Kompaktkamera-Unterschiede: 5 Typen für ein Halleluja

Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Kompaktkameras nur Urlaubsknipsen seien, die längst vom Smartphone überholt wurden. Fünf ganz unterschiedliche Typen von Kompaktkameras gibt es heute. Fast jeder von ihnen schlägt ein Smartphone in der Bildqualität, viele auch Spiegelreflexkameras.

Eine Sache ist mir schon länger ein Dorn im Auge, wenn ich über Digitalkameras lese, und das muss ich jetzt einfach mal loswerden. Stereotype, die jeder Grundlage entbehren, verwirren Kunden und bringen so manche gute Kamera in Verruf: Echte Profis, so liest man oft, griffen zur Spiegelreflexkamera – dem einzig Wahren! Kompaktkameras seien Urlaubsknippsen und längst vom Smartphone überholt.

Welch ein Quatsch!

Denn noch heute schlägt beinahe jede Kompaktkamera die Bildqualität eines Smartphones. Einige stellen sogar teure Spiegelreflexkameras in den Schatten. Das Problem: Vielen Verbrauchern ist gar nicht klar, was eigentlich alles unter die sehr weit gefasste Bezeichnung „Kompaktkamera“ fällt. Es gibt hier fünf verschiedene Typen, vom Superzoom bis zur Prremium-Kompaktkamera, die hundert, aber auch mehrere tausend Euro kosten können. Es wird Zeit, sie vorzustellen.

Kompaktkamera-Typ 1: Schnappschusskameras mit Teleskop-Objektiv

Canon Ixus 175: eine klassische Urlaubskamera, klein kompakt und mit wenig Einstellungsmöglichkeiten. Bild: Canon

Canon Ixus 175: eine klassische Urlaubskamera, klein kompakt und mit wenig Einstellungsmöglichkeiten. Bild: Canon

Einfache Urlaubskameras sind in der Regel das erste, was den Leuten einfällt, wenn sie an Kompaktkameras denken, und nicht selten auch das einzige. „Point-and-Shoot“ werden sie im Englischen genannt. Einschalten, draufhalten, fertig. Die eingebaute Automatik sorgt dafür, dass aus den meisten Bildern schon was wird. Sie sind handlich (im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera) und mit Preisen ab unter 100 Euro sehr erschwinglich. Sie haben dafür meist nur einen Bildsensor, der kaum größer ist als der eines Smartphones. Spitzen-Smartphones liegen mit einigen Kompaktkameras gleichauf. Und die Sensorgröße ist wichtig für Bilddetails: je größer, desto besser.

Deswegen gerieten Einsteigerkameras stellvertretend für alle Kompaktkameras in Verruf. Zwar ist man bei ihnen meist wirklich nur an eine Programmautomatik gebunden – manuelle Einstellungen lassen sich kaum vornehmen. Dafür sind sie schell einsatzbereit, und ans Motiv kann man 3-fach, 5- oder auch 10-fach ohne Qualitätsverlust optisch heranzoomen. Versucht das mal mit eurem Smartphone!

Hier erfahrt ihr mehr über Urlaubs-Kompaktkameras und ob sie wirklich so schlecht sind wie ihr Ruf.

Kompaktkamera-Typ 2: Outdoor-Kompaktkameras

Nikon Coolpix AW 130: Robuste Outdoor-Kompaktkamera. Bild: Nikon

Nikon Coolpix AW 130: Robuste Outdoor-Kompaktkamera. Bild: Nikon

Technisch gesehen unterscheiden sich Outdoor-Kompaktkameras eigentlich meist nicht von gewöhnlichen Urlaubskameras. Sie sind dafür aber zusätzlich gegen Stöße, Staub, Schmutz, Regenwasser und extreme Temperaturen geschützt. Das heißt, man kann sie auch bedenkenlos mit auf eine Mountainbike-Tour, zum Klettern oder zum Skifahren nehmen. Viele lassen sich – zumindest bis in ein paar Meter Tiefe – auch beim Tauchen verwenden.

Erfahrt hier mehr über Outdoor-Kompaktkameras und Unterschiede zu Actioncams.

