Aufgezwungene Software-Abos: Wo liegen die Vor- und Nachteile?

Der Umstieg seines bisherigen Lieblingsprogramms zum Schreiben seine Texte hat unseren Autor Frank dazu bewogen, noch einmal über das Finanzierungsmodell Software-Abo zu schreiben. Wieso er kein Fan davon ist und wie es – wenn es schon sein muss – richtig gemacht wird.

Vielleicht kann man noch nicht von einem Trend sprechen, aber zumindest auf dem Mac entdecken viele Entwickler von Software das Abo-Modell für sich – als zusätzliche oder alleinige Möglichkeit, für die Nutzung von Software zu zahlen. Ich bin schon in einem meiner früheren Artikel auf die Vor- und Nachteile von Software-Abos eingegangen. Vor einigen Tagen ist auch meine bisherige Lieblingsschreibapp Ulysses auf das Modell Software-Abo umgestiegen. Und zwar ausschließlich. Für mich ein Grund, noch einen Artikel zu verfassen. Ab jetzt wieder mit iA Writer, denn durch den Umstieg auf ein reines Software-Abo ist Ulysses für mich gestorben. Warum, das möchte ich hier schreiben.

Enttäuschte Liebe

Ich habe schon viele Schreibprogramme auf dem Rechner genutzt. Auf Anhieb fallen mir ein: WordPerfect, Wordstar, Starwriter, MS Word seit MS DOS, RagTime, Papyrus, TexEdit, TextEdit, Pages. Dann kam Markdown und damit die Möglichkeit, schlanke und einfache Texteditoren nutzen zu können. Endlich konnte ich in reinem, gut lesbaren TXT-Format schreiben. Ich probierte Emacs, Vim, TextWrangler, dann kamen spezielle Markdown-Apps wie Byword, iA Writer oder eben auch Ulysses.

Lange Zeit war nvALT mein Favorit, dann aber begann ich Ulysses zu schätzen. Alle Dateien an einem Ort, gutes Design, Synchronisation mit iOS über Apples iCloud, eine Markdown-Variante, die noch unaufdringlicher war als das Original. Anscheinend hatte ich meine Schreib-App gefunden. Dann kam die Ankündigung, dass man das Modell auf Abo umstellen wollte. Und das erste Gefühl war maßlose Enttäuschung, wie bei vielen anderen Nutzern auch. Warum? Das hat mehrere Gründe.

Ulysses ohne Software-Abo

Ich werde für dumm verkauft

Bestehenden Nutzern wird ein lebenslanger Rabatt von 50% versprochen, wenn sich in den nächsten Wochen die neue App installieren. Die 50% Rabatt sind aber auf monatliche Zahlung berechnet. In Wahrheit zahle ich statt 39,90 € jährlich 29,90 €, das sind nur 25%. Und lebenslang ist der Rabatt auch nur, wenn ich nicht mit dem Abo pausiere. Sobald das geschieht, zahle ich bei Wiederaufnahme den vollen Preis.

Die Entwickler argumentieren, dass sie nur durch das Abomodell die App am Leben halten könnten und ansonsten mittelfristig pleite gingen. Gleichzeitig sagen sie, dass das bisherige Modell die letzten 10 Jahre gut funktioniert habe. 12 Leute arbeiten an dem Texteditor, neue Mitarbeiter werden gesucht.

Man lässt mir keine Wahl

Die alte App wurde aus dem Appstore entfernt, sie wird nicht weiterentwickelt. Ob sie mit zukünftigen OS-Updates kompatibel sein wird, weiß kein Mensch. Um sicher zu sein, die Software noch in zwei oder drei Jahren nutzen zu können, muss ich auf Abo umsteigen. Anders ist Ulysses nicht mehr zu haben.

Nicht noch ein Abo

Ich zahle bereits für Netflix, Audible, Amazon Prime, Taschengeld meiner vier Töchter, Internet-Zugang zu Hause und auf dem Mobiltelefon. Wenn ich anfange, für einzelne Programme Abo-Gebühren zu zahlen, verliere ich komplett den Überblick oder muss anfangen, mehr Zeit in das Management der Abozahlungen zu stecken als ich will.

Jedes Abo belastet. Nach einem Einmalkauf nutze ich eine App solange ich will, ohne weiter daran zu denken. Ich zahle einmal, erhalte kleine Updates gratis. Bei Bedarf kann ich entscheiden, ob ich eine neue Version mit neuen Features neu kaufen möchte.

