So erkennst du Fake-Shops im Internet

Online-Shopping boomt. Wo viel Geld im Spiel ist, sind auch Betrüger nicht weit. Wie du deren Fake Shops von echten Online-Händlern unterscheidest, zeigen wir dir anhand konkreter Beispiele.

So erkennst du Fake-Shops im Internet

Die Masche machte in den vergangenen Wochen leider die Runde: Fake Shops kaperten den Namen EURONICS für schnell zusammengeschusterte Online-Shops und boten etwa eine Playstation 5 zu besonders günstigen Konditionen an. Nur dass die begehrten Spielekonsolen niemals bei den Kunden ankamen. Damit niemand mehr Opfer solcher Maschen wird, wollen wir euch in diesem Beitrag informieren, wie ihr Fake Shops erkennt und meidet.

Kurz zusammengefasst: So erkennst du Fake-Shops

Fake-Shops kannst du anhand einiger Merkmale von seriösen Anbietern unterscheiden:

  • Ist die Domain vertrauenswürdig? Gerne nehmen Betrüger Abwandlungen – zum Beispiel euronics-deat.xyz statt euronics.de
  • Sind Impressum und Co. vollständig? Das Impressum sollte mehr als nur eine Adresse und einen angeblichen Ansprechpartner anzeigen. In der EU ist ein Datenschutzbeauftragter zwingend vorgeschrieben, in Shops sollten die AGB und Widerrufsbelehrungen zu finden sein.
  • Sind die Produktbezeichnungen korrekt? Manche Fake Shops künsteln an den Bezeichnungen rum und verkaufen dann statt des Premium-Artikels eine abgespeckte Version oder etwas ganz Anderes.
  • Sind die Preise marktüblich oder weichen sie stark ab? Bietet ein Shop einen sonst sehr preisstabilen Artikel weit unter den Preisen der Konkurrenz an, solltet ihr aufmerksam werden.
  • Bietet der Shop sichere Bezahlmethoden mit Käuferschutz an? Wenn nicht: Finger weg! Online-Shops müssen Zahlmöglichkeiten anbieten, mit denen der Zahlungsdienstleister (PayPal, Google Pay und Co.) prüfen kann, ob ihr Kontoinhaber seid. Fake Shops erkennt ihr auch daran, dass sie Vorkasse bevorzugen oder ausschließlich Vorkasse verlangen.
  • Lieferzeiten prüfen: Banal, aber entlarvend. Schwammige Formulierungen wie „Lieferung in 3 Tagen“ sind nicht zulässig, weil keine feste Zusage.

Shopping bei Betrügern

Für unseren Leser Michael H. sah die Facebook-Anzeige eines vermeintlichen Euronics-Shops vertrauenswürdig aus. Die Seite bot mit PlayStation 5 und Xbox Series Elektronikartikel an, die derzeit kaum oder nur mit heftigem Preisaufschlag zu bekommen sind. Michael packte den gewünschten Artikel in den Warenkorb und füllte das Bestellformular aus. Zweifel kamen erst, nachdem die Seite nach Kaufabschluss zur Vorkasse auf ein spanisches Konto nötigte. Er brach den Kauf hier ab.

Eine der vielen Facebook-Anzeigen, über die Betrüger arglose Kunden zum vermeintlichen Euronics-Shop lotsen wollten.

Michael war nicht der einzige, dem Facebook diesen vermeintlichen Euronics-Shop ausspielte. Die Geprellten meldeten sich später auf der offiziellen Euronics-Präsenz im Sozialen Netzwerk oder per Mail. Sie erkundigten sich, wo die georderte und vorab bezahlte Ware bliebe. Dass sie einem Betrug aufsaßen, erfuhren diese Personen erst dann. Aber es blieben Fragen: Wusste Euronics nichts vom Betrug? Und was hätten die Kunden anders machen können?

Missbrauchtes Vertrauen

Fake-Shops sind beinahe so alt wie das Internet selbst. Die Corona-Pandemie rückte das Problem verstärkt in den öffentlichen Fokus. Während der Lockdowns bestellten viele Daheimgebliebene im Netz. Die meisten von ihnen verglichen die Preise verschiedener Anbieter über Vergleichsportale. Allein darauf verließen sie sich aber nicht. Sie klickten sich durch Kundenbewertungen und achteten darauf, dass der Händler ein gewisses Renommee besaß.

Ein paar Logos, ein paar kleine Texte – fertig ist der Online-Shop!

