Keine eigenen Smartphones mehr: Blackberrys Befreiungsschlag

Blackberry zieht sich ganz von der Entwicklung eigener Smartphones zurück. Angesichts des Abschieds auf Raten nicht überraschend, gebrandete China-Ware soll es aber weiterhin zu kaufen geben.

Tschüss dann: Blackberry hat genug von der Entwicklung und dem Design eigener Smartphones und lagert die Sparte aus. Das gab der kanadische Smartphone-Pionier parallel zu den neuen Umsatzzahlen bekannt. Die aktuellen Smartphones DTEK 50 und das neue DTEK 60 fallen offenbar schon in die Kategorie. Das DTEK 50 ist nahezu baugleich mit dem Alcatel Idol 4. Auch für das DTEK 60 wird es in China sicher schon No Name-Vorbilder geben, die genauso aussehen.

Man kann Unternehmenschef John Chen schon verstehen, der vor geraumer Zeit vorgab, 3 Millionen eigene Geräte pro Quartal müsse man wenigstens verkaufen, damit sich das Geschäft mit eigener Hardware noch rechne. Im letzten Quartal waren es laut Gartner aber wohl nur noch rund 400.000 Geräte und ein Marktanteil von 0,1 Prozent. Da hat Chen dann recht: Wozu noch weitermachen, das Thema ist gegessen.

Alles versucht, nur immer zu spät

Und es ist ja nicht so, als dass Blackberry es nicht versucht hätte. Nur kamen die Bemühungen zu spät. Auf Blackberry OS 7 folgte Blackberry 10 (BB10). Ein von Kritikern (wie mir) durchaus gelobtes System, das allerdings einen längst aufgeteilten Markt zwischen Android und Apples iOS betrat. Zu wenige native Apps standen für BB10 zur Verfügung, zu wenig trauten die Nutzer dem mausgrauen Image der Kanadier.

Wenig später integrierte Blackberry den Amazon App Store, um den Kunden Zugriff auf ausgewählte Android-Apps zu ermöglichen. Zu wenig, zu spät. Selbst der Versuch, mit dem Blackberry Priv auf Android als Betriebssystem umzusatteln, war nicht von Erfolg gekrönt. Zu teuer das wieder einmal gelobte Gerät, zu wenig Eigenständigkeit, zu wenig Lust der Nutzer noch auf physische Tastaturen.

Gesichtslose China-Ware

Das Ende des Blackberry Classic und die Präsentation des gesichtslosen DTEK 50 in diesem Sommer waren da schon längst nicht mehr der Anfang vom Ende, sondern nur noch weitere Sargnägel. Wenn Blackberry nur noch auf austauschbare China-Böller ohne wesentliche eigene Funktionen setzt, dann kann man sich auch gleich einen China-Böller holen.

Aber auch hier eigentlich kein Vorwurf von meiner Seite, denn die Entscheidungen der Unternehmensleitung sind nachvollziehbar. Blackberry hat eigentlich alles versucht, war nur immer einen Schritt zu spät dran. Dass man bei Marktanteilen, die seit Jahren nichts anderes kennen als den Sinkflug, irgendwann die Reißleine zieht, ist klar.

Smartphone-Pionier verabschiedet sich auf Raten

Der Abschied auf Raten dürfte allerdings noch nicht zu Ende sein. Chen will das Unternehmen nun ganz auf Software und Dienstleistungen für Großkunden ausrichten. Das Endkundengeschäft ist damit mehr oder weniger tot, auch wenn es die genannten China-Böller DTEK 50 und DTEK 60 mit vielleicht einigen Blackberry-Spielereien noch zu kaufen gibt.

Schade fand ich das vor einem halben Jahr, als Blackberry mehr oder weniger das Aus von BB10 verkündet hatte. Heute bin ich nicht mehr überrascht und auch emotionslos gegenüber dem Thema. Blackberry wird hier zum zweiten Nokia, nur mit dem Unterschied, dass sich für die Kanadier nie ein Übernahmepartner fand. Was ihnen bleibt, ist der gute Name und damit das letzte bisschen Resthoffnung, irgendwann doch noch einmal wieder aufzuerstehen.

Beitragsbild: Blackberry

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Ein Kommentar zu “Keine eigenen Smartphones mehr: Blackberrys Befreiungsschlag
  1. Ich denke nicht, dass sich Blackberry mit Nokia gleichsetzen lässt.

    Blackberry hat sich hier von einem Teilgeschäft getrennt, das Hauptgeschäft gibt es nach wie vor. Früher hat Blackberry/RIM den Unternehmen Server geliefert, auf denen bestimmte Software lief – und eben auch die dazu passenden Geräte für die Mitarbeiter. Diese wurden dann von den Unternehmen bzw. Behörden in Tausenden bestellt. Das ist definitiv vorbei.

    Blackerry wird den Unternehmen aber weiterhin Lösungen bieten, nur das ist jetzt eben die Software, wie eh und je eine sichere Umgebung für die interne Kommunikation. In Zeiten von „software eats the world“ und „everything is moving to the cloud“ ist dies kein Wunder. Microsoft macht übrigens gerade eine ähnliche Entwicklung durch.

    Nokia dagegen war am Ende. Und für dieses Nichts haben sie von Microsoft viel, viel Geld bekommen. Was wären die Alternativen gewesen? Vielleicht MeeGo statt Windows Phone. Bestimmt aber den Kartendienst Here weiterzuentwickeln – wie es jetzt die deutschen Autobauer machen mit extrem präzisen Karten für Assistenzsysteme im Wagen. Und als Plattform für Such- und weitere Dienste, wie es sie in Ostasien bereits gibt. Da würde dann auch der Werbeeuro rollen. Und Augmented Reality steckt erst in den Kinderschuhen. Ungeahnte Möglichkeiten. Aber auch Here wurde abgestoßen.

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