Kompaktkamera-Typ 3: Superzoomkameras/Bridgekameras

Nikon Coolpix B700: Sieht aus wie eine Spiegelreflexkamera, hat aber nur ein fest verbautes Objektiv und keinen Spiegel, dafür einen 60-fach Zoom. Bild: Nikon

Nikon Coolpix B700: Sieht aus wie eine Spiegelreflexkamera, hat aber nur ein fest verbautes Objektiv und keinen Spiegel, dafür einen 60-fach Zoom. Bild: Nikon

Sie sehen auf den ersten Blick aus wie Spiegelreflexkameras und kompakt sind Superzoomkameras auch nur im Vergleich zu diesen. Weil ihr Objektiv aber fest verbaut ist, werden sie trotzdem zu den Kompaktkameras gezählt. Ein Unding, wie ich finde, und immer wieder verwirrend für Kunden. Aber ich werde leider nicht gefragt. 😉 Superzoomkameras haben meist sehr lichtstarke Objektive verbaut. Ihren Namen tragen sie, weil sich mit ihnen sehr nah an ihr Motiv heranzoomen lässt. 30-fach, 50-, 60-fach und mehr! Bei vielen lassen sich auch Blende und Verschlusszeit manuell einstellen. Leider verwenden viele Hersteller hier nur verhältnismäßig kleine Sensoren im Vergleich zu System- oder Spiegelreflexkameras, was die Vorteile von Zoomkameras wieder aufwiegt.

Erfahrt hier, warum sich Superzoom-/Bridgekameras für viele Fotografen besser eignen als Spiegelreflexkameras.

Kompaktkamera-Typ 4: Premium-Kompaktkameras

Sony RX 100V: Kompaktkamera für über 1.000 Euro. Bild: Sony

Sony RX 100V: Kompaktkamera für über 1.000 Euro. Bild: Sony

Und dann gibt es Kompaktkameras, die auf den ersten Blick so aussehen wie gewöhnliche Urlaubskameras. Beim Einschalten fährt das Objektiv heraus und es lässt sich zoomen – nicht selten auch bis zu 30-fach. Die Hersteller haben hier aber zusätzlich meist viel bessere Technik eingebaut: größere Sensoren zum Beispiel, einen Sucher und die Möglichkeit, die Aufnahme manuell zu steuern. Sei es, indem der Anwender Einstellungen wie Blende, Verschlusszeit oder Lichtempfindlichkeit (ISO) von Hand einstellen oder die Belichtung korrigieren kann. Solche Edelkompakte können 300 Euro kosten, aber auch leicht über 1.000 Euro, je nach Qualität und Funktionsumfang.

Erfahrt hier mehr über Premium-Kompaktkameras und warum auch viele Profis auf sie schwören.

Kompaktkamera-Typ 5: Edel-Kompaktkameras im Vintage-Look

Fujifilm X100F: Ja, auch sie gilt als Kompaktkamera, weil sich ihr Objektiv nicht austauschen lässt. Bild: Fujifilm

Fujifilm X100F: Ja, auch sie gilt als Kompaktkamera, weil sich ihr Objektiv nicht austauschen lässt. Bild: Fujifilm

Sie sehen auf den ersten Blick aus wie Systemkameras, etwas kompakter also als Spiegelreflex- oder Zoomkameras. Auch die Technik von Premium-Kompaktkameras ist für gewöhnlich ähnlich wie in Systemkameras. Man kann mit ihnen manuell belichten, viele weitere Einstellungen vornehmen, die Sensoren sind ähnlich groß. Der einzige echte Unterschied: das Objektiv ist fest verbaut. Und nicht selten verwenden die Hersteller hier sogar Festbrennweiten. Das eignet sich überhaupt nur für Profifotografen und fortgeschrittene Amateure. Bei dem, der über Jahre Fotos macht, kristallisiert sich irgendwann eine Art Lieblingsbrennweite heraus. Man mag dann kaum noch mit etwas anderem fotografieren. Entspricht diese Brennweite der einer Profikompaktkamera mit Festbrennweite, sieht diese auch noch gut aus und bietet Qualität und alle gewünschten Einstellungsmöglichkeiten, können Profis damit sehr glücklich werden. Dafür sind Preise zwischen 800 und 4.000 Euro nicht unüblich. Eins haben die Kameras dieses Unterklasse für gewöhnlich gemeinsam: sie sind ziemlich hübsch.