Wenn „Euronics“ in der Anzeige steht und die offiziellen Logos den Web-Auftritt zieren, wieso sollte man auch zweifeln? Als Händler ist EURONICS schließlich eine feste Größe vor Ort und im Netz. Auf den ersten Blick wirkte das Angebot seriös.

Auf den ersten Blick. Und nur auf diesen.

Womit Betrüger locken

Der falsche Euronics-Shop fasste eigentlich alles zusammen, was Betrüger an Ködern auswerfen und liefert zudem alle Informationen auf dem Silbertablett, um den Betrug zu entlarven.

Betrüger von Online-Fake-Shops setzen grundlegend auf zwei Lockmittel: FoMo und Niedrigpreise.

Der erste Köder heißt FoMo. Das Akronym steht für „Fear of missing out“ – oder zu deutsch: Angst, etwas zu verpassen. Zum Beispiel nur begrenzt verfügbare Elektronikartikel, besondere Schallplattenauflagen oder einmalige Konzerte. Zwar könnte man hier auch argumentieren, dass viele Werbe-Aktionen wegen Zeitbegrenzung und limitiertem Angebotsinventar FoMo triggern. Während es dort aber die reelle Chance gibt, an das begehrte Gut zu kommen, liefern die Betrüger keine oder nur mangelhafte bzw. falsche Ware.

Exklusiv im Fake-Shop gibt es „Helme“ für die PlayStation 5. Gemeint sind Kopfhörer.

Der genannte Fake-Shop mit Euronics-Grafiken lockte in den Anzeigen mit sofort lieferbaren PlayStation-5- und Xbox-Series-Spielekonsolen. Dazu müsst ihr wissen, dass diese Game-Konsolen im freien Handel selten verfügbar sind. Fans sind deshalb sofort hellhörig, bietet ein (Online-)Händler diese feil, und stürzen sich sofort drauf. Hauptsache eines der Geräte ergattern, ehe die Lieferung vergriffen ist!

Besonders dreist: Die Betrüger fantasieren bestimmte Artikel herbei. Welcher PlayStation-Fan hätte nicht gerne eine „Black Limited Edition“ oder eine PS5 mit „Helm“?

Ein zweiter Köder sind vermeintliche Niedrigpreise. Dann locken die Betrüger mit heftigen, überzogenen Rabatten oder Beträgen unter Straßenpreis. Insbesondere asiatische Portale sind dafür berüchtigt und bieten hunderte Euro teure Grafikkarten zum Preis von 8 Pfandflaschen an. Seriös? Wohl kaum – aber nachweislich gibt es viele Geprellte, die trotzdem bestellen.

Ware „bestellt“ – und dann?

Funktionieren die ausgelegten Köder, beißen genügend Interessenten an. Natürlich solltet ihr niemals auf einem Fake-Shop bestellen – das haben wir probeweise für euch erledigt.

Nachdem wir auf dem Fake-Shop eine Xbox Series S in den Warenkorb packten, lotste uns der Shop auf ein Kontaktformular, das wir gewissenhaft mit Falschinformationen fütterten. Dann bestätigten wir den DHL-Versand zu heftigen 25,99 Euro. Schließlich wollen wir unbedingt die Xbox!

Auf der nächsten Seite sollten wir die Zahlung einstellen, fanden aber nur eine Vorkasse-Option. Auch das bestätigten wir für unseren Test. Die abschließende Kaufbestätigung baute dann schon Druck auf, indem sie uns anwies, den Zahlungsnachweis als Antwort auf das Formular oder per Mail zuzustellen. Erst nach Eingang des Zahlungsbelegs würden die Betrüger die Ware versenden.

Noch mehr Druck gab es in der Mail der Betrüger. Diese versprachen einen „kostenfreien Controller“, sollten wir den Kaufpreis per Sofortüberweisung begleichen. Ein weiterer Versuch, die Arglosen zum Geldtransfer zu drängen.

Noch etwas mehr Druck gefällig? Gegen Sofortüberweisung gäbe es einen Controller, behaupten die Betrüger.

Vom Besuch über die Bestellung bis zur Mail gibt es eine Reihe von Merkmalen, die den Betrug eigentlich eindeutig machen. In den meisten Fällen geben sich die Betrüger nicht einmal die Mühe, die Fake-Shop authentisch wirken zu lassen. Klopft ihr diese Merkmale ab, sind die Betrugsabsichten eindeutig erkennbar:

Merkmal 1 – Abweichende Domain

Der erste Blick sollte immer in die Browser-Adresszeile wandern. EURONICS ist im deutschsprachigen DACH-Raum unter euronics.de, redzac.at bzw. euronics.ch erreichbar. Die Betrüger haben andere Domains gekauft, die dem Muster euronics-deat.[xyz] folgen.

