TV-Serienentdeckung „Add a Friend“: Spannendes Online-Kammerspiel um einen verletzten Fotografen

So kann es kommen: Manches TV-Erlebnis entdeckt man erst Jahre später und im Rahmen einer größeren Bewegung. So auch im Falle der deutschen TV-Serie „Add a Friend“. Jahrelang hieß es, gebe es keine guten TV-Serien aus Deutschland. Und wenn, dann richteten sich alle Augen auf den Kritikerliebling „Der Tatortreiniger“. Nun plötzlich machen sich gleich mehrere Produktionsfirmen auf einmal an hochklassige Formate, da fällt dem einen oder anderen auf, dass es auch in den Vorjahren zumindest einiges Sehenswertes gab. So auch „Add a Friend“: Die Produktion von Wiedemann & Berg erzählt die Geschichte des renommierten Foto-Reporters Felix Wagner, der von einem Auto überfahren wird und sich danach im Krankenhaus wiederfindet. Von da an kommuniziert er mehrere Wochen lang nur noch über Google Hangouts mit seinen Freunden und Verwandten.

Add a Friend - Charaktere

Add a Friend – Charaktere

Da wäre vor allem Felix‘ bester Freund Tom, sein Berater in allen Lebenslagen. Tom ist erfolgreicher Investmentbanker und Frauenheld, der allerdings Spielschulden hat. Felix‘ nach Mallorca ausgewanderte Eltern halten ihn auf Trab, die bis dahin noch unbekannte Verehrerin Vanessa bittet ihn um Hilfe und flirtet von da an aggressiv mit ihm. Und plötzlich trifft Felix bei Google Plus auch auf seine alte Jugendliebe Julia Winter. Doch gleich mehrere Charaktere sind augenscheinlich weniger harmlos als es anfangs scheint. Vor allem als die Kriminalpolizei ihm eröffnet, dass hinter seinem Unfall mit Fahrerflucht möglicherweise Absicht steckt.

Grimme-Preis für das Produktionsteam

Die TV-Serie ist als Mischung zwischen Comedy und Drama (Dramedy) angesiedelt und mit bekannten TV-Darstellern auch in Nebenrollen durchweg gut besetzt. Vor allem Hauptfigur Felix (Ken Duken) ist dem Zuschauer aufgrund seiner ruhigen und dennoch souveränen Art auf Anhieb sympathisch. Seine Flirts mit Julia (ebenfalls überzeugend: Friederike Kempter) lassen fast so etwas wie Romantik aufkommen. Die Erzählung an sich wirkt überwiegend komisch, doch dann erwartet den Zuschauer auch so manch unerwartete Wendung. Das unübersehbare Product Placement (alle Darsteller nutzen in der ersten Staffel Apple-Rechner und kommunizieren via Google Plus und Hangouts) wirkt so aggressiv, dass es fast schon als überzeichnetes Spiegelbild der Gesellschaft durchgehen könnte.

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Zwar gewann „Add a Friend“ im vergangenen Jahr den Grimme Preis für die Produktion und Regie in der Kategorie „Fiktion“. Dass die Serie dennoch bislang ein wenig unter dem Radar wanderte, dürfte daran liegen, dass sie zunächst exklusiv auf dem Sky-Spartenkanal TNT Serie lief, der die Produktion in Auftrag gab. Mutig: Der Sender bestellte bereits die zweite Staffel, noch ehe die erste Folge ausgestrahlt wurde. Aktuell läuft auf TNT Serie die dritte und bislang letzte Staffel der Produktion. Die ersten beiden Staffeln sind mittlerweile auch auf DVD und bei iTunes erhältlich – und unserer Meinung nach eine klare Empfehlung. Eine Serie aus deutschen Landen, die durchaus Suchtpotenzial bietet: Wer hätte das vor einigen Jahren für möglich gehalten?

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