Google Daydream: Kommt hier der große Durchbruch von Virtual Reality?

Google Daydream? Hinter dem hübschen Namen steht etwas Großes, was nicht nur Virtual-Reality-Freunde im Auge behalten sollten. Denn hier erwartet uns endlich VR-Entertainment für den Massenmarkt.

Mit Cardboard präsentierte Google bereits 2014 als eines der ersten Unternehmen eine Virtual-Reality-Plattform zum Kennenlernen der Möglichkeiten, die VR zu bieten hat – und das lange Zeit bevor Oculus Rift, HTC Vive oder Samsungs Gear VR in den Handel kamen. Sicherlich ist die Pappbrille fürs Smartphone keine adäquate Lösung für perfekte Erlebnisse in fiktiven Welten, aber ein interessanter Appetizer. Mit Daydream startet diesen Herbst gewissermaßen der Nachfolger, den Google auf der I/O-Entwicklerkonferenz kürzlich vorstellte. Und bei genauer Betrachtung wird es wirklich spannend.

Virtual Reality als Bestandteil von Android

Ein Aspekt, dem man sich bewusst sein sollte: Die nächste Android-Version Android N (der Nachfolger von Android 6) bringt von Haus alles mit, was man für das Eintauchen in VR benötigt. Denn das mobile Betriebssystem für Smartphones verfügt über einen speziellen Modus, der für Virtual-Reality-Anwendungen besonders viel Performance und eine niedrige Latenz von 20ms aktiviert. Zweitgenanntes ist dringend nötig, um potentieller Übelkeit vorzubeugen und das „Immersion“-Gefühl zu verbessern.

Künftige Smartphones mit Android N sind also für VR vorbereitet. Google holte sich sogar prominente Hersteller wie Samsung, HTC, LG, Xiaomi, ZTE, Huawei, Asus und Alcatel ins Boot, die geeignete Mobiltelefone zum Start anbieten werden. Nötig wird eine gewisse Leistungsfähigkeit sein, schnelle Prozessoren, hochauflösende Displays und viel Arbeitsspeicher braucht man für VR. Aber: Wir reden hier nicht über besondere Daydream-Smartphones, sondern über handelsübliche Telefone, die wir regulär kaufen. Es ist auch vorstellbar, dass derzeitige Top-Geräte wie das Samsung Galaxy S7 oder das LG G5 nachträglich Daydream-kompatibel werden. Somit werden zum Launch der neuen VR-Plattform vielleicht schon Millionen Smartphones weltweit kompatibel sein.

Günstiger Einstieg

Google verabschiedet sich zwar von den Cardboard-Papprillen, aber die neue VR-Hardware dürfte dennoch preislich sehr attraktiv sein. Zur nächsten VR-Brille ist nicht viel bekannt, sie setzt aber wieder das Smartphone als „Herz“ voraus. Sie wird vermutlich aus Plastik bestehen und direkt am Kopf befestigt. Gut möglich, dass man sich hier von Samsungs Gear VR inspirieren lässt. Der Unterschied: Andere Unternehmen können eigene Daydream-Brillen nach Vorgaben von Google produzieren, wodurch wir am Schluss wohl sicher für 50 Euro geeignete Varianten erhalten werden. Die Chancen dafür stehen jedenfalls gut. Gleiches gilt für den Controller, der dezent an die Remote vom neuesten Apple TV erinnert. Verbaut wird ein Gyroskop für Bewegungssteuerung – wie bei einer Wiimote.

VR-Brille und Controller. (Foto: Google)

VR-Brille und Controller. (Foto: Google)

Wahrscheinlich wird man Brille und Controller zusammen für an die 100 Euro bekommen. Die Hürde, in Daydream einzusteigen, ist also recht gering, sofern man das Smartphone schonsein Eigen nennt.

Partner im Boot

Und da ist noch ein sehr viel wichtigerer Aspekt: die Software. Google wird von Anfang an eigene Dienste für Daydream zur Verfügung stellen. Allein schon mit YouTube für Daydream hat man Tausende VR-Videos im Angebot. Dazu gesellen sich VR-Versionen von Google Fotos, Google Play Movies und Google Maps. In einer speziellen Daydream-Oberfläche hat man einfachen Zugriff auf VR-Apps aus dem Google Play Store – sogar eine Sprachnavigation ist vorgesehen. Und Partner wie HBO, NBA, Netflix, EA, Ubisoft oder CNN sorgen für weitere Inhalte. Ein guter Anfang, finde ich.

Alles nur geklaut?

Nüchtern betrachtet mag das alles wirklich sehr nach Gear VR und Oculus Rift klingen. Aber die Details machen den Unterschied. Wie gesagt: Google ist mit Cardboard Vorreiter im Bereich mobiles VR – nun geht man den nächsten Schritt und bietet ein einheitliches, professionelleres System, das zudem Bestandteil des Betriebssystems ist, welches bald auf Millionen Smartphones weltweit installiert ist. Vermutlich in zwei Jahren sind sogar Mittelklasse-Telefone mit Android N stark genug für ansprechendes Virtual Reality und damit vor allem eines: ganz nah am Massenmarkt. Ein Ort, den Oculus Rift und HTC Vive wohl nie erreichen werden. Google gibt sich offen, kooperiert mit Herstellern, definiert nur die Regeln und sorgt auf gewisse Weise dafür, dass Konsumenten mittelfristig alle mit ihrem Handy schon einen Großteil der Technik in den Händen halten, den sie für VR benötigen. Für mich klingt das schon jetzt nach Erfolg. Und ich bin sehr gespannt, was daraus wird. Und ob andere Unternehmen reagieren. Apple vielleicht?

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