Eine Auswahl wunderschöner Edel-Kompaktkameras findet ihr hier.

Fazit

Klar ist: Wer Objektive wechseln möchte, muss zu einer Spiegelreflex- oder Systemkamera greifen. Aber ganz ehrlich: Wie viele ambitionierte Fotografen schaffen sich eine solche Kamera an und tauschen dann das mitgelieferte Vario-Objektiv nie mehr aus? Solche Fotografen sollten sich zumindest einmal anschauen, ob sie nicht auch mit einer entsprechenden Bridgekamera, Superzoomkamera oder auch einer Premium-Kompaktkamera glücklich werden könnten.

Denn eins habe ich euch mit diesem Beitrag hoffentlich deutlich gemacht: Professionelle Fotos kann man nicht nur mit einer Spiegelreflexkamera schießen! Das können viele Kompaktkameras genauso gut.

Leider tun auch die Hersteller wenig, um die Kameraklassen besser auseinanderzuhalten. Und so gibt es für den Laien weiterhin nur die drei Klassen Spiegelreflexkamera, Systemkamera und Kompaktkamera. Aber ihr wisst nun hoffentlich besser, auf welche unterschiedlichen Typen ihr bei der Kamerawahl achten müsst.

Beitragsbild: Fujifilm

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
2 Kommentare zu “Kompaktkamera-Unterschiede: 5 Typen für ein Halleluja
  1. Aber flexibler ist man mit einer DSLR oder Systemkamera schon, da ich lichtstarke Objektive einsetzen kann und somit nicht an die max. Blendeneinstellungen meiner Bridge- oder Kompaktkamera gebunden bin. Ich glaube, dass ist eher eine Frage, wie sehr man Fotografie mag. Ein ambitionierter Amateur- oder Semiprofifotograf wird höchstwahrscheinlich immer auf eine Systemkamera oder eine DSLR zurückgreifen, wobei der Gelegenheitsknipser eher die einfache Kompaktkamera bevorzugt.

    Gar nicht nachvollziehen kann ich, dass Leute nur mit ihrem Smartphone Fotos im Urlaub machen. Für mich gehört Urlaub und eine ordentliche Kamera einfach zusammen. Aber das ist sicher auch so eine Einstellungssache. Ich vermisse eigentlich die analogen Zeiten, wenn man nach dem Urlaub seine Fotos zur Entwicklung geschafft hat und sich dann an den schönen Erinnerungen ergötzen konnte und diese liebevoll in ein Fotoalbum klebte.

    Bleibt noch die Frage, warum müssen Fotos immer professionell sein? Ein Foto was Emotionen in mir auslöst, muss nicht unbedingt mit technischer Perfektion glänzen. Natürlich wäre es immer gut, grundlegende Dingen der Fotografie zu beachten (Goldener Schnitt zum Beispiel) und zu wissen.

    Dazu gibt es ein schönes Zitat von Andreas Bernhard Lyonel Feininger:
    „Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.“

    Das ist abgewandelt sich auch auf die Hardware einsetzbar.

  2. Hallo !
    Eine Wunschkamera wird es nie geben, da sind sich die Hersteller einig. Denn wer würde all die anderen Kameras noch kaufen. Wie ich im Laufe der Zeit festgestellt habe, hat eine Kamera welche man eben für gut findet, mal keinen Sucher wo es heißt die Kamera sei zu klein, mal kein Klappdisplay und mal ist es der viel zu kleine Sensor usw. Obwohl man heute dazu durchaus in der Lage wäre alles positive was in vielen Foren schon zu Kritiken führte umzusetzen. Also wird es immer so bleiben, dass es mal hier eine Verbesserung gibt aber an anderer Stelle wieder etwas fehlt. Nur so kann man wieder zig Kameras bauen wo die eine dies und die andere das hat oder halt nicht. So sind alle Hersteller wieder glücklich und können über Jahre hinaus weiter Kameras bauen.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*