Wayward Pines setzt auf veraltete Dramaturgie, unlogische Handlungsstränge und billige Cliffhanger – und ich liebe es!

Ja, haben die jetzt ernsthaft einen B-Film zur Serie gemacht? Bei einer Szene der frühen Episoden von „Wayward Pines“ rennt Hauptfigur Ethan Burke durch den Regen in ein Haus, kommt Minuten später wieder heraus und ganz plötzlich sind die Straßen trocken. Welch ein Trash, welch ein Quatsch! Warum kommt man dann trotzdem nicht mehr von dieser Serie los?

Achtung! Obwohl ich es größtenteils versucht habe zu vermeiden, können einzelne Spoiler auf die ersten drei Folgen der Serie im Folgenden nicht ausgeschlossen werden.

„Wayward Pines“ ist eine Mysteryserie, die seit Mai auf dem US-Sender Fox läuft und in Deutschland auf Englisch und Deutsch mit einigen Tagen Verzögerung auf dem Bezahlsender Sky ausgestrahlt wird. Sechs Folgen wurden bisher gezeigt, insgesamt soll die Miniserie zehn Folgen lang sein. Eine zweite Staffel ist bisher noch nicht vorgesehen. Die dürfte aber todsicher kommen, denn die Romanvorlage besteht aus drei Teilen. Und die Serie hat bisher erstaunlichen Erfolg.

Hauptfigur: Secret-Service-Agent Ethan Burke

Hauptfigur: Secret-Service-Agent Ethan Burke

Logik? Muss nicht!

Die Logik schon der ersten Folgen wirft erhebliche Warum-Fragen auf. Aber nicht nur, weil die Geschichte ihre Hintergründe erst nach und nach offenbart, sondern auch weil zahlreiche Handlungsstränge einfach keinen Sinn ergeben. Da entgeht einer der Hauptcharaktere schon am ersten Tag seines Aufenthalts in der Stadt knapp einem Mordkomplott. Als ihm ein anonymer Absender per Brief noch am gleichen Abend vor Ort einen Job anbietet, geht die Figur am nächsten Morgen pflichtschuldig zum Vorstellungsgespräch. Klug ist das nicht, logisch eigentlich auch nicht.

Der mysteriöse Psychiater Dr. Jenkins attestiert Ethan eine Psychose.

Der mysteriöse Psychiater Dr. Jenkins attestiert Ethan eine Psychose.

Erstaunliche Wendungen à la „The Sixth Sense“ in jeder Episode

Bei einem Blick auf die Crew rätselt der Beobachter denn auch, ob diese nun Segen oder Fluch ist. Eine der treibenden Kräfte ist Regisseur-Ikone M. Night Shyamalan, der mit seinem Debüt „The Sixth Sense“ einen Welterfolg feierte, mit „Signs“, „The Village“ und „Unbreakable“ schon nicht mehr so gut ankam und schließlich mit „The Happening“ und „Lady in the Water“ auch letzte Befürworter verschreckte. Zu seinem Markenzeichen wurde die überraschende Wendung am Ende eines Films. Bei „Wayward Pines“ hat man das Gefühl, einen solchen Twist bereits in jeder Folge zu erleben. Es wird immer noch eine Spur absurder, noch verrückter. Und am Ende der Staffel – da bin ich mir ganz sicher – wird noch einmal der Lukas gehauen.

In Wayward Pines nimmt Ethan Kontakt mit Beverly auf, der einzigen 'normalen' Person im Ort.

In Wayward Pines nimmt Ethan Kontakt mit Beverly auf, der einzigen ’normalen‘ Person im Ort.

Konzeptionell weit hinter „True Detective“ und doch fesselnder

„Wayward Pines“ ist damit eine Serie, die man heute so nicht mehr drehen würde. Sie wirkt wie ein Mix aus zahlreichen bisher gesehenen Mysteryformaten von Shyamalan und auch anderen Produzenten, seien es Lost, The Village, Twin Peaks, Fringe, Die Insel oder Akte X. Dramaturgisch arbeiten die Regisseure mit einfachsten Mitteln, Cliffhangern, die heute größtenteils verpönt sind. Selbst die aktuelle Staffel der vielleicht besten Dramaserie der Welt, „Game of Thrones“, erhielt jüngst ein paar reißerische Kritiken, selbst die wieder hochklassig be- und umgesetzte zweite Staffel von „True Detective“ stimmte Kritiker kaum zufrieden. Im Vergleich zur ersten Staffel mag sie auch zurückstehen, aber konzeptuell wirkt „Wayward Pines“ kläglich altmodisch im Vergleich zu „True Detective“, „Homeland“ und Co.

Jetzt kommt das große Aber

Warum nur, warum kann ich dann nicht abschalten? Ich habe schon lange keine Serie mehr gesehen, die mich derart in ihren Bann gezogen hat. Bei der ich unbedingt wissen musste, wie es weiter geht. Bei der ich mitgefiebert habe um zu wissen, was da eigentlich passiert, welche dieser propagierten Szenarien denn nun echt ist. Selbst bei meiner eigentlichen Lieblingsserie „Game of Thrones“ war das zuletzt nicht der Fall. Ich habe nun die ersten sechs Folgen gesehen und brenne darauf zu erfahren, wie es weiter und wie es letztlich zu Ende geht.

Gefangen in Wayward Pines: Ethan und seine frühere Kollegin Kate

Gefangen in Wayward Pines: Ethan und seine frühere Kollegin Kate

Die inhaltlichen und konzeptionellen Fehler stören mich dabei erstaunlich wenig. Es muss vielleicht gar nicht immer alles perfekt sein. Kritiker und Zuschauer sind sich übrigens fast einig: Einzelne Details? Geschenkt! Was sie da sehen, ist spannend. Richtig, richtig spannend. Vielleicht wird zu guter Letzt ein enttäuschendes Ende serviert, man sich hinterher fragen, was denn nun eigentlich den Reiz ausgemacht hat, und sich dann wieder vermeintlich hochwertigeren Serien wie „Homeland“ oder „The Walking Dead“ zuwenden. Bis dahin aber wird man mit Ethan Burke und seiner Familie mitfiebern – und weitergucken. Weil man nicht mehr davon los kommt.

Bilder: Fox

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*