Mini LED: Der Unterschied zu OLED, Micro LED und LED

Die Display-Technologien entwickeln sich rasant weiter. Neu ist Mini LED, das sogar gegenüber OLED und Micro LED einen großen Vorteil besitzt. Das steckt dahinter.

Mini LED: Der Unterschied zu OLED, Micro LED und LED

Bereits seit geraumer Zeit ist Mini LED ein Thema für Hersteller von Flachbildschirmen und sogar Konzern Apple, der diese Technologie künftig verbauen könnte. So munkelt man schon seit Anfang 2020. Doch erst die CES 2021 gab der neuen Art der Beleuchtung von LC-Displays einen ordentlichen Schub. Künftig setzen Unternehmen wie LG und Samsung bei ihren neuen Smart TVs auf „kleine LEDs“. Und das aus gutem Grund.

Mini LED ist „nur“ LCD mit LED-Hintergrundbeleuchtung

Nein, Mini LED ist keine völlig neue Erfindung. Hauptelement eines TV-Geräts mit Mini-LED ist das Liquid Crystal Display, besser als LCD bekannt. Seit jeher beleuchten kleine LEDs das Display, allerdings mit unterschiedlicher Qualität. Die einfachste Variante nennt sich heutzutage Edge LED, bei dem wenige weiß leuchtende LEDs an den Seiten des Bildschirms angebracht sind und die Flüssigkeitskristalle dort anstrahlen.

Das sogenannte Edge LED ist technisch verhältnismäßíg simpel und damit preisgünstig, aber führt zu einer ungleichmäßigen Ausleuchtung großer Fernseher, relativ schwachen Schwarzwerten und einem geringeren Kontrast.

Mini LED dürfte sich ab 2021 schnell etablieren. (Foto: Samsung)
Mini LED dürfte sich ab 2021 schnell etablieren. (Foto: Samsung)

Aus diesem Grund entstand das Full Array LED (mit Local Dimming), auch oftmals als Direct LED bezeichnet. Hier befinden sich weiße oder farbige (RGB) LEDs auf der gesamten Fläche des LCDs und garantieren so eine präzisere Beleuchtung, viel bessere Kontraste, aber noch immer nicht perfekte Schwarzwerte beim Bild. Das liegt daran, dass Full Array LED die LEDs in zwischen 16 und einigen hundert Zonen einteilt, also niemals an einem Punkt nur eine LED leuchtet, sondern eine Gruppe. Umso mehr Zonen es gibt, desto besser ist das Gesamtbild.

Mini LED ist letztlich die logische Fortführung von Full Array LED, indem LCDs nun noch mehr Zonen erhalten und die LEDs kleiner ausfallen als bisher. Aber im Kern setzt Mini LED unverändert auf Flüssigkristalle und zusätzliche LEDs zur Beleuchtung dieser.

Mehr LEDs, mehr Zonen, viel bessere Qualität bei Mini LED

Dem technologischen Fortschritt ist es zu verdanken, dass Hersteller Mini LEDs erst ermöglichen konnten. Denn die verwendeten Leuchtdioden sind nur noch zwischen 0,05 und 0,2mm groß.

Viel entscheidender für bessere Schwarzwerte sowie Kontraste und das endgültige Ende von Geisterbildern (Ghosting) ist allerdings die deutlich gestiegene Anzahl an Dimming-Zonen. Während gute Fernseher mit Full Array LED über 600 dieser Bereiche verfügen, sind es bei Mini LED von TCL durchaus tausende Zonen mit auch mal über 150.000 Mini-LEDs, die sich hinter dem LCD befinden. LG nennt für Top-Geräte mit 8K-Auflösung und 86 Zoll bis zu 30.000 LEDs bei 2.500 Zonen.

Je größer, desto mehr Zonen und Mini LEDs. (Foto: Samsung)
Je größer, desto mehr Zonen und Mini LEDs. (Foto: Samsung)

Kurzum: Die Ausleuchtung des LCDs ist präziser, der „Streuverlust“ des weißen Lichts geringer – und das erhöht das Seherlebnis noch einmal.

Der entscheidende Vorteil von Mini LED: Der Preis

Mini LED dürfte sich in naher Zukunft durchsetzen und in erster Linie die an sich auch schon sehr guten Full Array LEDs verdrängen, die möglicherweise in den Niedrigpreis-Bereich der TV-Hersteller rutschen. Auch wenn mehr LEDs zum Einsatz kommen, ist Mini LED in der Herstellung im Vergleich zu OLED sehr viel günstiger – und das bei einem potenziell hervorragenden Bild.

