Amazfit Neo im Test: Günstiger geht es nicht!

Was kann ein 30 Euro günstiger Fitnesstracker schon bieten? Die Antwort: Viel, sehr viel!

Amazfit Neo im Test: Günstiger geht es nicht!

Ich gestehe: Von einem Fitnesstracker zu 30 Euro habe ich nicht erwartet. Schon die etwas preisintensivere Amazfit Bip U Pro, die Kollege Sven Wernicke getestet hat, verursachte Stirnrunzeln. Aber was soll ich sagen? Die Amazfit Neo überzeugte mich – wenngleich nicht in allen Punkten…

Fitness-Tracker oder Smartwatch?

Elektronik-Hersteller überbieten sich gerne mit Superlativen, wenn sie ihre neuen Smartwatches vorstellen. Die Amazfit Neo ist das krasse Gegenteil. Schwarzweiß-Bildschirm, kein Touch oder überflüssige Benachrichtigungen. Und Apps kann sie schlicht nicht. Aber ihr gelingt der Spagat zwischen digitaler Armbanduhr und Fitnesstracker.

Im Lieferumfang enthalten: Die Fitnessuhr und das (sehr kurze) Ladekabel. Eine Kurzanleitung gibt es auch, sie ist aber nicht notwendig.

Auffällig an der Amazfit Neo ist das von den 90ern inspirierte Design. Auf den ersten Blick könnte sie als Neuauflage der Casio G-Shock oder einer anderen digitalen Armbanduhr durchgehen. Ob das gefällt, ist selbstredend Geschmackssache.

Einhellig dürfte die Meinung zur Verarbeitungsqualität sein. Kunststoffgehäuse, -deckglas und Gummiarmband passen auf den Millimeter genau zueinander. Die Uhr ist staub-, wasser- und schweißabweisend, steckt Stöße locker weg und erweist sich als Ausdauerwunder. Eine Akkuladung reicht für 4 Wochen (!) Dauerbetrieb; danach muss die Amazfit Neo gut 2 Stunden an die Steckdose.

Ersteinrichtung und App-Überblick

Zur Neo-Ersteinrichtung sind ein Bluetooth-fähiges Smartphone und die Zepp-App (kostenfrei im Google Play Store und gratis auf iTunes verfügbar) zwingend notwendig.

Je nach Smartphone-Modell ist die Amazfit Neo binnen Sekunden oder nach etlichen Versuchen einsatzbereit. Mein Samsung Galaxy S9 und die Amazfit fanden erst spät zueinander. Mit dem Gigaset GS290, dem Motorola Moto G 5G und dem ZTE Axon 20 klappte die Koppelung auf Anhieb und blieb die Uhr stets verbunden.

In der Zepp-App erstellt ihr euer eigenes Profil. Körpergröße, Gewicht und selbst gesetztes Bewegungsziel gehören dazu. Danach wäre die Amazfit Neo theoretisch auch ohne Smartphone-Anbindung brauchbar und zeichnet eure Bewegungen auf.

Die gesammelten Daten schubst sie stoßweise in die App, wenn ihr diese auf dem Smartphone startet. Damit könnte man es belassen, es lohnt aber der tiefere Blick in die App.

Dort könnt ihr ein individuelles Training starten. Das besteht wahlweise aus Gehen, Joggen oder Radfahren. Andere Sportarten oder eine Höhenmessung fehlen. Schade, dass die Neo gerade hier nicht ohne Smartphone auskommt und nur die „reguläre“ Bewegung trackt.

Ohne Smartphone-Kopplung ist der Feature-Umfang überschaubar. Mit den vier Knöpfen navigiert ihr euch durch einen Kalorienzähler, die Wetteranzeige, Schlaf-Tracking, Stoppuhr, Wecker, PAI-Score, Herzschlagmessung, Weltzeituhr (Peking, Sydney, Berlin, New York, London, Moskau), Schrittzähler und Distanzangabe. Ist euch das zu viel, reduziert ihr in der Zepp-App unter Profil – Meine Geräte – Amazfit Neo – Bildschirmeinstellungen auf der Uhr die darstellbaren Reiter.

