops, um für das neue Flaggschiff P20 lieber auf einem eigenen Event Ende März die volle Aufmerksamkeit der Technikpresse zu genießen. HTC hält das schon seit Jahren so. LG behauptet ohnehin, den Wettlauf um jährlich neue Modelle nicht mehr mitrennen zu wollen. Und ZTE scheint die Lust auf Highend-Smartphones sowieso verloren zu haben. Seit anderthalb Jahren warten die Fans vergeblich auf einen Nachfolger des Axon 7.

Und dann ist es ja auch nicht so, dass wir gar nichts Neues zu sehen bekommen hätten. Es hätte nur wie immer etwas mehr sein dürfen. Samsungs neue Kamera im Galaxy S9 hat eine Dualblende spendiert bekommen. Sony toppt 4K-Videofunktion jetzt noch mit dem Schmankerl HDR. Caterpillar versorgt das Outdoor- und Arbeitssmartphone S61 mit einem Luftqualitätssensor – passgenau mit der aktuellen Feinstaubdebatte.

Es muss nicht immer das Smartphone sein

Vielleicht sucht man nennenswerte Innovationen aber auch schlicht an der falschen Stelle. Eine Neuentwicklung eines smarten Lautsprechers mit einem Radar als Näherungssensor wie von Infineon wirkt erst einmal gar nicht mobil – und dann irgendwie doch. Für vieles, was viel einfacher per Sprache oder Tasten gesteuert werden könnte, muss heute unsinnigerweise immer noch das Smartphone herhalten. Dabei könnten andere Gegenstände das längst viel besser.

Alles schon einmal gesehen? Samsungs Superzeitlupe im Galaxy S9 wurde von Sony schon vor einem Jahr erfunden.

Alles schon einmal gesehen? Samsungs Superzeitlupe im Galaxy S9 wurde von Sony schon vor einem Jahr erfunden.

Beinahe unbemerkt macht sich außerdem ein segensreicher Trend breit, dessen Anfang schwer zu taxieren ist: Wir werden uns wohl in den nächsten fünf Jahren von Kabeln verabschieden. Smartphones mit Ladestationen und Induktionsmatten werden zahlreicher. Immer mehr True Wireless-Kopfhörer ohne störenden Kabelsalat kommen auf den Markt. Wenn das kein Fortschritt ist, dann weiß ich es auch nicht!

Auch der Wettlauf um die beste Smartphone-Kamera ist mehr als nur ein Hauen und Stechen zwischen Apple, Samsung, Google und HTC. Mit Killerfunktionen wie optischem Zoom und cleveren Algorithmen schicken sich Smartphones an, in den nächsten Jahren den etablierten Spiegelreflex- und Systemkameras vollends das Wasser abzugraben. Wenn diese keine Antwort darauf finden.

Eine Zukunft ohne Smartphones? Warum nicht!

Auch der Traum von allerorts vernetzten Gegenständen wird langsam Realität, und 5G-Netze – auf dem MWC als neuer Hype gefeiert – sollen den Weg dahin ebnen. Warum nicht mit dem Auto per Sprache oder Tasten kommunizieren und im Coffeeshop mit der Smartwatch oder auch nur einem Ring bezahlen? Fotos mit einer schlauen Brille schießen. Vielleicht werden wir in 10 Jahren gar kein Smartphone mehr brauchen.

Gut möglich auch, dass der MWC langfristig zu einer Meet-and-Greet-Messe wie die CeBIT wird. Echte Innovationen wird es das ganze Jahr über geben. Und sie werden sich nicht mehr nur auf das Smartphone beschränken, sondern auf unseren kompletten Alltag. Weil das so schleichend geht, verlieren wir manchmal den Blick für echte Revolutionen. Aber es gibt sie, und es warten schon bald noch viele mehr auf uns.

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