Groß und leuchtstark - das sind Mini LEDs. Vielleicht auch bald bei euch im Wohnzimmer. (Foto: Samsung)
Groß und leuchtstark – das sind Mini LEDs. Vielleicht auch bald bei euch im Wohnzimmer. (Foto: Samsung)

Trotzdem: Zu Beginn sind Fernseher mit Mini LEDs teurer als aktuelle LCD-TVs mit Local Dimming aus dem Premium-Segment. Das sollte sich in den kommenden Monaten und Jahren ändern.

Noch besser als Mini LED: Micro LED als Konkurrenz zu OLED

Was kommt nach Mini? Micro! Und auch das ist längst ein Thema: Micro LED tritt an, um vor allem die organischen Displays, kurz OLED, Paroli zu bieten. Hier können sogar mehrere Leuchtdioden einem Pixel auf dem Fernseher entsprechen, da eine solche LED kleiner als 0,05mm ist. Das heißt: Noch mehr LEDs, aber auch noch höhere Produktionskosten.

Der Unterschied zu OLED: Hier kommen wie bei LED-Fernsehern synthetische Leuchtdioden zum Einsatz und keine organischen Gegenstücke. Ein LCD braucht es bei Micro LED folglich nicht mehr, da der Bildschirm wie ein riesiges Lichtpanel mit unglaublich vielen Leuchtdioden aufgebaut ist.

Micro LED bleibt im Vergleich auch in Zukunft noch sehr teuer. (Foto: Samsung)
Micro LED bleibt im Vergleich auch in Zukunft noch sehr teuer. (Foto: Samsung)

Obwohl Micro LED auch 2021 für die meisten Privatpersonen noch unerschwinglich sein dürfte, könnte diese Technologie perspektivisch sogar OLED den Rang ablaufen. Denn hier gibt’s keine Einbrenneffekte und keine mit den Jahren sinkende Helligkeit. Viel entscheidender ist für viele aber auch die sehr viel höhere Lebensdauer im Vergleich zu OLED, die ähnlich lang ist wie bei allen anderen LCD-Lösungen.

Dank noch mehr einzeln ansteuerbarer LEDs sind Micro LEDs natürlich Mini LEDs technisch überlegen. Der Vorteil von Mini LEDs bleibt im direkten Vergleich perspektivisch aber der Preis, denn Micro LEDs sind deutlich teurer zu produzieren.

Aktuelle Mini-LED-Fernseher 2021

Auf der CES 2021 präsentierten die bekannten TV-Produzenten ihre ersten Mini-LED-Fernseher. LG führt Mini LED bei seinen NanoCell-Smart-TVs ein und geht noch einen Schritt weiter: QNED MiniLED bringt Mini LED mit Quantum Dots zusammen. Wie bei Samsungs QLEDs (LEDs mit Quantum Dots) verbessern Quantenpunkte den Farbraum bzw. erhöhen das Farbspektrum der Hintergrundbeleuchtung noch einmal.

QNED ist Mini LED mit Quantum Dot. (Foto: LG)
QNED ist Mini LED mit Quantum Dot. (Foto: LG)

Samsung bringt Mini LED zum Beispiel bei den 2021er Spitzenmodellen QN900A mit 8K und dem QN90A mit 4K. Neo QLED heißt hier das Zauberwort. Auch das ist eine Kombination aus Mini LED und Quantum Dots.

Und auch Sony zieht mit – mit den Modellen Z9J, X95J und X90J. So oder so verdeutlichen die Hersteller, dass sie Mini LED bei großen Fernsehern mit 65, 75 oder gar 85 Zoll sehen. Aber auch im 50-Zoll-Bereich dürfte es schon zeitnah erste und erschwingliche Geräte geben.

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2 Kommentare zu “Mini LED: Der Unterschied zu OLED, Micro LED und LED

  1. Sind QDCF (quantum dot color filter) eigentlich keine Option mehr ? Klingt zumindest für den Laien recht einfach in den OLED stack integrierbar, bei LCD machen wohl die notwendigen in cell polarizer Probleme. Damit würde sich die Effizienz (Lichtausbeute) auch sofort mehr als verdoppeln,

    1. Na, doch. Quantum Dot wird gerade bei Mini LED wieder ein großes Thema. Die von LG und Samsung vorgestellten 2021er-Fernseher mit Mini LED setzen ebenfalls auf Quantum Dot. Scheint sich optimal kombinieren zu lassen, schätze ich. Bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie sehr sich das dann noch von OLED unterscheidet…

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