Ultra HD: Totengräber der TV-Sender?

Ultra HD: Totengräber der TV-Sender?

Wir erleben bereits seit einiger Zeit einen Medienwandel: Der Trend geht nicht nur weg vom linearen Fernsehen, sondern auch weg von den TV-Sendern. Das junge Publikum entscheidet lieber selbst, wann es etwas wo sehen will. Und oft führt der Weg dann hin zu Angeboten aus dem Netz, seien sie legal, illegal oder semi-legal.

Und dann macht sich noch ein weiterer Trend breit, der bei den Programmplanern von RTL, ARD und Co. ein genervtes Stöhnen auslöst: Ultra HD (UHD), der legitime Nachfolger des HD-Fernsehens, der in der heute meist verbreiteten Variante 4K eine vierfache Full-HD-Auflösung bietet (meist 3.840 × 2.160 Pixel). Dieser Standard steckt noch in den Kinderschuhen. Doch das könnte sich bald ändern und dann die TV-Sender endgültig in den Abgrund reißen.

Bislang fehlte für den UHD-Genuss eigentlich noch alles: erschwingliche Geräte, die Angebote und die Netze. Auf der aktuellen CES in Las Vegas werden einige dieser Baustellen geschlossen. Die Anbieter Haier und Polaroid haben erste 4K-Fernseher für unter 1.000 Euro vorgestellt. Der Anbieter Netflix hat – wie zuvor auch schon Amazon Studios – angekündigt, alle künftigen Eigenproduktionen direkt in 4K-Auflösung aufzuzeichnen. Und dann natürlich in absehbarer Zeit auch auszustrahlen.

Fernseher mit 4K oder 8K, Programme im schmächtigen HD

Fehlt eigentlich „nur“ noch die Netzinfrastruktur dafür: Derzeitige Netze würden unter einem UHD-Massenbetrieb kollabieren. Aber wer über eine Glasfaserleitung oder Datenraten jenseits der 100 Mbit/s verfügt, möglichst ohne Volumenbeschränkung, der kann es zumindest einmal mit UHD versuchen, bevor die Masse auf die gleiche Idee kommt. In diesem Jahr dürften die ersten 4K-Videotheken mit namhaften Angeboten ausgestattet werden. Wer also schon einen 4K-Fernseher hat, wird in absehbarer Zeit sogar etwas damit anfangen können.

Er wird nur eins nicht gerne damit tun wollen: fernsehen. Denn es ist ein Trauerspiel: Während heute beinahe jedes Smartphone Videos in Full HD (1080p oder 1.920 x 1.080 Pixel) aufzeichnen kann und eigentlich jeder neue Fernseher mindestens über eine Full-HD-Auflösung verfügt, beginnen die TV-Sender und Sendeanstalten erst langsam damit, ihre Programme auf HD umzuschalten. Damit ist noch nicht einmal Full HD gemeint, sondern nur das „einfache“ HD mit 720p (1.280 x 720 Pixel). Auf 4K-Fernsehern dürfte die Auflösung interpoliert werden, doch das Ergebnis wäre nicht das gleiche. Wer sich also einmal an das gestochen scharfe Bild von 4K gewöhnt hat, der wird nicht mehr zurück wollen.

Welten prallen aufeinander

Es gibt also noch weniger Argumente, sich das hiesige TV-Programm anzuschauen und es sieht nicht so aus, als würden es in absehbarer Zeit mehr werden. Wenn erst einmal ein Dienst wie Netflix sein Programm auch in Deutschland anbietet, und das dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, dann haben die TV-Sender ein ernsthaftes Problem.

Kürzlich las ich, dass der letzte analoge TV-Sender in Deutschland abgeschaltet wurde. Das Fernsehprogramm in Deutschland ist nun vollständig digitalisiert. Juchee! Das zeigt, dass einige Mühlen erheblich langsamer mahlen als andere. Die TV-Geräte-Industrie hangelt sich leichtfüßig von einer besseren Auflösung zur nächsten. Die Infrastrukturanbieter, man kann es ihnen nicht verdenken, scheuen derweil den massiven materiellen und finanziellen Aufwand, den ein Netzausbau mit sich bringt. Doch es wird nichts nützen: Bessere Netze müssen her, damit deutsche Zuschauer – und TV-Sender! – nicht den Anschluss verlieren.

In unserer kleinen Formatkunde haben wir die wichtigsten TV-Bildformate wie Full HD und UHD aufgeschlüsselt. Weitere Beiträge zur aktuellen CES gibt es hier. Das Bild zeigt einen Samsung Curved UHD-Fernseher.

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