Beim Abo gehe ich dagegen eine Verpflichtung ein, die ich aktiv beenden muss. Und ich nutze eine Software mit geplanter Obsoleszenz. Wenn ich nicht aktiv Geld bezahle, hört sie nach einem Monat oder einem Jahr auf, zu funktionieren. Das ist kein gutes Gefühl.

Ich zahle mehr

Die Entwickler von Ulysses argumentieren, dass man ohne die Umstellung auf das Abo-Modell mittelfristig pleite ginge. So aber könne man mit einem stetigen Strom an Einkommen planen, statt ständig neue Features implementieren zu müssen, um für neue Versionen wieder Geld verlangen zu können. Ein Software-Abo sei also auch für die Nutzer gut, weil diese dann sicher sein könnten, dass die Software langfristig weiterentwickelt wird. Ich glaube, dass es nur einfacher scheint, so Geld zu verdienen. Man lässt die Nutzer einfach langfristig mehr bezahlen. Vielleicht ist das für die Entwickler besser (wenn sich genug bestehende Nutzer darauf einlassen). Für die bestehenden Nutzer ist es – so wie von Ulysses gehandhabt – schlechter.

Es gibt Alternativen

Alternativen zum Software-Abo für Ulysses

So schön es war, mit Ulysses Texte zu schreiben – es gibt Alternativen. Und die nutze ich. Letztlich handelt es sich nur um einen Texteditor für Markdown. Adobe kommt mit dem Abo-Modell durch, weil es momentan noch keine vollwertigen Alternativen im Profibereich gibt. Die Adobe Creative Suite ist bei professioneller Gestaltung einfach der Standard. Außerdem wird bei Adobe die Software mit ihren wirklich exorbitanten Kaufpreisen durch vergleichsweise moderate Monatspreise wirklich erschwinglich. Auch Microsoft Office ist eine Standard-Software, die in fast jedem Büro und jeder Firma genutzt wird. Außerdem gibt es neben dem Abo-Modell immer noch die Möglichkeit des Kaufs.

Bestehende Nutzer nicht vergrämen

Auch andere Apps haben Ihr Geschäftsmodell durch Software-Abo ergänzt, aber sie haben es nicht komplett umgestellt. DayOne friert die Features ein, entwickelt die App insgesamt aber weiter. Abonnenten können mehr Bilder einfügen, mehr Tagebücher öffnen etc. Mir reichen die Features, die ich habe, ich kann die App so weiter nutzen, wie ich es gewohnt bin. Mit so einer Ergänzung des Modells kann ich gut leben, weil es gegenüber den bisherigen Nutzern fair ist. Smile hat die Upgrade-Preise für seinen TextExpander nach Nutzerprotesten gesenkt und die Kaufapps wieder eingeführt. Sie werden immer noch unterstützt. Auch hier hat man also immer noch die Wahl. Davon habe ich aber erst später etwas mitbekommen, weil ich noch vor den Protesten auf das Konkurrenzprodukt Typinator umgestiegen bin.

Wenn schon mieten, dann richtig

Software-Abo The SetApp

The SetApp ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Software-Abo aussehen kann. Es handelt sich dabei um eine Art alternativen AppStore, eine Art Netflix für Apps: Für eine Monatsgebühr von rund 10 Euro kann man alle Apps nutzen, die bei SetApp mitmachen. Darunter nicht nur Ulysses, sondern eine ganze Menge anderer nützlicher Apps. Ein fairer Preis für die Nutzer. Und eine gute Möglichkeit, viele Apps auszuprobieren.

Was haltet Ihr vom Modell Software-Abo?

iA Writer als Alternative zum Software-Abo von Ulysses

Die Zeit wird zeigen, ob es sich für die Entwickler von Ulysses gelohnt hat, viele ihrer Nutzer vor den Kopf zu stoßen und auf ein langfristig teures, reines Software-Abo umzustellen. Ich schreibe ab jetzt mit anderer Software. Was haltet Ihr von diesem Finanzierungsmodell?

Beitragsbild:Pexels.com

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2 Kommentare zu “Aufgezwungene Software-Abos: Wo liegen die Vor- und Nachteile?

  1. Abo-Modelle zahle ich nur bei Apps, die einen dauerhaften externen Service bieten. Bei Apple Music, Spotify und Netflix ist das ja in Ordnung, immerhin zahlen die den Herstellern der Lieder und Filmen auch dauerhaft. Ausserdem wird das Angebot ständig ergänzt und wenn ich die Filme oder Alben einzeln kaufe, muss ich sie auch bezahlen.

