Two and Half Goodbyes: Ein Nachruf auf eine erstaunliche Comedyserie

Der US-Fernsehsender CBS macht Schluss mit der Comedyserie „Two and a Half Men“ – nach zwölf Jahren. Kaum eine Comedyserie in der jüngeren Geschichte – von Zeichentrickserien vielleicht einmal abgesehen – hat die Zuschauer auch in Deutschland so lange begleitet. Als das neue Format 2003 in Zeiten von Terrorangst und Irakkrieg an den Start ging, da war ein Erfolg noch überhaupt nicht absehbar. Wir sagen mit einem kleinen Rückblick leise auf Wiedersehen.

Das Format war in der Form neu: das eindeutig sexualisierte Thema, auch wenn bei „Two and a Half Men“ meistens angedeutet, aber selten etwas gezeigt wurde. Die Geschichte – gespannt zwischen zweieinhalb gegensätzlichen Charakteren: der vermeintlich reiche und notorisch faule, aber attraktive und obercoole Schwerenöter Charlie Harper (Charlie Sheen), sein Bruder Alan, der notorische Verlierer, und sein missratener, trotteliger Sohn Jake, der immer wieder für Erstaunen sorgt. Daneben natürlich eine ganze Menge Frauen und viel Alkohol. Und das über Jahre hinweg im Abendprogramm?

Sheen durfte sich selbst spielen

Der Humor kam beim deutschen Publikum anfangs gut an. So gut, dass ProSieben die Serie lange in der PrimeTime halten konnte und derzeit immer noch den Comedynachmittag damit füllt. Erstaunlich auch, wie die Drehbuchautoren trotz der eigentlich monoton klingenden Handlung immer wieder auf neue Geschichten stießen. Und doch war für den verwöhnten Serienzuschauer, der wenig später etwa das deutlich muntere „How I met your mother“ genießen durfte, der Witz nach wenigen Staffeln raus: Man hatte da mittlerweile alles gesehen, die Charaktere und die Handlung entwickelten sich kaum weiter, der ständig in den Tag hinein lebende Charlie wirkte nach einiger Zeit nicht mehr originell. Der Witz war raus.

Das war der Moment, in dem Charlie Sheen die Serie verließ – gute 100 Millionen US-Dollar reicher. Allerdings ging er im Streit mit seinem Produzenten Chuck Lorre, den er als „Hexenmeister“ und „verseuchte kleine Made“ bezeichnete. Dabei war die Serie für Sheen die Rettung. Seine Karriere als mäßiger Filmschauspieler war fast schon vorbei, ehe sie richtig begonnen hatte. Bekannt war er vornehmlich noch für seine Drogenexzesse und das Luxus-Lotterleben, das er trotz allem führte. Doch die Zuschauer mochten sein Gesicht. Lorre holte ihn aus dem Loch heraus und gab ihm darüber hinaus die Chance seines Lebens: Sheen durfte mehr oder weniger sich selbst spielen.

Jones schlug den geraden Weg ein

Kritik an der Serie folgte später auch vom „halben“ Mann Angus T. Jones (Jake), der nach der zehnten Staffel genug hatte und sich nach seinem Abschied in einem Interview gegenüber den Zuschauern sehr kritisch über den Inhalt der Serie äußerte, die Zuschauer bat, die Serie bloß nicht ernst zu nehmen, sie am besten gar nicht zu gucken. Jones selbst bekräftigte in dem Interview, religiös zu sein und einen geraden Weg einschlagen zu wollen.

Nach Sheens Ausstieg versuchte Lorre die Serie ab der 9. Staffel mit der Besetzung von Ashton Kutcher zu retten, der den Internetmilliardär Walden Schmidt spielte und in eine ähnliche Rolle schlüpfte wie Sheen. Bei den eingefleischten Fans wurde Kutcher allenfalls bedingt positiv aufgenommen, obwohl viele Kritiker der Serie zugestanden, zusammen mit Kutcher einige der besten Folgen abgeliefert zu haben. CBS kündigte an, in der kommenden Saison noch eine finale zwölfte Staffel auszustrahlen. Danach ist definitiv Schluss – zu Recht. Denn das Konzept hat sich überlebt, auch der Fernseh-Humor muss sich weiter entwickeln – und ist gerade noch dabei, sich in Formaten wie „Brooklyn Nine-Nine“ oder „Ground Floor“ neu zu erfinden.

Sheen war seit seinem Abschied aus der Serie kein derart großer Erfolg mehr vergönnt. Seine neue Comedyserie „Anger Management“ reicht derzeit nicht einmal entfernt an den Erfolg von „Two and a Half Men“ heran.

Bild: CBS

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