Merkmal 2 – Austauschbares Design

Die Betrüger bauten ihren Fake-Shop mit Shopify und einer 08/15-Grafikvorlage. Das erklärt auch, weshalb nach dem Abschalten einer Fake-Domain prompt die nächste auftaucht. Es braucht für die Betrüger nur wenige Klicks, um Shopify aufzusetzen. Die Faulheit spiegelt sich im Design wider:

Die Startseite bietet nur einige Konsolen und drei Apple-Kategorien. Der echte EURONICS-Shop hingegen präsentiert euch Waren-Highlights, Angebote und über das Sandwich-Menü viele Produkt-Kategorien.

Merkmal 3 – Fehlerhafte Angaben

Im Impressum steht, wer für das Web-Angebot verantwortlich ist. Hinzu kommen strenge Web-Formalia: Angaben zum Datenschutz, Cookie-Consent und Co. Umfasst der Web-Auftritt einen Shop, findet ihr außerdem noch die AGB, eine Widerrufsbelehrung und Angaben zur Herstellergarantie. Ohne all dies wäre der Shop nicht korrekt aufgesetzt.

Die Betrüger haben nur Impressums-Auszüge kopiert und eine gestelzte Widerrufsbelehrung eingebaut.

Merkmal 4 – Fehlende Links

Online-Kauf ist immer eine Vertrauenssache. Logos von Trust Pilot, Sicher bezahlen und Sofortüberweisung.de sollen Vertrauen erwecken. Mehr als Zierde sind sie nicht. EURONICS präsentiert auf der eigenen Shopseite Zertifikate von Chip und Idealo und informiert en detail, wie die Händler die Kundenzahlungen abwickeln.

Zudem sind in echten Shops noch eine Batterie weiterer Links zu finden – was den Betrügern aber wohl zu mühsam wäre, nachzubauen.

Merkmal 5 – Rechtschreibfehler

Schreibfehler sind ärgerlich, passieren aber. Betrüger pfeifen aber auf die korrekte Orthografie – und ködern statt dessen mit besonders übertriebenen Formulierungen in teils eigenwilligem Deutsch. Die Startseite des Fake-Shops begrüßt uns etwa mit „Familienglück mit Videospielen“ und teilt etwas weiter unten mit: „Das Spiel macht Kinder glücklich und entwickelt in ihnen mehrere Sinne“.

Wir waren jedenfalls sensibilisiert für weitere Fehler und die Fake-Kunden-Rezensionen des Jahres. Darunter allen Ernstes das Lob: „Für den Controller dauerte es zweieinhalb Wochen, aber wir waren in Haft.“

Man fragt sich ernsthaft, ob das nicht zur Abwechslung sogar mal die Wahrheit ist.

Fake-Bewertungen in abenteuerlichem Deutsch.

Merkmal 6 – Eingeschränkte Zahlungsmethoden, schwammige Lieferzeiten

Betrüger setzen auf Vorkasse. Aus einfachen Gründen: Einmal vorgenommene Zahlungen sind über diesen Weg nur noch schwer zurückzuholen. Als „Alternative“ ist hin und wieder noch PayPal für Freunde in Gebrauch. Anders als die regulären PayPal-Zahlungen gibt es für diese Transaktionsart keinen Käuferschutz. Es gibt noch einen weiteren Grund, warum seriöse Online-Händler auf die bewährten Plattformen setzen.

Diese sind in der Lage, mittels vorgeschriebener Zwei-Faktor-Authentifizierung zu überprüfen, ob euch der Account gehört. Ist das nicht der Fall, ist die Zahlung gesperrt.

In unserem Beispiel lagen weitere Indizien auf dem Silbertablett. So gehört das Konto zur spanischen Bank Prepaid Financial Services Limited. Die ist wegen schneller Kontoeröffnung ohne Identitätsnachweis prädestiniert dafür, Betrügern als sicherer Geldhafen zu dienen. Über die IBAN könnt ihr immer herausfinden, bei welchem Institut euer Geld landet.

Auch bei den Lieferzeiten und -gebühren solltet ihr im Zweifelsfall nachschauen. Eine Lieferzeit von „3 Tagen“ oder „1-2 Tagen“ ist schwammig und keine Zusage! Ist das Porto exorbitant hoch, solltet ihr beim Händler nachfragen, warum er einen Aufschlag vornimmt.

Weckt nur eines der Merkmale Zweifel, solltet ihr vom Kauf absehen. Gebt lieber einmal etwas mehr Geld aus, als es vollständig zu verlieren.

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