    Auch bei Virenscannern kann man über das Abo hinwegsehen, immerhin müssen die täglich neue Datenbanken bieten.

    Aber für normale Standard-Apps? Nein! Es gibt drei Arten von Updates: Bugfixes, Kompatibilitätsupdates und Funktionsupgrades. Die Lösung von Sicherheitsproblemen teilt sich auf die ersten beiden Arten auf.

    Nun sehe ich überhaupt nicht ein, für Bugfixes überhaupt irgendwas zu bezahlen. Ich kaufe ja auch nicht ein Auto, bei dem die Bremse nicht funktioniert und zahle dann ein Abo, damit der Hersteller sie repariert. Lange Rede kurzer Sinn: Gibt der Hersteller eine fehlerfreie Software heraus, braucht es keine Bugfixes. Der Rest ist sein Problem.

    Das mit der Kompatibilität sehe ich als eine Art Garantie des Herstellers an. Jeder Hersteller sollte sich überlegen, wie lange er die Kompatibilität für seine Programme garantiert, dies soll er bei Veröffentlichung der Software schriftlich mit dazuschreiben, dann kann er es auch gleich in den Preis mit einrechnen. Ich sage also, ich verkaufe eine App für CHF 100.- statt CHF 80.-, dafür garantiere ich, dass sie ab Veröffentlichungsdatum vier Jahre kompatibel mit den neusten Betriebssystemen ist. Gerade bei Apple-Geräten ist dies denkbar einfach, Updates gibt es wenige, die Nutzer sind bereit, auch etwas mehr zu zahlen, als etwa Android-Nutzer.

    Zusammengefasst: Sowohl Bugfixes als auch Kompatibilitätsupdates sind keine Begründung und schon gar keine Rechtfertigung für ein Abo.

    Bleiben also die Funktionen: Diese kann man kostenpflichtig machen. Ich kaufe die App wie sie zum Zeitpunkt dasteht, auf neue Funktionen habe ich weder ein rechtliches, noch ein moralisches Anrecht, das ist aber in Ordnung. Neue Funktionen kann man dann zum Beispiel mit In-App-Käufen hinzufügen. Wenn man unbedingt will, gibt man halt ein Abo-Modell parallel zur Einmalkauf-Version hinaus.

    Aber Ulysses hat ein anderes Problem. Der Markt ist gesättigt, neue Käufer gibt es wenig. Und um bestehende Kunden zur erneuten Zahlung aufzufordern, dazu fehlen wahrscheinlich die Ideen, was neue Funktionen betrifft. Also kommt die Jammer-Story.

    • So habe ich das bisher auch gesehen: Das Produkt hat einen Wert, den ich einmalig zahle. Monatliche Gebühren dienen lediglich dazu, den Life Time Value des Kunden zu erhöhen, sprich die Summe, die er letztlich insgesamt zahlt.

      Ben Thompson von stratechery.com hat mich umdenken lassen. Seitdem sehe ich eine Abogebühr nicht mehr als einen Preis für die Arbeit, die bereits geleistet wurde, sondern die noch vor einem liegt. Ich ermögliche mit meinem regelmäßigen Geldstrom, dass die Entwickler an dem Produkt weiterarbeiten können. Dabei unterscheide ich nicht, ob das Sicherheitsupdates, Kundenservice oder die Entwicklung neuer Funktionen sind. Ich investiere darin, dass es weitergeht und nicht abrupt aufhört.

      Seitdem zahle ich gerne zum Beispiel für meinen Mailprovider (fastmail.com) und meinen RSS-Feed-Aggregator (inoreader.com), obwohl es auch kostenlose Alternativen gäbe. Zudem zahle ich nicht den günstigsten Tarif, sondern einen, den ich angemessen finde. Mit ähnlicher Begründung kaufe ich auch gerne die Pro-Versionen von Android-Apps, die ich intensiv nutze, nur dass dies nicht nachhaltig ist.

      Das Problem meiner Argumentation ist, dass man nicht alles als Abo zahlen kann. Das würde schlichtweg zu viel werden. Ich zahle kein Microsoft Office, ich zahle kein Spotify. Ich nutze beides schlichtweg zu wenig. Und ich möchte auch nicht für jede App zahlen, die man früher Utility nannte, und erst recht nicht mit einem Abomodell, das bei 4,50 Euro pro Monat beginnt. Da suche ich mir dann doch eine freie Alternative (frei wie in free beer).

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