Vom ersten DVD-Player zum Streaming: Ein Leben ohne Datenträger ist möglich

Früher sammelte er mit Begeisterung DVDs und Blu-rays. Das Streaming veränderte das Konsumverhalten unseres Redakteurs Sven Wernicke.

Ich war jung und…hatte offenbar das Geld. Während meines Zivildienstes kam irgendwann der Wunsch auf, ein eigenes Heimkino besitzen zu wollen. Surround-Anlage mit riesigen Boxen, großer Fernseher und DVD-Player mussten her. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich mir 1999 meinen ersten eigenen DVD-Player kaufte. Der Panasonic DVD-A 360 kostete 1500 DM und bereitete mir leider nur fast drei Jahre Freude, bevor er sich etwas zu früh verabschiedete. Aber er legte den Grundstein für meine Leidenschaft, die mich recht lange begleitete: Filme und DVDs sammeln.

Der Anfang vom Ende

Ich weiß noch ganz genau, wie kurz nach der Einrichtung meines DVD-Players in einem Elektromarkt stand und mir meine erste DVD kaufte. Keine Ahnung, wieso ich mich für „Dark City“ entschied. Nach wie vor besitze ich diese Disk, verkaufen möchte ich sie auf keinen Fall. Denn an ihr heftet – wie auch an anderen Filmen – eine Erinnerung. An eine andere Zeit, an bestimmte Momente, an Situationen im eigenen Leben.

Der Panasonic A-360 hielt leider nicht allzu lange. (Foto: Panasonic)

Der Panasonic A-360 hielt leider nicht allzu lange. (Foto: Panasonic)

Im Laufe der Jahre sammelten sich immer mehr DVDs an. Ich kaufte sie selbst, wünschte mir Serien und Blockbuster zum Geburtstag oder zu Weihnachten, machte Schnäppchen auf Trödelmärkten und später im Netz. Den Umstieg auf Blu-rays wagte ich mit dem Release der PlayStation 3, die ich mir zum Launch am 23. März 2007 kaufte. Die Sony-Konsole war schließlich der erste bezahlbare Blu-ray-Player mit der Möglichkeit, auch noch hochwertige Spiele zu erleben.

Schränke voller DVD und Blu-rays

Vielleicht war es auch meinem Job geschuldet, der mir ebenfalls zahllose DVDs und Blu-rays bescherte. Die sammelten sich mehr und mehr in ein paar Regalen und Schränken an. Mit der Zeit stieg das Interesse für bestimmte Filme bzw. Genres, mein Sammel-Tempo sank aber nur langsam. Ich zählte die Mengen nie, aber es dürften schon über die 2000 Disks gewesen sein.

Das ist sehr viele Jahre her: Als junger Mann war das Heimkino ein Traum, aber ich realisierte es nie so recht. (Foto: Sven Wernicke)

Das ist sehr viele Jahre her: Als junger Mann war das Heimkino ein Traum, aber ich realisierte es nie so recht. (Foto: Sven Wernicke)

Versteht mich nicht falsch: Das Ansammeln von jeder Menge Plastik in meiner Wohnung machte mir überaus viel Spaß. Ich freute mich auf Erscheinungstermine aktueller Filme und Serien, die in dieser Form nicht (mehr) im TV liefen. Aus heutiger Sicht betrachtet, war ich aber vermutlich nicht ganz so wählerisch, sonst hätten sich nicht so viele DVDs und Blu-rays angehäuft. Aber etliche Sammler-Editionen durften natürlich nicht fehlen. Ein „Men in Black“ – limitiert auf 10.000 Exemplare? Die brauchte ich. Und nicht nur die…

Fast 15 Jahre änderte sich an meiner Kauf- und Konsumfreude nicht allzu viel. Die meisten Filme schaute ich kein zweites Mal, obwohl ich mir diese Option immer offenließ. Ich könnte ja. Wenn ich mal viel Zeit habe. Oder wenn ich mal in Rente bin…

Schnelle Internetleitung!

2014 könnte ich als persönliche Trendwende bezeichnen. Ich hatte für mich selbst festgestellt, dass ich eigentlich viel lieber Zeit in der Natur (mit meinem Hund) und „draußen“ verbringe, als vor der Glotze zu sitzen, um Filme zu schauen oder Spiele zu zocken. Das machte ich trotzdem nach wie vor gerne, doch die Freizeit gestaltete (s)ich anders als die Jahre zuvor. Vom linearen Fernsehen trennte ich mich konsequenterweise auch zwischenzeitlich.

