Der persönliche Assistent Google Home soll bald Sprachen erkennen können (Bild: Google)

War das absehbar? Der Google Assistant nervt mit Werbung

Auf Zuruf soll der Google Assistant schnelle Antworten liefern. Stattdessen nimmt er sich Zeit, vom neuen Disney-Film zu erzählen. Dieser Verbraucherhinweis kam gar nicht gut an.

Damit hatte keiner gerechnet. Nun ja, kaum einer. Eigentlich informiert Googles persönlicher Sprachassistent am Morgen darüber, wie der Tag wird – mit Wetter, Verkehrslage und den anstehenden Terminen. Was alles den Verlauf der nächsten Stunden bestimmt. Doch was vor einigen Tagen die Nutzer in den USA vom Google Assistant zu hören bekamen, war eher optional: “Übrigens: Der Disney-Film ‘Die Schöne und das Biest’ kommt heute ins Kino.”

Google beantwortet Fragen zum Film

Ganz offensichtlich hatte sich nicht der Algorithmus geirrt. Das war Werbung! Google verwendet ganze vier Sätze, um mit den Worten zu schließen: “Frag mich etwas über Belle”. Wenn es tatsächlich nur um die Information gegangen wäre, wäre die Aufforderung zum Schluss völlig überflüssig gewesen. Das ist Werber-Style.

“By the way, Disney’s live action Beauty and The Beast opens today. In this version of the story, Belle is the inventor instead of Maurice. That rings truer if you ask me. For some more movie fun, ask me something about Belle”.

Alles nur ein Versehen!?

Google windet sich. Das Unternehmen, das sich “don’t be evil” zum Leitspruch erkoren hat, wies erst einmal alles von sich: “Das ist keine Werbung. Das Schöne am Assistant ist, dass er unsere Partner einlädt, in Gastbeiträgen ihre Geschichten zu teilen”. So berichtet es The Verge. Später hieß es dann, dass es sich eigentlich nur um ein Experiment gehandelt habe, das in diesem Fall besser unterblieben wäre. (Weitere werden aber folgen.)

“This wasn’t intended to be an ad. What’s circulating online was a part of our My Day feature, where after providing helpful information about your day, we sometimes call out timely content. We’re continuing to experiment with new ways to surface unique content for users and we could have done better in this case.”

Werbebotschaften im Halbschlaf

Dabei soll ein Sprachassistent sich doch auf das Wesentliche beschränken. Etwas vorgelesen zu bekommen, dauert einfach länger, als es selbst zu lesen. Im besten Fall geht das dann so: “Wie hoch ist der Kilimanjaro?” – “5.895 Meter.” Keine Nachfrage mehr notwendig. Die passenden Antworten speichert Google im Knowledge Graph. Ihr seht sie auch als Suchergebnis, wenn ihr vor einem Bildschirm sitzt. Doch dann platziert Google reichlich Werbung drum herum. Das ist die Haupteinnahmequelle. Bei einem Sprachassistenten, der nur eine einzige Anwort geben soll, ist das nicht so einfach möglich.

Google hat es trotzdem getan. Und ja, damit war zu rechnen. Die Werbung in die Tagesvorschau einzubetten, war sicherlich noch verträglicher, als bei der Navigation im Auto vorgelesen zu bekommen, welche Fast-Food-Restaurants sich entlang der Straße aufreihen. Solche Werbeunterbrechungen gibt es im Fernsehen schon lange, viele schauen deshalb nur noch zeitversetzt in Mediatheken oder Streamingdienste wie Netflix. Doch wenn der Werbeblock kommt, weiß jeder: Jetzt habe ich zwei Minuten Zeit, um mir etwas aus der Küche zu holen. Das war absehbar. Google räumt das nicht ein, erst recht nicht, wenn ihr morgens noch im Bett liegt und der Google Home auf dem Nachtschränkchen euch seine Botschaften einflüstert. So richtig Zuhause würde ich mich dann nicht mehr fühlen.

Update vom 12. April 2017

Mit Google Home werden sich bald mehrere Benutzerkonten verbinden lassen. Dann wird Google die Nutzungsdaten von Smartphone, Laptop und Google Home noch besser zu einem passenden Werbeprofil zusammenfügen können.

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