Wie präzise sind Tracking und PAI?

In den zurückliegenden vier Wochen war mir die Neo stets ein treuer Gefährte. Sie begleitete mich auf Zugfahrten und Wanderungen, bei Umzug und Renovierungsarbeiten und ganz alltäglichen Beschaffungsgängen durch die Stadt.

Im Großen und Ganzen mag die Tracking-Tendenz stimmen, doch mein Alltags-Smartphone (das schone erwähnte Samsung Galaxy S9) zeichnete eine etwas andere Aktivitätskurve auf.

Die Schrittanzahl und Distanz sind auf dem Telefon genauer und mit weiteren Daten (etwa Höhenmetern) angereichert. Aber das Telefon stört halt bei Fitnessaktivitäten. Die Neo mit ihren 32 Gramm wiederum ist bei körperlicher Ertüchtigung ideal.

Dank Herzschlagsensor auf der Unterseite kann die Amazfit Neo euren puls 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche messen.

Als echtes Killer-Feature empfand ich PAI, was für Personal Activity Intelligence steht. Das ist eine Punkteangabe, die sich aus euren Aktivitäten der jeweils zurückliegenden sieben Tage berechnet. Grundlage sind nicht die Trainingsintensität oder verbrannten Kalorien, sondern einzig die erhöhte Herzfrequenz während des Trainings oder einer anderen Tätigkeit.

Bewegt ihr euch zwar viel, aber langsam, erntet ihr kaum PAI. Treibt ihr euren Puls in die Höhe, sammelt ihr viele Punkte. Zwei intensive Aktivitäten von je einer Stunde pro Woche reichen schon, den anvisierten PAI-Score von 100 zu erreichen. Alles darüber ist Bonus.

Nun zur entscheidenden Frage: Was sagt dieser Wert aus? Dass ihr das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung minimiert. Um den PAI präzise zu bestimmen, muss der Fitnesstracker bestenfalls 24 Stunden am Tag die Herzfrequenz messen. Die meisten Smartwatches können das aufgrund der geringen Batteriekapazität nicht.

Dank LC-Display und rein optionaler Hintergrundbeleuchtung ist die Amazfit Neo trotz kleinem Akku ein echter Dauerläufer.

Die Amazfit Neo mit ihren 4 Wochen Laufzeit hingegen schafft das trotz kleinem 160-mAh-Akku und hat hier einen Vorteil gegenüber den hochgezüchteten Konkurrenzmodellen. Und das 24/7-Tracking trieb mich dazu, mehr für meine Fitness zu tun.

Die Amazfit Neo motiviert zu mehr Bewegung

Hätte ich mir die Amazfit Neo privat gekauft? Vermutlich nicht, um ehrlich zu sein. Es fehlt auf den ersten Blick alles, was eine zeitgemäße Smartwatch auszeichnet. Doch nach einigen Stunden war ich vom technischen Minimalismus überzeugt.

Statt mich permanent mit Benachrichtigungen und bunten Bildschirmen zu überfrachten, hielt sich die Amazfit Neo dezent im Hintergrund und lieferte das, was ich von einer Uhr bzw. einem Fitnesstracker erwarte. Uhrzeit und Fitnessdaten. Der PAI-Score, der dank 24/7-Tracking aussagekräftig ist, stachelte mich dazu an, mehr für meine Fitness zu tun.

Verbesserungspotenzial erkenne ich auf der Software-Seite. So wäre ein Update zu begrüßen, welches Sports-Tracking ohne App-Kopplung ermöglicht und das Bluetooth-Pairing stabiler gestaltet.

Seid ihr auf der Suche nach einem günstigen Fitnesstracker mit langer Laufzeit, ist die Amazfit Neo einen Blick wert. Die Amazfit Neo ist bei Euronics in den Farben orange, schwarz und grün erhältlich.

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