Winziger Player mit den wichtigsten Angeboten. (Foto: Amazon)

Winziger Player mit den wichtigsten Angeboten. (Foto: Amazon)

Nach einem Umzug in eine neue Wohnung bekam ich endlich eine schnelle und zuverlässige Internet-Verbindung, was auch nach 2010 in meiner Wahlheimat Dresden in einigen Stadtteilen keine Selbstverständlichkeit war. Und was war das? Amazon stellte mit dem Fire TV einen recht preisgünstigen sowie leistungsstarken Streamingplayer vor. Mit dem konnte ich sogar spielen, so das Versprechen des Unternehmens.

Einfache Bedienung, bequemes Ausleihen von Inhalten, Schauen von Mediatheken ohne Aufwand und wann ich will – der Fire TV machte es mir leicht, ihn zu mögen. Und zunehmend bemerkte ich, wie die Motivation sank, aktuelle Filme auf DVD und Blu-ray zu kaufen. Ich konnte sie schließlich für weniger Geld mieten und gucken. Das war zwar vorher schon in einer Videothek möglich, aber für die war ich eh immer schon etwas zu faul gewesen.

Der große Ausverkauf

Es ist sicherlich eine Mischung aus Älterwerden, das Verändern eigener Prioritäten, aufkommender Konsumkritik und der sinkenden Motivation, noch mehr Platz für Datenträger freizuschaufeln und Geld auszugeben, wodurch sich mein Verhalten änderte. Seit 2017 kaufe ich keinerlei Blu-rays mehr, den UltraHD-Sprung habe ich gar nicht mehr mitgemacht. Dafür müsste ich mir ja einen neuen Fernseher zulegen, damit sich das lohnt. Immerhin: Meine Xbox One X würde das Format schon beherrschen.

Viele DVDs verkaufte ich auf dem Trödelmarkt. Die Polaroid hier auf dem Bild leider auch. Ich kaufte mir eine solche 2019 wieder... (Foto: Sven Wernicke)

Viele DVDs verkaufte ich auf dem Trödelmarkt. Die Polaroid hier auf dem Bild leider auch. Ich kaufte mir eine solche 2019 wieder… (Foto: Sven Wernicke)

Eine Teilschuld trägt zweifelsohne der Streamingplayer, den ich 2019 durch eine Nvidia Shield Pro ersetzte. Mit der kann man auch gut spielen. Und dazu sehr komfortabel nahezu alle relevanten Mediatheken und Anbieter nutzen. Auch Netflix, wenn ihr diesen Service in diesem Text vermisst haben solltet.

Meine alten Disks habe ich übrigens weitgehend verkauft. Ich besitze vielleicht noch um die 150 Silberscheiben, an den meisten von ihnen kleben besagte Erinnerungen. Den Rest verkaufte ich für teils unfassbar wenig Geld oder verschenkte viel an Freunde. Das war vielleicht etwas hart, aber ich hab’s überlebt.

Auch DVDs und Blu-rays sind toll!

Ich möchte es abschließend betonen: Das Sammeln war ein großes Vergnügen und etwas, was ich auf keinen Fall bereue. Ich verstehe auch, wenn Cineasten ihre Sammlungen pflegen und erweitern. Nicht wenige Blu-rays und DVDs landen niemals auf Streaming-Portalen, sodass man zum Beispiel eigene Lieblingsfilme für alle Ewigkeit besitzt. Zumindest so lange, wie man die Disks noch abspielen kann. Und es gibt sogar Gegenbewegungen, bei denen Leute ihr Netflix-Abo zugunsten haptischer Datenträger kündigen. Und dafür gibt’s auch gute Gründe. Ehrlich: Ganz klassisch eine DVD in ein Laufwerk zu schieben, hat für mich mittlerweile auch etwas von Nostalgie. Verrückt.

Rückblickend war das alles eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Die Veränderung, die ich sicherlich meinem Kopf und den Möglichkeiten des Streamings zu verdanken habe, war nötig. Und ich bin auch etwas gespannt, was ich wie in fünf oder zehn Jahren konsumieren werde.

Wie sieht es bei euch aus? Favorisiert ihr nach wie vor (UHD-)Blu-rays oder seid ihr auch schon komplett auf Streaming umgestiegen? Ich freue mich über eure Kommentare.

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