TV-Serien-Tipp: Fargo – Killer mit Kinnbart und Rollkragenpulli

Kein guter Tag für den biederen Versicherungskaufmann Lester Nygaard: Die klappernde Waschmaschine raubt ihm den letzten Nerv, seine gelangweilte Frau eröffnet ihm, dass sie ihn nie hätte heiraten sollen, und der ehemalige Schultyrann belästigt ihn auch im Erwachsenenalter wieder. Nygaard bricht sich die Nase – und macht in der Notaufnahme eine unheilvolle Bekanntschaft: Profikiller Lorne Malvo bietet ihm an, seine Probleme für ihn zu lösen. Als Nygaard nicht energisch genug ablehnt, nimmt das Unheil seinen Lauf und eine Spirale der Gewalt dreht sich durch die Provinz des verschneiten Staates Minneapolis. Willkommen in der TV-Serie „Fargo“.

Dass sich die Serie an die gleichnamige schwarze Komödie der Coen-Brüder aus dem Jahr 1996 anlehnt und dabei die gleiche Stimmung erzeugt, ist natürlich gewollt. Und es gelingt den Produzenten, ähnlich verschrobene Charaktere auftreten zu lassen, die ebenso wenig real sind wie die Geschehnisse, die angeblich einer wahren Geschichte entstammen. Sie tun es, zum Glück, nicht, auch wenn die Einleitung jeder Episode anderes suggeriert.

Modisch gekleidet mit der Maschinenpistole

Die zehnteilige Miniserie des Showrunners Noah Hawley gewann im vergangenen Jahr einen Emmy – eben für die beste Miniserie. Sie brilliert mit den bekannten Hollywood-Schauspielern Martin Freeman („Der Hobbit“, „Sherlock“), Colin Hanks („Orange County“), Bob Odenkirk („Breaking Bad“) und vor allem Billy Bob Thornton („Monster’s Ball“, „Banditen“). Der mimt als Lorne Malvo – philosophierend und stets hochmodisch gekleidet – eine völlig neue Art von Profikiller, wie man derart seit „Pulp Fiction“ oder „Terminator II“ nicht mehr gesehen hat. In seiner Menschenverachtung stellt dieser Malvo selbst einen Anton Chigurh aus „No Country for Old Men“ in den Schatten, was schon einiges heißen will.

Killer Lorne Malvo (Billy Bob Thornton)

Killer Lorne Malvo (Billy Bob Thornton)

Doch auch der anfangs unbescholten wirkende Lester Nygaard (Freeman) entwickelt im Laufe des Plots eine derartige Kaltblütigkeit, dass dem Zuschauer Eiswürfel den Rücken herunterkrabbeln – und er sich unweigerlich fragt, wer eigentlich der üblere Ganove von beiden ist.

Fargo“ zumindest ist eine Serie, die man gerne am Stück gucken mag, weil sie ebenso spannend wie komisch erzählt ist. Von uns eine klare Empfehlung! Lediglich in manchen Szenen erhält man als Zuschauer den Eindruck, die zu grausame Gewaltdarstellung hätte eigentlich gar nicht Not getan. Die Gewalt nur anzudeuten, hätte vollkommen ausgereicht oder sogar besser zur vorangegangenen Erzählweise gepasst. Kinder deswegen – auch wenn die Geschichte an vielen Stellen einfach ulkig und komisch wirkt – die Serie besser nicht schauen lassen.

Zu sehen ist Fargo derzeit nur auf Netflix und dort im Rahmen eines Abos. Eine zweite Staffel ist gerade in Produktion.

Bilder: fx

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